Otto (Griechenland)

Otto (Griechenland)
König Otto I. von Griechenland
Otto, König von Griechenland
König Otto in „traditioneller” griechischer Uniform – ein offizielles Portrait
Einzug König Ottos in Nauplia, Peter von Hess, 1835
Otto von Griechenland. Ausschnitt aus 5-Drachmai-Münze aus dem Jahre 1850
König Otto vor griechischen Ruinen – ein romantisches Portrait
Die erste Athener Residenz von Otto, heute Teil des Stadtmuseums
Unterschriften der Delegierten der Nationalversammlung unter der Verfassungsurkunde von 1844

Otto Friedrich Ludwig von Wittelsbach (griechisch Όθων, * 1. Juni 1815 auf Schloss Mirabell in Salzburg; † 26. Juli 1867 in Bamberg) war ein bayerischer Prinz und von 1832 bis 1862 erster König von Griechenland.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Otto wurde am 1. Juni 1815 in Salzburg geboren, wo sein Vater, der damalige bayerische Kronprinz und spätere König Ludwig I. von Bayern, als Statthalter residierte. Seine Mutter ist Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Er war der zweite Sohn des Kronprinzenpaars.

Seine Erziehung lag in den Händen so bekannter Lehrer wie Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Friedrich Thiersch und Georg von Oettl, späterer Bischof von Eichstätt. Seine Erziehung war aber weder darauf gerichtet noch inhaltlich geeignet, ihn auf die Aufgaben eines Königs von Griechenland vorzubereiten. Er selbst war von der Restauration und dem Absolutismus geprägt, während das damalige Interesse an Griechenland wesentlich vom Philhellenismus und Klassizismus geprägt war. Die Griechen hatten wenige Jahre zuvor ihre Freiheit von der jahrhundertelangen Türkenherrschaft erlangt, die ein heruntergewirtschaftetes Land hinterlassen hatte.

Vorgeschichte der Thronbesteigung

Nachdem Ioannis Kapodistrias, erstes Staatsoberhaupt des im Gefolge des griechischen Unabhängigkeitskrieges durch das Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830 neu gegründeten Staates Griechenland, im Oktober 1831 ermordet worden war, kam es in Griechenland zu einem Machtvakuum. Die Signatarmächte der Unabhängigkeit Griechenlands, Großbritannien, Frankreich und Russland, intervenierten und schlugen der griechischen Nationalversammlung vor, einen europäischen Fürsten zum König zu wählen.

Diese entschied sich für den 16-jährigen Prinzen Otto von Bayern. Seiner Wahl vorausgegangen war die Ablehnung der Krone durch zwei andere Prinzen, 1830 durch den dann zum König von Belgien gewordenen Leopold I. und Prinz Karl von Bayern sowie erhebliche Lobbyarbeit seitens des Lehrers von Prinz Otto, Friedrich Thiersch, der unter anderem den Schweizer Bankier und überzeugten Philhellenen Jean Gabriel Eynard (der auch Vorsitzender der Unterstützungsvereine für den Unabhängigkeitskampf Griechenlands war) für seinen Kandidaten hatte gewinnen können. Zur Wahl des Prinzen Otto trug sicherlich auch bei, dass sein Vater, König Ludwig von Bayern, einer der ersten europäischen Fürsten war, der die griechische Unabhängigkeit offen unterstützt hatte.

Da Otto noch minderjährig war, musste sein Vater die Wahl für ihn annehmen. Ludwig stellte Bedingungen hinsichtlich des Verlaufs der Nordgrenze des neuen Königreichs und einer Anleihe über 60 Millionen Französischer Francs, die auch gewährt wurde. Aber auch die Garantiemächte stellten Forderungen, auf die der König einging: Otto behielt seine Apanage als bayerischer Prinz und wurde von einem Kontingent von 3.500 bayerischen Soldaten begleitet. Er musste sich verpflichten, keine feindseligen Aktionen gegen das Osmanische Reich zu unternehmen, und er durfte sich zwar „König von Griechenland“ nennen, nicht aber „König der Griechen“ bzw. „König der Hellenen“. Dies hätte angesichts der zahlreichen noch im Osmanischen Reich lebenden Griechen einen expansionistischen Kurs impliziert, den man gegen die Türken zu dieser Zeit nicht wagen wollte.

