Kasernenviertel

Kasernenviertel

Das Kasernenviertel ist der Stadtbezirk 11 von Regensburg.

Das Regensburger Kasernenviertel

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Das Kasernenviertel liegt auf einer Höhe von 340 m ü. NN auf einer Fläche von 3,44 km².

Ausdehnung des Stadtbezirks

Der Stadtbezirk Kasernenviertel liegt südöstlich der Innenstadt zwischen der Bahnlinie Regensburg - München/Passau im Norden und Osten sowie der Bundesautobahn 3 Regensburg - Passau im Süden.

Nachbarbezirke

Stadtbezirksgliederung

Der seit 1954 statistisch erfasste Stadtbezirk Kasernenviertel gliedert sich in die Unterbezirke Ostpark (11.01), Burgunderstraße - Napoleonstein (11.02) und Kasernenviertel - Benzstraße (11.03). Dem gesamten Stadtbezirk ist einheitlich die Postleitzahl 93053 zugeordnet.

Geschichte

Kasernen

Seinen Namen verdankt das Viertel seiner bis in das 19. Jahrhundert zurückreichenden militärisch geprägten Geschichte, die auch Niederschlag gefunden hat in zahlreichen Straßenbezeichnungen, die nach militärhistorisch bedeutenden Persönlichkeiten, historischen Schlachten sowie weiteren Begriffen aus dem Bereich des Militärwesens benannt sind:

  • Admiral-Hipper-Straße - Admiral-Scheer-Straße - Graf-Spee-Straße - Graf-Zeppelin-Straße - Bayerische Armee in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gezwungen, bei der Unterbringung ihrer Soldaten u. a. auf die Nutzung säkularisierter Klostergebäude zurückzugreifen. Für das in Regensburg stationierte 4. Infanterieregiment (seit dem Übergang Regensburgs an Bayern 1810) und 11. Infanterieregiment (seit 1851) wurden daher das ehem. Minoriten-Kloster am Dachauplatz, das ehem. Augustiner-Kloster am Neupfarrplatz sowie das ehem. Notre Dame-Kloster in Stadtamhof in behelfsmäßige Kasernen umgewandelt, die freilich den militärischen Anforderungen nicht gerecht werden konnten und im Fall der Minoriten-Kaserne bereits erweitert werden mussten (Neue Kaserne). Auf lange Sicht war das Kapazitätsproblem nur durch die Errichtung entsprechender Kasernenneubauten außerhalb der Innenstadt zu lösen.

    Ehem. Infanterie-Kaserne

    Im Jahr 1891 wurde daher auf einem weitläufigen Grundstück zwischen der in südöstlicher Richtung stadtauswärts verlaufenden Landshuter Straße und der Bahnlinie Regensburg - München/Passau mit dem Bau der neuen, zunächst aus zwei Halbbataillonskasernen bestehenden Infanterie-Kaserne begonnen. Das Grundstück bot sich besonders wegen der geringen Entfernung zum östlich gelegenen Exerzierplatz Irler Höhe sowie zur Schießanlage im Frauenholz an. Aufgrund der damals allgemein bei den Infanterieregimentern errichteten vierten Bataillone und besonders nach der Verlegung des 3. Bataillons des 11. Infanterieregiments nach Regensburg im Jahr 1896 war die neue Kaserne jedoch schon bald nach Fertigstellung erweiterungsbedürftig. In mehreren Bauabschnitten vergrößerte sich das militärische Areal der Infanterie-Kaserne bis 1918 auf insgesamt 9 ha und beinhaltete schließlich folgende Einrichtungen:

    Auch nach der Auflösung der Bayerischen Armee im Jahr 1919 behielt die Regensburger Infanterie-Kaserne, die ab 1938 zur Erinnerung an das 11. Infanterieregiment in Von der Tann-Kaserne umbenannt wurde, für die Truppen der Reichswehr und Wehrmacht seine bisherige Funktion, Teile wurden auch der Bayerischen Landespolizei zu Unterkunftszwecken überlassen. Seit dem 2. Weltkrieg werden die vier in Sichtklinkerbauweise errichteten, heute denkmalgeschützten Halbbataillonskasernen für behördliche Zwecke genutzt (Sozialgericht, Zentrum Bayern: Familie und Soziales, Wasserwirtschaftsamt, Fachoberschule). Der einstmals geschotterte Kasernenhof wurde begrünt und dient heute als Ostpark der Bevölkerung zur Erholung.

