Rainbach (Dilsberg)

Rainbach (Dilsberg)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neckargemünd
Neckargemünd
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neckargemünd hervorgehoben
49.3938888888898.7975127Koordinaten: 49° 24′ N, 8° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 127 m ü. NN
Fläche: 26,15 km²
Einwohner: 14.032 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 537 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69151
Vorwahl: 06223
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 056
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Bahnhofstraße 54
69151 Neckargemünd
Webpräsenz:
Bürgermeister: Horst Althoff (CDU)
Lage der Stadt Neckargemünd im Rhein-Neckar-Kreis
Karte

Neckargemünd ist eine Stadt am Neckar, zehn Kilometer flussaufwärts östlich von Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Die Stadt gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und liegt an der namensgebenden Mündung der Elsenz in den Neckar, am Fuße des Hollmuth, umgeben von den Ausläufern des südwestlichen Odenwaldes. Die Gemarkung erstreckt sich in 116 bis 469 Metern Höhe.

Nachbargemeinden

Schönau Neckarsteinach
Heidelberg Nachbargemeinden Schönbrunn
Bammental Wiesenbach (Baden) Lobbach

Stadtgliederung

Zur Stadt Neckargemünd gehören die ehemaligen Gemeinden Dilsberg, Mückenloch, Neckargemünd und Waldhilsbach. Zur ehemaligen Gemeinde Dilsberg gehören die Stadt Dilsberg und die Weiler Dilsbergerhof, Neuhof und Rainbach. Zur ehemaligen Gemeinde Mückenloch gehören das Dorf Mückenloch und die Siedlung Neckarhäuserhof. Zur Stadt Neckargemünd in den Grenzen von 1972 gehören die Stadt Neckargemünd, der Stadtbezirk Kleingemünd, der Ort Kümmelbacherhof und die Häuser Faßfabrik, Kriegsmühle und Walkmühle. Die ehemalige Gemeinde Waldhilsbach ist jetzt Stadtteil Neckargemünds. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Dilsberg lag der im Mittelalter aufgegebene Ort Reitenberg. In Neckargemünd aufgegangen ist die Ortschaft Ziegelhütte.[2]

Geschichte

Kupferstich nach Matthäus Merian

Erstmalig 988 unter dem Namen Gmundi urkundlich erwähnt, erhob König Heinrich VII. die Siedlung um 1230 zur freien Reichsstadt. Kaiser Ludwig verpfändete Neckargemünd 1330 an den Pfalzgrafen bei Rhein, der 1346 das Gericht der Meckesheimer Zent hierher verlegte. 1395 verlor Neckargemünd den Status einer Reichsstadt durch die Eingliederung ins pfälzische Territorium. 1466 erhielt die Stadt das Marktrecht, das 1544 erweitert wurde. 1566 wurde die Stadt wie die gesamte Pfalz protestantisch.

Neckargemünd an der Mündung der Elsenz in den Neckar
Hochwassermarken im Ortsteil Kleingemünd

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt immer wieder von fremden Truppen besetzt. Während des Dreißigjährigen Krieges war es 1622 das Heer der Katholischen Liga unter Tilly. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt, 1799 waren es französische Revolutionstruppen und 1814–1819 stand russisches Militär in der Stadt. 1849 schließlich waren preußische Verbände hier.

1803 kam Neckargemünd zu Baden und wurde Sitz des vom Dilsberg verlegten Amtes. Durch die Badische Gemeindeordnung verlor Neckargemünd 1831 alle ehemaligen kaiserlichen Privilegien. 1857 wurde das Bezirksamt Neckargemünd aufgelöst und die Stadt dem Bezirk Eberbach und ab 1863 Heidelberg zugeteilt. Durch die Eröffnung der Neckartalbahn wurde die Stadt 1878 ans Schienennetz angeschlossen. Es folgte 1914 eine Straßenbahnverbindung nach Heidelberg.

