Messenien

Messenien
Präfektur Messenien (1833–2010)
Νομός Μεσσηνίας
Lage der Präfektur Messenien (1833–2010) innerhalb Griechenlands
Basisdaten (April 2010)[1]
Staat: Griechenland
Verwaltungsregion: Peloponnes
Fläche: 2.991 km²
Einwohner: 166.566
Bevölkerungsdichte: 55,69 Einwohner je km²
Hauptstadt: Kalamata
Stadtgemeinden (δήμοι): 20
Landgemeinden (κοινότητες): 1
ISO 3166-2 Code: GR-17
NUTS-3-Code: GR255
Kfz-Kennzeichen: KM (Kalamata)
Website: www.na-messinias.gr

Messenien (griechisch Messinía Μεσσηνία) ist eine Region in Griechenland und war in der Antike ein blühender Staat im Südwesten der Peloponnes. Messenien ist vor allem durch Nestor, den mythischen König von Pylos, bekannt. Hauptstadt war in der Antike Messene; heute ist die Hafenstadt Kalamata Zentrum des Gebietes. Messenien ist auch heute für griechische Verhältnisse eine wasserreiche und zugleich warme, fruchtbare Region, in der Obst und Gemüse, auch für den Export, angebaut werden.

Nach der Gründung des modernen Griechenland war Messenien ab 1833 eine Präfektur (gr. nomos νομός) des Landes, was es fast ununterbrochen bis 2010 blieb. Mit der Griechischen Verwaltungsreform 2010 wurden ihre Kompetenzen an die durch Zusammenlegung an Zahl stark reduzierten Gemeinden und die Region Peloponnes übertragen; seither bildet das Gebiet den Regionalbezirk Messenien, der jedoch abgesehen von der Sitzzuteilung für den Regionalrat keine politische Bedeutung hat.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kern der Landschaft Messenien am Messenischen Golf ist das Flusstal des Pamisos (heute: Pimatza) und seiner Zuflüsse, eine Gegend, die früher die Bezeichnung Stenyklaros trug und die den am dichtesten besiedelten Teil Messeniens darstellt. Es handelt sich um eine äußerst fruchtbare Landschaft, wo bis heute Orangen, Zitronen, Mandeln, Feigen und Oliven in großer Menge und guter Qualität angebaut werden. Diese Flussebene ist im Norden durch das Nomian-Gebirge (heute: Tetrási, 1570 m), im Westen durch die Kyparissia-Berge (rund 950 m) begrenzt, während im Osten das Taygetos-Gebirge die Grenze zum Evrotas-Tal bildet, in dem Sparta liegt. Vor der Südwestküste des Peloponnes liegen die Oinussai-Inseln. Messenien hat trotz seiner langen Küstenlinie wenige gute Häfen und spielte daher in der Seefahrtgeschichte Griechenlands keine große Rolle. Lediglich Pylos im Südwesten hat eine gewisse Bedeutung.

Der Überlieferung nach waren die frühesten Bewohner der Gegend Pelasger und Leleger, Letztere sollen in Messenien die Stadt Andania angelegt haben. Archäologisch lässt sich Malthi als Burgsitz der vorindogermanischen Frühbronzezeit nachweisen. Es folgte die aiolische Einwanderung, in deren Folge die mykenische Kultur auch in Messenien eine Blüte erlebte. Die homerische Überlieferung setzt die Stadt Pylos mit Nestor in Verbindung, wobei das mykenische Pylos allerdings möglicherweise noch weiter nördlich als in späteren Zeiten, nämlich in Triphylia, lag. In den homerischen Gedichten wird geschildert, dass das östliche Messenien unter der Herrschaft des Menelaos von Sparta gelegen habe, während das westliche Messenien den Neleiden von Pylos unterstand; nach dem Tod des Menelaos sei dann die Grenze ostwärts bis zum Taygetos vorgeschoben worden (eine bedeutsame Überlieferung im Zusammenhang mit späteren spartanischen Ansprüchen auf Messenien). Auch Methone findet, als Pedasos, in der Heldensage Erwähnung.

Im 13. Jahrhundert vor Christus erfolgte dann die Dorische Wanderung, die in der Sagengeschichte der "Rückkehr der Herakliden" entspricht. Arkadien sei damals von Dorern unter Kresphontes erobert worden, von wo sie nach Messenien eingefallen und im Norden den Ort Stenyklaros zu ihrer Hauptstadt gemacht hätten, nach dem die erwähnte Landschaft am Pamisos benannt ist. Aus der Vermischung der dorischen Einwanderer, deren Dialekt übernommen wurde, mit den Einheimischen entstand das Volk der Messener, das sich an der Pamisos-Quelle, auf dem Berg Ithome und in Longa Kultstätten errichtete.

