Leingarten

Leingarten
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Leingarten
Leingarten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Leingarten hervorgehoben
49.159.1166666666667168
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heilbronn
Höhe: 168 m ü. NN
Fläche: 23,48 km²
Einwohner:

10.772 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 459 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74211
Vorwahl: 07131
Kfz-Kennzeichen: HN
Gemeindeschlüssel: 08 1 25 058
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Daimlerstraße 21
74211 Leingarten
Webpräsenz: www.leingarten.de
Bürgermeister: Ralf Steinbrenner
Lage der Gemeinde Leingarten im Landkreis Heilbronn
Abstatt Abstatt Bad Friedrichshall Bad Rappenau Bad Wimpfen Beilstein Beilstein Beilstein Brackenheim Cleebronn Eberstadt Ellhofen Ellhofen Eppingen Erlenbach Flein Gemmingen Güglingen Gundelsheim Hardthausen am Kocher Heilbronn Ilsfeld Ittlingen Jagsthausen Jagsthausen Kirchardt Langenbrettach Lauffen am Neckar Lauffen am Neckar Lehrensteinsfeld Leingarten Löwenstein Löwenstein Löwenstein Massenbachhausen Möckmühl Neckarsulm Neckarwestheim Neudenau Neuenstadt am Kocher Nordheim Obersulm Oedheim Offenau Pfaffenhofen Roigheim Schwaigern Siegelsbach Talheim Untereisesheim Untergruppenbach Weinsberg Widdern Wüstenrot ZaberfeldKarte
Über dieses Bild

Leingarten ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn (Baden-Württemberg), die im Zuge der Gemeindereform am 1. Januar 1970 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Großgartach und Schluchtern entstand.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Leingarten liegt im Westen des Landkreises Heilbronn an der Lein, einem linken Nebenfluss des Neckars, am Fuße des Heuchelbergs.

Nachbargemeinden

Nachbarstädte und -gemeinden Leingartens sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten): Heilbronn (Stadtkreis), Nordheim und Schwaigern (beide Landkreis Heilbronn).

Gemeindegliederung

Leingarten besteht aus den Ortsteilen Großgartach und Schluchtern, die heute praktisch nahtlos zusammengewachsen sind. Zu Schluchtern gehört noch der Ortsteil Riedhöfe.[2]

Geschichte

Schon in der Jungsteinzeit vor fast 7000 Jahren siedelten Menschen in der heutigen Leingartener Gemarkung. Viele steinzeitliche rechteckige Wohnstellen wurden ergraben, mit zahlreichen Hausgeräten aus Stein, Knochen und Ton. Für die Keramik, die mit anderen Funden stilistisch nicht vergleichbar war, prägte der Heilbronner Arzt und Altertumsforscher Alfred Schliz 1901 den Begriff Großgartacher Kultur (4800 bis 4600 v. Chr.) Auch für die nachfolgende Bronze- und Eisenzeit ist eine Besiedlung durch Fundstücke in der Gemarkung nachgewiesen.

Ab etwa 500 v. Chr. kamen die Kelten als neue Siedler. Ihre Anwesenheit ist durch die spätkeltische Viereckschanze Röthe bezeugt. Diese Anlage brachte Fundstücke aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. und zeigt deutliche Parallelen zu den Viereckschanzen bei Nordheim.[3] Auch die am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis an den Neckar vordringenden Römer hinterließen Spuren in der Leingartener Gemarkung. Seit dem 3. Jahrhundert drangen die Alemannen in die rechtsrheinischen römischen Gebiete ein und wurden seit etwa 500 n. Chr. von den siegreichen Franken aus dem nördlichen Neckargebiet teilweise nach Süden abgedrängt. Im 8. Jahrhundert gehörten Großgartach und Schluchtern zum fränkischen Gartachgau.

Großgartach und Schluchtern sind im Lorscher Codex zum ersten Mal schriftlich bezeugt. „Im 15. Jahr des Königs Pippin“, was den Jahren 766 und 767 entspricht, erscheinen sie als Gardaha und Sluhtra in Schenkungsurkunden des Klosters Lorsch.

