- Vera Rossakoff
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Die Gräfin Vera Rossakoff ist eine Romanfigur von Agatha Christie.
Sie ist die ewige Widersacherin des belgischen Detektivs Hercule Poirot und seines Helfers Arthur Hastings. Hercule Poirot verliebt sich in die einstige Juwelendiebin und spätere Doppelagentin, die sich im Laufe seiner Fälle auf die Seite von Poirots größten Feinden stellt, obwohl sie selbst Sympathie für den Detektiv empfindet.
Sie spielt in einem Roman - Die großen Vier (1927) - und zwei Kurzgeschichten - Ein Indiz zuviel (1923) und Die Gefangennahme des Zerberus (1947) - um Poirot eine Haupt- bzw. wichtige Nebenrolle.
In Die Gefangennahme des Zerberus verweist die von Poirot geschätzte Miss Lemon zu ihrem eigenen Erstaunen daraufhin, dass Poirot wohl Vera Rossakoff rote Rosen geschickt habe. Für einen Mann seines Alters sei dies wohl ungebührlich. Aber in diesem Punkt lässt Christie ihre Figur Miss Lemon absichtlich irren, da Poirot wie seine verwandten Figuren Conan Doyles Holmes oder Ernest Bramahs[1] Max Carrados[2] weit von romantischen Gefühlen entfernt ist und Rossakoff mehr in Faszination zugetan ist. Was für Sherlock Holmes Irene Adler ist, scheint Rossakoff für Poirot zu sein.[3]
In zwei weiteren Romanen wird sie erwähnt:
Die Erinnerung von Poirot an die Gräfin in Das Geheimnis der Schnallenschuhe wurde in die deutsche Übersetzung nicht übernommen, man findet sie nur im Original:
„They were chic, these little London girls. They wore their tawdry clothes with an air. Their figures, however, he considered, lamentably deficient. Where were the rich curves, the voluptuous lines that had formerly delighted the eye of an admirer? He, Hercule Poirot, remembered women... One woman, in particular - what a sumptuous creature - a Bird of Paradise - a Venus... What woman was there among these pretty chits nowadays, who could hold a candle to Countess Vera Rossakoff? A genuine Russian aristocrat, an aristocrat to her fingertips! And also, he remembered, a most accomplished thief One of those natural geniuses... With a sigh, Poirot wrenched his thoughts away from the flamboyant creature of his dreams.[4]“
In Die Kleptomanin schreibt Agatha Christie:
„Dann dachte er (Poirot) einen Augenblick an die Gräfin Vera Rossakoff. Wie charmant, wie exotisch sie selbst im Alter geblieben war! Diese Mädchen von heute … Wahrscheinlich empfinde ich das nur, weil ich alt werde, sagte er sich. Selbst dieses brave, langweilige Mädchen mag in den Augen eines anderen Mannes eine Venus sein. Aber er bezweifelte es[5]“
Während Hastings sie zutiefst verabscheut, wird sie von Poirot ebenso bewundert und er kann sie trotz ihrer kriminellen Machenschaften immer vor dem Gefängnis bewahren.
Nachdem sie sich 20 Jahre nicht mehr begegnet sind, stößt Poirot im Zusammenhang mit einem Nachtclub, der in illegale Drogengeschäfte verwickelt ist, wieder auf sie, da sie die Besitzerin des verdächtigen Lokals ist. Sie hat auch einen Sohn, der für tot gehalten wird, aber später von Poirot ausfindig gemacht wird. Dieser Sohn verlobt sich mit einer Drogenhändlerin.
Ob sie wirklich als russische Aristokratin die Oktoberrevolution miterlebt hat und ob sie wirklich die ist, für die sie sich ausgibt, bleibt unklar, da dies immer wieder von verschiedenen Personen angezweifelt wird. Poirot ist bezüglich ihrer Person - entgegen seines sonstigen Verhaltens - ausgesprochen naiv, und scheint ihr all ihre Geschichten zu glauben bzw. glauben zu wollen.
In lediglich einer Poirot-Verfilmung stellt man ihre Figur dar: 1991 in der Verfilmung der Kurzgeschichte The Double Clue nach Ein Indiz zuviel aus Poirots erste Fälle in der Fernsehserie Agatha Christie's Poirot durch Kika Markham.
