Zoologischer Garten Berlin

Zoologischer Garten Berlin
Zoologischer Garten Berlin
Zoo Berlin.svg
Vollständiger Name: Zoologischer Garten Berlin
Slogan: Der Hauptstadt Zoo
Besonderheiten: Artenreichster Zoo der Welt,
ältester Zoo Deutschlands
Adresse: Hardenbergplatz 8,
10787 Berlin
Fläche: 35 Hektar
Eröffnung: 1. August 1844
Tierarten: 1.462 Tierarten[1] (31. Dezember 2008)
Individuen: 15.126 Tiere[1] (31. Dezember 2008)
Organisation
Leitung: Bernhard Blaszkiewitz
(Zoologischer Direktor),
Gabriele Thöne
(Kaufmännischer Vorstand)
Trägerschaft: Zoologischer Garten Berlin AG
(WKN: 503186, ISIN: DE0005031801)
Förderorganisationen: Freunde und Förderer des
Zoologischen Gartens Berlin e. V.,
Gemeinschaft der Förderer des Tierpark Berlin
und des Zoo Berlin e. V.
ZooBerlin Entrance.jpg

Das Elefantentor am Eingang Budapester Straße.

www.zoo-berlin.de/zoo

Der Zoologische Garten Berlin im Berliner Ortsteil Tiergarten (Bezirk Mitte) ist einer der beiden Zoologischen Gärten in Berlin. Er ist 35 Hektar groß und gilt als der artenreichste Zoo der Welt (über 15.000 Tiere in fast 1.500 Arten). Mit dem angeschlossenen Aquarium, das auf drei Etagen Fische, Reptilien, Amphibien sowie Wirbellose wie Insekten und andere zeigt, gehört der Zoologische Garten zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Berlins. 3,18 Millionen Menschen besuchten im Jahr 2007 den Berliner Zoo.

Der Zoo ist Namensgeber des Bahnhofs Zoologischer Garten, des während der Deutschen Teilung wichtigsten Fernbahnhofs West-Berlins, der sich am Hardenbergplatz gegenüber dem Zoo-Verwaltungsgebäude und dem Löwentor befindet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Zoologe der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Martin Hinrich Lichtenstein, hatte 1841 Friedrich Wilhelm IV. von Preußen überredet, nicht nur ein Darlehen sondern auch einen Teil des Geländes seiner Fasanerie am Berliner Tiergarten für die Errichtung eines Zoos unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Dazu verfasste Lichtenstein bereits 1840 ein Memorandum an den König. Der Text dieser Denkschrift ist seit 1877 verloren. Sicher ist jedoch, dass Alexander von Humboldt sie König Friedrich Wilhelm IV. vorlegte, der mit einer daraufhin erlassenen Allerhöchsten Kabinettsordre vom 31. Januar 1841 die Gründung des Zoologischen Gartens ermöglichte.

Der Zoologische Garten Berlin wurde am 1. August 1844 als neunter Zoo in Europa eröffnet. Es handelt sich damit um den ältesten Zoo auf dem heutigen deutschen Staatsgebiet. Der Initiator des Zoos, Martin Hinrich Lichtenstein, wurde sein erster Direktor.

1869 wurde Heinrich Bodinus Zoodirektor. Er ließ 1871 ein Antilopenhaus errichten, das vor allem wegen seines exotischen Stils zu einer Sehenswürdigkeit wurde. In der darauf folgenden Zeit wurden ein Elefantenhaus, ein Straußenhaus, ein Stelzvogelhaus und das Elefantentor gebaut. Zusätzlich entstanden auf dem Gelände des Zoos Pavillons und Restaurants.

1885 wurde Max Schmidt, der zuvor schon den Zoo Frankfurt geleitet hatte, der Nachfolger von Bodinus. Er führte ein Tierinventar und eine geordnete Buchhaltung ein.

