Glashütte (Sachsen)

Glashütte (Sachsen)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Glashütte
Glashütte (Sachsen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Glashütte hervorgehoben
50.8513.783333333333340
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Dresden
Landkreis: Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Höhe: 340 m ü. NN
Fläche: 95,57 km²
Einwohner:

7.139 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 75 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01768
Vorwahl: 035053
Kfz-Kennzeichen: PIR
Gemeindeschlüssel: 14 6 28 130
Stadtgliederung: 15 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 42
01768 Glashütte
Webpräsenz: www.glashuette-sachs.de
Bürgermeister: Markus Dreßler (CDU)
Lage der Stadt Glashütte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Altenberg (Erzgebirge) Bad Gottleuba-Berggießhübel Bad Schandau Bahretal Bannewitz Dippoldiswalde Dohma Dohna Dorfhain Dürrröhrsdorf-Dittersbach Freital Glashütte Gohrisch Hartmannsdorf-Reichenau Heidenau Hermsdorf Höckendorf Hohnstein Kirnitzschtal Königstein/Sächsische Schweiz Kreischa Liebstadt Lohmen Müglitztal Neustadt in Sachsen Pirna Porschdorf Pretzschendorf Rabenau Rathen Rathmannsdorf Reinhardtsdorf-Schöna Rosenthal-Bielatal Schmiedeberg Sebnitz Sebnitz Stadt Wehlen Struppen Stolpen Tharandt Wilsdruff Sachsen Tschechien Landkreis Bautzen Dresden Landkreis Meißen Landkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild
Ansicht vom Bahnhof aus (um 1910)
Glashütte nach dem Hochwasser 1927
Blick über die Stadt (2008)

Glashütte ist eine Stadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen und ist unter anderem durch die Herstellung der Glashütte-Uhren weithin bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Glashütte liegt im östlichen Osterzgebirge im Müglitztal. Seit der Fusion mit der Gemeinde Reinhardtsgrimma erstreckt sich Glashütte bis in das benachbarte Lockwitztal und liegt damit in zwei Haupttälern des Osterzgebirges.

Stadtgliederung

Neben der eigentlichen Stadt Glashütte gliedert sich die Stadt in folgende Ortsteile:

Zudem befindet sich das Hammergut Gleisberg auf dem Gebiet der Stadt.

Wüstungen

Auf der Flur von Glashütte befinden sich die drei Wüstungen Greifenbach, Kleinhain und Zschörnichen. Greifenhain lag zwischen Falkenhain, Johnsbach und Bärenstein, und wurde 1791 mit „Greifenbach, wuste liegende Baustellen, welche von den Einwohnern zu Falkenhayn, Dittersbach etc. zeither benuzt worden“ erwähnt.[2] Kleinhain liegt in dem selben Gebiet wie Greifenbach und könnte mit diesem identisch sein. 1731 wurde der Ort als Haynigen und 1733 als Kleinhayn überliefert.[3] Zschörnichen ist ein wüstes Einzelgut mit ehemaligem Vorwerk, das zu Börnchen gehörte.[4]

Geschichte

Die Entstehung des Ortes und sein Name gehen vermutlich auf eine Glashütte zurück, wobei der noch 1493 erwähnte Flurname Glasberg für den Standort heute nicht mehr existiert. Nach der Zerstörung durch die Hussiten 1429, wurde der Ort 1443 als wüstes Dorf mit zwei Eisenhämmern bezeichnet und 1445 erstmals als Glaßehutte urkundlich erwähnt. Nach dem Fund von Silbererz um 1490 nahm Glashütte einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1506 verlieh der sächsische Herzog Georg dem Ort Glashütte das Stadtrecht.

Bergbau

Jahrhundertelang beherrschte der Erzbergbau die Stadt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Erzlagerstätten jedoch weitgehend erschöpft, die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung verschlechterte sich erheblich. Die letzte Grube wurde um etwa 1870 geschlossen.

