Oberstenfeld

Oberstenfeld
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oberstenfeld
Oberstenfeld
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oberstenfeld hervorgehoben
49.0238888888899.3194444444445246
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ludwigsburg
Höhe: 246 m ü. NN
Fläche: 21,1 km²
Einwohner:

7.897 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 374 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71720
Vorwahl: 07062
Kfz-Kennzeichen: LB
Gemeindeschlüssel: 08 1 18 060
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Großbottwarer Straße 20
71720 Oberstenfeld
Webpräsenz: www.oberstenfeld.de
Bürgermeister: Reinhard Rosner (CDU)
Lage der Gemeinde Oberstenfeld im Landkreis Ludwigsburg
Erdmannhausen Erdmannhausen Remseck am Neckar Schwieberdingen Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Oberstenfeld Oberstenfeld Mundelsheim Mundelsheim Affalterbach Asperg Benningen am Neckar Besigheim Besigheim Bönnigheim Erligheim Freudental Gemmrigheim Großbottwar Großbottwar Hessigheim Löchgau Murr (Gemeinde) Murr (Gemeinde) Pleidelsheim Pleidelsheim Steinheim an der Murr Tamm Walheim Ingersheim Freiberg am Neckar Bietigheim-Bissingen Bietigheim-Bissingen Ditzingen Eberdingen Kornwestheim Möglingen Oberriexingen Sersheim Vaihingen an der Enz Sachsenheim Korntal-Münchingen Ludwigsburg Markgröningen Hemmingen Gerlingen Kirchheim am NeckarKarte
Über dieses Bild

Oberstenfeld [ˈoːbɐstn̩fɛlt] ist eine Gemeinde des Landkreises Ludwigsburg in Baden-Württemberg, 40 km nördlich von Stuttgart. Sie gehört zur Randzone der Metropolregion Stuttgart.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Oberstenfeld liegt im oberen Bottwartal im Nordosten des Landkreises Ludwigsburg und hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.[2] Im Norden und Osten grenzt es an die Löwensteiner Berge, westlich ragen die von Weinbergen überzogenen Anhöhen von Forstberg und Wunnenstein auf.

Nachbargemeinden

Die nächstgelegenen Nachbargemeinden sind Beilstein im Norden und Großbottwar im Süden.

Gemeindegliederung

Oberstenfeld besteht aus den drei Ortsteilen (Wohnbezirken) Gronau (Wohnbezirk II), Prevorst (Wohnbezirk III) und Oberstenfeld (Wohnbezirk I). Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und mit Bindestrich verbunden nachgestellt die Namen der Ortsteile. Die drei Ortsteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und die beiden Ortsteile Gronau und Prevorst bilden zusammen eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender. Für die Wahl des Ortschaftsrats wird die Unechte Teilortswahl entsprechend angewendet, Gronau und Prevorst bilden hierfür die beiden Wohnbezirke Wohnbezirk II und Wohnbezirk III. Die Ortsteile Gronau und Prevorst bildeten bis 31. Dezember 1971 die selbstständige Gemeinde Gronau. Zum Ortsteil Gronau gehört das Dorf Gronau. Zum Ortsteil Prevorst gehört der Weiler Prevorst. Zum Ortsteil Oberstenfeld gehören das Dorf Oberstenfeld, Schloss und Gehöft Lichtenberg und der Wohnplatz Neuwirtshaus sowie die abgegangenen Ortschaften Glashausen, Kratzheim, Schmaleneck und Zum Hag.[3][4]

Gronau liegt unmittelbar nordöstlich von Oberstenfeld, Prevorst liegt ca. fünf Kilometer nordöstlich von Oberstenfeld in den Löwensteiner Bergen. Prevorst ist vom Rest des Gemeindegebiets getrennt und bildet eine Exklave zwischen dem Landkreis Heilbronn und dem Rems-Murr-Kreis. Mit 482 Metern über NN ist es der höchstgelegene Ort im Landkreis Ludwigsburg.