Das zweite Londoner Protokoll, das König Ludwig für Otto am 7. Mai 1832 unterschrieb und das von der griechischen Nationalversammlung am 8. August 1832 einstimmig angenommen wurde, ernannte Otto zum König von Griechenland. Vom Dezember 1832 an war Otto durch Italien auf dem Weg in sein neues Königreich. An Bord der britischen Fregatte Madagascar erreichte er – von Brindisi kommend – am 6. Februar 1833 die damalige griechische Hauptstadt Nafplion.

Regentschaft

Da er bei Regierungsantritt noch nicht volljährig war, erhielt Otto zunächst einen Regentschaftsrat, der aus den Bayern Joseph Ludwig von Armansperg, einem Finanzexperten als Premier- und Finanzminister, Georg Ludwig von Maurer, einem Juristen, Karl von Abel, einem Verwaltungsfachmann und Generalmajor Carl Wilhelm von Heideck bestand.

Die Regentschaft schuf die administrativen Grundlagen des modernen Griechenlands. Die griechische Gesetzgebung orientierte sich ebenfalls an deutschen Vorbildern, selbst das bayerische Reinheitsgebot für Bier war in Griechenland gültig.

Die Mitglieder des Regentschaftsrates zerstritten sich jedoch bald. Während Armansperg sich der russischen Partei verband, setzten Maurer und Abel auf Frankreich, bei dem sie die geringsten Eigeninteressen erwarteten. Beide Seiten appellierten an König Ludwig. Da der Gesandte von Armansperg zuerst beim König eintraf, fiel die Entscheidung gegen Maurer und Abel, die entlassen und durch Ägid von Kobell und Johann Baptist von Greiner ersetzt wurden.

Zusätzlich kamen unter seiner Herrschaft viele Deutsche nach Griechenland, nicht nur Beamte und Hofpersonal, sondern auch zahlreiche Akademiker und Handwerker, die in Griechenland ihr Glück suchten. Darunter der Botaniker Carl Fraas, der Brauer Karl Fuchs (dessen Sohn die Athener Brauerei FIX gründete) und Gustav Clauss, Gründer des Weinguts Achaia Clauss. Die Emigration von Deutschen setzte sich auch nach Ottos Entthronung fort, von denen nicht wenige im jungen Staat Karriere machten: beispielsweise Ernst Ziller, der Hofarchitekt König Georgs I. wurde, oder der Jurist Stephanos Streit und dessen Sohn, der Außenminister Georgios Streit die Nachfahren deutscher Einwanderer waren.

Eigenverantwortliche Regierung

Bevor die Haupt- und Residenzstadt 1834 nach Athen verlegt wurde, residierte der Hof zunächst noch in Nafplion. 1841 bezog Otto in Athen das von Friedrich von Gärtner erbaute Schloss, das heutige Parlamentsgebäude.

Innenpolitik

Die politische Szene Griechenlands war geprägt durch Fraktionen, die sich an den Schutzmächten und letztlich deren politischen Interessen orientierten.

Die Russische Partei rechnete mit einer baldigen Auflösung des Osmanischen Reichs. Da dort in einigen Gebieten erhebliche griechische Bevölkerungsanteile lebten, strebte diese Partei eine Wiedererrichtung des 1453 untergegangenen griechisch-byzantinischen Kaiserreichs an, die so genannte „Große Idee“. Für Otto war diese Perspektive äußerst verlockend.

Die Britische Partei setzte hingegen auf die Macht Großbritanniens, das sich zwar mit Griechenland einen Flottenstützpunkt im östlichen Mittelmeer geschaffen hatte, an mehr aber auch nicht interessiert war, schon gar nicht an einer Vergrößerung Griechenlands auf Kosten des Osmanischen Reiches. In der englischen Politik wurde das Osmanische Reich als Puffer vor einem Zugriff Russlands auf das Mittelmeer weiter benötigt. So wurde Griechenland auch jedes Mal abgestraft, wenn es versuchte, hier eine eigenständige Politik zu betreiben.

Die Französische Partei versuchte – in Konkurrenz zu Großbritannien – ebenfalls einen Fuß in die Tür zu bekommen, das heißt politischen Einfluss und gegebenenfalls Territorium im östlichen Mittelmeer zu gewinnen. Das gelang ihr aufgrund der Überlegenheit Großbritanniens aber nur begrenzt, etwa im syrischen Bereich.