Die sogenannte Frankenschanze in der Großgartacher Markung, eine Ringwallanlage auf einer schmalen Terrasse am Nordhang des Heuchelbergs, wurde wahrscheinlich um 1000 n. Chr. errichtet und wohl bis ins 14. Jahrhundert zumindest zeitweise auch bewohnt. Fundstücke belegen die Existenz eines mit einem Kachelofen ausgestatteten Hauses und damit die Anwesenheit bedeutsamer Personen. Die Anlage – an der Stelle eines römischen Siedelplatzes – hat in Süddeutschland kein vergleichbares Gegenstück und erinnert an die norddeutschen Niederungsburgen des 10. und frühen 11. Jahrhunderts. Bei einem Teil dieser Rundwallanlagen dürfte es sich um frühe Adelsburgen gehandelt haben, und vielleicht war auch die Frankenschanze der befestigte Wohnsitz einer adligen Familie. Jedenfalls sprechen die Fundstücke, die Lage des Platzes und die Situation im Gelände gegen eine Nutzung als einfache Fliehburg.

Ein Bergsporn auf der Nordseite des Heuchelbergs in der Schluchterner Markung wurde durch die sogenannte Harchenburg gesichert, eine mehrgliedrige mittelalterliche Befestigungsanlage aus Wällen und Gräben. Bei archäologischen Untersuchungen kamen keine antiken Mauerreste oder Funde an den Tag. Hier stand also nie eine „Ritterburg“, sondern die Harchenburg war eine Fliehburg, die den Bewohnern von Schluchtern und vielleicht auch denen von Großgartach und Schwaigern in unruhigen Zeiten Schutz bot.

Der Herrenhof (Fronhof) in Großgartach ist der Siedlungskern der späteren Gemeinde. Der Grabfund einer mit zwei Goldohrringen bestatteten Frau in der dem Hof benachbarten alten Großgartacher Laurentiuskirche lässt schon für die Zeit um 700 die Anwesenheit einer hochstehenden Familie vermuten.

Schluchtern war zunächst nur ein Flurname in der Großgartacher Gemarkung (… in Gardaro marcha in loco qui dicitur Shlothrun), ein Platz, auf dem ein Herrenhof stand mit dem dazugehörenden Herrenland und dem Hufenland der abhängigen Bauern.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts gehörten fast drei Viertel von Großgartach in die Herrschaft der Grafen von Lauffen, die alle ihre Rechte auf das 1122 von ihnen gegründete Kloster Odenheim übertrugen. Seit 1376 erweiterten die Grafen von Württemberg ihren Großgartacher Grundbesitz; sie erwarben ein Viertel der Vogtei und die hohe Obrigkeit (Landeshoheit). Nach dem Niedergang des Klosters Odenheim kamen dessen Rechte im 16. Jahrhundert an das Ritterstift Bruchsal.

Vermutlich im 13. Jahrhundert erwarben die Herren von Weinsberg ihren Schluchterner Besitz. 1431 verkauften sie ihre Rechte – Grundrechte, Gerichtsbarkeit, Kelter – für 1000 Gulden an Pfalzgraf Otto aus der Pfälzer Seitenlinie Pfalz-Mosbach. Nach dem Erlöschen dieser Linie fiel Schluchtern im Erbgang 1499 an die Kurpfalz, die ihren Besitz durch die Kellerei Hilsbach verwalten ließen. Schon früh hatten die Herren von Neipperg Rechte in Schluchtern. Sie waren sicher auch die Erbauer der alten Pankratiuskirche, denn bis 1305 besaßen sie das Patronatsrecht, und im Schluchterner Weistum (nach 1499) sind sie als collatores bezeugt, sie haben das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Schluchterner Pfarrstelle.

Im Dreißigjährigen Krieg und dem nachfolgenden Pfälzischen Erbfolgekrieg hatten Großgartach und Schluchtern wie die meisten Orte der Umgebung stark zu leiden. Das teilweise entvölkerte Schluchtern wurde durch die Ansiedlung von Auswanderern wieder bevölkert, wodurch insbesondere die katholische Gemeinde des Ortes erstarkte.

