Essen-Borbeck-Mitte

Essen-Borbeck-Mitte
Wappen von Borbeck-Mitte
Wappen der Stadt Essen

Borbeck-Mitte
Stadtteil von Essen

Lage von Borbeck-Mitte im Essener Stadtbezirk IV Borbeck
Basisdaten
Fläche 3,19 km²
Einwohner 13.498 (31. März 2011)
Bevölkerungsdichte 4231 Einwohner/km²
Koordinaten 51° 28′ 30″ N, 6° 57′ 4″ O51.4756.951111111111166Koordinaten: 51° 28′ 30″ N, 6° 57′ 4″ O.
Höhe 66 m
Eingemeindung 1. Apr. 1915
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 45355–45357
Stadtteilnummer 21
Bezirk Essener Stadtbezirk IV Borbeck
Bild
Schloss Borbeck (2005)

Schloss Borbeck (2005)

Quelle: Statistik der Stadt Essen
St. Maria Immaculata
Bahnhof Essen-Borbeck
Ehemalige Sternbrauerei

Essen-Borbeck-Mitte ist ein nordwestlicher Stadtteil der Stadt Essen, der am 1. April 1915 mit allen anderen Teilen des heutigen Stadtbezirks IV Borbeck eingemeindet wurde. Innerhalb von Essen ist Borbeck-Mitte als Mittelzentrum eingestuft.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Oberhof Borbeck

Die erste urkundliche Erwähnung Borbecks stammt aus einer Liste mit Abgaben an das Stift Essen aus dem Jahr 869. Es wird hier der Oberhof Borthbeki genannt (von Borathbeki = Börden- oder Bruktererbach, dessen Quelle sich im Borbecker Schlosspark befindet). Borbeck bildete damals einen von neun, dem einige Jahre zuvor gegründeten Stift Essen abgabepflichtigen, Oberhöfen. Die Essener Fürstäbtissin Berta von Arnsberg kaufte 1288 den offenbar verpfändeten Oberhof Borbeck, um dort im Anschluss den Vorgängerbau des heutigen Schlosses Borbeck errichten zu lassen. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Borbeck zur bevorzugten Residenz der Essener Äbtissinnen, was dazu führte, dass die alte romanische Kirche des Ortes 1339 von der Äbtissin Katharina von der Mark umgebaut wurde, damit sie und ihr Gefolge standesgemäß an den Messen teilnehmen konnten.

Zugehörigkeiten

Nach dem Ende des Stiftes Essen 1803 wurde Borbeck als französisch besetztes Gebiet 1808 zur Munizipalität. Schließlich führte die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress im Jahre 1815 dazu, dass die Gemeinde Borbeck zu Preußen kam und zur eigenständigen Bürgermeisterei wurde. Dieser gehörten Bedingrade, Bochold, Dellwig, Frintrop, Gerschede, Schönebeck unter damaligem Einschluss von Vogelheim sowie die Bauernschaften Lippern (Lipperheide) und Lirich an. Mit diesen beiden letztgenannten Teilen erlitt die Bürgermeisterei Borbeck am 1. Februar 1862 ihren größten Gebietsverlust. Diese Ortsteile bildeten ab diesem Zeitpunkt zwei Drittel der neu gegründeten Gemeinde Oberhausen. Auch das Dreibauernschaftsquartier, bestehend aus Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen, wurde nach der Säkularisation der Munizipalität Borbeck zugeteilt, aber 1874 als eigenständige Bürgermeisterei Altendorf wieder ausgegliedert.[1] Als die restliche Bürgermeisterei Borbeck 1915 komplett in die Kreisstadt Essen eingemeindet wurde, war es mit über 70.000 Einwohnern die größte preußische Landgemeinde. Zuweilen hatte die Gemeinde Borbeck sogar über 100.000 Einwohner und wäre damit nach heutiger Definition eine eigene Großstadt gewesen. Mit dem Überschreiten dieser Einwohnergrenze verpflichtete der damalige Bürgermeister Rudolf Heinrich in einem Vertrag die Stadt Essen mit dem Bau eines Hallenbades.