Verfassung

An seinem 20. Geburtstag, nun volljährig, übernahm Otto am 1. Juni 1835 die Regierung eigenverantwortlich und bestieg als Von Gottes Gnaden, König von Griechenland den Thron. Diesem Selbstverständnis blieb er treu, und dies führte letztlich auch zu seinem Scheitern. Sein neoabsolutistischer Begriff vom Königtum ließ ihn die Forderung nach einer Verfassung und damit der Mitwirkung von Untertanen an der Regierung ablehnen. Er war allerdings zu schwach, die ihm zur Verfügung stehenden Mittel zu gering, als dass er seinen absoluten Herrschaftsanspruch auf Dauer in der politischen Praxis durchsetzen konnte.

Armansperg wurde zum Premierminister ernannt. Auch im Kabinett des Königs hatten Griechen zunächst keine Stimme – die Regierung bestand weiterhin ausschließlich aus Bayern. Ein zum Ausgleich eingerichteter Staatsrat, ein rein beratendes Gremium, blieb ohne jeden Einfluss. Dieser quasi koloniale Ansatz verursachte weitere Spannungen mit seinen Untertanen, die dieses System als „Bavarokratie“ (Βαυαροκρατία) verspotteten. Armansperg, während der Abwesenheit des Königs in Deutschland 1836 nochmals zum Regenten ernannt, wurde letztlich nach dessen Rückkehr gestürzt.

Verwaltung

Während die Zivilverwaltung sich unter der Regie bayerischer Beamter langsam etablierte, war an ein modernes Heer noch nicht zu denken. Die angestrebte Truppenstärke von 9400 Mann wurde mit tatsächlich 6000 Mann deutlich verfehlt, die meisten Soldaten waren aus Bayern als Söldner angeworben und belasteten den Haushalt. Die Disziplinierung durch aus Mitteleuropa importierte Militärreglements war gegenüber dem aus den Freiheitskämpfen gewonnenen Selbstbewusstsein der griechischen Milizen nicht durchzusetzen. Andererseits blieb das Land geprägt von kleineren Aufständen und Revolten, so dass dem Militär eine wichtige innenpolitische Rolle zukam.

Finanzen

Griechenland war nach dem Befreiungskrieg stark entvölkert, Abgaben und Steuern der Osmanen hatten die Wirtschaft gelähmt. Strukturell nachteilig war, dass sich die landwirtschaftliche Fläche in den Händen weniger Großgrundbesitzer befand. Mit der Staatsgründung wurde Griechenland von den Garantiemächten Frankreich, Großbritannien und Russland eine Anleihe von 60. Mio. Franken aufgelegt, von denen nur 3/4 tatsächlich gezahlt wurden und von denen 12 als Geldentschädigung an die Hohe Pforte des Osmanischen Reiches gezahlt werden musste. Bis 1835 stieg das Defizit des Staates kontinuierlich an, 1840 gelang es erstmals einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen und mit der Rückzahlung des angehäuften Defizits zu beginnen[1]. Hauptgläubiger waren Großbritannien und die Rothschildbank. Das gab Großbritannien ein weiteres Druckmittel gegen eine eigenständige griechische Politik.

Das Investitionsprogramm von Otto war sehr ambitioniert, und wurde finanziell durch griechische Mäzene im Ausland und seinen Vater, den König Ludwig als Bürgen unterstützt. Zahlreiche Projekte waren sehr langfristig ausgelegt und entfalteten erst Jahrzehnte später ihre Wirkung, wie Investitionen im Bildungswesen. Die angespannte wirtschaftliche und finanzielle Situation des Landes bereitete den Boden für oppositionelle Kräfte.

Ehe und Thronfolge

Am 22. November 1836 heiratete Otto in Oldenburg die hoch begabte, aber auch sehr konservative Herzogin Amalie von Oldenburg. Neben Otto begann auch sie sich politisch zu engagieren, so setzte sie für die Belange von Landwirten ein. Die Kinderlosigkeit der Ehe entwickelte sich zunehmend zu einem Problem, obwohl mit der Verfassung von 1844 das Thronfolgerecht auf Prinz Adalbert, einen jüngeren Bruder von Otto, und dessen Nachkommen erstreckt wurde. Der nächst jüngere Prinz, Luitpold, weigert sich von vorneherein, gegebenenfalls zum orthodoxen Bekenntnis zu wechseln. Otto hatte als Bedingung akzeptieren müssen, dass zumindest der Thronfolger im Erbfall zum orthodoxen Bekenntnis konvertieren müsse.