Ehemaliges Rathaus an der Heilbronner Straße in Leingarten (abgerissen 2009)

In der Rechtsnachfolge des Ritterstifts Bruchsal kam Großgartach 1803 an das Großherzogtum Baden, das den ihm zugefallenen Besitz 1806 im Tausch gegen andere Rechte an Württemberg gab, wo der Herzog und Kurfürst gerade König geworden war. Nun lebten die Großgartacher also im Königreich Württemberg. Schluchtern gehörte bis 1803 zum kurpfälzischen Oberamt Mosbach. Es kam dann an das Fürstentum Leiningen und mit diesem 1806 an das Großherzogtum Baden und wurde vom Bezirksamt Eppingen verwaltet. Da Großgartach und die anderen umliegenden Orte württembergisch waren, bildete Schluchtern nun eine badische Exklave in Württemberg. Mehrere Anläufe beider Seiten, den Ort an Württemberg zu übertragen, blieben ohne Ergebnis. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, am 25. Juni 1945, verfügte die amerikanische Besatzungsmacht, dass die Gemeinde fortan dem württembergischen Landkreis Heilbronn unterstehe. Nach der Bildung Baden-Württembergs wurde diese Übertragung noch einmal durch ein Landesgesetz bekräftigt.

1939 wurden in Großgartach 2752 Einwohner gezählt, in Schluchtern waren es 1074. Ende 1945 waren es 2994 Einwohner in Großgartach und 1210 in Schluchtern.[4] Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform vereinigten sich Schluchtern und Großgartach am 1. Januar 1970 nach Jahrhunderten der Trennung zur neuen Gemeinde Leingarten.[5]

Religionen

Großgartach

Im Jahr 1122 wird in Großgartach erstmals eine Kirche erwähnt, ein Vorgängerbau der 1496 im Wormser Synodale (Revisionsbericht für den Bischof von Worms) beschriebenen Laurentiuskirche, der Pfarrkirche mit Frühmesskaplanei. Ein lutherischer Prediger wird 1531 genannt. 1535, mit der Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg wurde Großgartach evangelisch. Trotz wechselnder weltlicher Besitzverhältnisse im Dorf blieb die Gemeinde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs fast rein evangelisch-lutherisch. 1865 zählte man zwei Katholiken im Ort, die zur Pfarrei Kirchhausen gehörten, 26 waren es 1930. Durch Vertriebene und Flüchtlinge wuchs ihre Zahl beträchtlich, 1957 gab es etwa 600. Nach 1945 fanden die Gottesdienste in der evangelischen Lorenzkirche statt, bis die katholische Gemeinde 1957 in ihre neu erbaute Kirche St. Lioba einzog. Zunächst wurde die Gemeinde vom Pfarramt Schluchtern betreut und dann bis 1971 vom Pfarramt Kirchhausen.

Schluchtern

1305 ist in Schluchtern erstmals eine Kirche bezeugt, eine Vorgängerin der dem heiligen Pankratius geweihten Kirche "auf dem Berg“. In der Kurpfalz – und damit auch in Schluchtern – wurde die lutherische Reformation offiziell 1556 eingeführt. Aber schon ab 1559, nachdem die Kurpfalz an die calvinistische Linie des Hauses gekommen war, gehörte Schluchtern zur evangelisch-reformierten Kirche. Ab 1685 waren die Kurfürsten katholisch und neben der reformierten entstand auch wieder eine katholische und eine lutherische Gemeinde. Bis zur Abschaffung des Simultaneums 1707 konnten die drei Konfessionen die Pankratiuskirche gemeinsam nutzen. 1744 lebten 65 Reformierte, 196 Lutheraner und 84 Katholiken im Dorf. Die lutherische Gemeinde hatte eine neue Kirche gebaut, aber die Katholiken mussten sich für ihren Gottesdienst zeitweise mit einem Raum im Untergeschoss des Rathauses begnügen. Der 1752 begonnene Bau einer katholischen Kirche wurde bald wieder eingestellt. 1823 konnten sie die Pankratiuskirche von den Reformierten erwerben. Die von der seit 1821 unierten evangelischen Gemeinde genutzte lutherische Kirche wurde 1843/46 durch den Neubau der heutigen Martin-Luther-Kirche ersetzt.