19. Jahrhundert

Das Jahr 1816, das in die Geschichte als das Jahr ohne Sommer einging (am 25. Juni war sogar Schnee gefallen), brachte die letzte große Hungersnot, von der man sich erst 1819 langsam erholt hatte. Ursache dieser Katastrophe waren die Folgeerscheinungen eines Super-Vulkanausbruchs (Tambora im April 1815). In den 1840er Jahren setzte im Borbecker Raum die Industrialisierung mit dem Steinkohlenbergbau ein, welche die Zuwanderung vieler Arbeit suchender Menschen zur Folge hatte. Zuvor hatte das Gebiet durchweg ländlichen und Borbeck-Mitte insbesondere dörflichen Charakter. Zentrum des Dorfes war der Dionysiusplatz. Hier steht mit der St. Dionysius-Kirche als dreischiffige neugotische Backsteinbasilika die dritte Kirche an dieser Stelle. Der Bau wurde 1862 nach Plänen von Vincenz Statz begonnen und 1867 durch Erzbischof Paulus Melchers geweiht. Eine erste Kirche soll etwa im 11. Jahrhundert hier errichtet worden sein. Die Zweite bereits oben genannte romanische Kirche stammte aus dem Jahr 1339 und beherbergte den noch in der heutigen Kirche befindlichen Grabstein der 1598 verstorbenen Äbtissin Elisabeth von Manderscheid-Blankenheim. Ein typisches Zeugnis der Bebauung in vorindustrieller Zeit bildet das klassizistische Fachwerk-Wohnhaus am Dionysiuskirchplatz 10.

Wappen

Wappen von Borbeck

Blasonierung: In Rot zwei gekreuzte silberne (weiße) Schwerter mit goldenen (gelben Griffen) mit einem grünen Lorbeerkranz. Die Schildflanken zeigen oben vorn und unten hinten in Gold (Gelb) zwei rote Balken und oben hinten und vorn unten in Gold zwei rote Pfähle. Bedeutung: Das Wappen bezieht sich auf die Fürstäbtissinnen vom Adelsgeschlecht Fürstenberg (Schildflanken), denen das Schloss Borbeck als Sommerresidenz diente. Die Schwerter stehen für Cosmas und Damian (aus dem Essener Wappen), der Lorbeerkranz als Zeichen für die Märtyrer aus dem Wappen des Stiftes Essen.[2]

Borbeck heute

Öffentliche Einrichtungen

In der Fußgängerzone von Borbeck-Mitte findet jeden Dienstag und Freitag ein Wochenmarkt statt. Ebenfalls befinden sich hier zentrale Einrichtungen wie das Amtsgericht Essen-Borbeck, die Stadtteilbibliothek, Sozialamt und Jobcenter, der Bahnhof Essen-Borbeck, ein städtisches Hallenbad sowie das Krankenhaus Philippusstift, dem eine außerhalb der regulären Sprechstunden geöffnete Notfallpraxis angegliedert ist.

Kultur und Bildung

Ausgeprägt ist das kulturelle Leben auch durch Eigeninitiative. Es gibt drei freie Theatergruppen mit eigener Aufführungsstätte, zahlreiche Kirchenchöre, zusätzlich drei Männerchöre, einen Frauenchor und drei weitere gemischte Chöre, sechs Karnevalsvereine, sechs Schützenvereine. Die Alte Cuesterey neben der Kirchtreppe am Weidkamp ist ein 200 Jahre altes Haus, vom Kultur-Historischen Verein Borbeck renoviert, in dem heute ein Museums- und Begegnungszentrum beheimatet ist, in dem regelmäßig Ausstellungen, Konzerte und Lesungen stattfinden.