Nach Schmidts Tod im Jahre 1888 übernahm Ludwig Heck die Leitung des Zoos und ließ den Tierbestand erweitern, der daraufhin mit dem Bestand des Londoner Zoos vergleichbar war.

1913 wurde das Aquarium eröffnet, das unter der Planung des Verhaltensforschers Oskar Heinroth entstanden war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Anlagen zu Außengehegen nach dem Vorbild des Tierparks Hagenbeck in Hamburg ausgebaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil des Zoos zerstört. Von insgesamt 3715 Tieren überlebten nur 91, unter ihnen zwei Löwen, zwei Hyänen, der asiatische Elefantenbulle Siam, der Flusspferdbulle Knautschke, zehn Mantelpaviane, die Schimpansin Suse, ein Schwarzschnabelstorch und ein Schuhschnabel.

Von 1945 bis Ende 1956 wurde der Zoo von Katharina Heinroth, der Ehefrau Oskar Heinroths und damals einzigen Zoodirektorin Deutschlands, geleitet. Sie organisierte den Wiederaufbau des Zoos, ließ das Antilopenhaus renovieren und ein Elefantenhaus sowie ein Flusspferdhaus neu bauen.

1956 übernahm Heinz-Georg Klös die Leitung des Zoos und führte weitere Wiederauf- und Ausbauten durch. Er ließ unter anderem Affenhäuser, ein Vogelhaus, Bärenanlagen und ein Raubtierhaus mit Nachttierabteilung errichten und das Aquarium ausbauen. Man begann mit der Zucht seltener oder vom Aussterben bedrohter Tiere, wie Spitzmaulnashörnern oder Przewalski-Pferden. Außerdem ließ Klös auf dem Gelände des Zoos Tierskulpturen aufstellen und zooarchitektonisch bedeutende Bauten der Vergangenheit rekonstruieren und renovieren (wie das Elefantentor, Löwentor und Giraffenhaus). Er gründete eine Zooschule und sorgte für die Wiederherstellung vieler der alten Gebäude.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands begann man die Kooperation mit dem Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde, der als größter Landschaftstiergarten Europas gilt. Am 5. Mai 1994 gab die Deutsche Bundespost einen Sondermarken-Block zum 150-jährigen Bestehen des Berliner Zoos und zum 150. Geburtstag von Carl Hagenbeck heraus.

Zum 1. Juli 2006 wurde Bernhard Blaszkiewitz zum weiteren ordentlichen Vorstandsmitglied der Zoo Berlin AG berufen. Die Aufgabe des Zoodirektors wurde ihm mit Wirkung zum 31. Januar 2007 übertragen, nachdem der bisherige Amtsinhaber, der Vorstandsvorsitzende Jürgen Lange, altersbedingt Ende Januar 2007 ausgeschieden ist. Blaszkiewitz ist auch weiterhin Geschäftsführer und Direktor der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH.

Der Zoologische Garten Berlin ist gegenwärtig (2008) der einzige deutsche Zoo, der einen Großen Pandabären (Bao Bao) in seinem Bestand führt. Ebenfalls bekannt waren und sind die Flusspferde Knautschke und Bulette, die Giraffe Rieke, der Gorilla Knorke[2] sowie der Eisbär Knut, der durch Handaufzucht vom damaligen Tierpfleger Thomas Dörflein aufgezogen wurde. Nachdem Knut ins Freigehege gelassen worden war, erhöhten sich die täglichen Besucherzahlen deutlich, und der Aktienkurs des Zoos stieg in Folge der Popularität des Eisbären von Mitte März bis Anfang April 2007 auf nahezu das Doppelte, rund 4000 Euro. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder auf nahezu das alte Level bewegt.

