Kreis Ilmenau

Kreis Ilmenau
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Bezirk (DDR): Suhl
Verwaltungssitz: Ilmenau
Fläche: 347 km²
Einwohner: 69.358 (31. Dezember 1981)
Bevölkerungsdichte: 200 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: O (bis 1990; Bez. Suhl)
IL (ab 1991)
Kreisgliederung: 28 Gemeinden
Postleitzahlen: 63xx (alt)
Bestandzeit: 1952 bis 1994
Lage im ehem. Bez. Suhl
Lage des Kreis Ilmenau im Bezirk Suhl
Kreiskarte
Kreiskarte

Der Kreis Ilmenau war ein Landkreis in Thüringen, der von 1952 bis 1994 existierte.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Kreis Ilmenau lag im Nordosten des ehemaligen Bezirks Suhl und war der einzige Kreis des Bezirks, der sich mehrheitlich nördlich des Rennsteigs befand. Er grenzte im Norden an den Kreis Arnstadt (Bezirk Erfurt), im Osten an den Kreis Rudolstadt (Bezirk Gera), im Südosten an den Kreis Neuhaus (Bezirk Suhl), im Süden an den Kreis Hildburghausen (Bezirk Suhl) und im Südwesten an den Kreis Suhl (Bezirk Suhl).

Der Kreis Ilmenau war einer der waldreichsten der DDR. Der Waldanteil lag bei etwa 70% der Gesamtfläche. Das Kreisgebiet lag fast vollständig im Thüringer Wald, nur die Orte Heyda und die der (heutigen) Wolfsberggemeinde lagen nicht im Wald. Die höchsten Berge im Kreis waren der Kickelhahn bei Ilmenau (861 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Große Eisenberg (907 m), beide Schmiedefeld. Ein weiterer markanter Höhenzug war der Lange Berg (808 m) bei Gehren.

Die wichtigsten Wasserläufe des Kreises waren die Ilm, die Zahme Gera und die Wohlrose.

Laut dem Raumordnungsplan war Ilmenau Mittelzentrum und Gehren, Großbreitenbach, Gräfinau-Angstedt, Geraberg und Schmiedefeld Unterzentren bzw. Kleinzentren.

Dialekte

Im Kreisgebiet waren drei Mundarten vertreten. Im größten Teil des Kreises wurde Zentralthüringisch gesprochen. Hierzu zählten die Städte Ilmenau, Langewiesen, die Orte Geraberg und Geschwenda sowie die Dörfer, die sie umgaben. Die zweite, ebenfalls zur thüringischen Dialektgruppe gehörende Mundart war das Ilmthüringische in den Städten Gehren und Großbreitenbach sowie den sie umgebenden Orten im Südosten des ehemaligen Kreises. In den drei Dörfern südlich des Rennsteiges (Schmiedefeld, Frauenwald und Vesser) wurde Hennebergisch, ein fränkischer Dialekt, gesprochen.

Jedoch betraf die Einteilung nur die allgemeine Sprachfärbung. Auf Grund der isolierten Lage im Bergland kam es in den gut 500 Jahren Besiedlungsgeschichte zur Ausprägung größter Unterschiede selbst zwischen Nachbardörfern, was Satzbau, Wortwahl und die Verwendung eigener Vokabeln betrifft. So hat z.B. der Geraberger Ortsdialekt nur wenig mit dem des Nachbardorfes Geschwenda gemein, obwohl beide Orte im Zentralthüringischen Mundartbereich liegen. Mit geübtem Gehör ist es deshalb möglich, einen Einwohner sofort seinem Heimatdorf zuzuordnen. Dieses Phänomen ist im Flachland weit geringer ausgeprägt.

