West-Timor

West-Timor
Foto aus dem Weltall

Die Insel Timor ist mit 33.850 km² die größte der Kleinen Sunda-Inseln. Der Timor-Archipel einschließlich Roti ist der größte Archipel der östlichen Kleinen Sunda-Inseln im Osten des Indonesischen Archipels. Timor hat etwa drei Millionen Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage Timors in Südostasien
Politische Karte der Insel Timor

Die Insel Timor (etwa 125° Ost und 9° Süd) ist fast 500 km lang, aber nur 80 km breit und erstreckt sich in west-östlicher Richtung, wobei die Westspitze 150 km südlicher liegt als die Ostspitze. Timor ist die östlichste der Kleinen Sundainseln (indon. timur, Osten). Flores liegt einige hundert Kilometer in Westnordwest, Sulawesi (früher Celebes) etwa 600 Kilometer im Nordwesten. 1100 Kilometer östlich von Timor liegt Neuguinea, südlich befindet sich jenseits der Timorsee Australien. Höchste Erhebung ist der Tatamailau in Osttimor (2.960 Meter).

Die Insel ist politisch zweigeteilt. Das indonesische Westtimor (Timor Barat), das zu der indonesischen Provinz Nusa Tenggara Timur gehört, nimmt etwa 19.000 km² ein und wird von etwa zwei Millionen Menschen bewohnt. Hauptstadt ist Kupang. Die Demokratische Republik Osttimor (offiziell Timor-Leste), zu der auch die an der Nordwestküste von Westtimor liegende Enklave Oecussi-Ambeno und die kleineren Inseln Atauro und Jaco gehören, hat 15.007 km² und etwa eine Million Einwohner. Hauptstadt Osttimors ist Dili.

Landschaft und Wirtschaft

Landschaft bei Maubisse/Osttimor

Timor ist im zentralen Teil gebirgig und von Savanne bedeckt; der ursprünglich vorhandene Regenwald ist fast vollständig verschwunden. Die großen Sandelholzbestände, für die Insel einst berühmt war, und das bis nach China, Indien und Arabien gehandelt wurde, ist heute stark dezimiert. Wiederaufforstungsbemühungen der nationalen Regierungen in West- und Osttimor stehen noch ganz am Anfang. Der trockene Charakter der Savannenlandschaft und die Unzuverlässigkeit der Monsunniederschläge erlauben keinen ausgedehnten Nassreisanbau. Lediglich in den Mündungsgebieten der größeren Flüsse, die eine künstliche Bewässerung zulassen, findet man ausgedehntere Reisfelder (Bahasa Indonesia: sawah).

Timor gehört zum Gebiet von Wallacea. Somit ist die Fauna und Flora Timors Teil der biogeografischen Übergangszone zwischen der asiatischen und der australischen Flora und Fauna, weshalb sich die Fauna und Flora der Insel sowohl aus Arten der Asiatischen Region, als auch aus Arten der Australischen Region zusammensetzt. Die meisten Landtiere rekrutieren sich jedoch aus asiatischen Tiergruppen, während aus Australien nur relativ wenige stammen.

Hauptnahrungsmittel in den trockeneren Bergregionen ist der von den Portugiesen eingeführte Mais. Er wird im Brandrodungsfeldbau in Hausgärten der Siedlungen angebaut. Trockenreis, der in der Vergangenheit ein bedeutenderes Grundnahrungsmittel gewesen sein muss, verschwindet heute aufgrund der knapper gewordenen Wasserressourcen. Verschiedene Quellen sprechen davon, dass Hirse für die Kulturen der Insel einst eine große rituelle Bedeutung hatte. Verschiedene Gemüse- und Obstsorten und Kleintierhaltung, vor allem Geflügel, ergänzen die Nahrungsproduktion.

Geschichte

siehe ausführlich unter: Geschichte Osttimors und Geschichte Westtimors
Karte Timors von Antonio Pigafetta
Timoresischer Krieger bei Kupang (1875)

Von der Geschichte Timors vor dem 16. Jahrhundert ist kaum etwas bekannt. Die Insel war früher in viele kleine Königreiche gegliedert, die in benachbarte Suco-Einheiten (Bahasa Indonesia: suku für Volksgruppe) unterteilt waren. Die traditionellen Herrscher wurden Liurais genannt.

Möglicherweise war Timor ab dem 14. Jahrhundert Vasall des Majapahitreiches. Im Nagarakertagama, dem Heldenepos der damaligen Zeit wird auch eine lange Liste von tributpflichtigen Vasallenstaaten Majapahits aufgeführt. Darunter findet sich auch Timor. Allerdings vermerkt der portugiesische Schreiber Tomé Pires im 16. Jahrhundert, dass alle Inseln östlich von Java Timor genannt werden, da die Landessprache mit dem Wort „Timor“ den Osten bezeichnet.