Geschichte

Oberstenfeld um 1900

Geschichte von Oberstenfeld

Oberstenfeld entstand im 7. oder 8. Jahrhundert. Im Jahre 1016 wurde am Ort das Damenstift Oberstenfeld gegründet. Im Jahre 1357 übernahmen die Grafen von Württemberg dessen Schirmherrschaft. Das Stift, das 1540 die Reformation annahm, verblieb jedoch bis 1803 Teil der Reichsritterschaft und wurde erst dann von Württemberg vereinnahmt.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte der Ort wie alle umliegenden Orte sehr zu leiden. Im Sommer 1693 wurde Oberstenfeld im Pfälzischen Erbfolgekrieg wie das benachbarte Beilstein durch französische Truppen in Brand gesteckt, wobei etwa ein Drittel des Ortes, darunter das Rathaus niederbrannten.

1832 hatte der Ort etwa 1200 Einwohner. Da es zunächst zu keiner Ansiedlung von Industriebetrieben im Zuge der Industrialisierung kam, ereignete sich im 19. Jahrhundert fast kein Wachstum des sich nordöstlich an das Stiftsgelände anschließende und sich längs der Markt- und Schmiedbergstraße hinziehenden Ortes. Erst der Bau der Bottwartalbahn setzte um 1900 wichtige wirtschaftliche Aspekte, doch war das Wachstum bis in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg noch eher bescheiden. 1953 wurden 1780 Einwohner gezählt.

Die Ausweisung von Bau- und Industriegebieten brachte die Ansiedlung von Industriebetrieben und Wohnbevölkerung. Zu den bedeutendsten Industrieunternehmen zählten ein Werk der Getrag sowie die Firma Werzalit. Außerdem entwickelten sich aus regionalen Handwerksbetrieben weitere Industrieunternehmen. 1968 wurden etwa 3000 Einwohner gezählt. Die Ortsmitte erhielt ihre heutige Gestalt durch mehrere Flächensanierungen ab den 1970er Jahren. 1972 wurden Gronau und Prevorst eingemeindet, womit die Gemeinde über 7000 Einwohner zählte.

Geschichte der Ortsteile

Auch der Ortsteil Prevorst [ˈpreːfɔrst] sowie die Burg Lichtenberg gelangten 1357 von den Herren von Lichtenberg an die Grafen von Württemberg, die wenige Jahre zuvor (1350) schon Gronau von den Markgrafen von Baden erworben hatten. Prevorst gehörte hernach zur Gemeinde Gronau.

Waren die drei Orte ab 1810 noch gemeinsam dem Oberamt Marbach zugeordnet, so gelangte Oberstenfeld 1938 an den Landkreis Ludwigsburg, Gronau mit Prevorst hingegen an den Landkreis Heilbronn. Am 1. Januar 1972 wurde Gronau mit Prevorst jedoch unter Wechsel der Landkreiszugehörigkeit nach Oberstenfeld eingemeindet.

Der Ort Prevorst wurde durch Friederike Hauffe geb. Wanner (1801–1829), die sogenannte Seherin von Prevorst, bekannt, über die Justinus Kerner einen Bericht schrieb.

Religionen

Es gibt eine katholische Kirche, drei evangelische Gotteshäuser, eine neuapostolische Kirche sowie eine Moschee.

Politik

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 58,0 %
 %
50
40
30
20
10
0
40,1%
31,6%
28,3%
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,8%
+3,5%
+4,4%
Rathaus

Gemeinderat

Seit der letzten Kommunalwahl am 7. Juni 2009 hat der Gemeinderat 19 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,03 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  FW1 8 Sitze (40,10 %)
  CDU     6 Sitze  (31,60 %)
  SPD 5 Sitze  (28,29 %)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

1Freie Wähler Oberstenfeld

Altes Gemeindewappen am Ostportal der Fleckenkirche

Wappen und Flagge

Das Wappen der Gemeinde zeigt: In Silber auf grünem Boden ein einhersprengendes schwarzes, silbern gesäumtes Ross, auf dem ein schwarz gerüsteter Reiter (ein Oberst) mit rotem Helmbusch und silbernem Schwert sitzt. Das Wappen geht auf ein seit 1681 benutztes Siegel zurück und versinnbildlicht den Ortsnamen.