Uhrmacherei

Im Jahr 1845 ließ sich als erster Uhrmachermeister der Sachse Ferdinand Adolph Lange in Glashütte nieder. Er folgte damit einem Aufruf der königlich-sächsischen Regierung, von der er 7.000 Taler Anschubfinanzierung erhielt. Lange begann mit der Ausbildung der ersten Uhrmacher. Trotz erheblicher Anfangsschwierigkeiten wurde ab etwa 1875 die Uhren- und Feinmechanische Industrie zum wirtschaftlichen Rückgrat der Stadt. Bekannte Firmen sind Lange & Söhne, Assmann, Union, Glashütter Präzisionsuhrenfabrik AG (später e.G.m.b.H.), Uhrenfabrik AG (UFAG) und die damit eng verbundene Uhren-Rohwerke-Fabrik (UROFA). Weltweit bekannt wurden die Flieger- und Beobachtungsuhren der Marke Tutima, deren Hersteller UFAG bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Sitz in der Uhrmacherstadt Glashütte hatte und danach im VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) aufging.

Noch am letzten Tag des Zweiten Weltkriegs (8. Mai 1945) wurde Glashütte von sowjetischen Fliegern bombardiert und teilweise zerstört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Glashütter Uhrenhersteller enteignet und die Glashüttener Uhrenfertigung in einem Gesamtbetrieb VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) zusammengefasst. Die einzelnen Glashütter Uhrenmarken verschwinden vom Markt. Glashütter Uhren galten jedoch auch in dieser Zeit als die wertvolleren Zeitmesser, etwa im Vergleich zur Massenware aus Ruhla. Bekannte mechanische Automatikuhrwerke waren die „Spezimatic“ (1960–1978), gefolgt von der „Spezichron“ (1978–1985); danach ging der Anteil der mechanischen Uhrwerke stark zurück und es wurden überwiegend Quarzuhren gebaut.

Bekannte Uhrenfirmen und -marken, die nach 1990 aus dem ehemaligen VEB Glashütter Uhrenbetriebe wieder entstanden oder ganz neu gegründet wurden, sind:

  • A. Lange & Söhne, die prestigeträchtigste Uhrenmarke (zum Schweizer Richemont-Luxusgüterkonzern, zuvor zu VDO-Mannesmann) mit ausschließlich mechanischen Uhren
  • Glashütte Original / Union Glashütte (zur Swatch Group), begründet von den Unternehmern Heinz W. Pfeifer (mittlerweile ausgeschieden) und Alfred Wallner, ebenfalls mit ausschließlich mechanischen Uhren
  • Nautische Instrumente Mühle, Schiffschronometer und Uhren, ebenfalls mit ausschließlich mechanischen Uhren
  • Nomos Glashütte, seit 1991 ebenfalls mit ausschließlich mechanischen Uhren
  • das Bruno Söhnle Uhrenatelier, mit Quarzuhren

Ein weiterer Meilenstein ist die Ansiedlung des Luxus-Juweliers Wempe aus Hamburg, der in der ehemaligen Sternwarte eine Uhrenproduktion aufgenommen hat. Hier bildet Wempe auch hausintern zum Chronometeruhrmacher aus.

Dazu kommen noch einige kleine Spezialfirmen für die Fertigung von Uhrenteilen.

1878–1956 bestand hier die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte.

Weiteres

Beim Hochwasser 1927 und wieder beim Hochwasser 2002, als das Rückhaltebecken Glashütte brach, erlitt die Stadt schwere Schäden.

Zu DDR-Zeiten war die Grabstätte des an der Grenze getöteten Grenzsoldaten Peter Göring auf dem Friedhof in Glashütte ein Ort feierlicher Zeremonien.

Eingemeindungen

  • 1. Januar 1994: Johnsbach und Luchau[5]
  • 1. Juli 1995: Schlottwitz[6]
  • 1996: Dittersdorf
  • 2. Januar 2008: Reinhardtsgrimma[7]

Entwicklung der Einwohnerzahl

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1998: 31. Dezember):

  • 1551 – 113 besessene Mann, 37 Inwohner, insgesamt 607 Einwohner
  • 1748/64 – 103 besessene Mann
  • 1815 – 728
  • 1834 – 989
  • 1871 – 1671
  • 1890 – 2005
  • 1910 – 2674
  • 1925 – 3147
  • 1939 – 3486
  • 1946 – 4007
  • 1950 – 4655
  • 1957 – 4624
  • 1990 – 5631 1
  • 2000 – 4894
  • 2002 – 4762
  • 2004 – 4602
  • 2005 – 4540 2
  • 2007 – 7448
  • 2008 – 7323
  • 2009 – 7189
  • 2010 – 7139

