Uwarowit

Uwarowit
Uwarowit
Uvarovite russia.jpg
Chemische Formel Ca3Cr2[SiO4]3
Mineralklasse Silikate, Germanate - Inselsilikate (Nesosilikate) - Granatgruppe
VIII/A.08-130 (8. Aufl.) ; 9.AD.25 (9. Aufl.) (nach Strunz)
51.04.03b.03 (nach Dana)
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse kubisch-hexakisoktaedrisch 4/m\ \bar{3}\ 2/m [1]
Farbe smaragdgrün
Strichfarbe weiß
Mohshärte 6,5 bis 7
Dichte (g/cm3) 3,4 bis 3,8
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch muschelig bis uneben
Spaltbarkeit keine
Habitus kleine, vollkommene Kristalle; körnige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,865
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
keine ; keine

Uwarowit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Silikate und Germanate, genauer ein Inselsilikat aus der Gruppe der Granate. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca3Cr2[SiO4]3 [2] und entwickelt meist kleine, gut bis vollkommen geformte Kristalle, aber auch körnige Aggregate. Aufgrund von Mischkristallbildung und Fremdbeimengungen schwankt der Farbton von dunkel- über smaragd- bis braungrün. Je nach Reinheit, Kristallfehler und/oder der Menge an Einschlüssen können die Kristalle glas- bis fettglänzend sowie durchsichtig bis undurchsichtig sein.

Inhaltsverzeichnis

Besondere Eigenschaften

Uwarowit gehört zu den sogenannten theoretischen Endgliedern einer Mischreihe und bildet mit Grossular und Andradit die lückenlose Ugrandit-Mischreihe. Mit einer weiteren lückenlosen Mischreihe (Pyralspit-Reihe), bestehend aus den Endgliedern Pyrop, Almandin und Spessartin, kann Uwarowit begrenzt Mischkristalle bilden. Reine Endglieder einer Mischreihe sind allerdings in der Natur nur äußerst selten zu finden. Sie können zwar synthetisch erzeugt werden, haben dann aber meist nur untergeordnete Bedeutung als Untersuchungsobjekte. Fast immer handelt es sich also bei natürlichen Fundstücken aus der Granatgruppe um Mischkristalle, die bei einem Anteil von mehr als 50 % eines der Endglieder nach diesem benannt sind. [3]

Aus dem gleichen Grund schwanken auch die physikalischen und optischen Werte je nach Zusammensetzung des betreffenden Minerals bzw. streng genommen des Mischkristalls. So reicht beispielsweise die Skala der Mohshärte beim Uwarowit von 6,5 bis 7 (nach anderen Quellen 7 bis 7,5 [2]) und die Dichte von 3,4 bis 3,8 g/cm³. [4]

Etymologie und Geschichte

Seinen Namen erhielt das Mineral nach dem russischen Grafen, Mineraliensammler und Präsidenten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sergei Semjonowitsch Uwarow. Der erste Fund wurde in der Lagerstätte Biserskoje (Biser) im Mittelural gemacht.

Die früheste wissenschaftliche Beschreibung von Uwarowit stammt aus dem Jahre 1832 von dem schweizerisch-russischen Chemiker Germain Henri Hess. [5]

Bildung und Fundorte

Uwarowit bildet sich vorwiegend in metamorphen oder hydrothermalen Zusammenhängen, seltener in magmatischen Gesteinen wie Pegmatit. Das Mineral braucht zur Entstehung erhöhte Chrom-Gehalte und eine ultrabasische Umgebung, das heißt einen besonders niedrigen Gehalt an Siliciumdioxid (SiO2). Diese Bedingungen finden sich unter anderem in chromithaltigen Serpentiniten und Skarnen.

Als bekannteste Fundorte in Russland sind vor allem die Bergwerke der Region Perm bei Biser im Süden von Saranowskoje und Teplaja Gora bei Sarany, wo Uwarowitkristalle von bis zu acht Millimetern gefunden wurden. In Oblast Swerdlowsk sind unter anderem Verch-Nejvinskij, Alapaewsk, Stary Itkul’skoje und Iremel’skoje zu nennen.

Kristalle von bis zu zwei Zentimetern sowie besonders große Kristallaggregate stammen aus der finnischen Lagerstätte Outokumpu.