    Ehem. Kavallerie-Kaserne

    Die im Jahr 1906 seitens des Kriegsministeriums getroffene Entscheidung, das 2. Chevaulegersregiment in Regensburg zu stationieren, machte den Neubau einer entsprechenden Kaserne nötig. Daher wurde 1908 auf einem 9 ha großen Grundstück südwestlich der bereits bestehenden Infanterie-Kaserne auf der gegenüberliegenden Seite der Landshuter Straße mit dem Bau der neuen, zunächst für 4 Eskadronen ausgelegten Kavallerie-Kaserne begonnen. Das in zwei Bauabschnitten bis 1915 errichtete militärische Areal beinhaltete schließlich folgende Einrichtungen:

    • Stabsgebäude, 2 Doppeleskadronskasernen, Eskadronskaserne, Verheirateten-Wohngebäude, Offizierskasino, Wirtschaftsgebäude, Feldfahrzeugschuppen, Feuerlöschgeräteschuppen, Pionierschuppen, Krümperschuppen, Beschlagschmiede, 5 Eskadronsstallungen, Krankenstall, Reithaus, Doppelreithaus, Offizierspferdestall, Patronenhaus, Fußexerzier- und Reitplatz mit Reitbahn, Sprunggarten, 2 Turnplätze

    Wie die benachbarte Infanterie-Kaserne beherbergte auch die Regensburger Kavallerie-Kaserne, die ab 1938 zur Erinnerung an das 11. Infanterieregiment in Camps des Romains-Kaserne umbenannt wurde, bis zum Ende des 2. Weltkrieges verschiedenste Truppenteile der Reichswehr, Wehrmacht und Bayerischen Landespolizei. Während eine Doppeleskadronskaserne bereits während des Krieges zerstört wurde, werden die übrigen Kasernen heute zivil genutzt. Das ehem. Mannschaftshaus ist heute Sitz einer Verkehrspolizeiinspektion, die Stallungen wurden abgebrochen.

    Bajuwarenkaserne - Nibelungenkaserne - Pionierkaserne - Rafflerkaserne - Prinz-Leopold-Kaserne

    Die Infanterie-Kaserne und Kavallerie-Kaserne wurden ab den 1930er Jahren von größeren weiter südlich und westlich gelegenen Kasernenkomplexen abgelöst. Es entstanden die vier Kasernenneubauten Prinz-Leopold-Kaserne, Pionier-Kaserne, Nibelungenkaserne Galgenberg und Rafflerkaserne. Zuletzt wurde nach 1945 noch die Bajuwarenkaserne für die Bundeswehr errichtet. Die Nibelungenkaserne war bis in die 1960er Jahre als 'Fort Skelly' von der US Army belegt, ebenso wie die Pionier-Kaserne, deren US-Nutzung in den 1980er Jahren endete. Nach Aufgabe der Rafflerkaserne gibt es heute noch vier Bundeswehrkasernen in Regensburg: Bajuwarenkaserne, Nibelungenkaserne, Pionierkaserne und Prinz-Leopold-Kaserne.

    Infolge interner Umstrukturierungen im Rahmen der Bundeswehrreform und der damit verbundenen Freigabe von Immobilien und Grundstücken konnten größere Bereiche der Kasernen seit den 1990er Jahren einer neuen zivilen Nutzung zugeführt werden. Dies beinhaltete zum einen die Auflösung der Rafflerkaserne (nördlich der Bajuwarenkaserne): Die Gebäude wurden nach umfangreichen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen teilweise in ein Behördenzentrum umgewandelt, auf den Freiflächen wurden neue Wohnquartiere errichtet. Im Jahr 2006 erfolgte zudem der Abriss des nördlichen Abschnitts der Pionierkaserne, um Platz für ein neues Facharztzentrum zu schaffen, das dem nahegelegenen Krankenhaus St. Josef angeschlossen sein wird. Die Stadt Regensburg versucht auf diese Weise, die durch die geschlossenen Militärbereiche ursprünglich voneinander getrennten Wohnquartiere besser zu vernetzen und das Viertel dadurch zunehmend städtebaulich aufzuwerten.

    Religionen

    Am 31. Dezember 2007 waren 57,4 % der Bevölkerung des Kasernenviertels römisch-katholisch, 14,4 % evangelisch (ohne Freikirchen) und 28,2 % einer anderen Konfession zugehörig bzw. konfessionslos. Das Kasernenviertel zeichnet sich damit durch einen verglichen mit der Gesamtstadt unterdurchschnittlich hohen Anteil christlicher Bevölkerung sowie den (nach dem Ostenviertel) zweithöchsten Anteil aller Stadtbezirke Regensburgs bzgl. nicht-christlicher Bevölkerung aus.