Otto war seiner Frau nicht immer treu. Unter anderem hatte er ein Verhältnis mit Jane Digby, einer Ex-Geliebten seines Vaters.

Kirche

Die Griechisch-Orthodoxe Kirche wurde 1833 für autokephal erklärt, da der Patriarch von Konstantinopel de facto unter osmanischer Kontrolle stand. Otto, überzeugt römisch-katholisch, weigerte sich zu konvertieren, war also aus orthodoxer Sicht ein Ketzer, und sollte nun Oberhaupt dieser Kirche werden. Dies und eine Politik, die darauf zielte, die Kirche möglichst staatskonform zu gestalten, waren weitere Punkte, die Unruhe verursachten. Hinter der Kirche stand die russische Partei. Schließlich wurde dem König ein Veto gegen Beschlüsse der Bischofssynode zugestanden.

Kulturpolitik

In der Kulturpolitik war Otto vielleicht am erfolgreichsten: Bekannt sind die zahlreichen Bauten, die unter Otto, oft mit Unterstützung einheimischer Mäzene, entstanden, wie zum Beispiel die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen. Das eingeführte Bildungssystem geht auf deutsche Vorbilder zurück. Otto selbst beherrschte die griechische Sprache bald fließend.

Außenpolitik

Außenpolitisch hatte Otto einen schwachen Stand. Beim Streit zwischen Großbritannien und Russland um Einfluss im Bereich des östlichen Mittelmeers war er mehr Spielball als Akteur. Griechische Chauvinisten warfen ihm das vor, und forderten, dass er herzhafter und militärisch aktiv auf Gebiete des zerfallenden Osmanischen Reichs zugreifen sollte, eine Politik, die sich aber angesichts der Interessen seiner Hauptschutzmacht, Großbritannien, nur schwer verwirklichen ließ.

Als etwa 1841 Griechenland den Versuch unternahm, Kreta zu annektieren, blockierte Großbritannien den Hafen von Piräus durch seine Flotte. Das wiederholte sich 1850, als Großbritannien mit diesem Druckmittel einen Streit um zwei Inseln zu seinen Gunsten entschied und sie seinem Protektorat über die Ionischen Inseln einverleibte. Das ganze wiederholte sich erneut, als Griechenland im Krimkrieg 1853 der russischen Seite beitrat, um von der erwarteten osmanischen Beute zu profitieren. Der Hafen Piräus und die Hauptstadt Athen wurden besetzt, die griechische Flotte von den Westmächten beschlagnahmt. Die Machtlosigkeit des Königs gegen solche ausländischen Interventionen desavouierte seine Stellung. Auch überstrapazierten derartige außenpolitische Projekte den griechischen Staat finanziell.

Griechischer Widerstand gegen Otto

Otto von Griechenland 1865 im Exil
Sarkophag Ottos I. von Griechenland in der Gruft der Theatinerkirche zu München

1843 wurden vertragsgemäß die letzten bayerischen Truppen aus Griechenland abgezogen. Der König stand nun ohne verlässliche militärische Macht da. Sofort brach ein Militärputsch in Athen aus, der sich zu einem ersten Volksaufstand gegen König Otto ausweitete. Die Untertanen trotzten ihrem König eine Beteiligung an der Macht ab. Otto gestand schließlich 1844 die geforderte Verfassung zu und Andreas Metaxas wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Er und alle seine Nachfolger hielten sich aber nur kurz im Amt, was die heftigen Fehden der verschiedenen, sich an den Garantiemächten orientierenden Parteien widerspiegelte.

Der zweite große Aufstand brach 1862 los, während sich das Königspaar auf einer Rundreise befand. Es versuchte sofort, nach Athen zurückzukehren, musste aber – da die Garantiemächte ihre Unterstützung entzogen – sofort mit einem englischen Schiff evakuiert werden, da selbst auf die Besatzung des königlichen Schiffs kein Verlass mehr war. Seine Kronjuwelen, die er 1832 aus Bayern mitgebracht hatte, nahm Otto wieder mit.

