Fujian

Fujian
福建省
Fújiàn Shěng
Abkürzung: (Pinyin: Mǐn)
Hauptstadt Fuzhou
Fläche

 - Gesamt
 - Anteil an der
VR China

Rang 23 von 33

121.400 km²
1,26 %
 

Bevölkerung

 - Gesamt 2010
 - Dichte

Rang 18 von 33

36.270.000 Einwohner
289,2 Einwohner/km²

Verwaltungstyp Provinz
Gouverneur Huang Xiaojing
Lage von Fújiàn Shěng in China
ISO 3166-2-Code CN-35
Bezirksebene 9 Städte
Kreisebene 45 Kreise, 26 Stadtbezirke, 14 Städte
Gemeindeebene 595 Großgemeinden, 315 Gemeinden, 173 Straßenviertel, 19 Nationalitäten-Gemeinden

Fujian (chinesisch 福建省 Fújiàn Shěng, ältere Umschrift des Weltpostvereins Fukien) ist eine Provinz im Südosten der Volksrepublik China. Der Name für diese Provinz wurde während der Tang-Dynastie aus den Namen der beiden Städte Fuzhou und Jian'ou zusammengesetzt.

Die zu Fujian gehörenden unmittelbar vor der Küste liegenden Inselgruppen Quemoy (金門 / 金门 Jīnmén) und Matsu (馬祖列島 / 马祖列岛 Mǎzǔ lièdǎo) werden von der Republik China auf Taiwan kontrolliert und dort als „Provinz Fujian“ verwaltet. Somit gibt es die Provinz als Verwaltungseinheit zweimal: Innerhalb der Volksrepublik China, die den größten Teil von Fujian kontrolliert, sowie innerhalb der international nicht allgemein anerkannten Republik China, wo Fujian eine von zwei verbliebenen Provinzen (neben Taiwan) ist.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Deutschland und Fujian im gleichen Maßstab
Klimadiagramm Fuzhou

Die Provinz liegt an der der Südostküste Chinas. Sie grenzt an die Provinzen Zhejiang im Norden, Jiangxi im Westen und Guangdong im Südwesten. Im Osten und Süden liegen das Ostchinesische Meer, das Südchinesische Meer und die Taiwanstraße.

Die Küste der Provinz Fujian wäre in gerader Linie 530 Kilometer lang. Durch die zahlreichen Buchten und Halbinseln verlängert sich die Küste aber um ein Vielfaches auf etwa 3.080 Kilometer. Die Provinz ist flächenmäßig etwas größer als die frühere DDR, hat aber die doppelte Einwohnerzahl.

Das Territorium ist bergig und waldig. Auf der Grenze zu Jiangxi liegt das Wuyi-Gebirge, das mit 2.100 m ü. d. M. die höchste Erhebung der Provinz ist. Der längste Fluss, Min-Fluss, dessen Einzugsgebiet zwei Drittel Fujians umfasst, gab der Provinz ihren Kurznamen Min ( / ).

Neben den von der Republik China kontrollierten Inselgruppen Matsu und Quemoy gehören einige kleinere unter der Kontrolle der Volksrepublik China stehende Inseln in der Taiwanstraße zu Fujian.

Größere Städte sind Fuzhou, Putian, Quanzhou, Xiamen, Zhangzhou (von Norden nach Süden an der Küste) sowie Nanping, Sanming und Longyan (im Hinterland auf einer Parallelen zur Küste).

Das Klima der Provinz ist subtropisch. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt zwischen 17 und 21 °C, die durchschnittliche Regenmenge liegt zwischen 1.100 und 2.000 mm, wobei der Hauptanteil (80–85 %) des Regens zwischen Mai und September fällt. Von Taifunen wird die Provinz nur gelegentlich getroffen.

Administrative Gliederung

Die Provinz Fujian ist in neun bezirksfreie Städte untergliedert (detaillierte Informationen siehe dort):

Lage
in Fujian
Stadt
(Zeichen)
Fläche Einwohner
(2002)
Fuzhoukl.png Fuzhou
(福州市)
12.153 km² 5,97 Mio.
Xiamenkl.png Xiamen
(廈門市 / 厦门市)
1.640,2 km² 1,57 Mio.
Putiankl.png Putian
(莆田市)
3.928 km² 3 Mio.
Sanmingkl.png Sanming
(三明市)
22.930 km² 2,67 Mio.
Quanzhoukl.png Quanzhou
(泉州市)
11.220,5 km² 6,57 Mio.
Zhangzhoukl.png Zhangzhou
(漳州市)
12.874 km² 4,53 Mio.
Nanpingkl.png Nanping
(南平市)
26.278 km² 3,05 Mio.
Longyankl.png Longyan
(龍岩市 / 龙岩市)
19.027 km² 2,87 Mio.
Ningdekl.png Ningde
(寧德市 / 宁德市)
13.452 km² 3,24 Mio.


Bevölkerung

Mit seinen etwa 289 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Fujian eine für chinesische Verhältnisse durchschnittlich dicht besiedelte Provinz. Die Bevölkerung ist jedoch sehr unterschiedlich verteilt, der größte Teil drängt sich auf den relativ wenigen Ebenen. Bezüglich des Bevölkerungswachstums liegt Fujian leicht über dem Durchschnitt.

Während des vergangenen Jahrzehnts ist Fujian aufgrund seiner schnellen wirtschaftlichen Entwicklung zu einer Provinz geworden, die durch Migration netto an Bevölkerung gewinnt. Bis zum Beginn der 1990er Jahre war Fujian eine Abwanderungsregion. Fujian verliert nun Bevölkerung in Richtung der reicheren Provinzen Guangdong, Jiangsu, Zhejiang und der regierungsunmittelbaren Stadt Shanghai. Sie gewinnt Bevölkerung aus den ärmeren Provinzen Sichuan, Jiangxi, Guizhou und Anhui. Unter den Migranten befindet sich ein hoher Anteil an Personen, die ihren offiziellen Wohnsitz nicht nach Fujian verlegen wollen oder dürfen; diese sogenannten Nicht-hukou-Migranten machen etwa 6 % der Bevölkerung aus.