Die Jüdische Gemeinde Schluchtern entstand im 18. Jahrhundert. Spätestens seit 1710 lebte hier eine jüdische Familie, 1729 waren es vier. 1801 zählte man zehn Familien mit insgesamt 42 Personen. Schon seit 1809 waren die Juden in Baden als Religionsgemeinschaft anerkannt und den Angehörigen der christlichen Konfessionen gleichgestellt. Die Zahl der jüdischen Einwohner Schluchterns nahm zu; mit 66 Personen umfasste sie 1812 zehn Prozent der Bevölkerung und erreichte 1885 mit 99 Personen ihren Höhepunkt. Jetzt besaß die jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof in Schluchtern. 1914 errichtete sie eine neue einfache Synagoge, die 1938 in der Pogromnacht durch vier Männer aus dem Nachbardorf zerstört wurde. Die letzten zwölf jüdischen Einwohner Schluchterns wurden im Oktober 1940 mit anderen badischen Juden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert und von dort im August 1942 in Viehwagen ins Vernichtungslager Auschwitz, wo sich ihre Spuren verlieren.

Leingarten

Nach dem Zusammenschluss der Teilorte Großgartach und Schluchtern ist für die katholische Kirchengemeinde Schluchtern seit 1971 nicht mehr das Erzbistum Freiburg zuständig, sondern das Bistum Rottenburg-Stuttgart. Mit der katholischen Gemeinde in Großgartach vereint, entstand 1977 die katholische Kirchengemeinde St. Pankratius / St. Lioba Leingarten. Die weiterhin selbstständige evangelische Kirchengemeinde Schluchtern gehört seit 1975 nicht mehr zur badischen, sondern zur württembergischen Landeskirche.

2010 waren etwa 5400 Einwohner Leingartens evangelisch und etwa 2400 gehörten der katholischen Kirche an. Etwa 3100 Einwohner waren konfessionslos oder Anhänger einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft oder einer nicht-christlichen Religion, vor allem der muslimischen.

Die Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche Leingarten beginnt 1868 mit dem Erscheinen eines Methodisten in Großgartach. Ein Jahr später fand in einem Privathaus die erste methodistische Versammlung statt. 1872 errichtete man einen Betsaal und 1884 an anderer Stelle eine kleine Kapelle, die im Lauf der Jahre mehrmals renoviert und umgebaut wurde. Nach der Erstellung eines Neubaus an diesem Standort weihten die Methodisten 2003 ihr neues Gemeindezentrum ein. Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine evangelische Freikirche. Die Gemeinde Leingarten gehört zum Bezirk Heilbronn-Pauluskirche.

Erste Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche fanden ab 1932 in Großgartach und ab 1949 in Schluchtern in Privathäusern statt. 1951 wurde für Schluchtern und 1958 für Großgartach eine Kapelle errichtet. Die beiden Gemeinden hatten etwa hundert Mitglieder. Gemeinsam errichteten sie 1988 ein neues Kirchengebäude. Die Gemeinde hat nun 160 Mitglieder, die von ehrenamtlichen Seelsorgern betreut werden. Die Gemeinde gehört zum Bezirk Heilbronn und zur rechtlich selbstständigen Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, einer Körperschaft öffentlichen Rechts.

Politik

Gemeinderat

Kommunalwahl 2009
 %
30
20
10
0
29,3%
26,6%
24,9%
19,2%
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,6%
+2,2%
+6,8%
-1,3%

Der Gemeinderat Leingartens hat nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 18 Sitze. Die Wahl erbrachte folgendes Resultat:

  • CDU 29,3 % (− 7,6) – 5 Sitze (− 2)
  • FWV 26,6 % (+ 2,2) – 5 Sitze (+ 1)
  • GRÜNE 24,9 % (+ 6,8) – 5 Sitze (+ 2)
  • SPD 19,2 % (− 1,3) – 3 Sitze (− 1)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen und Flagge

Die Blasonierung des Leingartener Wappens lautet: In gespaltenem Schild vorne in Rot ein gesenktes silbernes Schwert, hinten in Silber ein roter Rost. Die Flagge Leingartens ist Rot-Weiß.

Nach der Vereinigung Großgartachs und Schluchterns wurde der neuen Gemeinde Leingarten von der Archivdirektion in Stuttgart die Übernahme des Großgartacher Wappens vorgeschlagen, dessen Tradition bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Dies war in der Kommunalpolitik nicht durchzusetzen. Das daraufhin entworfene neue Leingartener Wappen zeigt die Attribute der Kirchenpatrone der Vorgängergemeinden Großgartach und Schluchtern, das Schwert des Heiligen Pankratius und den Rost des Heiligen Laurentius. Es wurde der Gemeinde zusammen mit der Flagge am 25. September 1970 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.