Die Gemeindeflagge ist grün-weiß und wurde bereits vor 1935 geführt.

Gronau

Das Wappen des Ortsteils Gronau zeigt in Silber auf grünem Boden eine grüne Eiche, deren Stamm von zwei roten Rosen begleitet ist. Das Wappen sowie eine grün-weiße Flagge wurden der damaligen Gemeinde Gronau am 30. März 1960 verliehen.

Städtepartnerschaft

Seit September 2005 besteht offiziell eine Partnerschaft mit der italienischen Kleinstadt Verbicaro in der Provinz Cosenza. Viele italienische Mitbürger in Oberstenfeld stammen ursprünglich aus dieser 3000 Einwohner starken Kleinstadt in Kalabrien. Ein Schild am Ortseingang würdigt diese Städtepartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Oberstenfeld liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Bauwerke

Burg Lichtenberg

Über Oberstenfeld thront die Burg Lichtenberg inmitten idyllischer Weinberge.

Die romanische Peterskirche, auf einem Höhenzug ca. 1 km nördlich des heutigen Ortskerns gelegen, ist die Hinterlassenschaft einer nicht mehr existenten Vorgängergemeinde. Sie wurde Mitte des 11. Jahrhunderts erbaut. Im 13. Jahrhundert wurde der Chor eingewölbt und die Kirche komplett mit Fresken ausgemalt, von denen einige noch erhalten sind. Die Kirche war fast in Vergessenheit geraten und blieb lange ungenutzt. 1973–1976 wurde sie jedoch restauriert und wird seitdem für evangelische und gelegentlich auch für katholische Gottesdienste genutzt.

Die zweitälteste Kirche der Gemeinde, die Cyriakuskirche, befindet sich im Ortsteil Gronau. Ihr Chorturm stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert. 1599 wurde sie umgebaut und erweitert. Im Innern befindet sich eine schöne Predigtkanzel mit einem ebenso schönen Aufgang.

Die im Ortskern gelegene protestantische Stiftskirche St. Johannes der Täufer ist eine der bedeutendsten romanischen Kirchen des Landes. Das Hauptschiff wurde um 1220 erbaut, der Chorturm um 1230. Sie ist Mai bis Oktober sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Gegen ein Entgelt werden Führungen angeboten. Dicht daneben steht die Dorfkirche, im 9. Jahrhundert als Galluskapelle errichtet. Später wurde sie zum Gebetshaus der Fleckengemeinde im Gegensatz zur benachbarten Stiftskirche, die den adligen Stiftsdamen vorbehalten war. Nach starken Beschädigungen aus dem Jahre 1693 wurde sie 1738 neu erbaut. Das Nordportal wird von dem steinernen Wappen der Gemeinde geziert, einem berittenen Obersten, der auch auf der Wetterfahne präsent ist.

Im Ortskern sind eine ganze Reihe von ansehnlich restaurierten barocken Fachwerkhäusern erhalten, darunter

  • das Rathaus, das 1698 zunächst einstöckig erbaut wurde und dem 1840 zwei weitere Stockwerke aufgesetzt wurden
  • das Fachwerkhaus Großbottwarer Straße 14, über Eck gegenüber dem Rathaus am Marktplatz, erbaut 1700
  • die Bäckerei, das ehemalige Pfründhaus von 1702, ursprünglich ein Wohnhaus für die Stiftsdamen. Das Pfründhaus ist auch das Geburtshaus des Demokraten Johannes Nefflen
  • Das Winzerhaus in der Berggasse 2, erbaut 1737
  • Das Küferhaus von 1726 in der Küfergasse 15

Nur wenige Minuten Fußweg südlich des alten Ortskerns befindet sich der Alte Bahnhof der Bottwartalbahn. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten die Bahnhofsgebäude 1893 als Einheitsbahnhof vom Typ IIa.[5]

Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde von dem Nürnberger Bildhauer Wilhelm Krauss geschaffen und 1923 eingeweiht.