Gebäude und Skulpturen

Die Zebra-Anlage
Blick zum Flusspferdhaus

Einige Bauwerke wurden im Stil der Ursprungsländer der gezeigten Tiere gebaut, wie das noch existierende Bisonhaus (von 1905) oder das Antilopenhaus. Den Eingang am Olof-Palme-Platz in der Budapester Straße bildet das Elefantentor (erbaut 1899, wiedererrichtet 1984). Etliche Tierskulpturen[3] sind ausgestellt, wie der Eisbärenbrunnen (von Hansjörg Wagner) oder die Orang-Utan-Skulptur von Fritz Behn. Einige davon sind Erinnerungen an verendete Zoo-Tiere, zum Beispiel die Bronzestatue von Knautschke vor dem Flusspferdhaus und die Granitskulptur von Gorilla Bobby am Affengehege.[4]

Das vom Architekturbüro schmucker und partner entworfene Versorgungsgebäude an der Bahntrasse wurde im Oktober 2008 in Betrieb genommen.[5] Der Neubau wurde aus dem Verkauf des alten Wirtschaftshofgeländes bezahlt.

Marmorsaal

Von 1910 bis 1912 wurde auf dem Gelände des Zoologischen Gartens der Marmorsaal erbaut, der seinerzeit einer der größten Säle Berlins war. Er wurde als Wirtshaus und Kino genutzt, der Film Nosferatu hatte hier 1922 Premiere. Außerdem fand dort in den 1930er Jahren mehrfach der Reichspresseball statt.[6] Im Zweiten Weltkrieg wurde der Saal zerstört.

Unternehmen

Die Zoologischer Garten Berlin Aktiengesellschaft ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Aufgrund ihrer Gründung nicht durch Gesellschaftervertrag, sondern durch staatliche Verleihung bestehen Besonderheiten gegenüber anderen Aktiengesellschaften. Das Land Berlin führt durch den Finanzsenator eine staatliche Aufsicht. Satzungsänderungen, Änderungen des Grundkapitals und eine eventuelle Auflösung bedürfen seiner Zustimmung. Das Grundstück des Zoologischen Gartens ist der Aktiengesellschaft vom Land zur Nutzung überlassen. Daneben bezuschusst das Land aufgrund eines Zuwendungsvertrages die Aktiengesellschaft regelmäßig.

Das Grundkapital von 3,3 Mio. DM (rund 1,69 Mio. Euro) verteilt sich auf insgesamt 4000 vinkulierte Namensaktien, davon

  • 3000 mit der Bezeichnung mit Aquarium und einem Nennwert von 520 Euro (Wertpapierkennnummer WKN 503180),
  • 1000 mit der Bezeichnung ohne Aquarium und einem Nennwert von 156 Euro (Wertpapierkennnummer WKN 503186).

Die Aktie zu 156 Euro gewährt drei Stimmrechte, die Aktie zu 520 Euro gewährt zehn Stimmrechte.[7] Die Aktie berechtigt außerdem den Inhaber, gegen Zahlung einer einmaligen Gebühr eine unbeschränkt gültige Dauereintrittskarte für sich und zwei Angehörige zu beziehen. Die Aktien befinden sich im Streubesitz, auch das Land Berlin hält lediglich eine symbolische 520-Euro-Aktie. Durch Nachlässe an die Aktiengesellschaft zurückgefallene 520-Euro-Aktien wurden im Jahr 2007 zum Preis von 1600 Euro reemittiert.

Die für das Jahr 2007 erstmals nach den Stellungnahmen zur Rechnungslegung Spenden sammelnder Organisationen des Instituts der Wirtschaftsprüfer erstellte Bilanz weist eine Summe von 50,8 Mio. Euro aus. Bei Gesamterträgen von 31,8 Mio. Euro, zu denen neben Umsatzerlösen von 18,6 Mio. Euro und Spenden und Zuwendungen von 6,8 Mio. Euro auch ein Landeszuschuss von 2,0 Mio. Euro beitrug, wurde ein Gewinn von 6,8 Mio. Euro erzielt. Dieses Ergebnis konnte nur wegen der zusätzlichen Umsatzerlöse durch den Eisbären Knut erreicht werden. In den Vorjahren wurde mit Zuschüssen von 2,1 und 2,2 Mio. Euro kein Gewinn erzielt.