    Christentum

    Islam

    Eingemeindungen

    Zwischen 1972 und 1983 kam es insbesondere im Zuge der Gebietsreform zu Gebietserweiterungen, wodurch sich die Fläche des Stadtbezirkes um 58 ha vergrößerte.

    Einwohnerentwicklung

    Am 31. Dezember 2007 betrug der Anteil der Bevölkerung des Kasernenviertels an der der Gesamtstadt Regensburg 9,1 %. Stieg die Einwohnerzahl bis Anfang der 1960er Jahre auf über 16.700, nahm sie bis zum Jahr 2000 in mehreren Phasen ab. Seitdem steigt sie wieder kontinuierlich an und betrug am 31. Dezember 2007 13.233 Einwohner bei einer Bevölkerungsdichte von 3.847 Einwohnern je km².[1] Mit einem Ausländeranteil von 14,3 % zeichnet sich die Bevölkerung des Kasernenviertels durch einen verglichen mit der Gesamtstadt überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil sowie den (nach dem Ostenviertel) zweithöchsten Anteil aller Stadtbezirke Regensburgs bzgl. ausländischer Bevölkerung aus.

    Politik

    Stadtrat

    Aus dem Kasernenviertel stammende Mitglieder des Regensburger Stadtrates:

    • Kerstin Radler FW

    Kultur und Sehenswürdigkeiten

    Theater

    Bauwerke

    • Evangelische Pfarrkirche St. Matthäus
    • Katholische Pfarrkirche St. Albertus Magnus
    • Katholische Pfarrkirche St. Anton
    • Schloss Pürkelgut

    Parks

    Auf dem Gelände des Exerzierplatzes der ehemaligen Infanteriekaserne befindet sich heute der Ostpark.

    Sport

    Regelmäßige Veranstaltungen

    • Kasernenviertelfest
    • Open-Air-Kino auf Schloss Pürkelgut

    Wirtschaft und Infrastruktur

    Im südlichen Bereich des Kasernenviertels erstreckt sich entlang der Bundesautobahn 3 das Gewerbegebiet Bajuwarenstraße.

    Verkehr

    Die Bundesstraße 15 (Landshuter Straße) durchquert den Stadtbezirk von Norden nach Süden und ist bei Burgweinting an die Bundesautobahn 3 (Regensburg - Passau) angeschlossen (Anschlussstelle 100b Regensburg-Burgweinting). Mehrere Buslinien des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV), dessen Betriebshof sich zudem hier befindet, binden das Stadtviertel an den Hauptbahnhof und damit die Innenstadt an.

    Öffentliche Einrichtungen

    Bildung

    Kindergärten und -tagesstätten

    Grundschulen

    Hauptschulen

    Förder- und Sonderschulen

    Berufliche Schulen

    Persönlichkeiten

    Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

    Literatur

    • Borgmeyer, Anke / Morsbach, Peter, Die Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert, in: Schmid, Peter (Hg.), Geschichte der Stadt Regensburg (Bd. 2), Regensburg: Pustet, 2000, 1221-1251.
    • Braun, Christine, Bevölkerungsentwicklung in den südöstlichen Stadtteilen von Regensburg, Ostenviertel und Kasernenviertel, vom 2. Weltkrieg bis zur Gegenwart, Regensburg: Universität Regensburg (Diplomarbeit), 1990.
    • Grill, Harald, Warum die Engel in der Antoniuskirche auch im Winter barfuß laufen, Hauzenberg: Edition Pongratz, 2005.
    • Schmidt, Wolfgang, Eine Stadt und ihr Militär. Regensburg als bayerische Garnisonsstadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert (Studien und Quellen zur Geschichte Regensburgs 7), Regensburg: MZ-Buchverlag, 1993.
    • Wohlgut, Karl, St. Anton in Regensburg. Die Aufbaujahre einer Pfarrgemeinde (1916–1945), Regensburg: MZ-Buchverlag, 2006. ISBN 978-3-934863-66-8

    Quellen

    1. Das Einwohneramt führte 2006 bei den Nebenwohnsitzen in Regensburg eine Bereinigung des Einwohnermelderegisters durch. In diesem Jahr kommt es dadurch zu einem zusätzlichen Wegzug von etwa 9.500 Einwohnern und damit zu einer Verminderung des Einwohnerbestandes um diese Zahl (vgl. Amt für Stadtentwicklung der Stadt Regensburg: Abteilung Statistik).

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