Vattenfall Europe

Vattenfall Europe
Vattenfall Europe AG
Logo von Vattenfall
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2002
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Tuomo Hatakka
Mitarbeiter 20.980 (2009)[1]
Umsatz € 14.462 Mio. (2009)[1]
Bilanzsumme € 23.730 Mio. (2009)[1]
Branche Energieversorger
Website www.vattenfall.de

Vattenfall Europe AG ist der viertgrößte Stromkonzern in Deutschland und ist die deutsche Tochter des schwedischen Staatsunternehmens Vattenfall.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensdaten

Sitz der Vattenfall Europe ist Berlin, Hauptaktionär ist die Vattenfall AB (staatlicher schwedischer Stromversorger). Ende 2009 beschäftige das Unternehmen ca. 21.000 Menschen.

Kennzahlen 2009[1]

  • Stromverkauf an Vertriebskunden TWh 44,3
  • Stromverkauf am Großhandelsmarkt TWh 71,1
  • Stromlieferungen des Übertragungsnetzbetreibers TWh 30,1
  • Sonstige Stromlieferungen TWh 0,5
  • Stromverkauf gesamt TWh 146,0
  • Stromerzeugung TWh 67,7
  • Strombezug TWh 85,3
  • Wärmeverkauf TWh 15,4
  • Rohbraunkohleförderung Mio. t 55,7
  • Stromerlöse Mio. € 10.154
  • Umsatzerlöse Mio. € 14.462
  • Betriebsergebnis Mio. € 1.490
  • Jahresüberschuss Mio. € 909
  • Bilanzsumme Mio. € 23.730
  • Beschäftigte 20.980

Management

Seit dem 1. April 2010 arbeitet der Vorstand in folgender Zusammensetzung:

  • Tuomo Hatakka (Vorstandsvorsitzender, Erzeugung, Wärme, Netze, Vertrieb)
  • Udo Bekker (Personal, Revision, Sicherheits- und Gesundheitsmanagement)
  • Stefan Dohler (Finanzen, Recht, IT und Services)

Geschichte

Vattenfall Europe ging 2002 aus der Fusion der Energieversorgungsunternehmen Hamburgische Elektrizitäts-Werke und der Vereinigte Energiewerke AG und dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Mit der Fusion ist mit Vattenfall (nach E.ON, RWE und EnBW) der derzeit viertgrößte deutsche Stromkonzern (Stand 2010) entstanden. Die Marken HEW und Bewag wurden nach der Fusion zunächst beibehalten. Seit Januar 2006 tritt Vattenfall in ganz Deutschland unter der einheitlichen Marke Vattenfall auf. 2006 wurde auf der Hauptversammlung der Vattenfall Europe der Ausschluss von Minderheitsaktionären mittels eines Squeeze-out beschlossen. Die Übertragung der Aktien von Minderheitsaktionären der Vattenfall Europe an den schwedischen Mutterkonzern wurde mit dem Eintrag in das Handelsregister Berlin am 21. April 2008 beendet und die Börsennotierung des Konzerns damit eingestellt.

Aus wettbewerbspolitischen Gründen verkaufte Vattenfall Europe im März 2010 die Netztochter 50Hertz Transmission und somit auch das bis dahin selbst betriebene Höchstspannungsnetz an den belgischen Netzbetreiber Elia und den australischen Infrastrukturfonds Industry Funds Management (IFM).[2][3][4][5]

Standorte und Anlagen in Deutschland

Standorte

  • Hamburg (Vattenfall Europe Distribution Hamburg (Verteilnetzbetreiber), Vattenfall Europe Business Services, Vattenfall Europe Kundenservice, Vattenfall Europe Information Services (IT-Dienstleister), Vattenfall Europe Sales, Vattenfall Europe Netzservice Hamburg, Vattenfall Europe Nuclear Energy)
  • Berlin (Vattenfall-Deutschlandzentrale, Vattenfall Europe Sales (Privatkunden Berlin und Hamburg), Vattenfall Europe Wärme (Fernwärme Berlin und Hamburg), Vattenfall Europe Netcom (Telekommunikation), Vattenfall Europe Information Services (IT-Dienstleister), Vattenfall Europe Distribution Berlin (Verteilnetzbetreiber), Vattenfall Europe Netzservice Berlin, TVF Altwert (Flächenrecycling))
  • Cottbus (Vattenfall Europe Mining und Vattenfall Europe Generation – Verwaltung Tagebau & Kraftwerke), Vattenfall Europe Information Services (IT-Dienstleister)
  • Vetschau (Vattenfall Powerconsult/Ingenieurgesellschaft zur Kraftwerksplanung)
  • Lübbenau (VSG GmbH Facility Management/Sparten: Catering, Gebäudemanagement, Fuhrpark, Fuhrparkmanagment, Objektschutz), Qualifizierungszentrum

Kraftwerke

Aktive Anlagen

Kraftwerk Jänschwalde
Kraftwerk Boxberg
Kraftwerk HafenCity Hamburg

Anlagen in Planung bzw. Bau

Schaufelradbagger Tagebau Welzow

Stillgelegte Anlagen

Tagebaue

Tagebau Jänschwalde.