Die Urbanisierungsrate für das Jahr 2000 wird mit 42 % angegeben.

Ethnische Gliederung der Bevölkerung Fujians (2000)

Der Zensus des Jahres 2000 zählte 34.097.947 Einwohner Fujians.

Innenhof eines Hakka-Rundhauses
Name des Volkes Einwohner Anteil
Han 33.514.147 98,29 %
She 375.193 1,1 %
Hui 109.880 0,32 %
Tujia 29.046 0,09 %
Miao 22.065 0,06 %
Zhuang 10.818 0,03 %
Mandschu 7.094 0,02 %
Mongolen 6.114 0,02 %
Dong 5.768 0,02 %
Bouyei 4.206 0,01 %
Sonstige 13.616 0,04 %

Unter „Sonstige“ befinden sich auch über 400 Gaoshan, Ureinwohner Taiwans, die nach der Teilung Chinas auf dem Festland verblieben waren. Fujian hat außerdem eine große Population von Hakka, das sind Han-Chinesen, die vor Jahrhunderten aus Nordchina eingewandert sind.

Unter den Überseechinesen stellen Emigranten aus Fujian (Hokkien) den zweitgrößten Anteil nach Guangdong. In Taiwan stellen sie sogar die Bevölkerungsmehrheit. Deshalb gilt der Taiwan-Dialekt auch nur als eine Variante der verschiedenen Min-Dialekte, obwohl dies vor allem aus politischen Gründen umstritten ist. Die Überseechinesen haben für die wirtschaftliche Entwicklung der Provinz eine hohe Bedeutung, vor allem deshalb, weil sie für einen sehr hohen Anteil der ausländischen Investitionen in Fujian verantwortlich sind. Bedeutende Politiker, deren Vorfahren aus Fujian stammen, sind Lee Teng-hui auf Taiwan, Lee Kuan Yew in Singapur und Corazon Aquino auf den Philippinen.

Kultur

Sprache

Wegen seiner Geschichte und bergigen Natur ist Fujian eine der linguistisch interessantesten Regionen der Welt. Lokale Dialekte können innerhalb einer Entfernung von 10 Kilometern unverständlich sein. Die Dialekte werden zu der Kategorie der Min-Dialekte gezählt, wozu auch Taiwanisch gehört. Die offizielle Sprache jedoch ist Putonghua (Mandarin-Chinesisch) und sie wird zur Kommunikation unter den Menschen verschiedener Orte verwendet. Während die Hakka ihre eigene Sprache erhalten haben, sprechen die anderen Minderheiten der Provinz, etwa die She, keine eigene Sprache mehr. Früher wurde von Händlern in Fujian ein Pidgin-Englisch zu diesem Zweck gebraucht, das mittlerweile ausgestorben ist.

Interessant ist, dass das deutsche Wort „Tee“ aus dem Dialekt der Region um Xiamen kommt. Die meisten westlichen Länder, die den Tee ursprünglich auf dem Landweg bezogen, übernahmen die nordchinesische Aussprache cha für und machten daraus tschai. Dies trifft vor allem auf die Russen, die Inder, die Türken und die Araber aber auch auf die Japaner und Koreaner zu.

Religion

Tor des buddhistischen Hualin-Tempels in Fuzhou

In Fujian ist die für China typische bunte Mischung aus Buddhismus, Daoismus und chinesischem Volksglauben verbreitet. Dazu kommt eine recht hohe Anzahl von Muslimen, die Nachfahren der etwa 100.000 Araber sind, die unter der Yuan-Dynastie in Quanzhou ansässig waren.

Der Buddhismus kam von Norden her in die Provinz, und zwar in der Zeit der westlichen Jin-Dynastie. Zu jener Zeit war die politische Lage sehr instabil und zahlreiche Kriege überzogen die Region. Dies bescherte dem Buddhismus einen starken Zulauf. Klösterliche Siedlungen entstanden in der ganzen Provinz, vor allem an berühmten Bergen. Ein Beispiel dafür ist die Steinpagode auf dem Tabu-Berg (6. Jahrhundert). Um das 11. Jh. war der Buddhismus in Fujian in seiner vollen Blüte; zu jener Zeit hatte die Stadt Fuzhou allein 1.500 Klöster. Bedeutende noch erhaltene buddhistische Bauwerke sind Hualin Si und Dayun Si in Fuzhou, der Guanghua Si in Putian sowie der Kaiyuan-Tempel in Quanzhou.

Neben buddhistischen Tempeln existieren in Fujian zahlreiche Tempel für lokale Gottheiten. Der bedeutendste derartige Tempel befindet sich auf der Insel Meizhou und ist Mazu gewidmet. Für den Kult um Mazu ist der Tempel in Meizhou der wichtigste; er wurde jedoch während der Kulturrevolution fast vollständig zerstört und wird nur langsam wieder aufgebaut, wobei die Gelder dafür vor allem aus Taiwan stammen.

Architektur

Die religiösen Bauwerke sind in ihrer Architektur vor allem von Nordchina, zu einem geringeren Ausmaß jedoch auch von Übersee beeinflusst. Der Einfluss von Übersee ist nicht selten von aus dem Ausland zurückkehrenden Chinesen mitgebracht worden, die ihre Häuser in einem Mix aus chinesischer Architektur mit den Elementen ihrer ausländischen zweiten Heimat errichteten. Wenn sie die Errichtung von Tempeln finanzierten, dann flossen diese Elemente auch in die religiöse Kunst der Kultur ein.

