Volvo 760

Volvo 760
Volvo 764 (1982–1987)

Der Volvo 760 war ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse aus der Volvo 700er-Serie des schwedischen Autoherstellers Volvo. Als Nachfolger des "264"/"265" erschien er im Mai 1982 mit dessen 6-Zylinder-Benzin-Einspritzmotor "B28E". Bei diesem auch als "PRV-Motor" bezeichneten Triebwerk handelte es sich um eine Gemeinschaftsentwicklung von Peugeot, Renault und Volvo. Ebenfalls erhältlich war ein 6-Zylinder-Turbodiesel mit 2,4 Liter Hubraum, der die Bezeichnung "D24T" trug und von VW stammte. Der 760-Turbodiesel galt lange als Europas schnellster Personenwagen mit Dieselmotor. Er benötigte für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h lediglich 11 Sekunden. Dies war für die damalige Zeit mit ihren vielen trägen Dieselautos revolutionär.

Das kantige Design des 760 war von Volvos Designer Jan Wilsgaard entworfen worden und lehnte sich deutlich an damalige amerikanische Autos wie den Chevrolet Caprice und den Cadillac Seville an. Vorteile der Karosserieform sind sehr bequemer Ein- und Ausstieg, gute Platzverhältnisse, gute Aerodynamik (geringe Verschmutzung der Seitenfenster, geringe Windgeräusche, wenig Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten), relativ geringe Aufheizung des Innenraumes durch die Sonne und eine sehr gute Übersichtlichkeit des Wagens.

Die traditionelle Systematik der Modellbezeichnungen, nach der die Ziffern "60" oder "40" für 6- respektive 4-Zylinder-Benzinmotoren standen, gilt seit 1983 nicht mehr. In jenem Jahr erschien der "760 Turbo", ein 4-Zylinder-Turbobenziner mit 2,3 Liter Hubraum.

Im Frühjahr 1984 erschien parallel der "740", der wiederum mit Vierzylinder-Motoren geliefert wurde und im Vergleich zum 760 über eine einfachere Ausstattung verfügte. Anfang 1985 erschien der 760 als Kombi. Intern trug dieser Fünftürer die Bezeichnung 765, während die Limousine die interne Bezeichnung 764 hatte (Viertürer).

Zum Modelljahr 1985 brachte Volvo im 760 mit Turbomotor B23ET gegen Aufpreis eine elektronisch geregelte Traktions- und Anti-Schleuderkontrolle auf den Markt. Drehzahlsensoren an den Rädern erfassen ein Durchdrehen der angetriebenen Hinterräder und regeln dann eine Reduzierung der Motorleistung. Das Antiblockiersystem ABS von Bosch wurde ebenfalls im Jahr 1984 eingeführt.

Zum Modelljahr 1987 wurde der Turbodieselmotor "D24T" gründlich überarbeitet und mit einem anderen Turbolader, einem Ladeluftkühler und einem Ölkühler ausgerüstet; durch diese und weitere Maßnahmen wurde der jetzt "D24TIC" genannte Motor durchzugskräftiger und robuster.

Volvo 765 (1987–1990)

Die "760"-Reihe erhielt im Herbst 1987 ein Facelift. Die Fahrzeugfront (mit Motorhaube aus Aluminiumblech), die Rädimer (Felgen) und die Innenausstattung wurden geändert. Zudem wurde die Einspritzanlage überarbeitet und die Fahrzeuge bekamen einen größeren, 80 Liter fassenden Treibstofftank (die Kombi-Modelle behielten den nur 60 Liter fassenden Tank). Wichtigste Änderung war die geteilte Mehrlenker-Hinterachse "Multilink", die allerdings nur für die Limousinen verwendet wurde. Mit dieser Hinterachse ausgerüstete Fahrzeuge besitzen eine sehr gute Straßenlage verbunden mit ausgezeichnetem Fahrkomfort.

Einzigartig war das gegen Aufpreis erhältliche Volvo-Radio vom Typ SR-701: Dieses verfügte als erstes Autoradio weltweit über die neue Verkehrsfunk- und Informationstechnik RDS. Zusammen mit dem dazu erhältlichen Cassettenabspielgerät und Verstärker mit 120 Watt und hochwertiger Lautsprecherausstattung ergibt dies ein beeindruckendes Klangbild im Fahrzeug.

Zum Modelljahr 1989 und zum Modelljahr 1990 wurden weitere Änderungen eingeführt. Die Limousine bekam neue Rückleuchten (1990), die technische und elektrische Ausstattung wurde teilweise schon auf den Stand des neuen Modells 960 gebracht.(ABS-System etc.)

Im Sommer 1990 wurde der Volvo 760 durch den Nachfolger "960" ersetzt. Eine wesentliche Änderung war die Ablösung des ausgereizten PRV-Motors, der bereits im Jahre 1974 mit dem Volvo 264 präsentiert worden war. An seine Stelle trat ein von Volvo allein entwickelter 6-Zylinder-Benziner-Reihenmotor. Die Optik der Front des Modelljahres 1988 wurde für den Volvo 960 weitgehend übernommen. Eine stärkere Überarbeitung erfolgte hingegen im Bereich der C-Säule und der Heckpartie der Viertürer.

Die 6-Zylinder-Modelle gab es mit Ausnahme der Modelljahre 1982 und 1983 nur mit 3+1 Automatikgetriebe, alle handgeschalteten 760er Versionen der Turbo-Benziner und Turbo-Diesel-Modelle verfügten über ein 4-Gang Getriebe "M46" mit zuschaltbarem Overdrive.

Volvo 760 GLE Executive, Fuhrpark SED-Politbüro

Der Volvo 760 wurde unter anderem in skandinavischen Regierungskreisen gefahren und neben Volvo 200, Citroën CX und Peugeot 604 auch im Staatsfuhrpark der DDR eingesetzt.

Volvo 760 lang (1986/87)

Für Repräsentationszwecke war auch ein als "Volvo 760 Executive" bezeichnetes Modell erhältlich. Bei diesem handelte es sich um eine verlängerte Version der 760-Limousine. Die Fahrzeuge waren um 16 cm länger als die Basisversion und wurden von der Karosseriefabrik "Yngve Nilssons Karosseri AB" in Laholm hergestellt. Hierzu wurden fertige Fahrzeuge aus dem Volvo-Werk Kalmar nach Laholm gebracht, wo sie aufgeschnitten und verlängert wurden.

In Spanien wurden auch einige gepanzerte Volvo 760 als Staatskarossen eingesetzt.

1986 wurde von der schwedischen Firma Mellberg Custom and Design der Prototyp eines Volvo 760 Cabriolet mit 2 Türen, aber unverändertem Radstand und ohne Überrollbügel, vorgestellt. Von dem Fahrzeug wurden schließlich nur 2 Exemplare gebaut.

Weblinks

 Commons: Volvo 760 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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