Timor entdeckte Anfang des 16. Jahrhunderts der portugiesische Seefahrer António de Abreu auf der Suche nach den Gewürzinseln. Aufgrund des Sandelholzbestandes der Insel gründeten die Portugiesen, die damals die Vormachtstellung in der Region hatten, in der Westhälfte in Lifau ein Fort, nahe dem heutigen Pante Macassar. Über hundert Jahre später landeten die Niederländer in Kupang und verdrängten nach und nach die Portugiesen vom Großteil des westlichen Timors.

William Bligh erreichte mit seinen Getreuen 1789 Kupang, nachdem er bei der Meuterei auf der Bounty auf See ausgesetzt wurde.

Nach langwierigen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft auf Timor, teilten die beiden europäischen Kolonialmächte 1851 die Insel endgültig in zwei Teile, den Westteil für die Niederländer und den Ostteil für die Portugiesen. Die Streitigkeiten um die Insel konnte aber auch ein Grenzvertrag 1859 nicht schlichten. Erst 1916 wurde die noch heute bestehende Grenze endgültig festgelegt. Im Westteil der Insel verblieb die Exklave Oecussi an der Nordwestküste bei Portugal.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Insel von den Japanern besetzt. Es kam zur Schlacht um Timor, in der australische Einheiten in Guerillataktik gegen die japanischen Besatzer kämpfte. Nach dem Krieg wurde Westtimor 1949 ein Teil Indonesiens, Osttimor blieb portugiesisch bis sich die Kolonie 1975 für unabhängig erklärte. Indonesien besetzte es jedoch nur neun Tage nach der Unabhängigkeitserklärung. Erst nach 24 Jahren Krieg und drei Jahren Verwaltung durch die Vereinten Nationen wurde Osttimor 2002 unabhängig.

Bevölkerung

Atoin Meto beim Marktbesuch 1991
Mambai nahe Maubisse
Traditionelle Kleidung in Ermera bei einem Fest

Einzelne ethnischen Gruppen der Insel, besonders die in Westtimor siedelnden Atoin Meto, wurden erst durch das steigende wissenschaftliche Interesse der niederländischen Kolonialmacht seit dem 19. Jahrhundert in Europa bekannt.

Die unterschiedlichen Kulturen Timors hängen ökonomisch von Nahrungsmitteln wie Mais, Reis und Süßkartoffeln ab. In den Hochlandregionen, welche beispielsweise die Makasae im Osten Osttimors besiedeln dominieren Mais- den Reisanbau, bei den Tetum, die die Ebenen bewohnen, ist es umgekehrt. Dasselbe gilt für die domestizierten Tiere: während Büffel und Schwein auf Timor überall gezüchtet werden, besitzt der Büffel zum Beispiel für die Makasae größere Bedeutung als das Schwein. In anderen Regionen, bei den Ost-Tetum beispielsweise, sind die Büffel von sekundärer wirtschaftlicher Bedeutung im Gegensatz zum Schwein. Andere Haustiere sind Hühner, Ziegen und Pferde.

Die kulturellen Traditionen der Timoresen zeichnen sich durch unterschiedliche soziale Institutionen aus. Die sozialen Organisationen der einzelnen Timor-Gesellschaften können matrilinear / uxorilokal oder patrilinear / patrilokal strukturiert sein; einzelne Gruppen schwanken zwischen diesen Möglichkeiten verwandtschaftlicher Organisation. Während die soziale Organisation der Atoin Meto, und wahrscheinlich auch die Baikeno Osttimors, durch eine symmetrische Allianz charakterisiert ist, findet sich die asymmetrische Allianz beispielsweise bei den Makasae, Naueti und Fataluku. Bei den Tetum herrschen bilaterale beziehungsweise kognate Abstammungsregeln vor.

Heiraten und wirtschaftlich-rituelle Allianzen, die sich entlang dieser Organisationsstrukturen bilden, werden über die soziale Institution des sogenannten "Brautpreises" gesteuert, bei dem Frauen und Güter, die zwischen den sozialen Gruppen zirkulieren, immer in eine bestimmte Richtung fließen. Patrilineare und patrilokale Organisationen zeichen sich gegenüber matrilinearen und uxorilokalen durch eindrucksvolle Gütertransaktionen aus. In den meisten Kulturen Timors bestimmt die Vollständigkeit des übergebenen "Brautpreises" die Residenz des Ehepaares. Wird kein oder nur ein unzureichender "Brautpreis" gezahlt, wohnt der Ehemann in der Frauengeberlineage; die Kinder verbleiben ganz in dieser Lineage.