In der profanen Architektur sind vor allem die Bauwerke, die die Ausländer errichten ließen, von Interesse. Diese sind heute vor allem noch auf der Insel Gulangyu zu finden.

Kulturelle Fragmentierung

Rundhäuser der Hakka

Ein interessantes Phänomen in Fujian ist die Fragmentierung der Bevölkerung hinsichtlich ihrer Kultur. Durch die Dominanz der Han-Nationalität ist die chinesische Kultur natürlich vorherrschend; es haben sich dabei einige Besonderheiten erhalten. So haben die Hakka, die den Han angehören, eine eigene Sprache, andere Nationalitäten (She, Hui-Chinesen) haben ihre ursprüngliche Sprache jedoch aufgegeben. Während die She und die Muslime Fujians heutzutage in konfuzianischer Tradition leben, haben sich im Kreis Hui'an Heiratsbräuche erhalten, bei welchen die Frau erst bei Eintreten einer Schwangerschaft endgültig ihr Elternhaus verlässt und zu ihrem Mann zieht. Im gleichen Kreis sind auch Trachten überliefert, die für Han-Chinesen sehr unüblich sind und wahrscheinlich auf Einflüsse von Völkern zurückzuführen sind, die mittlerweile in den Han aufgegangen sind. Erwähnenswert sind auch die Siedlungsformen der Hakka in Rundhäusern.

Wie es zu dieser Fragmentierung kam, ist wissenschaftlich noch nicht zufriedenstellend erklärt.

Geschichte

Frühe Geschichte

Archäologische Funde zeigen, dass der Norden Fujians vor etwa 8.000 Jahren in die Neusteinzeit eintrat. Dies beweisen etwa die Fundstücke von Keqiutou (殼丘頭 / 壳丘头, Insel Pingtan 70 km südöstlich von Fuzhou), die auf ein Alter zwischen 7.450 und 5.590 Jahren datiert wurden. Darunter finden sich Werkzeuge aus Steinen, Knochen, Muscheln und Jade; entdeckte Nadeln und Spinnräder beweisen etwa, das die Bewohner damals schon die Webkunst beherrschten. In Tanshishan (曇石山 / 昙石山) wurden halb-unterirdische kreisförmige Gebäude gefunden, und die Funde in Huangtulun (黄土崙, datiert auf etwa 3.300 Jahre und ebenfalls in der Nähe Fuzhous) deuten auf den Eintritt in die Bronzezeit hin.

Die Funde zeigen aber auch, dass die Ureinwohner der Provinz, Austronesier, die wahrscheinlich übers Meer aus Südostasien eingewandert waren, Landwirtschaft fast nicht kannten und sich vom Fischfang ernährten. Diese Menschen mit großen Augen, flacher Nase und tätowierten Körpern besiedelten vor allem die Regionen entlang des Min-Flusses. Die Besiedelung des restlichen, dicht bewaldeten Territoriums war jedoch äußerst dünn. Erst während der Qin- und Han-Dynastie wurde das Gebiet durch die Chinesen erforscht und erste Beamte wurden entsendet, um Verwaltungsstrukturen aufzubauen. Die Ureinwohner wurden ab der Han-Dynastie in Richtung Norden, nördlich des heutigen Shanghai, verdrängt.

Der Min-Fluss in Fujian

Das Gebiet konnte jedoch nicht sofort in chinesisches Stammterritorium einverleibt werden, denn während der Zeit der streitenden Reiche war ein rivalisierendes Reich im heutigen Fujian entstanden. Die königliche Familie Yue hatte das Reich im 3. Jh. v. Chr. gegründet, als ihr Stammterritorium vom Königreich Chu eingenommen worden war. Unter der Qin-Dynastie wurde das Königreich zwar ins formell Qin-Gebiet eingegliedert. Als die kurzlebige Qin-Dynastie in sich zusammenbrach und Bürgerkrieg herrschte, unterstützte König Wuzhu von Minyue den Kriegsherren Liu Bang im Kampf gegen Xiang Yu. Liu Bang errichtete mit Wuzhus Hilfe später die Han-Dynastie, und im Jahr 202 v. Chr. bekam Minyue den Status eines formell unabhängigen, aber tributpflichtigen Königreiches zurück. Minyue wurde erlaubt, Festungen (etwa in Fuzhou und in den Wuyi-Bergen zu errichten und ihr Territorium über jenes der heutigen Provinz hinaus zu vergrößern. Minyue umfasste dann neben dem heutigen Fujian auch das östliche Guangdong, das südliche Zhejiang und den Osten von Jiangxi. Kulturell wurde Minyue sinisiert und seine Kultur bestand aus einer Mischung aus austronesischen und Han-chinesischen Elementen.

Nach dem Tod des Königs Wuzhu hielt das Königreich die militärische Tradition aufrecht und griff wiederholt seine Nachbarn an. Im Jahre 111 v. Chr. entschied der Han-Kaiser, die potentielle Gefahr zu beseitigen und griff das Königreich zeitgleich zu Land und See an, womit Minyue ausgelöscht wurde. Um große Zerstörungen zu vermeiden, gaben die Herrscher in Fuzhou dem Kampf frühzeitig auf, das Minyue-Reich kam somit zu einem sehr abrupten Ende. Im Norden Fujians gibt es jedoch nach wie vor zahlreiche Tempel, die zur Verehrung der ersten Könige Fujians errichtet wurden.

Die Han-Dynastie brach im 2. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Das Gebiet des heutigen Fujians wurde während der Zeit der drei Reiche vom Königreich Wu beherrscht. Der Gründer von Wu, Sun Quan, brauchte fast zwanzig Jahre, um die Shan Yue (die Yue in den Bergen) zu unterwerfen.