Im 8. Jahrhundert vor Christus spitzten sich Rivalitäten mit dem benachbarten Sparta zu, die in den Ersten Messenischen Krieg mündeten. Dieser wurde der Überlieferung nach dadurch ausgelöst, dass der spartanische König Teleklos von Messeniern ermordet wurde. Obwohl der messenische König Euphaes und sein Nachfolger Aristodemos energischen Widerstand leisteten, endete dieser Krieg nach rund 20 Jahren um 720 v. Chr. mit der Unterwerfung Messeniens durch Sparta und dessen König Theopompos, dem die Eroberung der strategisch bedeutsamen Bergfestung Ithome gelungen war. Später erhoben sich die Messenier unter Aristomenes erneut, sodass es zum Zweiten Messenischen Krieg kam. Die Messenier wurde dabei von Achaia, Elis und Argos unterstützt, waren aber machtlos gegen die Hoplitenphalanx der Spartaner. Der Krieg, der meist auf die Jahre 648–631 v. Chr. datiert wird, endete, nachdem den Spartanern nach elf Jahren Belagerung die Einnahme der Stadt Eira gelang. Die überlebenden Messenier, soweit sie nicht außer Landes geflohen waren, wurden zu rechtlosen Heloten herabgedrückt, die den Spartanern fortan als Sklaven dienen mussten.

Zu einem erneuten Aufstand kam es im Jahr 464 v. Chr., als ein schweres Erdbeben die Stadt Sparta verwüstete und die Messenier die Gunst der Stunde für einen Befreiungskampf nutzten. Dieser Aufstand hatte auch gesamtgriechische Bedeutung, da Sparta ein Hilfsangebot Athens, dem Verbündeten in den Perserkriegen, ablehnte, was den Gegensatz zwischen den beiden mächtigen Stadtstaaten vertiefte. Die Aufständischen verschanzten sich erneut mehrere Jahre lang in Ithome, hatten aber gegen die Spartaner auf die Dauer keine Chance. Immerhin erreichten sie, unter Vermittlung der Athener, dass ihnen freier Abzug gewährt wurde. Sie siedelten daraufhin in Naupaktos in Lokris Ozolis, auf der anderen Seite des Korinthischen Golfs.

Das Ende der Vormachtstellung Spartas wurde eingeläutet mit dem Vormarsch des Epaminondas von Theben auf den Peloponnes nach seinem Sieg bei Leuktra 371 v. Chr. Um Spartas Stellung zu schwächen, lud er die exilierten Messenier ein, sich wieder in ihrer Heimat anzusiedeln und gründete dazu 369 v. Chr. die Stadt Messene, während er in Arkadien Megalopolis gründete, beides Bollwerke gegen etwaige spartanische Expansionsabsichten. Doch Messenien war allein nicht stark genug, um sich im Rahmen der aufstrebenden Großmächte behaupten zu können. Daher suchte es starke Bündnispartner. Zunächst hielt es sich an Philipp II. von Makedonien, sodass Messenien nicht am Kampf gegen ihn bei Chaironeia 338 v. Chr. teilnahm. Später wurde Messenien Mitglied im Achaiischen Bund. Dem spartanischen Tyrannen Nabis gelang die Einnahme der Stadt, doch musste er sich wieder zurückziehen, nachdem sich Philopoemen und Truppen aus Megalopolis näherten. Nun kam es zum Krieg mit dem Achaiischen Bund, in dessen Verlauf Philopoemen gefangengenommen und im Jahre 183 v. Chr. von den Messeniern hingerichtet wurde. Allerdings gelang dem achaiischen Feldherrn Lykortas im darauffolgenden Jahr die Einnahme Messenes und die Messenier wurden gezwungen, sich dem Bund wieder anzuschließen, wobei die Städte Abia, Thuria und Pherae sich von Messenien lösten und autonome Mitglieder des Bundes wurden. Unterdessen wurden die Römer zur dominierenden Macht in Griechenland; 146 v. Chr. fielen alle Gebiete des Achaiischen Bundes, also auch Messenien, unter die Provinzverwaltung von Macedonien und wurden damit römisch. Mit Sparta, das von den Römern gewisse Stadtfreiheiten erhielt, stritten sich die Messenier in der Folge um den Besitz des Westhanges des Taygetos-Gebirges (der so genannte Ager Dentheliales); erst 25 n. Chr. entschieden Kaiser Tiberius und der römische Senat die Angelegenheit im Sinne der Messenier.