Politisch waren vor dem Ersten Weltkrieg die Nationalliberalen am stärksten, während der Weimarer Republik waren sozialistische und liberale Parteien gleichauf. 1933 erhielt die NSDAP 49 Prozent der Stimmen.

1938 wurde eine große Straßenbrücke über den Neckar eingeweiht, die aber schon, wie die anderen Übergänge über den Fluss auch, im Frühjahr 1945 von deutschen Pionieren gesprengt wurde. Dennoch nahmen zwei Tage später amerikanische Truppen die Stadt ein.

Im Jahr 1967 wurde der Grundstein für das Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche gelegt.

Jahr 1439 1577 1688 1727 1818 1852 1905 1939 1965
Einwohner[3] 295 855 550 877 1.956 2.702 2.637 3.862 8.107

Religionen

Nach der Reformation waren alle heutigen Stadtteile lange mehrheitlich protestantisch. Nur auf dem Dilsberg bildete sich durch die Garnison ab 1700 eine katholische Mehrheit heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich der katholische Anteil durch die Aufnahme von Vertriebenen in den Gemeinden. 2004 waren 40,6 Prozent der Einwohner evangelisch und 32 Prozent katholisch.

Dilsberg

Eingemeindungen

Politik

alte Ansicht von 1898

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 24 Sitze. Seit der Wahl 2004 verteilen sich die Mandate wie folgt:

Stimmberechtigter Vorsitzender ist Bürgermeister Horst Althoff (CDU), der seit dem Jahr 2000 amtiert.

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Gold ein rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Adler, belegt mit einem silbernen Brustschild, worin ein blauer Reichsapfel mit goldenem Kreuz und goldenem Beschlag.

Bereits ein Siegel aus dem Jahr 1359 zeigte den für eine Reichsstadt typischen Reichsadler. Das Wappen in seiner heutigen Form ist erstmals 1645 in Merians Topographia Palatinatus Rheni zu sehen. Die Flagge ist Schwarz-Gelb.[4]

Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften bestehen mit

Für das tschechische Valeč wurde 1965 eine Patenschaft eingegangen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Griechische Weinstube
Stadttor

In der Altstadt von Neckargemünd, die sich vom Neckartal den Hang hinaufzieht, findet man verschiedenste Sehenswürdigkeiten. Außer den Hauptverkehrsstraßen Hauptstraße und Neckarstraße, die in jeweils nur einer Verkehrsrichtung durch die Altstadt führen, gibt es zahlreiche kleine Gassen mit vielen Fachwerkhäusern. Besonders erwähnenswert ist die sehr enge Kleppergasse, die direkt an der Rückseite der ehemaligen Stadtmauer verläuft.

Am Neckarufer steht die Evangelische Pfarrkirche, die auf den Grundmauern einer im 12./13. Jahrhundert erbauten Vorgängerkirche im spätgotischen Stil errichtet wurde. Die Katholische Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk findet man am höher gelegenen Marktplatz. Das heutige Gebäude im neuromanischen Stil wurde 1894/96 erbaut. In der Nähe befindet sich auch die ehemalige lutherische Kirche, die 1770/71 im klassizistischen Stil errichtet wurde. 1821 an die Stadt verkauft, wurde sie bis 1984 als Rathaus genutzt.

In dem an der Neckarstraße gelegenen Menzerpark steht die Villa Menzer. Sie wurde 1892 von dem Architekten Leonard Schäfer erbaut und war Wohnhaus von Julius Menzer (1846–1917). Im Menzerpark wurde in der Zeit zwischen dem 2. Juni 2003 und dem 20. Juni 2008 nach einem Schulhausbrand das Gymnasium Neckargemünd in Containern untergebracht. Julius Menzer war Besitzer einer Weingroßhandlung und führte als erster griechische Weine nach Deutschland ein, später war er auch griechischer Konsul und Reichstagsabgeordneter. Etwas weiter unten in der Neckarstraße steht die von Menzer geschaffene Griechische Weinstube Zur Stadt Athen.