Im frühen 4. Jahrhundert, nach dem Zusammenbruch der Westlichen Jin-Dynastie, wurde Nordchina von Nomaden aus dem Norden angegriffen und es herrschte Bürgerkrieg. Somit kam die erste Welle von Immigranten nach Fujian. Die Immigranten stammten hauptsächlich von drei zentralchinesischen Clans, nämlich Lin (), Huang (), Chen ( / ), Zheng ( / ), Zhan (), Qiu (), He (), und Hu (), wobei die ersten vier die wichtigsten Familiennamen des modernen Fujian bleiben.

Wegen der rauhen Topographie des Gebietes blieb Fujian relativ dünn besiedelt, die wirtschaftliche Entwicklung blieb hinter dem restlichen China zurück und es wurden auch nur zwei Kommandanturen und sechzehn Bezirke eingerichtet. Ähnlich wie die anderen Provinzen des Südens diente Fujian nicht zuletzt als Ziel für Gefangene oder Dissidenten.

Während der Zeit der Nördlichen und Südlichen Dynastien war Fujian im Einflussgebiet der Südlichen Dynastien. Ihre Herrscher machten große Anstrengungen, um das Gebiet mit Han-Chinesen zu besiedeln.

Erste Blüte während der Tang- bis Ming-Dynastie

Das Schriftzeichen Min

Ab der Tang-Dynastie (618-907) war Fujian dann ein integraler Bestandteil des chinesischen Kaiserreiches. Ab diesem Zeitpunkt sind Seefahrt und Handel mit der Geschichte der Provinz ganz eng verbunden. Während der Tang- und Song-Dynastie bewegte sich das wirtschaftliche Schwergewicht Chinas in Richtung Süden, und speziell nach der An-Lushan-Rebellion im 8. Jh. gab es massive Südmigration. Die Immigranten, die während der Periode der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche wurden von General Wang angeführt, welcher das Min-Königreich mit Fuzhou als Hauptstadt gründete. Nach Wangs Tod wurde das Min-Königreich durch interne Kämpfe jedoch so geschwächt, dass es von den Südlichen Tang geschluckt wurde.

In 150 Jahren versechsfachte sich die Bevölkerung der Provinz. Dies brachte einerseits Druck, die vielen Menschen zu ernähren, andererseits auch genug Arbeitskräfte für Landgewinnung, Anlegen von Terrassenfeldern und für das Graben von Bewässerungskanälen. In diesen Punkten erlangte Fujian bis ins 10. Jahrhundert die technologische Führerschaft in China. Die Stadt Fuzhou stieg zu einer bedeutenden Hafen- und Handelsstadt auf, durch die vor allem Tee ausgeführt wurde.

Ab dem 9. Jh. waren Arabische Händler in China, speziell in Quanzhou ansässig, um mit den Chinesen Handel zu treiben. Quanzhou überholte langsam Fuzhou oder Guangzhou in ihrem Umschlag und wurde zum damals wahrscheinlich größten Hafen der östlichen Welt. Während der frühen Ming-Dynastie war Quanzhou Ausgangspunkt für die Expeditionen des Admirals Zheng He (seine erste Expedition startete 1405). Neben Handel und Seefahrt erlebten auch Handwerk, Kunst und Wissenschaft einen großen Aufschwung. Fujian gehörte zu den wohlhabendsten Gebieten Chinas. Aus Fujian stammte eine relativ hohe Anzahl von hohen Würdenträgern des Kaiserreiches der Song- bis Yuan-Dynastie. Die Zeit vom 11. bis zum 14. Jahrhundert ist deshalb das Goldene Zeitalter von Fujian.

Der Abstieg begann mit einer Rebellion von Nicht-Chinesen in der Stadt Quanzhou, die dadurch zerstört wurde. Gleichzeitig bedrohten japanische Piraten (Wokou) die chinesischen Südküsten, worauf die Regierung mit einer Beschränkung, später einem Verbot des Seehandels reagierte. Der Handel wurde durch eine Versandung des natürlichen Hafens von Quanzhou noch weiter behindert. Der Fall der Yuan-Dynastie stürzte die Region noch zusätzlich ins Chaos. Obwohl ein erneutes Seehandelsverbot (Hai jin) 1567, nach der erfolgreichen Bekämpfung der Piraterie durch das chinesische Militär und durch die japanischen Daimyō, wieder aufgehoben wurde, konnte sich der Handel in der Region nicht wieder erholen. Ab hier waren Guangzhou, Hangzhou, Ningbo oder Shanghai bedeutender.

Der starke Aufschwung der Region hatte zu einer Bevölkerungsexplosion geführt. Der Abstieg führte einer massiven Abwanderung. Fujianesen besiedelten in der Folge Taiwan, die Philippinen, Teile des heutigen Malaysia und Indonesiens. Der Zusammenbruch der Ming-Dynastie führte wiederum zu einem großen Zustrom von Migranten, der jedoch durch zeitgleiche Abwanderung nach Übersee und Guangdong nicht zu einer neuen Bevölkerungsexplosion führte. Die letzten Anhänger der Ming griffen unter Koxinga 1650 die Holländer auf Taiwan an und verdrängten sie von dort. Um die Ming-Regierung unter Koxinga auf Taiwan zu schwächen, verhängte der Qing-Kaiser Kangxi wiederum ein Seehandelsverbot, das 20 Jahre galt. Im Jahre 1689 war dieses letzte Ming-Bastion gestürzt und die Qing gliederten Taiwan an Fujian an. In dieser Zeit erreichte die Auswanderung von Fujian nach Taiwan ihren Höhepunkt; ein großer Teil der Bevölkerung des heutigen Taiwans stammt von damaligen Migranten ab.

