Mads Mikkelsen

Mads Mikkelsen
Mads Mikkelsen bei den 66. Filmfestspielen von Venedig 2009

Mads Dittmann Mikkelsen (* 22. November 1965 in Kopenhagen) ist ein dänischer Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ausbildung und erste Filmrollen

Mikkelsen wurde 1965 als Mads Dittmann Mikkelsen im Kopenhagener Stadtteil Østerbro geboren. Zu Schulzeiten tat er sich als Leichtathlet hervor, ehe Mikkelsen auf Anfrage eines Choreographen zum Ausdruckstanz kam und mit Musicals wie Chicago durch Dänemark tourte.[1] Acht Jahre lang arbeitete er als professioneller Tänzer, ehe er sich dafür entschied, ins Schauspielfach zu wechseln. Mikkelsen besuchte die Schauspielschule am Theater von Aarhus und schloss seine Ausbildung im Jahr 1996 ab. Im selben Jahr begann er seine Filmkarriere mit Nebenrollen in den Kurzfilmen Café Hector und Der Blumensträfling von Lotte Svendsen bzw. Jens Arentzen. Sein Debüt in einem Langspielfilm absolvierte er ebenfalls im Jahr 1996 in Nicolas Winding Refns Actiondrama Pusher, in dem er an der Seite von Kim Bodnia und Zlatko Buric den kahlköpfigen, rauschgiftsüchtigen Tonny spielte. Nach dieser einprägsamen Rolle folgten weitere Nebenrollen in dänischen Filmen, darunter 1998 die eines Familienvaters in dem Drama Vildspor, der versucht seine dunkle Vergangenheit in Island hinter sich zu lassen. Nachdem Mikkelsen erneut unter der Regie Nicolas Winding Refns in dem preisgekrönten Thriller Bleeder agierte, folgte von 2000 bis 2004 die männliche Hauptrolle des Allan Fischer in der dänischen Fernsehserie Unit One – Die Spezialisten. Die Serie um eine mobile Spezialeinheit, die in Dänemark der örtlichen Polizei bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen hilft, wurde von der Kritik gelobt und machte Mikkelsen endgültig dem skandinavischen Film- und Fernsehpublikum bekannt. Die in Dänemark preisgekrönte Fernsehserie, die sich für die insgesamt 32 Folgen oft reale Verbrechen zum Vorbild nahm, gewann 2002 den US-amerikanischen Filmpreis Emmy.

Parallel zum Erfolg von Unit One – Die Spezialisten, wurden Mads Mikkelsen größere Filmrollen angeboten und die dänischen Medien wurden auf den charismatischen 1,82 m großen Schauspieler aufmerksam und feierten ihn seitdem als Mann mit dem meisten Sexappeal in Dänemark.[2] In Anders Thomas Jensens Actionkomödie Flickering Lights gehörte Mikkelsen gemeinsam mit Ulrich Thomsen und Nikolaj Lie Kaas zu einer Gruppe von Kopenhagener Kleinkriminellen, die einen Unterweltboss austricksen. In den folgenden Jahren folgte die Hauptrolle in Hella Joofs romantischer Komödie Shake It All About und Lone Scherfigs auch international erfolgreiche Tragikomödie Wilbur Wants to Kill Himself, für die er jeweils mit dem dänischen Zulu Award prämiert wurde. 2002 folgte die Zusammenarbeit mit der dänischen Dogma-Regisseurin Susanne Bier an dem Beziehungsdrama Open Hearts. Hier spielt Mads Mikkelsen den verheirateten Arzt Niels, der sich auf eine Affäre mit der jungen Cæcilie einlässt, nachdem seine Frau deren Freund überfahren und schwer verletzt hat. Mit Open Hearts wurde Mikkelsen auch einem internationalen Publikum bekannt. Das Werk stand in der Gunst von Kritikern und Kinopublikum und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter den Preis der dänischen Filmakademie, den Robert und die Bodil, die vom Verband der dänischen Filmkritiker verliehen wird. Mikkelsen erhielt selbst ebenfalls Nominierungen für den Robert und die Bodil als Bester Hauptdarsteller.