Messenien gehörte in der Folge zur römischen Provinz Achaia und mit diesem seit der Diokletianischen Reichsreform zur Diözese Macedonia. Von Korinth aus verbreitete sich früh das Christentum. Um 395 zogen die Ostgoten durch den Peloponnes, nach 600 drangen die Slawen bis hierher vor, wovon bis heute einige slawische Ortsnamen zeugen. Seit dem vierten Kreuzzug setzten sich die Lateiner hier fest: während der überwiegende Teil des Peloponnes zum Fürstentum Achaia gehörte, sicherte sich Venedig in Methone (Modon) einen strategisch wichtigen Stützpunkt. Im benachbarten Eurotastal hielt sich in Mistra ein Rest byzantinischer Herrschaft. Die Festungen von Methone/Modon, Kalamata, Koron und Pylos, die sich zum Teil bis heute erhalten haben, bezeugen die Auseinandersetzungen dieser Epoche. Die Eroberung der damals Morea genannten peloponnesischen Halbinsel durch die Osmanen 1460 widerstand nur das venezianische Methone, dass allerdings schließlich 1503 ebenfalls an die Türken fiel. Für die nächsten 300 Jahre war die Gegend eine eher unbedeutende Provinz im osmanischen Imperium, bis sich die Griechen ab 1821 erhoben und die Unabhängigkeit erkämpften. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die Schlacht von Navarino, unmittelbar vor der Küste Messeniens. In der griechischen Zeit entwickelte sich schließlich Kalamata zur mit Abstand wichtigsten Stadt der Region.

Antike Stätten

Verkehr

  • Nationalstraße 9, NW, W, SW
  • Nationalstraße 9a, NW, N
  • Nationalstraße 7, N, Zen.
  • Nationalstraße 82, SW, Zen., SE

Ehemalige Provinzen und deren Hauptstädte

Die Unterteilung Messeniens in Provinzen (Ez. gr. eparchia) änderte sich von Zeit zu Zeit. Bei der Gründung 1833 gehörte noch die Provinz Olympia zu Messenien, die später in der Präfektur Elis aufging. Trifylia bildete mit der Provinz Olympia von 1899 bis 1909 die eigenständige Präfektur Trifylia; in dieser Zeit war die Westliche Mani der kurzlebigen Präfektur Lakoniki unterstellt.

Die Provinzen wurden im Zuge der griechischen Gemeindereform 1999 abgeschafft.

Provinzen 1997:

  • Provinz Kalamata - Kalamata
  • Provinz Messene - Messini
  • Provinz Pylia - Pylos
  • Provinz Trifyllia - Kyparissia

Gemeinden (1997–2010)

Stadtgemeinden
Gemeinde (dimos) Sitz
Aetos Kopanaki
Andania Diavolitsi
Androusa Androusa
Arfara Arfara
Aris Aris
Aristomenis Aristomenis
Avia Kampos
Avlonas Sidirokastron
Dorio Dorio
Epia Longa
Filiatra Filiatra
Gargaliani Gargaliani
Chiliochora Chandrinos
Ichalia Meropi
Ira Neda
Ithomi Valyra
Kalamata Kalamata
Koroni Koroni
Kyparissia Kyparissia
Lefktro Kardamyli
Meligalas Meligalas
Messini Messini
Methoni Methoni
Nestoras Chora
Papaflessas
auch Papaflesa
Vlachopoulo
Petalidi Petalidi
Pylos Pylos
Thouria Thouria
Voufrades Chatzi
Landgemeinden
Gemeinde (kinotita) Sitz
Trikorfo Trikorfo
Tripyla Raptopoulo

Einzelnachweise

  1. Die Einwohnerzahlen stammen aus einer Broschüre des griechischen Innenministeriums vom Mai 2010 anlässlich der Verwaltungsreform nach dem ‚Kallikratis-Gesetz‘: Elliniki Dimokratia, Ypourgeio Esoterikon, Apokendrosis ke Ilektronikis Diakyvernisis: "Programma Kallikratis," Systasi, syngrotisi Dimon, Periferion ke Apokendromenon Diikiseon gia ti Nea Architektoniki tis Aftodiikisis ke tis Apokendromenis Diikisis, Athen 2010.

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