Geschichte

Das Gebiet des Kreises Ilmenau wurde zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert besiedelt. Die ältesten Orte im Kreisgebiet sind Langewiesen (1198), Elgersburg (1139) und Gehren (1105) und die jüngsten Orte des Kreises befinden sich am Rennsteig, z.B. Neustadt (1453), Altenfeld (1492) und Stützerbach (1506). Nachdem das Kreisgebiet im Mittelalter unter dem Einfluss der Grafen von Henneberg und Schwarzburg standen, kam es in der frühen Neuzeit zum Aussterben der Henneberger und zu Erbteilungen bei den Schwarzburgern. So hatten im Jahre 1920 sechs Staaten Besitzungen im Kreis Ilmenau, dies waren: Sachsen-Weimar-Eisenach (Ilmenau), Sachsen-Coburg und Gotha (Geraberg), Sachsen-Meiningen (Neustadt), Schwarzburg-Sondershausen (Gehren, Großbreitenbach), Schwarzburg-Rudolstadt (Gräfinau, Böhlen) und Preußen (Schmiedefeld). Im Jahr 1922 wurde der Landkreis Arnstadt gebildet, zu dem der Großteil des Kreisgebiets zunächst zählte. Bei der Verwaltungsreform von 1952 wurden in der DDR 14 Bezirke gebildet. Das Gebiet des Landkreises Arnstadt wurde zunächst in den Bezirk Erfurt geplant, was jedoch dazu führen würde, dass dieser zu groß und der benachbarte Bezirk Suhl zu klein geraten wäre. Also beschloss man Teile des Bezirkes Erfurt dem Bezirk Suhl zuzuschlagen. Da Ilmenau die nächstgelegene Stadt an Suhl war, wurde das Gebiet trotz seiner Lage auf der Nordseite des Thüringer Waldes in den Bezirk Suhl integriert und der Kreis Ilmenau gebildet. Bei der Bevölkerung stieß diese Maßnahme auf Ablehnung, da die Infrastruktur Richtung Erfurt gut ausgebaut war (Bundesstraße und Eisenbahnlinie), während die Verkehrswege nach Suhl nicht gut entwickelt waren (keine Eisenbahnverbindung, ungünstige Straßenverbindungen). Außerdem fühlten sich die Menschen sowohl kulturell als auch historisch und geografisch eher mit Mittelthüringen als mit Südthüringen verbunden.

Als 1990 die Deutsche Wiedervereinigung stattfand wurde das Land Thüringen wieder gegründet und die Bezirke aufgelöst. Der Kreis Ilmenau gehörte fortan zu diesem Bundesland. Er bekam das KFZ-Zeichen IL zugeteilt, welches das O (für Bezirk Suhl) auf dem Nummernschild ablöste. 1993 wurde die Gebietsreform für Thüringen beschlossen. Da der Kreis Ilmenau verhältnismäßig klein war, sollte er mit einem anderen zusammengelegt werden. Im Gespräch waren die Kreise Suhl(-Land) und Arnstadt. Man entschied sich dann für letztere Variante, da es sinnvoller erschien, den Kreis Suhl-Land auf die Landkreise Hildburghausen und Meiningen zu verteilen. So fusionierten der Kreis Ilmenau und der Kreis Arnstadt 1994 zum Ilm-Kreis.

Im Jahr 1910 lebten auf dem Gebiet des späteren Kreises 54.228 Menschen, 1955 waren es 68.300, 1960 67.707 und 1975 68.438. Bis zur Wiedervereinigung lag die Einwohnerzahl des Kreises damit immer konstant bei etwa 68.000.

Politik

Gebäude des ehem. Landratsamtes am Wetzlarer Platz

Der Kreissitz befand sich in Ilmenau. Das Landratsamt bzw. der Kreistag und der Rat des Kreises waren bis Ende der 1960er-Jahre am Wetzlarer Platz in der Innenstadt ansässig, später dann in einem neuen Gebäudekomplex in der Krankenhausstraße im Süden Ilmenaus. Die SED-Kreisleitung sowie die Stasi waren in Gebäuden aus den 1930er-Jahren an der Schlossmauer in Ilmenau untergebracht. Im Keller des Stasi-Gebäudes befanden sich auch einige Haftzellen.