Neben der Weinstube und im Herzen der Altstadt stand das Hotel Ritter, ein ehemaliges Jagdschloss aus dem Jahr 1286. Es fiel in der Nacht auf den 10. Januar 2003 einem Brand zum Opfer. Für den Wiederaufbau dieses historischen Bauwerkes wurde kein Investor gefunden, woraufhin die Stadt im Juli 2006 den Abriss der Ruine beschloss.

Daneben findet sich der Prinz Carl, ein ehemaliges Gasthaus mit Brauerei aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Heute werden seine Räume von der Musikschule und der Volkshochschule Neckargemünd genutzt.

Am Ende der Altstadt und am Anfang des Wiesenbachertal steht das Stadttor, das 1788 zu Ehren des Kurfürsten Karl Theodor erbaut wurde.

Nur noch die Grundmauern sind von Burg Reichenstein auf dem Neckargemünder Hausberg Hollmuth zu sehen. Sie wurde Ende des 14. Jahrhundert aufgegeben und ist seitdem verfallen.

Jugend

Seit 1990 gibt es in der Dilsberger Straße den Jugendtreff Altes E-Werk, der unter Regie des Stadtjugendrings Neckargemünd mit unterschiedlichen kulturellen Angeboten und Veranstaltungen Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene anspricht.

Museen

Das Museum im alten Rathaus wurde 1988 eröffnet. Es hat seine Wurzeln in der stadtgeschichtlichen Sammlung (1935–39) und dem Heimatmuseum Neckargemünd (1938–87). Es stellt die Geschichte Neckargemünds dar und hat neben einer volkskundlichen und einer kunstgeschichtlichen Abteilung einen Schwerpunkt auf der Neckarschifffahrt.[5]

Musik

  • GV Liederkranz 1857 Neckargemünd e.V. mit drei Gruppen

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Altes Elektrizitätswerk Neckargemünd an der Elsenz

Ab dem Bahnhof Neckargemünd-Altstadt fahren die Linien S1 und S2 der S-Bahn RheinNeckar halbstündlich entlang des Neckars in die Richtungen Eberbach/Mosbach und Heidelberg/Mannheim. Ebenfalls ab dem Bahnhof fahren Regionalbahnen stündlich durch das Elsenztal nach Sinsheim/Heilbronn.

Neckargemünd ist in das Busverkehrsnetz der RNV eingebunden. Die Buslinie 35 verkehrt werktäglich im 20-Minuten-Takt zwischen Heidelberg und der Endhaltestelle am Bildungszentrum der SRH-Gruppe im Spitzerfeld. Über weitere Buslinien sowie Ruftaxen im Rahmen des RNV ist Neckargemünd mit kleineren Ortschaften des Neckartals und des Odenwaldes verbunden. Neckargemünd gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Ergänzt wird das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch Carsharing. Fahrzeuge stehen in Neckargemünd an drei Carsharing-Stationen zur Nutzung bereit. Kooperationen des Verkehrsverbundes und der RNV mit Stadtmobil ermöglichen Besitzern von ÖPNV-Jahresabonnements die besonders günstige Nutzung von Carsharing.

Durch den Ort führen die Bundesstraßen B 37 und B 45. Über Heidelberg sind die Bundesautobahnen 5 und 656 zu erreichen.

Öffentliche Einrichtungen

Die Stadt ist Sitz des Kirchenbezirks Neckargemünd der Evangelischen Landeskirche in Baden. In der ehemaligen Elly-Heuss-Knapp-Schule befindet sich das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises.

Neckargemünd betreibt im Neckartal ein Terrassenfreibad mit Springerbecken, 50-Meter-Bahn (Olympiabecken), Nichtschwimmerbecken mit Rutsche sowie einem Babyplanschbecken. Das Freibad wurde zur Badesaison 2008 saniert. Dabei wurde das Olympiabecken mit dem Springerbecken in ein Naturbad verwandelt. Das Nichtschwimmerbecken wird ebenfalls saniert und erhält eine neue Chloraufbereitungsanlage.