Internationale Karriere

Durch Open Hearts einem weltweiten Publikum bekannt geworden, erhielt Mads Mikkelsen nun auch Rollenangebote für internationale Produktionen. 2003 war er in der spanischen Komödie Torremolinos 73 zu sehen, 2004 folgte die Nebenrolle des Tristan in dem weltweit erfolgreichen historischen Actionfilm King Arthur, in dem der Däne an der Seite von Clive Owen und Keira Knightley agierte. Weiterhin war Mikkelsen auch in dänischen Filmproduktionen zu sehen, in denen er wiederholt versuchte gegen das Image des Schönlings anzukämpfen.[2] So mimte er 2003 den debilen und ewig transpirierenden Metzger mit extra hoher Stirn, erneut unter Anders Thomas Jensens Regie, in der Tragikomödie Dänische Delikatessen, für die er wieder für die wichtigsten dänischen Filmpreise Robert und Bodil nominiert wurde. 2004 schlüpfte Mads Mikkelsen für den Film Pusher II, die Fortsetzung von Nicolas Winding Refns Film aus dem Jahr 1996, der seine Filmkarriere eingeleitet hatte, erneut in die Rolle des Tonny. Sein Porträt für einen ehemals aus der Haft entlassenen Drogensüchtigen, der sich in Freiheit ein neues Leben aufbaut, stellte den bisher größten Erfolg in Mikkelsen Karriere dar und er erhielt die Bodil und den Robert als Bester Darsteller.

Mikkelsen bei der Deutschland-Premiere von Die Tür (2009)

Mikkelsen, der mittlerweile neben Ulrich Thomsen zu den bekanntesten Akteuren des dänischen Kinos zählt, arbeitete 2006 an vier Filmproduktionen, darunter die Hauptrollen in Susanne Biers Oscar-nominierten Familiendrama Nach der Hochzeit, Peter Lindmarks Mystery-Thriller Exit und der Part des teilnahmslosen Ehemannes in Ole Christian Madsens Beziehungsdrama Prag, der ihm erneut Nominierungen für die beiden wichtigsten dänischen Filmpreise einbrachte. Im selben Jahr gehörte Mikkelsen zum Schauspielensemble des 21. James Bond-Films Casino Royale. Hier mimt er an der Seite des neuen Titelhelden Daniel Craig Bonds entstellten Gegenspieler Le Chiffre. Die Rolle hatten in den beiden vorangegangenen Verfilmungen von Casino Royale bereits Peter Lorre und Orson Welles bekleidet.

Trotz dieses erneuten Popularitätsschubs blieb der Däne der heimischen Filmindustrie treu, die er als seine „Basis“[3] ansieht und auch an keinen Umzug nach Hollywood denkt.[4]

2007 gab er erneut Ole Christian Madsen den Vorzug. In Madsens Drama Flammen og Citronen (Tage des Zorns) (2008), das während des Zweiten Weltkriegs in Kopenhagen spielt, agiert Mikkelsen neben Thure Lindhardt als Titelheld. Beide stellen zwei Undercover-Killer dar, die im Auftrag des Widerstands gegen die deutschen Besatzer dänische Kollaborateure töten. Als einer der beiden den Auftrag erhält, seine Geliebte zu erschießen, beginnt er, sein Handeln zu hinterfragen.[5]

Er war Werbegesicht für die Herbst/Winter-Kollektion 2007/2008 des schwedischen Modeunternehmens H&M.[6]

2007 wurde Mikkelsen für die Hauptrolle des Igor Strawinski in William Friedkins Coco-Chanel-Biografie Coco & Igor an der Seite der Französin Marina Hands gehandelt[7] und bekam sie auch.[8] Der Film wurde 2009 von Regisseur Jan Kounen mit Anna Mouglalis an Mikkelsens Seite realisiert und bei den Filmfestspielen 2009 in Cannes vorgestellt. Im selben Jahr war Mikkelsen auch in Anno Sauls deutschsprachigem Mysterythriller Die Tür (2009) zu sehen, in dem er an der Seite von Heike Makatsch und Jessica Schwarz agierte. Weitere unterschiedlich große Rollen im internationalen Kino (Kampf der Titanen, Walhalla Rising, Die drei Musketiere) folgten. 2011 wird dem Schauspieler bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises die Auszeichnung in der Kategorie Europäischer Beitrag zum Weltkino zuteil. Mikkelsen verkörpere laut Jurybegründung „immer wieder Figuren, die uns anziehen und zugleich das Fürchten lernen“.[9]

Mikkelsens Theaterarbeit umfasst sein Bühnendebüt in Lars Kaalunds Kunst und die Rolle des Rockers Dan in Nikolaj Cederholms Paradis am Dr. Dante-Theater in Kopenhagen. Als Romeo agierte er in William Shakespeares Romeo und Julia am Østre Gasværk-Theater.