Der Rat des Kreises wurde bis 1990 immer von der SED gestellt, danach war Benno Kaufhold (CDU) letzter Landrat des Kreises Ilmenau (1990 bis 1994). Heute ist Kaufhold der Landrat des Ilm-Kreises.

Gemeinden (1994)

In Klammern Verbleib der Gemeinde nach 1994

  1. Altenfeld (Eigenständig, Beitritt zur VG Großbreitenbach)
  2. Böhlen (Eigenständig, Beitritt zur VG Großbreitenbach)
  3. Bücheloh (Bildung der Gemeinde Wolfsberg)
  4. Elgersburg (Eigenständig, Beitritt zur VG Geratal)
  5. Frauenwald (Eigenständig, Beitritt zur VG Rennsteig)
  6. Friedersdorf (Eigenständig, Beitritt zur VG Großbreitenbach)
  7. Gehren, Stadt (Eigenständig, Beitritt zur VG Langer Berg)
  8. Geraberg (Eigenständig, Beitritt zur VG Geratal)
  9. Geschwenda (Eigenständig, Beitritt zur VG Oberes Geratal)
  10. Gillersdorf (Eigenständig, Beitritt zur VG Großbreitenbach)
  11. Gräfinau-Angstedt (Bildung der Gemeinde Wolfsberg)
  12. Großbreitenbach, Stadt (Eigenständig, Beitritt zur VG Großbreitenbach)
  13. Herschdorf (Eigenständig, Beitritt zur VG Langer Berg)
  14. Heyda (Eingemeindung nach Ilmenau)
  15. Ilmenau, Kreisstadt (Eigenständig)
  16. Langewiesen, Stadt (Eigenständig)
  17. Manebach (Eingemeindung nach Ilmenau)
  18. Martinroda (Eigenständig, Beitritt zur VG Geratal)
  19. Möhrenbach (Eigenständig, Beitritt zur VG Langer Berg)
  20. Neustadt am Rennsteig (Eigenständig, Beitritt zur VG Langer Berg)
  21. Oberpörlitz (Eingemeindung nach Ilmenau)
  22. Oehrenstock (Eingemeindung nach Langewiesen)
  23. Pennewitz (Eigenständig, Beitritt zur VG Langer Berg)
  24. Schmiedefeld am Rennsteig (Eigenständig, Beitritt zur VG Rennsteig)
  25. Stützerbach (Eigenständig, Beitritt zur VG Rennsteig)
  26. Vesser (Eingemeindung nach Suhl)
  27. Wildenspring (Eigenständig, Beitritt zur VG Großbreitenbach)
  28. Wümbach (Bildung der Gemeinde Wolfsberg)

Weitere Orte

Wirtschaft

Die Umstrukturierung der Wirtschaft des Kreises Ilmenau wurde seitens der DDR-Regierung staatlich geplant und gelenkt. Dabei setzte der Prozess der Zentralisierung der Wirtschaft im Kreis ein, die Mitte der 1970er-Jahre im Wesentlichen abgeschlossen war. Besaßen früher alle Orte mehr oder weniger große Fabriken, so wurden diese nun geschlossen und neue Kombinate gegründet. Die Planung sah so aus, dass die kleineren Dörfer deindustrialisiert werden und dafür in den mittleren Orten größere Betriebseinheiten entstehen sollten. So wurde für jede Region eine Industrie besonders gefördert. Dies waren für Gräfinau-Angstedt (mit den Dörfern Wümbach und Bücheloh) die Landwirtschaft und Produktion von Lebensmitteln bzw. die Verarbeitung der Agrarprodukte. Für Geraberg (mit Geschwenda, Martinroda und Elgersburg) wurden Landwirtschaft (Anlagen in Martinroda) sowie die Thermometerindustrie ausgewählt. Letztere wurde in einem großen Werk in Geraberg mit 2000 Mitarbeitern konzentriert (aus dem TWG ging das Unternehmen Geratherm hervor). In Ilmenau wurden Glas- und Porzellanindustrie konzentriert. Im Glaswerk in Ilmenau arbeiteten etwa 4.000 Menschen und im Porzellanwerk Henneberg etwa 2.000 Menschen. Für Gehren (mit Langewiesen, Möhrenbach, Jesuborn und Pennewitz) wurde die Holzindustrie bestimmend. Am Gehrener Bahnhof entstand das größte Sägewerk der DDR. In Großbreitenbach (mit Neustadt, Altenfeld, Gillersdorf, Herschdorf, Willmersdorf, Allersdorf, Gillersdorf, Friedersdorf, Böhlen und Wildenspring) wurden Glasindustrie und Relaistechnik konzentriert. Für Schmiedefeld am Rennsteig (mit Stützerbach, Frauenwald und Vesser) wurden Glasindustrie und Fremdenverkehr ausgewählt und gefördert.