Bildung

In Neckargemünd gibt es drei staatliche Grundschulen (Dilsberg/Mückenloch, Waldhilsbach, Neckargemünd), eine private Montessori-Grundschule, eine Förderschule (Erich-Kästner Schule), eine Hauptschule mit Werkrealschule, ein Schulzentrum mit Realschule und Gymnasium sowie eine staatliche Schule für Hör- und Sprachgeschädigte.

Das Schulzentrum brannte am 2. Juni 2003 fast vollständig aus. Nach zwei Jahren zäher Verhandlungen, währenddessen der Unterricht in Behelfscontainer ausgelagert worden war, wurde bis 2008 an gleicher Stelle ein modernes, für den Ganztagesbetrieb gerüstetes Schulzentrum errichtet.

Die SRH-Gruppe unterhält in einem großen Rehabilitations-Zentrum mit Fachkrankenhaus ein Berufsbildungswerk sowie die Stephen-Hawking-Schule (SHS), das Leonardo da Vinci Gymnasium und zur unterrichtlichen Versorgung der Schüler in der Fachklinik eine Schule für Kranke, alle drei unter dem Dach der SRH-Schulen-gGmbH. Die SHS ist eine Heimsonderschule für körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Angeboten werden dort acht elementare Schularten des baden-württembergische Schulsystems vom Primarbereich bis zum Abitur; das Gymnasium und die Realschule der SHS sind gleichzeitig staatlich anerkannte Privatschulen, in denen der Unterricht integrativ stattfindet. Das Leonardo da Vinci Gymnasium ist eine private Schule für hochbegabte Kinder und Jugendliche in Trägerschaft der SRH.

Darüber hinaus gibt es in Neckargemünd eine Musikschule und eine Volkshochschule. Die Stadt betreibt eine Bücherei.

Persönlichkeiten

  • Julius Menzer (1846–1917), Weingroßhändler, griechischer Konsul, Reichstagsabgeordneter
  • Carl Beck (1856–1911), Professor der Chirurgie
  • Johanna Richter (* 1871), Politikerin, Abgeordnete im Badischen Landtag
  • Hermann Knorr (1897-1976) Politiker (SPD), Landtagsabgeordneter sowie Mitbegründer, Mitherausgeber und Chefredakteur der Rhein-Neckar-Zeitung.
  • Michail Krausnick (* 1943), Schriftsteller
  • Gudrun Reinboth (* 1943), Schriftstellerin
  • Gunter Dueck (* 1951), Mathematiker
  • Hans-Dieter Flick (* 1965), Co-Fußballbundestrainer
  • Sophie Brandes, Schriftstellerin
  • Norbert Hamm, Bassist von Herbert Grönemeyer

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 381–384
  3. Kreisbeschreibung Bd. 2 S. 741: Neckargemünd mit Kleingemünd, ohne Dilsberg, Mückenloch und Waldhilsbach.
  4. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 86
  5. Ursula Kohl: Museumsführer Rhein-Neckar-Kreis. Schwetzingen 1995, ISBN 3-87742-101-6

Literatur

  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 2: Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg. Karlsruhe 1968
  • Günther Wüst: Tausend Jahre Neckargemünd 988-1988. Beiträge zur Geschichte einer Neckartalsgemeinde. Bürgermeisteramt, Neckargemünd 1988.
  • Hermann Eris Busse: Heidelberg und das Neckartal. In: Badische Heimat. Zeitschrift für Volkskunde, Heimat-, Natur- und Denkmalschutz. 26. Jahrgang 1939. S. 417, „Neckargemünd im 16. und 17. Jahrhundert“. o.V., Freiburg im Breisgau 1939.

Weblinks


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