Die Ethnographie der meisten Ethnien Timors ist nur annähernd bekannt und publiziert. Besonders betroffen sind davon die Kulturen der Kairui, Naueti, Galoli, Baikeno und Idaté. Gut bekannt sind dagegen die Atoin Meto die westlichen Tetum, die Bunak, die Mambai und die Makasae.

Die Atoin Meto repräsentieren wahrscheinlich die ursprüngliche Bevölkerung Timors. Durch Einwanderer aus Westindonesien und Malaysia (Malakka), die von Larantuka (Flores) aus Timor erreichten, wurden sie aus ihren Siedlungsgebieten in Zentraltimor verdrängt. Die letzten Migranten waren die Vorfahren der Tetum (Belu), die im 14. Jahrhundert die Benain-Ebene im modernen Regierungsbezirk Wehale (auch Waihale oder Wehali), Timors fruchtbarste Landschaft, einnahmen.

Durch die Landnahme der Einwanderer wurden die Atoin Meto immer weiter nach Westen abgedrängt, das Reich von Wehale dominierte die östlichen Königreiche in Form einer rituell-politischen Konföderation, bis zur Ankunft der Europäer, für mehrere Jahrhunderte. Dem Modell Wehales folgend entstand in Westtimor das Sonba`i Königreich.

Trotz des Bekehrungseifers der Missionare seit dem 16. Jahrhundert, sind Erfolge der Christianisierung erst in den letzten 50 Jahren zu verzeichnen. Seit dieser Zeit verursacht die Christianisierung einen starke kulturellen Wandel, der die traditionellen Glaubensvorstellungen zunehmend in den Untergrund verdrängt. So betrug der Anteil der Katholiken in Osttimor am Ende der portugiesischen Kolonialzeit 1975 nur 30 %. Da aber der katholische Glauben als Klammer der verschiedenen Volksgruppen im Kampf gegen die indonesische Besatzung fungierte, stieg ihr Anteil auf 92 % (Christen insgesamt: 95 %). In keinem anderen Land der Erde hat die katholische Kirche einen derart großen Zuwachs erreicht.

siehe auch: Religion der Atoin Meto und Traditionelle Religion Timors

Sprache

Sprachkarte Timors

Im indonesischen Teil Timors ist Bahasa Indonesia die Amtssprache, in Osttimor sind es das austronesische Tetum und Portugiesisch. Bahasa Indonesia wird im Osten aber noch immer von vielen als Lingua Franca verwendet, da in der indonesischen Besatzungszeit der Gebrauch von Portugiesisch verboten war. Nach Artikel 159 der Verfassung Osttimors sind daher Bahasa Indonesia und Englisch Arbeitssprachen.

Daneben gibt es in Osttimor 15 von der Verfassung anerkannte Nationalsprachen. Dies sind die austronesische Sprachen Atauru (ein Dialekt des Wetar), Baikeno (ein Dialekt des Uab Metoin der Exklave Oecussi-Ambeno), Bekais, Galoli, Habun, Idalaka, Kawaimina, Lovaia, Mambai, Kemak und Tokodede und die Papua-Sprachen Bunak, Fataluku, Makalero und Makasae.

siehe auch: Sprachen Osttimors

Die Bezeichnung belu (Freund) der Atoin Meto charakterisiert dieses Konglomerat von Ethnien und Sprachen auf der östlichen Seite der ehemaligen niederländisch-portugiesischen Grenze, und verweist, im Kontrast zu den Atoin Meto, auf die vielen gemeinsamen kulturellen Merkmale der Osttimor-Ethnien.

In Westtimor dominiert die Sprache der Atoin Meto, das Uab Meto, dessen Dialekt Baikeno auch im osttimoresischen Oecussi-Ambeno gesprochen wird. Auch Tetum, Bekais und Bunak (Bunaq) findet man in beiden Teilen der Insel. Außerdem werden die mit dem Uab Meto verwandten Sprachen Helong und Rotinesisch gesprochen. Helong war die ursprüngliche Sprache in Kupang, ist aber weitgehend durch Bahasa Indonesia verdrängt worden und wird nur noch in wenigen Dörfern südlich der Stadt entlang der Ostküste und auf der Insel Semau gesprochen. Rotinesisch, das von der Insel Roti stammt, ist in viele Dialekte aufgesplittert. 123.000 Rotinesisch-Sprecher findet man in vielen Distrikten von Westtimor aufgrund des Umsiedlungsprogramms, das die Niederländer im 19. Jahrhundert durchgeführt haben.

Siehe auch

Weblinks

-9.2258333333333124.936944444447Koordinaten: 9° 14′ S, 124° 56′ O


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