Die Zoologischer Garten Berlin AG ist alleinige Gesellschafterin der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH mit einem Stammkapital von 800.000 DM.

Im Jahr 2007 hatte die Zoologischer Garten Berlin AG durchschnittlich 233 Beschäftigte, daneben 16 Auszubildende.[8]

Unterstützer

Der Berliner Zoo wird von zwei Fördervereinen und einer Stiftung unterstützt. Bereits 2006 wurde der Verein der Freunde und Förderer des Zoologischen Garten Berlins Verein e. V. gegründet. Ziel des Fördervereins ist es, den Zoologischen Garten bei der Durchführung seiner Aufgaben zu fördern und zu unterstützen. Der Verein setzt sich auch dafür ein, dass Umweltschutzmaßnahmen durch den Zoo gefördert werden.

Im Februar 2007 hat die bisherige Fördergemeinschaft des Berliner Tierparks, die 1956 gegründet wurde, ihr ehrenamtliches Engagement auch auf den Zoo erweitert. Der Verein wurde vom Zoo als offizieller Förderverein anerkannt. Ziel der Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlin und Zoologischem Garten Berlin e. V. ist die materielle und ideelle Förderung der beiden zoologischen Einrichtungen in der deutschen Hauptstadt. Die Fördergemeinschaft, in der viele Mitarbeiter und auch die Geschäftsführung Mitglied sind, ist der offizielle Partner von Zoo, Zoo-Aquarium und Tierpark. Vorsitzender des Vereins ist seit 2004 Thomas Ziolko. Ziel des Fördervereins ist es, den Zoologischen Garten bei der Durchführung seiner Aufgaben zu fördern und zu unterstützen.

Im Jahr 2010 wurde auf Initiative der Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin eine Stiftung zur Förderung der Hauptstadtzoos gegründet. Ziel der Stiftung ist nachhaltige und dauerhafte Förderung von Zoo Berlin und Tierpark Berlin. Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung ist Eberhard Diepgen, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin. Die Stiftung führt den Namen Stiftung der Freunde der Hauptstadtzoos.

Kritik

In die Kritik geriet der Zoo im Frühjahr 2007, als bekannt wurde, dass Journalisten nur Zugang zum Pressebereich auf der Webseite erhalten, wenn diese sich verpflichten, nicht negativ über den Zoo zu berichten.[9] Nach dem Bekanntwerden wurde die Regelung geändert.

Sonstiges

Der Zoo unterhält einige frei lebende Hauskatzen, die ihre Reviere auf dem Gelände haben. So wird verhindert, dass hausfremde Katzen im Park herumstreunen und Krankheitserreger von außen hineinbringen. Die hauseigenen Katzen werden medizinisch versorgt.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Zoologischer Garten Berlin – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Tierstatistik 2008 – Hauptstadtzoos weiterhin in Spitzenposition! Zoologischer Garten Berlin, abgerufen am 15. Januar 2008.
  2. Tränen im Zoo: Gorilla-Mann Knorke ist tot. In: Berliner Morgenpost vom 14. Februar 2003
  3. Skulpturenliste Bezirk Tiergarten
  4. Bekannt wie Knautschke. In: Spiegel Online vom Mai 2005
  5. Brigitte Schmiemann: Zoo nimmt Wirtschaftshof in Betrieb. In: Die Welt vom 31. Oktober 2008.
  6. Kaupters Zoologischer Garten Berlin
  7. Satzung der Zoologischer Garten Berlin AG
  8. Website der Zoologischer Garten Berlin AG: Angaben zum Unternehmen (Jahresabschluss 2007, Geschäftsbericht 2006 und Satzung)
  9. Berliner Zoo zwingt Journalisten zu positiver Berichterstattung. In: Spiegel online vom 11. April 2007.
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