Sport

Regelmäßige Veranstaltungen

Das Pfingstturnier zieht jedes Jahr Handballer aus der Umgebung und ausländischen Vereinen an.

Der jedes Jahr ausgetragene Bottwartal-Marathon führt unter anderem auch durch Oberstenfeld.

Das Fleckenfest in Oberstenfeld wird jährlich am letzten Wochenende im Juni von den ansässigen Vereinen veranstaltet.

Wissenswertes

Im Herbst 2001 fanden im Ortsteil Prevorst die Dreharbeiten zu dem Spielfilm Das Verlangen unter der Regie von Iain Dilthey statt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Oberstenfeld ist ein Weinbauort, dessen Lagen zur Großlage Wunnenstein im Bereich Württembergisch Unterland des Weinbaugebietes Württemberg gehören. Im Teilort Gronau liegt das W&W Seminar- und Konferenzzentrum des Finanzdienstleistungskonzerns Wüstenrot & Württembergische. Seit 2010 befindet sich die Produktion des Medizintechnikunternehmens Novalung in Oberstenfeld.

Verkehr

Die nahe gelegene A 81 StuttgartWürzburg sorgt für eine sehr gute Verkehrsanbindung mit dem Auto in alle Richtungen. Da Oberstenfeld noch im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) liegt, existiert eine gute Anbindung an den ÖPNV in Richtung Marbach am Neckar mit dem Bus, wo man in die S-Bahn nach Stuttgart umsteigen kann.

Von 1894 bis 1968 war Oberstenfeld über die schmalspurige Bottwartalbahn, die Schmalspurstrecke von Marbach am Neckar nach Heilbronn Süd an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Nach Demontage der Gleise dient die alte Trasse heute teilweise dem Alb-Neckar-Radweg.

Ansässige Unternehmen

Oberstenfeld hat etliche mittelständische Unternehmen und auch größere Arbeitgeber wie Werzalit oder Hoerbiger. Seit 2009 befindet sich die Produktion des Medizintechnik-Herstellers Novalung GmbH in Oberstenfeld.

Öffentliche Einrichtungen

Mineralfreibad Oberes Bottwartal

Es gibt ein Alten- und Pflegeheim der kreiseigenen Kleeblatt Pflegeheime.

Das Mineralfreibad Oberes Bottwartal wird in Kooperation mit der Nachbargemeinde Beilstein betrieben und ist von Anfang Mai bis Mitte September geöffnet. Es stehen über 1000 Parkplätze zur Verfügung.

Bildung

Die Lichtenbergschule in Oberstenfeld ist eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Hinzu kommen sechs Kindergärten.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Literatur

  • Der Kreis Ludwigsburg, hrsg. von Ulrich Hartmann. 2. Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1994
  • Oberstenfeld – Gronau – Prevorst in Geschichte und Geschichten. Geiger, Horb am Neckar 1989
  • Oberstenfeld – Gronau – Prevorst in Geschichte und Geschichten. Band 2. Geiger, Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-882-4
  • Oberstenfeld – Gronau – Prevorst in Geschichte und Geschichten. Band 3. Geiger, Horb am Neckar 1998, ISBN 3-89570-441-5

Weblinks

 Commons: Oberstenfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 440–442
  4. Hauptsatzung der Gemeinde Oberstenfeld vom 20. September 2001, zuletzt geändert am 25. Januar 2007
  5. Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96, Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.

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