Privatleben

Mikkelsen, der Martin Scorseses Taxi Driver zu seinen Lieblingsfilmen zählt, ist seit 1987 mit der dänischen Choreografin Hanne Jacobsen verheiratet und lebt in Kopenhagen. Aus der Ehe gingen die Kinder Viola und Carl hervor. Sein ein Jahr älterer Bruder Lars Mikkelsen ist ebenfalls ein in Dänemark bekannter Schauspieler, mit dem er zusammen in Lotte Svendsens Kurzfilm Café Hector (1996) und der Fernsehserie Unit One – Die Spezialisten (2000) vor der Kamera stand. Seit den Dreharbeiten zum James-Bond-Film Casino Royale zählt Mikkelsen das Pokerspiel zu seinen Hobbys und gelangte Anfang 2007 in den Fokus der internationalen Boulevardpresse, als er an einem von der Polizei per Razzia beendeten illegalen Turnier in Kopenhagen teilnahm.

Filmografie (Auswahl)

Auszeichnungen

Bodil

  • 2003: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Open Hearts
  • 2004: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Dänische Delikatessen
  • 2005: Bester Hauptdarsteller für Pusher II
  • 2007: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Prag

Europäischer Filmpreis

  • 2006: nominiert als Bester Darsteller für Nach der Hochzeit
  • 2008: nominiert als Bester Darsteller (gemeinsam mit Thure Lindhardt) für Tage des Zorns
  • 2011: Europäischer Beitrag zum Weltkino

Robert

  • 2002: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Shake It All About
  • 2003: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Open Hearts
  • 2005: Bester Hauptdarsteller für Pusher II
  • 2006: nominiert als Bester Nebendarsteller für Adams Äpfel
  • 2007: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Nach der Hochzeit und Prag
  • 2009: nominiert als Bester Nebendarsteller für Tage des Zorns

Weitere

Fantsporto

  • 2004: Directors' Week Award als Bester Darsteller für Dänische Delikatessen

Festival des nordischen Films in Rouen

  • 2003: Bester Darsteller für Open Hearts

Tvfestival.dk

  • 2002: Bester Darsteller für Unit One – Die Spezialisten

Zulu Awards

  • 2002: Bester Darsteller für Shake It
  • 2003: Bester Nebendarsteller für Wilbur Wants to Kill Himself

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dänen lächeln nicht. In: Süddeutsche Zeitung, 22. August 2008 (aufgerufen am 24. August 2008)
  2. a b Wer hätte da Nein sagen können?. In: Berliner Zeitung, 31. August 2006, Ausg. 203, Vermischtes, S. 10
  3. Zander, Peter: Prince Denmark Der Wandelbare. In: Berliner Morgenpost, 5. Februar 2007, Ausg. 35/2007, Kultur, S.16
  4. vgl. Variety-Artikel Mad about Mads bei madsmikkelsen.com (englisch).
  5. Volker Behrens: Die verdrängte Kollaboration. In: Hamburger Abendblatt, 11. Mai 2007, Ausg. 109/2007, Kultur & Medien, S. 9.
  6. Total anziehend : H&M auf Dänisch. In: Hamburger Abendblatt, 7. Juli 2007, Ausg. 156/2007, People, S. 24.
  7. Martin, Francesca: Arts Diary : Hollywood goes loco for Coco. In: The Guardian (London), 30. Mai 2007, Guardian Features Pages, G2, S. 27.
  8. rp-online.de vpm 15. April 2010
  9. EFA ehrt Mads Mikkelsen bei europeanfilmacademy.org, 25. Oktober 2011 (abgerufen am 1. November 2011).

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