Moderne

Traditionelles Wohnhaus in Fuzhou

Ab dem frühen 17. Jh. wurde Fujian mehr und mehr Ziel ausländischen Einflusses. Das war zunächst ein Grund dafür, dass der Seehandel durch die Qing wiederum verstärkt reglementiert wurde. Nach der Niederlage im Ersten Opiumkrieg und dem Vertrag von Nanking musste das Chinesische Kaiserreich 1842 weitere Häfen für den ausländischen Einfluss öffnen. Unter diesen Häfen waren Amoy (das heutige Xiamen) und Fuzhou. Hier begannen Missionare ihre Tätigkeit und Fabriken nach ausländischem Vorbild wurden eröffnet. Speziell in Fuzhou entstanden Schulen und Zeitungen nach ausländischem Vorbild, was einen Nährboden für revolutionäre Tätigkeiten bildete. Der offene Hafen von Xiamen wuchs rasch in seiner Bedeutung. Nachdem in Fujian ein großer Bevölkerungsdruck herrschte, es in einigen britischen Kolonien jedoch an Arbeitskraft mangelte, sah der britische Händler James Tait eine Geschäftsgelegenheit. Dies war der Beginn des Kuli-Handels (1847); zwischen 1876 und 1898 wurden 1,36 Millionen Menschen von Xiamen nach Südostasien exportiert. Dies war gleichzeitig der Beginn eines florierenden Personenverkehres zwischen Xiamen und einigen fernen Destinationen.

1885 wurde Taiwan erstmals eine eigene Provinz. Nach dem ersten chinesisch-japanischen Krieg (1894-1895) und dem Vertrag von Shimonoseki kam Fujian unter starken japanischen Einfluss, während viele ausländische Unternehmen (besonders britische) begannen, in erste Industrien in Fujian zu investieren.

Die Überseechinesen, die im Ausland mit republikanischen Ideen in Kontakt gekommen waren, kehrten auch wieder in ihre Heimat zurück und bereiteten den Sturz Qing-Dynastie vor, die durch zahlreiche militärische Niederlagen bereits stark geschwächt waren.

Republikanische Periode

Nachdem 1911 die Qing gestürzt waren, kam Fujian in schneller Folge unter die Herrschaft mehrerer Kriegsherren. Yuan Shikai war dann vorübergehend in der Lage, Fujian unter seine Kontrolle zu bringen, Li Houji, Sun Chuanfang und Zhou Yinren wurden Militärgouverneure der Provinz. Zwischen 1918 und 1920 hielt jedoch Chen Jiongming den Süden der Provinz; in diesen beiden Jahren wurden in Zhangzhou ambitionierte Reformvorhaben unternommen. Chen wurde 1920 nach Guangdong berufen, um Sun Yat-sen zu unterstützen, damit verfiel seine Verwaltung in Zhangzhou.

Im Jahre 1926 kam Fujian im Rahmen der Nordexpedition unter Kontrolle der Kuomintang, und es begann eine Phase relativer Stabilität. Diese wurde jäh unterbrochen, als im Winter 1933/1934 eine Revolte unter Li Jichen, Chen Mingshu und Cai Tingjie stattfand, die in der Unabhängigkeitserklärung Fujians von der Zentralregierung in Nanjing gipfelte. Diese separatistische Bewegung wurde in weniger als zwei Monaten mit aller Brutalität niedergeschlagen.

Im zweiten chinesisch-japanischen Krieg wurde Fujians Küste von der japanischen Armee besetzt und die Provinzregierung musste sich nach Yong'an zurückziehen. Während des Bürgerkrieges zwischen den Kuomintang und den Kommunisten herrschte wiederum Krieg in Fujian.

Seit Gründung der Volksrepublik China

Faktische Lage der Provinz Fujian innerhalb der Republik China, also das von der Republik China effektiv kontrollierte Gebiet
Straßenszene im heutigen Fuzhou

Das Ergebnis des Bürgerkrieges war, dass die Kommunisten auf dem Festland siegreich waren und die Volksrepublik China gründeten, während sich die Kuomintang nach Taiwan zurückzog. Die Konfrontation zwischen den beiden Mächten bedeutete, dass Fujian genau an der Frontlinie lag. Die Provinz war bis dahin vom restlichen China relativ abgeschieden (in den 1960ern sollen in den Bergen Dörfer gefunden worden sein, deren Bewohner nicht wussten, dass die Qing-Dynastie gestürzt worden war). Bis auf eine Eisenbahnlinie (Eröffnung 1956) wurden in Fujian keine größeren Investitionen getätigt. Andererseits kam Fujian auch in die Wirren des Großen Sprung nach vorn und der Kulturrevolution, die in Landwirtschaft und Natur große Schäden anrichteten.

Trotzdem setzte sich die starke akademische Tradition, die seit der Südlichen Song-Dynastie geherrscht hatte, auch im realsozialistischen China fort. So stammen viele Mitglieder der Chinesischen Akademie der Wissenschaften aus Fujian.

Seit der Öffnung Chinas zum Rest der Welt hat vor allem der Kapitalzufluss aus Taiwan dazu geführt, dass die Küstenstädte Fujians zu den reichsten in China gehören. Dies führt zu einem starken Einwanderungsdruck aus den übervölkerten Gebieten in Zentral- und Nordchina. In vielen Städten müssen deshalb – wie in allen Küstenregionen Chinas – traditionelle Viertel und kulturelles Erbe billig hochgezogenen Hochhäusern weichen.

Am 1. September 2005 wurden in Fujian und Zhejiang 760.000 Menschen vor dem Taifun Talim evakuiert, der zuvor in Taiwan zwei Todesopfer forderte.

Wirtschaft

Die Stadt Xiamen ist eine Sonderwirtschaftszone der VR China. Wegen ihrer geographischen und kulturellen Nähe zu Taiwan fließen viele Investitionen aus Taiwan nach Fujian. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft sehr ungleichmäßig. Während die Küstenstädte meist relativ wohlhabend sind, ist das gebirgige Hinterland von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt.

