Her Majesty's Armed Forces

Her Majesty's Armed Forces
Streitkräfte des Vereinigten Königreichs
Führung
Oberbefehlshaber
de jure:
Britischer Monarch (derzeit Elizabeth II.)
Oberbefehlshaber de facto: Premierminister des Vereinigten Königreichs (derzeit Gordon Brown)
Verteidigungsminister: John Hutton
Sitz des Hauptquartiers: London
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 186.960 (Rang 26)
Wehrpflicht: nein
Wehrtaugliche Bevölkerung: insgesamt (Männer und Frauen; Alter 16-49) 23.602.161 (2005; Schätzung)[1]
Wehrtauglichkeitsalter: vollendetes 18. Lebensjahr, Verpflichtung ab dem vollendeten 16. Lebensjahr mit Zustimmung der Eltern möglich.[1]
Haushalt
Militärbudget: $ 67.667.000.000 (Rang 5, 2006)
Anteil am BNE: 2.7% (2005)
Geschichte
Faktische Gründung: 1946

Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs (engl. Bezeichnungen: British Armed Forces, im offiziellen Sprachgebrauch Her Majesty's Armed Forces oder Armed Forces of the Crown[2]), gehören zu den stärksten Streitkräften weltweit und gliedern sich in drei Teilstreitkräfte. Sie verfügen über 186.960 aktive Soldaten[3] und 191.300 Reservisten.[4]. Zusätzlich beschäftigen sie 103.900 zivile Mitarbeiter [3]. Oberbefehlshaber ist de jure die Königin Elizabeth II., aufgrund des Westminster-Systems sowie ihrer überwiegend repräsentativen Rolle de facto der Premierminister des Vereinigten Königreiches.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kriege

Die Militärgeschichte des Vereinigten Königreiches ist aufgrund der einflussreichen imperialen Tradition des Empire von großer Bedeutung. Sie durchlief trotz der geographischen Isolation des Landes mehrere Zäsuren. Wichtigste Kriegsbeteiligungen seit der Entstehung des britischen Nationalstaates waren der Siebenjährige Krieg, die napoleonischen Kriege, der Krimkrieg, sowie die beiden Weltkriege. Das Empire, welches den Höhepunkt seiner Macht und seine größte Ausdehnung in den 1920ern erreichte, war das größte Weltreich der Weltgeschichte und umfasste ein Viertel der weltweiten Landmasse und Bevölkerung. Daraus resultiert die bis heute andauernde, weltweite Präsenz des britischen Militärs.

Institutionalisierung des Verteidigungsministeriums

Das britische Verteidigungsministerium entstand als Provisorium bereits im Zweiten Weltkrieg und wurde 1964 institutionalisiert. Es vereinigte die Kompetenzen der Admiralität, des War Office und des Luftfahrtministeriums.

Überlastung

Die nationale Rechnungsprüfungsbehörde (National Audit Office) gab am 3. November 2006 einen Bericht heraus, demzufolge das Militär chronisch mit 2 bis 3% unterbelegt sei. Das Operationstempo sei tendentiell zu hoch. Das Verteidigungsministerium entgegnete, es gebe Engpässe, wies eine Überdehnung der Streitkräfte aber von sich.[5]

Armed Forces Act 2006

Am 30. November 2005 ratifizierte das britische Unterhaus den Armed Forces Act. Das Gesetz, das am 8. November durch die Unterschrift der Königin rechtskräftig wurde, fasste die Gesetzesbücher aller Streitkräfte zusammen und führte neue Gesetze ein.[6]

Auftrag

Die British Armed Forces sind mit dem Schutz des britischen Mutterlandes sowie der Überseegebiete, der Durchsetzung britischer Sicherheitsinteressen und der Teilnahme an multinationalen Friedensmissionen beauftragt. Per definitionem betrachten sich die Streitkräfte des Vereinigten Königreiches als der internationalen Gemeinschaft verpflichtet. [7] Gerade die Einbindung in die Strukturen der NATO bezeichnet die britische Regierung als existenziell für ihre Verteidigungspolitik.[8]

Organisation

Befehlskette

Politisch-militärische Führung

Dem Westminster-System und britischer Rechtstradition zufolge ist der britische Premierminister, derzeit Gordon Brown, Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die alltägliche Ausgestaltung der Verteidigungspolitik übernimmt der Verteidigungsminister, offiziell Secretary of State for Defence genannt (derzeit John Hutton), der ihn in Fragen der Verteidigung berät und ihn über den Zustand der Streitkräfte informiert. Das Verteidigungsministerium gliedert sich nicht, wie in den USA, nach Ressorts für die Teilstreitkräfte, sondern begreift die Streitkräfte als politische Einheit, mit deren Verwaltung einzelner organisatorischer Aspekte fünf Staatssekretäre (offiziell: je nach Ressort Minister oder Under Secretary) beauftragt sind.[9]

Der Verteidigungsminister wird seinerseits vom fünfköpfigen Generalstab des Vereinigten Königreiches (Chiefs of Staff) beraten, in dem alle Teilstreitkräfte vertreten sind. Dieser leitet Anweisungen und Befehle der Politik dann über das Offizierskorps, das über den Unteroffizieren und Mannschaften steht, weiter.

Generalstab

Die drei Stabschefs der Teilstreitkräfte, der Vorsitzende sowie sein Stellvertreter bilden den Generalstab der Streitkräfte des Vereinigten Königreiches, Chiefs of Staff genannt.