Weitere Fundorte sind unter anderem Assosa in der Provinz Wollega in Äthiopien; die Chromitlagerstätten im südöstlichen Teil von New South Wales und auf Tasmanien in Australien; Xinjiang in der Volksrepublik China; Mokkivaara und Pohjois-Karjala in Finnland; die Lombardei und Val Malenco in Italien; die Präfekturen Kōchi und Ehime in Japan; Québec in Kanada; im Moa-Baracoa-Massiv, als Einlagerungen im Serpentinit in der Provinz Guantánamo auf Kuba; Nordland, Röros, Grua und Velfjord in Norwegen; Steiermark und Tirol in Österreich; im Serpentinitmassiv der Region um Sobótka in Polen; Ostanatolien und Kap Dağları in der Türkei; sowie Alaska, Arizona, verschiedene Regionen in Kalifornien, Colorado, Maine, Michigan, Nevada, New Mexico, New York, Oregon, Pennsylvania, Texas, Vermont und Washington in den USA. [6]

Kristallstruktur

Kristallographische Daten[7]
Kristallsystem kubisch
Raumgruppe \ I 4_1/a \ \bar 3\ 2/d
Gitterparameter
(Elementarzelle)
a = 11,99 Å
Zahl (Z) der
Formeleinheiten
Z = 8

Uwarowit kristallisiert im kubischen System in der Raumgruppe \ I 4_1/a \ \bar 3\ 2/d Nr. 230 mitt dem Gitterparameter a = 11,99 Å sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle. Die Kristalle weisen isometrische Formen auf. Die Kationen liegen in oktahedraler und kubischer Konfiguration vor [8+6].

Verwendung als Schmuckstein

Uwarowit-Anhänger

Uwarowit wird überwiegend zu Schmucksteinen verarbeitet. Schmuckstücke, bei denen Uwarowit verarbeitet wurde, sind bereits seit der Merowingerzeit nachweisbar.[8]
Auf dem Vorkommen im Ural beruht die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Uwarowit. Die besten Kristalle aus dieser Lagerstätte nutzte man zur Preziosenherstellung am kaiserlichen Hof. In der russischen Geschichte spricht man vom „kaiserlichen Stein“, weil die Neigung der Zarin Katharina II. für dieses Mineral bekannt ist.

Uwarowit wird gelegentlich mit dem ebenso seltenen und etwas heller grünen Mineral Demantoid (Fe3+ Cr3+) verwechselt, das auch ein Mitglied der Granatgruppe ist. Eine weitere farbliche Verwechslungsmöglichkeit besteht mit der Grossular-Varietät Tsavorit sowie mit Smaragd.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Webmineral - Uvarovite (engl.)
  2. a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6
  3. ROHM - LEXIKON - Granat
  4. Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3
  5. P. Kolesar / J. Tvrdý: Zarenschätze. Haltern (Bode) 2006, S. 211 ISBN 3-925094-87-3
  6. MinDat - Localities for Uvarovite (engl.)
  7. MinDat - Uvarovite (engl.)
  8. D. Quast / Ulrich Schüßler: Mineralogische Untersuchungen zur Herkunft der Granate merowingerzeitlicher Cloisonnéarbeiten. Germania, Vol. 78. S. 75-96. (2000)

Literatur

  • Takeo Bamba, Kenzo Yagi, Kenjiro Maed: Chrome Garnet from the Vicinity of Nukabira Mine, Hidaka Province, Hokkaido, Japan. in: Proc. Japan Acad., 45, S. 109-114 (1969)
  • R. J. Ford: A hydro garnet from Tasmania. in: Mineralogical Magazine, Dezember 1970, Vol. 37, No. 292
  • Ian T. Graham, M. David Colchester: The Occurrence and Origin of Well-crystallised Uvarovite Garnet from the Podiform Chromitite Deposits of South-eastern New South Wales. in: Journal and Proceedings of The Royal Society of New South Wale. Vol. 128 Teil 3-4 S. 79-88
  • F.A. Hummel: Synthesis of Uvarovite. The American Mineralogist, Vol. 35, 324-325 (1950).
  • O. von Knorring: A new occurrence of uvarovite from northern Karelia in Finland. Min. Mag., 29, 594-601. (1951)
  • Joaquín Proenza, Jesús Solé, Joan Carles Melgarejo: Uvarovite in podiform chromitite: the Moa-Baracoa ophiolitic massif, Cuba. in: The Canadian Mineralogist Vol. 37, S. 679-690 (1999)
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0

Weblinks

 Commons: Uwarowit (Uvarovite) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ueber den Kalkchromgranat – Quellen und Volltexte

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