Entwicklungszonen[1][2][3]
Hafen von Xiamen
  • Landwirtschaft: 14,1 % (1985: 34,0 %)
  • Industrie: 46,1 % (1985: 36,2 %)
  • Dienstleistungen: 39,7 % (1985: 29,8 %)
  • Inflation: 0,8 %

Wirtschaftsgeschichte

In der frühen Wirtschaftsgeschichte Fujians sind vor allem der Quanzhou- und der Zhangzhou-Zyklus von Interesse. Beide Zyklen begannen mit einem Boom, der durch Überseehandel ausgelöst worden war. So gehörte etwa im 16. Jh. die Route zwischen Fujian und den Philippinen zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt; zwischen dem damaligen Kaiserreich China und der unter spanischer Kolonialherrschaft stehenden Inselgruppe wurden vor allem Seide und Silber gehandelt. Der durch den Handel erlangte Reichtum brachte Handwerk und Kultur zum Blühen und zog hohe Zahlen an Zuwanderern aus anderen Teilen Chinas an. Beide Zyklen kamen zu einem recht dramatischen Ende, als der Überseehandel zum Erliegen kam. Das Fehlen der Gewinne aus dem Handel führte dazu, dass keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, Hungersnöte brachen aus und es gab Massenabwanderung von Fujian in verschiedene Regionen Südostasiens.

Nach dem Ende der Opiumkriege wurden Fuzhou und Xiamen zu offenen Häfen erklärt. Kurz darauf begannen Missionare, sich in diesen beiden Städten einzurichten. Aufgrund des Taiping-Aufstandes wurde Fuzhou plötzlich zu einem bedeutenden Hafen für den Teehandel, denn die Routen über Guangzhou oder Shanghai waren wegen der kriegerischen Handlungen unpassierbar. Ab 1860 wurden erste Fabriken gegründet, etwa die Werft in Mawei oder eine Reihe von Textilbetrieben. 70 % der Fabriken waren in Fuzhou angesiedelt. Zwischen 1917 und 1919 gab es in Fuzhou sogar eine Flugzeugfabrik.

Zwischen dem Sturz der Qing-Dynastie und dem Ende des Bürgerkrieges erlebte die Wirtschaft Fujians ein starkes Auf und Ab, je nachdem, wie instabil die politische Lage gerade war.

Entfernungen zwischen den Zentren der bezirksfreien Städte

Für die Zeit nach der Gründung der Volksrepublik China lassen sich zwei Phasen klar voneinander abtrennen: Eine Zeit der Stagnation bis 1978 und eine Zeit dynamischen Wachstums von 1978 bis jetzt.

Für die Stagnation zwischen 1949 und 1978 werden vor allem drei Gründe angegeben:

  • Die Möglichkeit eines bewaffneten Konfliktes zwischen Taiwan und der Volksrepublik. Aus diesem Grund wurden keine strategisch wichtigen Industrien in der Küstenregion Fujians angesiedelt.
  • Die Dritte-Front-Politik, welche zum Ziel hatte, das chinesische Hinterland zu industrialisieren. Fujian blieb dabei weitgehend ausgespart, weshalb die Provinzregierung eine kleine Dritte-Front-Politik betrieb und Schwerindustrie in der Region um Sanming und Yong'an ansiedelte. Die wichtigsten Erzeugnisse dieser Unternehmen waren Stahl, Kupfer, Chemieprodukte, Zement oder Maschinen. Bei den angesiedelten Unternehmen handelte es sich in aller Regel um Betriebe, die ihren Mitarbeitern alles boten, was sie zum Leben brauchten. Dies führte dazu, dass die Ansiedelung der Industrie fast keinerlei wirtschaftliche Impulse in die Region brachte.
  • Die Autarkiepolitik und das Verbot von handelbaren Gütern. Die Wirtschaftsstrategie war auf die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln ausgelegt. Alles, was man hätte exportieren können, war nicht mehr vorgesehen. Die Folgen trafen Fujian, welches traditionell vom Handel lebte und mit den im Handel erzielten Gewinnen Nahrungsmittel importierte, besonders hart.

Im Ergebnis war im Jahr 1978 Fujian die ärmste Küstenprovinz Chinas, sie erwirtschaftete nur 72 % des Pro-Kopf-BIP des gesamten Landes. Im Landesvergleich waren 1978 jedoch auch bedeutend mehr private Strukturen vorhanden als in anderen Regionen.

Die wirtschaftliche Liberalisierung nach 1978 löste in Fujian ein starkes Wachstum der Wirtschaft aus, welches sich ab 1987 (als Taiwan seine Politik gegenüber der Volksrepublik änderte) noch erhöhte. Zwischen 1979 und 1997 verzeichnete die Provinz ein Wachstum des Pro-Kopf-BIP von 12,2 % im Jahresdurchschnitt, während es vor 1979 nur 3,2 % jährlich waren. Die Gründe für das starke Wachstum sind vor allem

  • Industrialisierung durch Aufbau von exportorientierten Unternehmen
  • Investitionen in Infrastruktur (es existiert nach wie vor ein gewisser Aufholbedarf)
  • ausländische Investitionen, die vor allem von den Übersee-Fujianesen und aus Taiwan kommen; dank deren Einfluss wurden Marktstrukturen in Fujian viel schneller wieder eingeführt als in anderen Teilen Chinas.
  • ein rascher Übergang von landwirtschaftlichen zu industriellen Strukturen
  • die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen und offenen Städten sowie die frühe Anwendung von besonderen Maßnahmen (also kapitalistischen Maßnahmen) zur Wirtschaftsentwicklung (Lit.: Toyojiro Maruya, in: Yeung und Chu, S. 169ff)

Landwirtschaft

Grüner Tee

Die Landwirtschaft Fujians erwirtschaftet etwa 15 % des BIP (Im Jahre 1985 war der Anteil doppelt so hoch), beschäftigt jedoch etwa die Hälfte der Bevölkerung. Die meiste Fläche (fast ¾) wird für den Anbau der Hauptnahrungsmittel Reis, Weizen und Süßkartoffel verwendet. Fujian ist aber auch Chinas größter Teeproduzent, unter anderem stammt die kostbare Wuyi-Shan-Sorte aus Fujian. Weitere bedeutende landwirtschaftliche Produkte sind Zuckerrohr, Tabak, Gemüse und Früchte. Zudem hat die Forstwirtschaft eine hohe Bedeutung; Fujian gehört zu den wichtigsten Holz- und Papierproduzenten der Volksrepublik und stellt mittlerweile 20 % der gesamten chinesischen Bambuswaldfläche.