Exil

Otto kehrte mit seiner Frau nach Bayern zurück, wo sie bis zu ihrem Tode in der ehemals fürstbischöflichen Residenz in Bamberg lebten. Jeden Tag hatten sie als Erinnerung an Ihre Zeit in Griechenland eine Griechischstunde, in der sie sich ausschließlich auf griechisch unterhielten. Jeden Abend zwischen sechs und acht wird nur griechisch gesprochen. Der aus 50 Personen bestehende Hofstaat war in griechischen Trachten gekleidet.[2]

Neben Gästen aus Griechenland wurde der Hof auch vom Hochadel besucht, unter anderem von Königin Amalie Auguste von Sachsen, eine Halbschwester des Vaters von Otto, Königin Sophie der Niederlande und Gustav Prinz von Wasa.

Trotz Sparhaushalt finanzierte er 1866 mit seiner gesamten Jahresapanage eine Waffenlieferung an die Kreter, die sich gegen die Osmanische Herrschaft aufgelehnt hatten.

Ottos letzte Worte waren laut Zeitzeugen Griechenland, mein Griechenland, mein liebes Griechenland. Die Sarkophage König Ottos und Königin Amalias befinden sich in der Gruft der Theatinerkirche München, eine von mehreren Begräbnisstätten des Wittelsbacher Königshauses.

Bilanz seiner Herrschaft

Die Osmanische Herrschaft hatte ein wirtschaftlich und sozial ausgeblutetes Land hinterlassen, der Zugang zu Wissen war auf jedwede Art behindert. So gab es im ganzen Land beispielsweise keine Papiermühle und keine einzige Druckerei, ein Schulwesen war nicht vorhanden, so dass die Bildung bis dahin in Klöstern oder verbotenerweise im Privaten stattfand. Die Aufgabe der osmanischen Verwaltung bestand vornehmlich im Eintreiben von Abgaben, deren Ausbleiben meist grausame Repressalien nach sich zog, was letztendlich zur Revolution geführt hatte.

Das Land verfügte nur über eine rudimentäre Infrastruktur und nach der Revolution auch über keine Verwaltung mehr. Otto gelang der Aufbau einer funktionierenden Verwaltung und eines Rechtssystems, der Import von Waren und Wissen in das zuvor heruntergewirtschaftete Land belasteten jedoch die Staatsfinanzen und führten zu Unmut in der Bevölkerung die nach dem Abwurf der osmanischen Fremdherrschaft eine schnelle Genesung des Landes erhofft hatte. Gleichzeitig sahen Mächte wie Großbritannien oder Österreich ihre Interessen eher auf der Seite des großen Osmanischen Reiches, als in der Stützung des kleinen Königreiches Griechenland.

Letztendlich dauerte es bis zu seinem Nachfolger Georg I. bis Ottos Werk, beispielsweise im Bildungswesen Erfolg zeigte, und das Land zum mit Abstand fortschrittlichsten und wohlhabendsten in Südosteuropa machte. Dies ermöglichte dann auch Kriege zu führen und lokale Aufstände zu stützen, um weitere griechisch besiedelte Gebiete vom Osmanischen Reich zu erobern.

Ganz aus dem nichts war Ottos Werk nicht; seit der osmanischen Eroberung von Konstantinopel hatten griechische Kaufleute und Gelehrte das traditionelle griechische Siedlungsgebiet verlassen und bedeutende Auslandsgemeinden gegründet. Vermögende Kaufleute konnten nun von Otto zu erheblichen Sachspenden motiviert werden, die etwa große öffentliche Bauten, Stipendien etc. umfassten. Die Ionischen Inseln gar waren nicht unter osmanischer Herrschaft gefallen, und versorgten das Land nun mit qualifizierten griechischsprachigen Beamten. Auslandsgriechen war es gleichzeitig gelungen, mit dem Philhellenismus quasi einen Freundeskreis für die griechischen Interessen zu begründen und eine Opposition zu der gängigen Meinung zu bilden, die das Osmanische Reich als notwendige Konstante im Balkan sah.

Ottos absolutistische Erziehung und daraus resultierende Politik war bereits im 19. Jahrhundert antiquiert, und sollte das kritische Verhältnis der Griechen zur Monarchie bis zu deren Ende prägen. Seine starke Identifikation mit Griechenland auch über seine Absetzung hinaus und seine fließenden Sprachkenntnisse (die er sich bereits früh angeeignet hatte) trugen wesentlich zu seiner bis heute andauernden Popularität bei.