Die Blasonierung des Großgartacher Wappens lautet: In Silber der stehende, golden nimbierte heilige Laurentius in rotem Diakonsgewand, in der Rechten einen grünen Palmzweig, in der Linken einen schwarzen Rost haltend. Die seit 1939 geführte Gemeindeflagge war Rot-Weiß.

Das älteste bekannte, nur in einem Bruchstück erhaltene Siegel Großgartachs an einer Urkunde vom 25. Mai 1379 zeigt eine Figur auf einem Rost, nach Umschrift und Art der Darstellung vermutlich der heilige Laurentius, der Ortspatron. Dieses Siegel ist das älteste bekannte Dorfsiegel Württembergs. Spätere Großgartacher Siegel ab 1531 zeigen Laurentius in der üblichen Darstellung mit Palme in der Rechten und Rost in der Linken. Als Fleckenzeichen ist der Rost 1684 auf Markungssteinen nachzuweisen. Als Wappenfigur in einem Wappenschild erscheint Laurentius erstmals 1583 im Landschaftsgebäude in Stuttgart. 1956 legte die Archivdirektion die Farben des Wappens fest, 1957 wurde es erstmals von der Gemeinde in einem Wappenschild verwendet.

Die Blasonierung des Schluchterner Wappens lautet: In Blau ein stehender, silbern gepanzerter jugendlicher Heiliger (St. Pankratius) mit goldenen Locken und goldenem Nimbus, die Linke in die Seite gestemmt, in der Rechten ein mit der Spitze nach rechts oben zeigendes goldenes Schwert haltend. Die Gemeindeflagge war Weiß-Blau.

Der Schluchterner Kirchenpatron St. Pankratius ist schon auf einem Siegel von 1620 abgebildet und diente seitdem als Wappen. Die Farben wurden 1901 vom Generallandesarchiv Karlsruhe festgelegt. Am 8. Oktober 1963 verlieh das baden-württembergische Innenministerium Schluchtern seine Flagge.[6]

Partnergemeinden

Partnergemeinden Leingartens sind Lésigny in Frankreich (seit Mai 1975) und Asola in Italien (seit 30. Oktober 2004). Lésigny und Asola sind auch untereinander Partnergemeinden, weshalb Leingarten die Partnerschaft als trilaterale Partnerschaft bezeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Heuchelberger Warte

Leingarten liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Bauwerke

Weithin sichtbares Wahrzeichen Leingartens ist die Heuchelberger Warte, ein 1483 auf dem Heuchelberg von Graf Eberhard im Barte erbauter Wachturm, der Teil des Württembergischen Landgrabens war. Heute ist die Heuchelberger Warte ein beliebtes Ausflugsziel mit Waldgaststätte. Unterhalb der Heuchelberger Warte befindet sich die Wallanlage "Frankenschanze".[7]

Im Ortsteil Großgartach befindet sich die evangelische Lorenzkirche, die 1913 nach Entwürfen von Martin Elsaesser erbaut wurde. Der spätromanische ehemalige Turmchor eines Vorgängerbauwerks wurde dabei als Taufkapelle erhalten. Das vermauerte alte Rundbogentor des Friedhofs ist auf 1577 datiert. Markant ist auch das Großgartacher Wasserwerk von 1906.

Pankratiuskirche

Im Ortsteil Schluchtern befindet sich die im Kern spätgotische, 1493 erstmals erwähnte Pankratiuskirche, die ab etwa 1700 als Simultankirche, danach lange als protestantische Kirche diente und seit 1823 katholische Kirche ist. Die evangelische Martin-Luther-Kirche wurde von 1843 bis 1846 erbaut, im Inneren später mehrfach umgestaltet und trägt seit 1996 ihren heutigen Namen. Zwischen beiden Kirchen befinden sich das katholische Pfarrhaus von 1727 und das evangelische Pfarrhaus von 1858, außerdem das 1902 erbaute Alte Rathaus. Überreste der einstigen Synagoge sind in dem Gebäude Brunnengasse 15 aufgegangen.