Stromzusammensetzung

Stromkennzeichnung

Nach § 42 EnWG zur Stromkennzeichnung sind alle Energieversorgungsunternehmen in Deutschland verpflichtet, die Herkunft des von ihnen gelieferten Stroms anzugeben. Für Vattenfall Europe ergeben sich folgende Werte für das Jahr 2008:[6]

Stromkennzeichnung 2008
 
Stromerzeugung
Deutschland
Stromlieferungen
Vattenfall Europe
Erneuerbare Energieträger 15,8 % 22,4 %
Kernenergie 25,4 % 4,9 %
Fossile Energieträger + sonstige 58,8 % 72,7 %
Radioaktiver Abfall (mg/kWh) 0,7 0,1
CO2-Emissionen (g/kWh) 506 658,8

Eigenerzeugung

Von den vorigen Angaben zu unterscheiden ist die Zusammensetzung der Stromerzeugung in eigenen Kraftwerken. Für Deutschland (Vattenfall Europe AG) setzte sich diese in den Jahren 2006 und 2007 wie folgt zusammen:[7]

  2006 2007
Gesamterzeugung 83,4 TWh 77,7 TWh
Kernenergie 16 % 9,4 %
Braunkohlekraftwerke 63 % 69 %
Sonstige Kraftwerke 21 % 21 %

Im Jahr 2007 entsprach die Eigenerzeugung 99,4 Prozent des gesamten Stromaufkommens der Vattenfall Europe AG.

Kritik

Tagebaue und Braunkohlekraftwerke

Vor allem bei Umweltverbänden steht Vattenfall in der Kritik, da das Unternehmen stärker als andere große Energieversorger auf die Verstromung von Braunkohle setzt, die wegen ihrer starken Treibhauswirkungen kritisiert wird, und wegen der damit verbundenen großflächigen Zerstörung natürlicher Lebensräume im Tagebau.

Auch mit Bewohnern hierfür umgesiedelter Dörfer (z. B. Horno) gibt es Konflikte.

Ein langwieriger Konflikt betraf die ökologisch wertvolle Lacomaer Teichlandschaft[8] (FFH-Gebiet) und das Dorf Lacoma/Lakoma, die dem von Vattenfall betriebenen Tagebau Cottbus-Nord weichen sollen.

Gegen die drei von Vattenfall neu geplanten Tagebaue Jänschwalde-Nord, Spremberg-Ost und Bagenz Ost wurde bis Mitte 2008 erfolgreich eine Volksinitiative durchgeführt. von einem Bündnis mehrerer Umweltverbände wurden von Oktober 2007 bis Mai 2008 in Brandenburg Unterschriften gegen die Pläne Vattenfalls gesammelt. Nach Ablehnung der Initiative vom Brandenburgischen Landtag fand von 10. Oktober 2008 bis zum 9. Februar 2009 ein Volksbegehren statt. Dieses scheiterte jedoch. Von den 80.000 notwendigen Unterschriften wurden nur 25.168 gültige Stimmen bei den Meldeämtern abgegeben.[9]

Kernkraftwerke

Die beiden deutschen Vattenfall-Kernkraftwerke gehörten im Jahr 2006 zu den deutschen KKW mit den meisten meldepflichtigen Ereignissen. In der Pannenstatistik belegte das Kernkraftwerk Krümmel mit 15 Ereignissen Platz 1, das Kernkraftwerk Brunsbüttel mit 11 Störungen Platz 3.[10] Das Unternehmen steht insbesondere nach dem Trafo-Brand auf dem Gelände des Kernkraftwerks Krümmel am 28. Juni 2007 in der Kritik, sicherheitsrelevante Informationen über den Betrieb ihrer beiden Kernkraftwerke gar nicht bzw. erst spät zu veröffentlichen. Politiker und Naturschutzverbände fordern den Lizenzentzug für das Betreiben von Atomkraftwerken.[11]

Auch beim Kernkraftwerk Brunsbüttel traten nach einer Störung am gleichen Tag beim Wiederanfahren meldepflichtige Ereignisse auf, die an das zuständige Ministerium erneut zu spät gemeldet wurden.[12] Das in Schleswig-Holstein für die Reaktorsicherheit zuständige Sozialministerium überprüfte nach diesen Vorfällen die Zuverlässigkeit Vattenfalls als Betreiber von Kernkraftwerken. Es war wegen seiner Informationspolitik selbst kritisiert worden.[13] Im Zuge dieser Vorkommnisse wurde der Chef der deutschen Atom-Sparte, Bruno Thomauske, seines Amtes enthoben, und der Konzernsprecher Johannes Altmeppen trat zurück.[14] Bis auf weiteres übernehme Kraftwerks-Vorstand Reinhardt Hassa die Geschäftsführung von Vattenfall Europe Nuclear Energy (Vene)[15] Später, am 18. Juli 2007, trat der Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher, zurück. Das Unternehmen verlor im Jahr 2007 - größtenteils durch diese Vorfälle - fast 200.000 Kunden.[16]

Im Zuge des nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 beschlossenen Atomausstiegs in Deutschland[17] erlosch die Betriebsgenehmigung für acht Kernkraftwerke in Deutschland, namentlich für die sieben ältesten (darunter das Vattenfalll-Kernkraftwerk Brunsbüttel sowie für das Kernkraftwerk Krümmel, im August 2011.