Fujian kann sich vor allem aufgrund seiner Topographie nicht mit Nahrungsmitteln selbst versorgen, denn die landwirtschaftliche Fläche, die pro Kopf zur Verfügung steht, ist außerordentlich gering. Jährlich muss die Provinz etwa 2 Millionen Tonnen Getreide aus anderen Provinzen beschaffen.

Problemen, die sich der landwirtschaftliche Sektor gegenübersieht, sind vor allem Landverluste. Einerseits wird viel landwirtschaftliche Nutzfläche durch industrielle Verschmutzung unbrauchbar gemacht. Andererseits wurde während des Großen Sprunges nach vorn und der Kulturrevolution viel Wald in Ackerland umgewandelt, obwohl es dafür nicht geeignet war. Nach wie vor geht deshalb Fläche durch Erosion verloren.

Daneben sind die Investitionen in die Produktivität der Landwirtschaft sehr gering, was vor allem an der Eigentumsstruktur und der Rechtsunsicherheit liegt. Auch die (Aus)Bildung der Bauern ist sehr niedrig und es gibt eine hohe Anzahl an Landarbeitern, die eigentlich nicht gebraucht werden (die Schätzungen liegen zwischen 1,5 Millionen bis 3 Millionen).

Industrie

Die Industrie Fujians hat in den letzten Jahren einen Übergang von Schwer- zur Leichtindustrie durchgemacht. Während es im Hinterland einige Regionen gibt, wo die Schwerindustrie ganz klar dominiert, hat sich in der Küstenregion Leichtindustrie angesiedelt, die zu einem hohen Anteil arbeitsintensive Produkte für den Export herstellt. Es existieren viele kleine Unternehmen, diese waren im Jahr 1997 für drei Viertel der Industrieproduktion verantwortlich. Der Anteil staatlicher Unternehmen im Industriesektor ist mit 11 % sehr gering (1978 waren es noch 74 %).

Infrastruktur

Eisenbahnverkehr

Fujian verfügt über etwa 1.000 km Eisenbahnlinie, obwohl die Provinz aufgrund ihrer topographischen Gegebenheiten für den Eisenbahnbau schlechte Voraussetzungen hat. Der Eisenbahnbau begann in Fujian erst in den 1950er Jahren, als die Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan sich immer noch im Krieg befanden. Der Bahnbau war ein wichtiger Teil der Verteidigungsstrategie Chinas gegen einen möglichen Angriff von taiwanischer Seite. Deshalb wurde eine Bahn von Jiangxi, wo sich die zweite Verteidigungslinie befand, über Yingtan nach Xiamen gebaut, an die später eine Abzweigung in Richtung Fuzhou hinzugefügt wurde.

Bis heute hat die Eisenbahn in Fujian deshalb fast keine Bedeutung für den Verkehr innerhalb der Provinz, sondern nur für den Fernverkehr in andere Provinzen.

Aktuell (2010) wird eine Hochgeschwindigkeitsstrecke entlang der Küste von Fuzhou über Xiamen bis nach Guangzhou errichtet. Dies wird Fujian an das nationale Hochgeschwindigkeitsnetz anbinden, auf welchem Züge mit Shinkansen-Technologie verkehren sollen. Am 27. April 2010 wurde als erstes Teilstück die Strecke zwischen Fuzhou nach Xiamen eingeweiht. Anstatt 11 Stunden benötigt man für die 275 km lange Strecke nur noch 90 min. Das zweite Teilstück Xiamen nach Shenzhen mit einer Länge von 500 km soll im Jahr 2011 eingeweiht werden [4].

Straßenverkehr

Das Straßennetz von Fujian wurde bereits in den frühen Jahren der Volksrepublik gut ausgebaut und befand sich immer in einem guten Zustand, um im Kriegsfall Truppenbewegungen zu vereinfachen. Seit dem Beginn der Wirtschaftsreformen 1978 und der starken Entwicklung marktwirtschaftlich organisierter Leichtindustrieunternehmen hat sich der Bedarf an Transport auf der Straße vervielfacht. Mittlerweile verfügt die Provinz über 50 000 km Straße, wovon etwa 1000 km Autobahnen oder Schnellstraßen sind.

Die meisten Straßenbauprojekte werden von privaten Investoren vorangetrieben, wie in anderen Regionen Chinas wird auf vielen Autobahnen, aber auch auf Brücken, Maut eingehoben.

Luftverkehr

Fujian verfügt über zwei internationale Flughäfen (Fuzhou und Xiamen), und eine Reihe kleinerer regionaler Flughäfen (Quanzhou, Sanming, Dongshan). Letztere haben sich aus Militärflugplätzen heraus entwickelt, bieten bis heute aber nur wenige Verbindungen an. Die Flughäfen Fuzhou und Xiamen hingegen werden ständig erweitert und modernisiert. Sie sollen bis 2015 Großflughäfen von internationalem Format sein und dann jährlich gemeinsam etwa 25 Millionen Passagiere abfertigen.

Die in Fujian ansässige Xiamen Airlines ist die älteste Regionalfluglinie der Volksrepublik China.