Verkehr

Im Kreisgebiet verliefen drei Fernverkehrsstraßen (heutige Bundesstraßen) und vier Eisenbahnlinien:


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ilmenau — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Ilmenau — Infobox Gemeinde in Deutschland Art = Stadt image photo = Rathaus Ilmenau.jpg image caption = The town hall of Ilmenau Wappen = Wappen Ilmenau.jpg lat deg = 50 |lat min = 41 |lat sec = 02 lon deg = 10 |lon min = 55 |lon sec = 10 Lageplan =… …   Wikipedia

  • Kreis Suhl — Lage des Kreises im Bezirk Suhl Der Kreis Suhl (ab 1967 Kreis Suhl Land) war ein Kreis im südlichen Thüringen. Er wurde mit der Verwaltungsreform von 1952 gegründet und bestand bis 1994. Kreisstadt des Kreises war zunächst Suhl. Am 12. Mai 1967… …   Deutsch Wikipedia

  • Kreis Neuhaus — Basisdaten Bundesland: Thüringen Bezirk (DDR): Suhl Verwaltungssitz: Neuhaus am Rennweg Fläche …   Deutsch Wikipedia

  • Kreis Arnstadt — Basisdaten Bundesland Thüringen Bezirk (DDR) Erfurt Verwaltungssitz Arnstadt Fläche 509,99 km² …   Deutsch Wikipedia

  • Ilmenau (Begriffsklärung) — Der Name Ilmenau bezeichnet: in Thüringen: die Stadt Ilmenau im Ilm Kreis in Thüringen eine Universität in Ilmenau, siehe Technische Universität Ilmenau den ehemaligen Kreis Ilmenau (seit 1994 Teil des Ilm Kreises) ein Gedicht Goethes, siehe… …   Deutsch Wikipedia

  • Kreis Suhl-Land — Basisdaten[1][2] Bezirk der DDR Suhl Kreisstadt Suhl Zella Mehlis (ab 1967) Fläche 386,66 km² (1989) Einwohner …   Deutsch Wikipedia

  • Kreis Erfurt — Der Kreis Erfurt Land war ein von 1952 bis 1994 bestehender Landkreis in Thüringen (ehemals Bezirk Erfurt in der DDR). Die Entstehung des Kreises begann aber bereits im Jahr 1816 als preußischer Landkreis Erfurt. Dieser bestand in der Zeit… …   Deutsch Wikipedia

  • Kreis Untereichsfeld — Der Landkreis Worbis im östlichen Eichsfeld Der preußisch deutsche Landkreis Worbis bestand in der Zeit zwischen 1816 und 1945. Der Landkreis Worbis umfasste am 1. Januar 1945: die Stadt Worbis und weitere 48 Gemeinden. Inhaltsverzeichnis 1… …   Deutsch Wikipedia

  • Kreis Gera — Der Kreis Gera Land ist eine historische Bezeichnung eines Landkreises in der DDR, der durch die Verwaltungsreform von 1952 durch die Teilung des Landkreises Gera in die Kreise Gera Stadt und Gera Land entstand und dem Bezirk Gera zugeordnet war …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”