Skulpturen

Skulptur Uomo universale von Gunther Stilling

Im Juli 2007 fand das Künstlersymposium Kunst Raum Kreisel statt, als dessen Ergebnis fünf inzwischen zumeist an Kreuzungen aufgestellte großformatige Skulpturen in Leingarten verblieben. Vor dem Rathaus in der Heilbronner Straße befand sich die über fünf Meter hohe Marmorskulptur Hoffnung von Giorgie Cpajak. Am Kreisverkehr an der Kreuzung von Heilbronner und Eppinger Straße befindet sich die Sandsteinskulptur Historie und Gegenwart von Matthew Simmonds. An der Kreuzung von Eppinger und Kirchhausener Straße befindet sich die aus zwei Sandsteinobjekten bestehende Skulptur Europa und der Stier von Georg Viktor. Im weiteren Verlauf der Kirchhausener Straße befinden sich jeweils in weiteren Kreisverkehren die Skulptur Utopie in Stein von Christiane Guillaubey sowie die am 29. Juni 2008 aufgestellte Metallskulptur Uomo universale von Gunther Stilling.

Museen

Das 1975 gegründete Museum Altes Rathaus wird vom Heimatverein Leingarten getragen und zeigt eine Dauerausstellung mit archäologischen und heimatgeschichtlichen Exponaten.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jährlich am letzten Juniwochenende findet in Schluchtern das in der ganzen Umgebung bekannte Gassenfescht statt. Hierbei wird für Unterhaltung gesorgt durch Live-Bands, Vorführungen, einen Kinderflohmarkt, viele Essens- und Trinkstände und vieles mehr. Der Großgartacher Käsritt ist ein Heimatfest mit Festzug, Pferderennen und anderen Programmpunkten. Er wird alle drei Jahre im Herbst veranstaltet, zuletzt im September 2009.

Wirtschaft und Infrastruktur

Luftbild der Ortsmitte von Großgartach (nicht genordet)

Verkehr

Leingarten liegt an der B 293 von Heilbronn nach Karlsruhe und an der Kraichgaubahn (KarlsruheHeilbronn), die von der Heilbronner Stadtbahn als S 4 befahren wird. Die Kraichgaubahn verfügt über vier Haltepunkte im Ort. Es gilt der Tarif des Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehrs.

Medien

Über das Geschehen in Leingarten berichtet die Tageszeitung Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe LT (Leintal) sowie ein Amtsblatt der Gemeinde.

Bildung

Leingarten verfügt über eine Grundschule, die Hans-Sauter-Schule, und eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, die Eichbottschule. Im benachbarten Eichbottzentrum befindet sich auch die Leingartener Bücherei.

Öffentliche Einrichtungen

Leingarten verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr, das Jugendhaus Mühle Kinder- und Jugendkultur, eine Festhalle, ein Kulturzentrum, ein Hallenbad und ein Freibad.

Naherholungsgebiete

Als Naherholungsgebiet dienen die zwei Eichbottseen, die am Fuße des Heuchelbergs liegen. Es gibt in diesem Gebiet auch Biotope sowie ein Arboretum und einen Spielplatz.

Weinbau

In Leingarten wird auf rund 100 Hektar Wein angebaut, davon etwa 60 % Rotwein. Die Hauptlagen befinden sich am Heuchelberg, zu dessen Großlage im Bereich Württembergisch Unterland des Württembergischen Weinbaugebietes sie auch gehören. Der Wein wird von der Heuchelberg-Kellerei e.G. in Schwaigern und von diversen Selbstvermarktern vermarktet.

Energieversorgung

Zwischen Großgartach und Neckargartach befinden sich zwei Umspannwerke: Eines für 220 kV und 110 kV der Süwag Energie und eines für 380 kV (mit SF6-Schaltanlage), 220 kV und 110 kV der EnBW AG.