In der TV-Verfilmung von Mord im Orient-Express aus dem Jahr 2001 wird die Rolle der Prinzessin Natalia Dragomiroff falsch als Vera Rossakoff bezeichnet.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Hugh Greene: The Rivals of Sherlock Holmes: Early Detective Stories. (1970; Penguin 1971): Introduction. Aubrey Wilson: The Search for Ernest Bramah. Creighton and Read 2007.
- ↑ Four Max Carrados Detective Stories. auf: gutenberg.org
- ↑ Vgl. Earl F. Bargainnier: The gentle art of murder: the detective fiction of Agatha Christie. Bowling Green University Popular Press, Bowling Green 1980, S. 53f.
- ↑ Agatha Christie: One, Two, Buckle My Shoe Poirot. Facsimile Edition, HarperCollins, 2008, ISBN 0-00-727457-2. (Facsimile of 1940 UK First Edition)
- ↑ Agatha Christie: Die Kleptomanin. 12. Auflage. Scherzverlag, 1979, ISBN 3-502-50660-4, S. 46.
- ↑ Rolle der Vera Rossakoff in der imdb
Werke von Agatha ChristieRomane
Hercule Poirot: Das fehlende Glied in der Kette (1920) | Mord auf dem Golfplatz (1923) | Alibi (1926) | Die großen Vier (1927) | Der blaue Express (1928) | Das Haus an der Düne (1932) | Dreizehn bei Tisch (1933) | Mord im Orient-Express (1934) | Nikotin (1934) | Tod in den Wolken (1935) | Die Morde des Herrn ABC (1936) | Mit offenen Karten (1936) | Mord in Mesopotamien (1936) | Der Tod auf dem Nil (1937) | Der ballspielende Hund (1937) | Der Tod wartet (1938) | Hercule Poirots Weihnachten (1938) | Morphium (1940) | Das Geheimnis der Schnallenschuhe (1940) | Das Böse unter der Sonne (1941) | Das unvollendete Bildnis (1942) | Das Eulenhaus (1946) | Der Todeswirbel (1948) | Vier Frauen und ein Mord (1951) | Der Wachsblumenstrauß (1953) | Die Kleptomanin (1955) | Wiedersehen mit Mrs. Oliver (1956) | Die Katze im Taubenschlag (1959) | Auf doppelter Spur (1963) | Die vergessliche Mörderin (1966) | Die Schneewittchen-Party (1969) | Elefanten vergessen nicht (1972) | Vorhang (1975)Tommy und Tuppence Beresford: Ein gefährlicher Gegner (1922) | Rotkäppchen und der böse Wolf (1941) | Lauter reizende alte Damen (1968) | Alter schützt vor Scharfsinn nicht (1973)
Miss Marple: Mord im Pfarrhaus (1930) | Die Tote in der Bibliothek (1942) | Die Schattenhand (1943) | Ein Mord wird angekündigt (1950) | Fata Morgana (1952) | Das Geheimnis der Goldmine (1953) | 16 Uhr 50 ab Paddington (1957) | Mord im Spiegel (1962) | Karibische Affäre (1964) | Bertrams Hotel (1965) | Das Schicksal in Person (1971) | Ruhe unsanft (1976)
Sonstige Romane: Der Mann im braunen Anzug (1924) | Die Memoiren des Grafen (1925) | Der letzte Joker (1929) | Das Geheimnis von Sittaford (1931) | Ein Schritt ins Leere (1935) | Der Tod wartet (1938) | Das Sterben in Wychwood (1939) | Und dann gabs keines mehr (1939) | Kurz vor Mitternacht (1944) | Rächende Geister (1944) | Blausäure (1945) | Das krumme Haus (1949) | Sie kamen nach Bagdad (1951) | Der unheimliche Weg (1954) | Tödlicher Irrtum (1958) | Das fahle Pferd (1961) | Mord nach Mass (1967) | Passagier nach Frankfurt (1970)
Kurzgeschichten
Poirot rechnet ab (1924) | Die Büchse der Pandora (1929) | Der seltsame Mister Quin (1930) | Der Dienstagabend-Klub (1932) | Der Hund des Todes (1933) | Etwas ist faul (1934) | Parker Pyne ermittelt (1934) | Hercule Poirot schläft nie (1937) | Die Arbeiten des Herkules (1947) | Ein diplomatischer Zwischenfall (1960) | Poirots erste Fälle (1974) | Miss Marples letzte Fälle (1979) | Die mörderische Teerunde (1991) | Solange es hell ist (1997)
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