Laut einem Bericht des Handelsblatt will Vattenfall wegen der Schließung seiner Atomkraftwerke juristisch gegen Deutschland vorgehen: Das Unternehmen will noch vor Weihnachten 2011 die Bundesrepublik vor dem Internationalen Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (Washington) auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagen.[18]

Vattenfall und Bestrebungen zu der Rekommunalisierung der Energieversorgung

In den Jahren 2011 bis 2015 laufen bundesweit etwa 1.000 Konzessionsverträge im Bereich der Energienetze aus. Vor diesem Hintergrund sind zahlreiche Kommunen aus energie- oder fiskalpolitischen Gründen bestrebt, die kommunalen Energieversorgungsunternehmen wieder in ihre eigenen Hände zu nehmen, das heißt, diese zu rekommunalisieren.[19] Diesen Trend gibt es auch in den Städten, in denen Vattenfall die Unternehmen ganz oder Anteile daran besitzt.

Vattenfall Europe ist in Berlin und Hamburg mit den Tochterunternehmen Vattenfall Europe Berlin und Vattenfall Europe Hamburg vollständiger Eigentümer der kommunalen Energieversorgungsnetze. Daneben besitzt der Konzern Anteile an den Stadtwerken in Kassel, Dessau, Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder) und Erfurt.[20] In Berlin besitzt Vattenfall außerdem einen 30-Prozent-Anteil an der Gasag.

Die Hamburger Regierungskoalition strebte im Mai 2009 an, beim Auslaufen der derzeit bestehenden Konzesionssverträge im Jahr 2014 die Energienetze (Strom, Gas, Fernwärme) durch Rückkauf von Vattenfall zu rekommunalisieren, um einen Umbau der städtischen Energieversorgung hin zu Erneuerbaren Energien vorzunehmen.[21] Es gibt in diesem Zusammenhang eine Volksinitiative, die das Ziel einer Rekommunalisierung der Energienetze und der Etablierung „echter“ Stadtwerke, d. h. eines Stadtwerks mit Energienetzen, hat.

Auch in Berlin hat die regierende SPD im November 2010 beschlossen, dass die Energienetze und die Berliner Wasserbetriebe wieder von der öffentlichen Hand übernommen werden sollen, ohne dass allerdings bisher die zeitlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sind.[22]

Im Dezember 2010 gab Vattenfall den Verkauf seines 24,9-Prozent-Anteil an den Städtischen Werken Kassel an den regionalen Energieversorger Thüga bekannt.[23]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Vattenfall – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Vattenfall – in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. a b c d Geschäftsbericht der Vattenfall Europe AG zum 31. Dezember 2009
  2. Reuters: „Vattenfall-Stromnetz geht an belgische Elia“, Meldung vom 12. März 2010 – 9:09 Uhr
  3. Spiegel: „Vattenfall verkauft Stromnetz an belgische Elia“, vom 12. März 2010
  4. [1]: „Vattenfall verkauft deutsches Hochspannungsnetz“, vom 12. März 2010
  5. vattenfall.de:Vattenfall schließt Verkauf des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission ab, 21. Juni 2010.
  6. Kennzeichnung der Stromlieferungen
  7. Geschäftsbericht Vattenfall Europe AG 2007, S.36
  8. Siehe http://www.bi-lacoma.de/
  9. Herbe Niederlage für Brandenburger Tagebaugegner
  10. NDR Online: Atommeiler Krümmel mit den meisten Zwischenfällen
  11. Spiegel Online http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,493011,00.html
  12. Spiegel Online http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,493194,00.html
  13. spiegel.de 2007: Ministerin droht Vattenfall mit Lizenzentzug
  14. Pannenserie: Vattenfall feuert deutschen Atom-Chef – Wirtschaft – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
  15. NETZEITUNG UNTERNEHMEN: Vattenfall wechselt Atom-Chef aus
  16. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vattenfall2.html (nicht mehr online verfügbar) Vattenfall verliert fast 200.000 deutsche Kunden (Abgerufen am 31. Oktober 2007)
  17. bundestag.de
  18. handelsblatt.com 2. November 2011: Vattenfall verklagt Deutschland
  19. Christof Schorsch, Jessica Faber: Rekommunalisierung der Energieversorgung – Chancen und Risiken. In: DEMO Monatszeitschrift für Kommunalpolitik. 4. Februar 2010.
  20. Vattenfall-Referenzen auf der Website www.vattenfall.de, abgerufen am 3. Dezember 2010
  21. Hamburg gründet Öko-Stadtwerke. Die Tageszeitung(18. Mai 2009)
  22. Berliner SPD will rekommunalisieren. Junge Welt, 15. November 2010
  23. Artikel in Handelsblatt online vom 20. Dezember 2010 Vattenfall verkauft Anteil an Stadtwerken Kassel

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