Panoramabild von Leingarten, Standort: Heuchelberger Warte
Panoramabild von Leingarten, Standort: Heuchelberger Warte

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Hans Sauter (1891–1974), langjähriger Bürgermeister von Großgartach, Ehrenbürger von Großgartach 1956
  • Johannes Leipert (1885–1962), langjähriger katholischer Pfarrer in Schluchtern, Ehrenbürger von Schluchtern 1958

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Albert Ludewig Grimm (* 19. Juli 1786 in Schluchtern; † 1. Dezember 1872 in Baden-Baden). Schriftsteller und Politiker
  • Johann Friedrich Mayer (* 18. Januar 1798 in Großgartach; † 22. Januar 1863), Landtagsabgeordneter von 1845, 1847 und 1848
  • Wilhelm Herrlinger (* 25. März 1809 in Großgartach; † 17. Juli 1849), Landtagsabgeordneter 1848 bis 1849
  • Adolf von Daniel (* 8. September 1816 in Großgartach; † 2. Januar 1893 in Stuttgart), württembergischer Politiker und Oberamtmann.
  • Christoph Anton von Wolff (* 17. Januar 1818 in Großgartach; † 20. September 1893 in Stuttgart), württembergischer Politiker und Oberamtmann
  • Gottlieb Wagner (* 19. März 1838 in Großgartach), Landtagsabgeordneter 1889 bis 1891 und 1893 bis 1894
  • Wilhelm Daniel (* vor 1844 in Großgartach; † nach 1877), erster Herausgeber des Zollern-Alb-Kuriers
  • Hermann Lauer (* 26. Dezember 1870 in Schluchtern; † 18. November 1930 in Donaueschingen), Theologe, Journalist und Heimatforscher
  • Wilhelm Troßbach (* 1881 in Großgartach; † 1926), Maler
  • Walter Veigel (* 1. November 1908 in Großgartach; † 1985), kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Häftling im KZ Buchenwald, Mitglied der Internationalen Militärischen Organisation (IMO) des Häftlingswiderstandes und Mitarbeiter in den DDR-Ministerien für Außenhandel und Auswärtige Angelegenheiten

Sonstige mit der Gemeinde verbundene Personen

  • Heinrich Güldig (* 22. Dezember 1820 in Stuttgart; † 8. Juli 1893 in Großgartach), Verleger, hatte seinen Altersruhesitz in Großgartach und hat der Gemeinde sein Haus und sein Vermögen gestiftet
  • Richard Herda-Vogel (1900–1965), Graphiker und Maler, lebte seit 1945 in Großgartach

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung:
    Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 104–106 sowie Nachtrag in Bd. VIII, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-008113-6, S. 661
  3. Andrea Neth: Eine neu entdeckte Viereckschanze in Leingarten-Schluchtern, Kreis Heilbronn. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg. 1997, Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1347-X, ISSN 0724-8954, S. 66–69.
  4. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg
  5. Quellen für den Abschnitt Geschichte:
    Ludwig Lidl: Leingarten im Ablauf der Geschichte. In: Heimatbuch Leingarten. S. 34f.
    Gerhard Kiesow: Schluchtern. Ein kurpfälzisches Dorf im 16. Jahrhundert. S. 18f. und 63
    Christoph Morrisey und Dieter Müller: Wallanlagen im Stadt- und Landkreis Heilbronn. S. 76f.
  6. Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:
    Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 93
    Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 88f. und 133
  7. Frank Buchali: Lexikon der Burgen und Schlösser im Unterland. Seite 209 ff. Heilbronn, 2008, ISBN 3-00-007056-7

Literatur

  • Heimatbuch Leingarten. Heimatverein Leingarten, Leingarten 1982
  • Valerie Blass: Von der Zweckehe zur Erfolgsgemeinschaft. Leingarten seit 1970. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 2008, ISBN 978-3-921923-27-6
  • Leingarten. In: Der Landkreis Heilbronn. Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn. Band 2. Thorbecke, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7995-6188-4, S. 116−131 (Baden-Württemberg. Das Land in seinen Kreisen).
  • Gerhard Kiesow: Schluchtern. Ein kurpfälzisches Dorf im 16. Jahrhundert. BOD, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-0518-X (Quellentexte und Kommentar)
  • Gerhard Kiesow: Schluchtern. Eine kurpfälzische Dorfgemeinde im Kraichgau. BOD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-4002-3

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Leingarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Uomo universale (Gunther Stilling) — Leingarten, Stillingkreisel mit der Skulptur „Uomo universale“ von Gunther Stilling, Ausschnitt Uomo universale ist die Bezeichnung einer Skulptur inmitten eines Kreisverkehrs in der Gemeinde Leingarten in Baden Württemberg. Geschaffen wurde sie… …   Deutsch Wikipedia

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