Hain (Gera)

Hain (Gera)
Hain (eigtl. Wüstenhain)
Stadt Gera
Koordinaten: 50° 55′ N, 12° 6′ O50.92333333333312.0975Koordinaten: 50° 55′ 24″ N, 12° 5′ 51″ O
Einwohner: 164 (1. Jan. 2009)
Eingemeindung: 1. Juli 1994
Postleitzahl: 07554
Vorwahl: 036695

Hain bildet zusammen mit Wachholderbaum die 2,58 ha große Ortschaft Hain der Stadt Gera in Thüringen mit 239 Einwohnern.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Hain ist im Norden der Stadt Gera nahe der Grenze zu Sachsen-Anhalt gelegen.

Geschichte

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1191, in der ein Volradus de Haen als Mitzeuge genannt wird. Hain gelangt als Teil der Pflege Langenberg nach deren Auflösung zusammen mit Röpsen sowie Teilen von Roschütz und Dorna in wettinischem Besitz und verblieb dort – zuletzt als Gebietsteil des Herzogtums Sachsen-Altenburg – bis zur Bildung des Landes Thüringen im Jahr 1920 als Enklave inmitten der reußischen Länder.

Schul- und Kirchort für Hain war über die Jahre Röpsen. Den wirtschaftlichen Mittelpunkt des Ortes bildete bis zur Bodenreform 1946 das Rittergut – lange Jahre im Besitz der Familie von Schauroth. In die Zeit des Carl Friedrich von Schauroth (Oberst beim Sachsen-Gothaischen Landregiment) fällt ab 1693 der Umbau der Kempe, eines alten Wehrbaues, zu einer künstlerisch wertvoll ausgestatteten Gutskapelle sowie auch die Anlage eines Barockgartens.

1807 wird eine Familie von Brandenstein Besitzer des Rittergutes. Sie verkauft es 1935 an die Stadt Gera, diese wiederum an das Deutsche Reich, welches auf den umfangreichen Ländereien einen Truppenübungsplatz anlegte. Die Kapelle wird wegen Baufälligkeit 1938 abgerissen, der Truppenübungsplatz später von der NVA und seit der Wende von der Bundeswehr weiter genutzt.

Abseits des Rittergutes gab es kleine Landwirtschaften, deren Inhaber sich weitestgehend noch auf dem Gut verdingen mussten. Mit der Bodenreform 1946 wurde das Gut zerschlagen, parzelliert und die Steine der Abrissgebäude zum Bau von zehn Neubauernhäusern verwendet. Im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft entstand aus den einzelnen Kleinbetrieben eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG).

In den Jahren von 1945 bis 1990 entstanden eine zentrale Wasserversorgung, ein Konsum sowie eine Schwesternstation. Am 1. Juli 1950 wurde die ehemals selbstständige Gemeinde Wachholderbaum nach Hain eingemeindet.[1]

Im Rahmen des Gesetzes zur Neugliederung der Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen wurde die selbstständige Gemeinde Hain zum 1. Juli 1994 nach Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel gegen den Willen der Einwohner in die Stadt Gera eingemeindet.

Politik

Hain mit Wachholderbaum ist seit dem 1. Oktober 1994 zur Stadt Gera eingemeindet. Seitdem bilden die beiden Orte den Ortsteil Hain der Stadt Gera mit eigener Ortschaftsverfassung und Ortsteilrat (bis II/2009 Ortschaftsrat). Ortsteilbürgermeister ist seit 1994 Roland Meinecke (SPD).

Entwicklung der Einwohnerzahl

  • 1921: 72
  • 1939: 191
  • 2005: 348
  • 2009: 239
Datenquelle: Stadtarchiv Gera, Stadtverwaltung Gera.

Verkehr

  • Der Ort ist unmittelbar an der Bundesstraße 2 gelegen.
  • ÖPNV-Anschluss besteht über die kombinierte RVG/GVB-Linie 22.
  • Nächstgelegener Bahnhof ist Gera-Langenberg.

Sport

Im Ort gibt es den Reitverein Hain e.V.

Bildung

Die nächstgelegene Kindereinrichtung ist die

  • Kindertagesstätte Reichenbacher Straße in Kleinaga.

Zuständige Grundschule ist die

  • Staatliche Grundschule Aga in Kleinaga.

Nächstgelegene Regelschule ist die

  • Staatliche Regelschule 12 in Bieblach-Ost.

Literatur

  • Brodale, Klaus und Heidrun Friedemann: Das war Gera im 20. Jahrhundert. Gudensberg 2002.
  • Hahn, Ferdinand: Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung. Gera 1855.
  • Klotz, Johann Christoph: Beschreibung der Herrschaft und Stadt Gera. Schleiz 1816.
  • Rosenkranz, Heinz; Ortsnamen des Bezirks Gera; Greiz 1982.
  • Schiffner, Albert: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Kgr. Sachsen. Leipzig 1939.
  • Schumann, August: Vollständiges Staats,- Post und Zeitungslexikon für Sachsen. Zwickau 1825.
  • Spörl, Ulla und Frank Rüdiger: Gera in den Goldenen Zwanzigern. Gera 2007.
  • Thüringer Pestalozziverein (Hrsg.): Thüringen in Wort und Bild´. Berlin 1900. (Reprint; Augsburg 1997.)
  • Mitteilungen des geschichts- und altertumsforschenden Vereins. Altenburg; div.

Einzelnachweise

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt



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