Im Schloss Borbeck gibt es mit dem Kulturzentrum eine Einrichtung der Stadt Essen, die Konzerte mit Künstlern und wechselnde Ausstellungen in der Galerie bietet. Eine historische Dauerausstellung, die die Geschichte von Stift und Stadt Essen widerspiegelt gibt es hier seit 2006. Seit 1999 ist eine Außenstelle der Folkwang Musikschule im Schloss ansässig. Zudem können sich Paare hier, im Standesamt im Schloss, trauen lassen. Gegenüber dem Schloss liegt mit der Dubois-Arena eine Freiluftarena, die eine bedeutende ehemalige Boxkampfstätte war. Die Dampfbierbrauerei Essen-Borbeck hat eine Brautradition seit 1896. Hier war auch die Essener Stern-Brauerei Essen ansässig. Im Zentrum liegt der Bahnhof Essen-Borbeck, mit der im Jugendstil restaurierten ehemaligen Schalterhalle. Ein großes Gemälde von Adolf Lohmann zeigt hier seit 2001 Borbecker Motive. Der Marktbrunnen Borbecker Halblang prägte weithin den Begriff Borbecker Halblang in Erinnerung an die Zeiten im 19. Jahrhundert, als es üblich war, Kleidung für Kinder etwas zu groß zu kaufen, damit sie hineinwachsen konnten. Am Möllhoven liegt die Voßgätters Mühle als letztes Zeugnis einer langen Tradition von Borbecker Mühlenbetrieben am Pausmühlenbach. Eine Kornmühle ist hier bereits 1547 bezeugt. Heute beherbergt die Voßgätters Mühle das Naturschutzzentrum der Naturschutzjugend Essen/Mülheim.[3] Ein Gedenkstein am Reuenberg, der Hagedornstein, erinnert an den Heimatdichter Hermann Hagedorn, der seine Gedichte auf Borbecker Platt verfasste. Seit 1949 erscheinen wöchentlich (donnerstags) die Borbecker Nachrichten, die zeitweise eine der auflagenstärksten lokalen Wochenzeitungen Deutschlands waren. Seit dem Jahr 2000 gehört das ehemalige Familienunternehmen zur in Essen beheimateten WAZ-Mediengruppe. Des Weiteren gab es Ende 2007 die Doku-Soap Wir in Essen-Borbeck.

Zur Bildung im Stadtteil tragen das Gymnasium Borbeck, das Mädchengymnasium Borbeck (einziges Mädchengymnasium Nordrhein-Westfalens in kommunaler Trägerschaft), die Gesamtschule Borbeck, zwei Realschulen, zwei Hauptschulen, einige Grundschulen und die Albert-Liebmann-Schule (städtische Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache) bei.

Verkehr

Borbeck ist entfernt über die beiden in Ost-West-Richtung verlaufenden Bundesautobahnen 40 und 42 an das überregionale Straßennetz angebunden. Beide Autobahnen tangieren nicht direkt den Stadtteil Borbeck, wohl aber den Stadtbezirk am Rande, was wesentlichen Anteil an Borbecks Verkehrsanbindung hat. Ebenfalls in Ost-West-Richtung verläuft die B 231, die Borbeck mit Essen und Oberhausen verbindet, sowie der Rhein-Herne-Kanal.

Zentraler Verknüpfungspunkt an den regionalen öffentlichen Personennahverkehr ist der Bahnhof Essen-Borbeck. Hier halten der Regional-Express RE 14 (Essen–Bottrop–Dorsten–Borken) und die S-Bahn-Linie S 9 (Wuppertal–Essen–Bottrop–Haltern am See). Die Straßenbahnlinie 103, sowie die Buslinien 140, 143, 160, 170, 185, 186 und die Nachtexpresse NE 11, NE 12 und NE 15 der Essener Verkehrs-AG sorgen für weitere Erschließung des Stadtteils.[4]

Söhne und Töchter des Stadtteiles

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Ansichtssachen, Borbeck gestern und heute auf einen Blick, Klartext Verlag Essen, 2009, ISBN 978-3-8375-0060-8
  • Ludwig W. Wördehoff: Borbeck in seinen Straßennamen, Rainer-Henselowsky-Verlag, Essen 1987
  • Walter Wimmer: Gewachsen in 11 Jahrhunderten - Borbecker Chronik, Verlag Borbecker Nachrichten, Essen (Bände 1 bis 6,erschienen 1980 bis 1993)
  • Lutz Niethammer: Die Unfähigkeit zur Stadtentwicklung. Erklärung der seelischen Störung eines Communalbaumeisters in Preußens größtem Industriedorf. In: Engelhart, U. u. a. (Hg.): Soziale Bewegung und politische Verfassung. Beiträge zur Geschichte der modernen Welt, Stuttgart 1976.
  • Wolfgang Sykorra: Borbecker Halblang. Ein Schulprojekt der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010. Essen: Edition Rainruhr 2011. ISBN 978-3-941676-07-7
  • Regelmäßige Mitteilungen des Kulturhistorischen Vereins Borbeck e. V., die Borbecker Beiträge, welche seit 1987 in loser Reihenfolge erscheinen
  • Literatur über Essen-Borbeck-Mitte im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Weblinks

Fußnoten

  1. Stadtteilporträt auf der Homepage der Stadt Essen
  2. Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile“ Essen 2009, S. 71
  3. Naturschutzbund Ruhr
  4. Essener Verkehrs-AG

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