Museen

  • Im Rathaus des Münchner Vororts Ottobrunn, der sich bei Gründung im Jahre 1902 seinen Namen im Gedenken an Otto gab, gibt es das König-Otto-von-Griechenland-Museum.
  • Die erste Athener Residenz von Otto wurde zum heutigen Athener Stadtmuseum ausgebaut. Einige Räume wurden mit vielen Originalgegenständen in den ursprünglichen Zustand versetzt.
  • Die spätere Residenz König Ottos von Griechenland ist das heutige Griechische Parlament, in dem noch die Möbel aus seiner Amtszeit sowie ein umfangreiches Archiv (nur beschränkt oder im Rahmen von Ausstellungen zugänglich) aufbewahrt werden. Gegenüber (am Syntagma-Platz) ist eine Straße nach ihm benannt (Odos Othonos).

Denkmale

  • Nauplia: König-Otto-Denkmal mit Angabe seiner Regierungszeit
  • Bamberg: eine Bronzeplatte für das griechische Königspaar Otto und Amalie im Rosengarten der Neuen Residenz. Die Inschrift in griechischer und deutscher Sprache.
  • Ottobrunn: Ottosäule;
  • Kiefersfelden: König-Otto-Kapelle: Bei seiner Ausreise nach Griechenland ließ König Otto 1832 am Grenzübergang zu Österreich (Kufstein) die König-Otto-Kapelle errichten (Architekt: Joseph Daniel Ohlmüller)
  • Otto-Quelle des Mineralwassers Mattoni in Tschechien

Zitate über Otto

  • Heinrich Heine nahm in seinen "Lobgesängen auf König Ludwig I", auch dessen Sohn Otto aufs Korn: Herr Ludwig ist ein mutiger Held, Wie Otto, das Kind, sein Söhnchen; Der kriegte den Durchfall zu Athen, Und hat dort besudelt sein Thrönchen.[3]
  • Er war nicht rücksichtslos genug, damit man ihn fürchtete, nicht leidenschaftlich genug, um geliebt und nicht kompetent genug um respektiert zu werden.[4]

Literatur

  • Reinhold Baumstark (Hrsg.): Das neue Hellas: Griechen und Bayern zur Zeit Ludwigs I. = Katalog zur Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums München vom 9. November 1999 bis 13. Februar 2000, München 1999.
  • Leonard Bower, Gordon Bolitho: Otho I, King of Greece: A Biography. London: Selwyn & Blount, 1939.
  • Christian Dümler, Kathrin Jung: Von Athen nach Bamberg: König Otto von Griechenland. Begleitheft zur Ausstellung in der Neuen Residenz Bamberg vom 21. Juni bis 3. November 2002. Hrsg.: Bayerische Schlösserverwaltung. München 2002.
  • Thomas Gallant: Modern Greece. Oxford University Press 2003. ISBN 0-340-76336-1.
  • Karl Theodor von Heigel: Otto, König von Griechenland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 24, Duncker & Humblot, Leipzig 1887, S. 691–699.
  • Reinhard Heydenreuter: Die erträumte Nation: Griechenlands Wiedergeburt im 19. Jahrhundert [Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung]. Bilder und Dokumente zu den bayerisch-griechischen Beziehungen im 19. Jahrhundert. München 1995.
  • Franz Menges: Otto I.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, S. 687 f.
  • Ludwig Trost (Hrsg.): König Ludwig I. von Bayern in seinen Briefen an seinen Sohn, den König Otto von Griechenland: Bamberg 1891.
  • Otto I.. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 12, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, ‎ S. 565.

Einzelnachweise

  1. [Johann Georg August Galletti,Johann Günther Friedrich Cannabich, Hermann Meynert: Allgemeine Weltkunde, 1840 S. 415/418m C.A. Harthleben]
  2. [1]
  3. Heinrich Heine: Nachgelesene Gedichte 1828-1844.
  4. Thomas Gallant.

Weblinks

 Commons: Otto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Augustinos Kapodistrias
als Präsident von Griechenland
König von Griechenland
Greek CoA (1831-1863).svg

1832–1862
Georg I.

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