Posten Rang und Name
Vorsitzender des Generalstabs Air Chief Marshal Sir Jock Stirrup (RAF)
Stellvertretender Vorsitzender General Sir Timothy Granville-Chapman (RN)
Chief of the General Staff Gen. General Sir Richard Dannatt (BA)
First Sea Lord and Chief of Naval Staff Adm. Sir Jonathon Band (RN)
Chief of the Air Staff Air Chief Marshal Sir Glenn Torpy (RAF)

Teilstreitkräfte

Heer

Die größte Teilstreitkraft ist die British Army mit 105.020 Mann. Sie verfügt über rund 400 Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 und ca. 400 Geschütze. Unterstützt wird das Heer durch 35.000 Mann der Territorial Army.

Luftwaffe

Die Royal Air Force hat eine Stärke von 43.920 Mann und ist mit 940 Flugzeugen und Hubschraubern ausgerüstet. Sie verfügt über 269 Kampfflugzeuge vom Typ Panavia Tornado, 66 Hawker Siddeley Harrier, 36 Eurofighter Typhoon und 90 BAE Hawk.

Die letzten SEPECAT Jaguar wurden im April 2007 durch den Eurofighter Typhoon ersetzt.

Marine

Die Royal Navy ist mit 38.550 Mann und 90 Kriegsschiffen eine der größten Marinen der Welt. Im Bestand der Royal Navy gibt es unter anderem 4 U-Boote mit ballistischen Raketen, 2 Flugzeugträger der Invincible-Klasse (HMS Ark Royal und HMS Illustrious; dritte Einheit HMS Invincible in Reserve), 1 Hubschrauberträger (HMS Ocean), 8 Zerstörer und 17 Fregatten.

Von den drei Waffengattungen ist die Royal Navy seit der Strategic Defence Review 1998 am stärksten von Einsparungen betroffen. So wurde unter anderem die Anzahl der Fregatten und Zerstörer von 35 auf 25 und der Minenjagdboote von 25 auf 16 reduziert. Auch die U-Boot-Flottille wird mittelfristig von elf auf sieben Jagd-U-Boote verkleinert. Mehrjährige Verzögerungen bei mehreren Rüstungsprojekten, darunter den Flugzeugträgern der Queen-Elizabeth-Klasse und den U-Booten der Astute-Klasse, führen zudem dazu, dass einige Schiffe deutlich über ihr geplantes Einsatzalter hinaus eingesetzt werden müssen. Lediglich die Kapazitäten der amphibischen Einheiten wurden mit insgesamt sieben neuen Landungsschiffen seit 1997 erhöht.

Besondere Beachtung in der Öffentlichkeit fand, im Zusammenhang mit der Sparpolitik, die Ausmusterung der HMS Invincible 2005. Kritiker warfen der Regierung vor, durch die vorzeitige Ausmusterung des 2003 runderneuerten Flugzeugträgers die hohen Kosten für den Irak-Krieg ausgleichen zu wollen.

Budget

Das Vereinigte Königreich hat mit 46 Milliarden Euro (2008) die zweithöchsten Rüstungsausgaben in Europa (nach Frankreich) und insgesamt die dritthöchsten der Welt (Es besteht allerdings Unklarheit über die tatsächlichen Verteidigungsausgaben Russlands und Chinas, weswegen diese Einstufung von vielen Seiten in Zweifel gezogen wird). Dieser in Relation zur Truppenstärke sehr hohe Etat ist durch die außerordentlich kostspieligen Beschaffungsprojekte, die seit der Jahrtausendwende in Großbritannien zur Beschaffung anstehen, begründet (u.a. 232 Eurofighter, 150 Joint Strike Fighter, 2 Flugzeugträger, 7 nuklear getriebene U-Boote). Zudem sind die britischen Streitkräfte weltweit in vielen Einsätzen aktiv und verfolgen eine Modernisierung ihres Nuklearwaffenarsenals, was weitere hohe Kosten verursacht (Atommacht seit 1952). Aufgrund der Insellage konzentriert sich das britische Militär traditionell stärker als andere Länder auf seine Flotte als auf das Heer.

Auslandsstützpunkte

Die Streitkräfte unterhalten zudem etliche Militärbasen im Ausland. Hierzu gehören mehrere Basen in Deutschland mit insgesamt 22.500 Soldaten (sinkend) sowie zwei britische Hoheitsgebiete auf Zypern mit etwa 7.000 Soldaten. Außer den USA hat kein Staat mehr Soldaten im Ausland stationiert als das Vereinigte Königreich. Aktuell sind 67.000 britische Soldaten im Ausland stationiert, darunter 4.500 im Irak (Stand Dezember 2007).

Verweise

Interne Verweise

Literatur

  • The World Defence Almanac 2006, Mönch Publishing Group, Bonn 2006
  • Heyman, Charles: The Armed Forces of the United Kingdom 2007-2008. Pen & Sword Military, 2006, ISBN 1844156443. 

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b CIA World Factbook, Militärsektion aus dem Artikel zum Vereinigten Königreich. Funddatum: 27. Dezember 2006
  2. Quelle: Armed Forces Act 1976 beim britischen Verteidigungsministerium. Eingesehen am 27. Dezember 2006
  3. a b Stand Februar 2008
  4. Quelle: DASA. Stand: 1. April 2005. Funddatum: 27. Dezember 2006
  5. Ausführliche Dokumentation bei der BBC. Eingesehen am 27. Januar 2007
  6. Gesetzestext
  7. Strengthening international peace and stability. - Quelle: Verlautbarung des britischen Verteidigungsministeriums auf seiner Internetpräsenz. Funddatum: 13. Januar 2007
  8. "Membership of Nato is central to UK defence policy." - Quelle: Website der britischen Regierung zur Information ihrer Bürger, Sektion über die NATO. Funddatum: 13. Januar 2007
  9. o. V.: About Defence - Ministers. Zugriff am 10. März 2009.

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