Wasserverkehr

Fujian verfügt über 3 700 km Wasserwege, die jedoch wenig Bedeutung besitzen, weil sie für große Schiffe in der Regel zu flach sind. Daneben sind viele der Flüsse durch Wasserkraftwerke verbaut, so dass eine stärkere Entwicklung der Binnenschifffahrt unwahrscheinlich ist.

Demgegenüber besitzt Fujian sechs große Seehäfen, geordnet nach ihrem Umschlag sind dies Xiamen, Fuzhou, Quanzhou, Zhangzhou, Saiqi und Hanjiang. Ein neuer Hafen in der Meizhou-Bucht ist im Bau und soll die Südostküste der Provinz erschließen. Das Potential der Seeschifffahrt ist jedoch bei weitem nicht ausgenutzt. Grund dafür ist die Gefahr für eine bewaffnete Auseinandersetzung in der Taiwanstraße einerseits, andererseits ist die Verwaltung ineffizient und Rivalitäten zwischen den Hafenstädten machen eine koordinierte Entwicklung unmöglich.

Telekommunikation

Die zivile Telekommunikation war bis zum Beginn der 1990er Jahre so rückständig, dass die Gefahr bestand, dass Fujian seinen Standortvorteil verliert. Seit Mai 1996 wird deshalb ein Teil des militärischen Funknetzes für die zivile Kommunikation genutzt. Dies ist nur eine vorübergehende Maßnahme. Bis das Telekommunikationsnetz den Stand von fortgeschritteneren Provinzen, etwa Guangdong, erreicht, sind noch große Investitionen notwendig. (Lit.: Yeung und Chu, S. 257ff.)

Tourismus

Im Jahr 2002 besuchten 1.848.214 in- und ausländische Touristen Orte in der Provinz Fujian. Nur 9 % dieser Touristen ließ sich die Reise von einem Reisebüro organisieren, während 66 % von Verwandten oder Freunden begleitet wurde. Die 1,8 Millionen Touristen setzen sich, wie folgt, zusammen:

Ausländische Touristen in Fujian (2002)[3]
Kontinent Anzahl Anmerkungen
Afrika 3.433
Amerika 107.751 davon die Mehrzahl aus den USA
Asien 369.333 davon aus Japan: 126.717, Singapur: 86.466, Malaysia: 63.511, Philippinen: 31.576, Indonesien: 14.342
Europa 39.234 davon aus Deutschland: 8.075, Großbritannien: 7.466, Frankreich: 5.008
Ozeanien 8.264 davon die Mehrzahl aus Australien: 7.068

Bildung

Gelände der Universität Xiamen

Unter der späten Qing-Dynastie gehörte Fujian zu Chinas Toren zu westlicher Bildung. So wurde die erste Schule für Schifffahrt und Schiffbau nach westlichem Vorbild in Fujian gegründet. Als im Ergebnis des 1. Opiumkrieges die Küstenstädte Xiamen und Fuzhou geöffnet wurden, eröffneten Missionare (vor allem aus England und Nordamerika) Schulen, in denen Fächer gelehrt wurden, die bis dahin in China unüblich waren – also Geometrie, Mathematik, Physik oder Mechanik. Fujian war auch unter den ersten Orten im Land, in denen Mädchen eine Schulbildung ermöglicht wurde.

In den ersten Jahren der Republik China wurden zahlreiche Bildungseinrichtungen gegründet, die vor allem von Überseechinesen finanziert wurden. Herausragendes Beispiel ist das Städtchen Jimei, in welchem Chen Jiageng zahlreiche Schulen und weiterbildende Einrichtungen gründen ließ. Gleichzeitig wurde in den Städten mit der Schulpflicht experimentiert.

Trotzdem lag im Jahr 1949 die Analphabetenquote bei 80 Prozent und regelmäßiger Schulbesuch für Kinder war auf die Großstädte beschränkt. Mit der Ausnahme von Großer Sprung nach vorn und Kulturrevolution hat das Bildungsniveau der Provinz beeindruckende Fortschritte gemacht. Trotz dieser Fortschritte wurde das Ziel, weniger als 5 Prozent Analphabeten zu haben, erst in den 1990ern erreicht.

Probleme, denen sich das Bildungssystem gegenübersieht, ist der schlechte bauliche Zustand vieler Schulen. Noch 1990 war die Hälfte der Schulen in einem Gebäude untergebracht, das ursprünglich nicht als Schule gebaut worden war, und die Bausubstanz vieler dieser Gebäude war äußerst besorgniserregend. Zu den massiven Investitionen, die in das Bildungssystem geflossen sind, haben wiederum die Überseechinesen erheblich beigetragen, allein 4,7 Milliarden RMB (also etwa 600 Millionen US-Dollar) zwischen 1991 und 1995. Daneben ist das Ausbildungsniveau der Lehrer häufig sehr gering, und in der Gymnasialstufe sind Schüler zuweilen gezwungen, aufgrund Lehrermangels Schuljahre zu wiederholen (Lit.: Jin Xiao und Leslie N. K. Lo, in: Yeung und Chu, S. 535 ff.).

Partnerschaften

Die Provinz Fujian unterhält sechs Partnerschaften zu ausländischen Regionen:

Siehe auch: Rheinland-pfälzische Fujian-Gesellschaft

Persönlichkeiten aus Fujian

Literatur

  • Y. M. Yeung, David K. Y. Chu: Fujian: A Coastal Province in Transition and Transformation. The Chinese University Press, Hongkong 2000, ISBN 962-201-875-0

Weblinks

 Commons: Fujian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Fujian Qingmeng Scientific & Technical Industrial Zone
  2. Fujian Xiamen Xiangyu Free Trade Zone
  3. a b Fujian Statistical Yearbook 2003 (Zahlen von 2002)
  4. http://dmm.travel/news/artikel/lesen/2010/04/schnellstrecke-fuzhou-xiamen-eroeffnet-28426/, DMM Travel vom 27. April 2010
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