Datenquelle 1551–1957: Zühlke 1966; 1990–2005: Statistisches Landesamt Sachsen

1 3. Oktober
2 30. September

Politik

Stadtrat

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 57,4 % (+ 3,4) zu folgendem Ergebnis:[8]

Partei / Liste Stimmenanteil +/- Sitze
CDU 49,2 % - 1,2 11
Die Linke 8,9 % - 2,7 2
FDP 7,3 % + 7,3 1
WV Reinhardtsgrimma 13,8 % -7,5* 3
FWG Johnsbach 6,6 % 1

+/-: Veränderung gegenüber Kommunalwahl am 13. Juni 2004, * Wählervereinigungen zusammen

Städtepartnerschaften

Seit 1990 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Schramberg im Schwarzwald in Baden-Württemberg, die unter anderem auf der Gemeinsamkeit gründet, dass beide Städte sehr stark durch die Uhrenindustrie geprägt sind. Der eingemeindete, ehemals selbständige Ort Reinhardtsgrimma pflegt seit 1997 eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Chrzastowice in Polen, die auch nach der Eingemeindung von der Gesamtstadt fortgeführt wird.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

St. Wolfgangskirche

Museen

Historische Bauwerke

  • St. Wolfgangskirche
  • Kursächsische Postmeilensäule vom Markt, rekonstruiert 1981 mit dem Originalwappenstück von 1734, vor dem Haus der Uhr an der Altenberger Straße (Müglitztalstraße)

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Seit 1890 ist Glashütte an die 38 km lange Müglitztalbahn angeschlossen, welche die Uhrenstadt durch das Müglitztal mit Heidenau (Sachsen) und dem oberen Elbtal bzw. der Bergstadt Altenberg (Erzgebirge) im oberen Osterzgebirge verbindet. Auf der eingleisigen Strecke fungiert Glashütte als Kreuzungsbahnhof zwischen den berg- und talwärts fahrenden Zügen.

Ansässige Unternehmen

Manufaktur der Glashütter Uhrenbetriebe GmbH (Glashütte Original)

ehemalige Unternehmen

Persönlichkeiten

  • Conrad Brüne (* 19. Oktober 1853 in Glashütte; † 22. Juli 1931 in Radeberg), Braumeister, Brauereidirektor (Radeberger Pilsner)
  • Ferdinand Adolph Lange (* 18. Februar 1815 in Dresden; † 3. Dezember 1875 in Glashütte), Uhrenfabrikant, MdL, Bürgermeister von Glashütte
  • Arthur Burkhardt (* in Apolda; † 21. Juli 1918 in Glashütte), Ingenieur und Fabrikant, Begründer der deutschen Rechenmaschinenindustrie

Literatur

  • Karlheinz Blaschke: Die geschichtliche Entwicklung im Osterzgebirge. In: Östliches Erzgebirge. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1966 (Werte der deutschen Heimat. Band 10). S. 187–193.
  • Karlheinz Blaschke: Das Städtewesen vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Beiheft zur Karte B II 6 des Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen (hrsg. von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und dem Landesvermessungsamt Sachsen). Leipzig/Dresden 2003.
  • Fritzsch, Erich / Kempe, Lothar (1981): Osterzgebirge. Leipzig
  • Hammermüller, Martin (1961): Lauenstein – Bärenstein – Glashütte. Unser kleines Wanderheft Heft 40. Leipzig
  • KOMPASS Karten GmbH [Hrsg.] (o. J.): Kompass-Wanderkarte 1027 Osterzgebirge (1: 50.000) mit Lexikon Osterzgebirge. Rum/Innsbruck
  • Müller, Gerhardt: Zwischen Müglitz und Weißeritz. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1964 (Werte der deutschen Heimat. Band 8).
  • Schmidt, Otto Eduard (1927): Zur Siedlungsgeschichte der Flussgebiete der Müglitz und der Gottleuba. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heft 9-12/1927. Dresden, S. 367–378
  • Schumann, Rudolf (2003): Manuskripte der Bergbaugeschichte des Osterzgebirges (hrsg. vom Knappenverein Altenberg e.V.). Kleinvoigtsberg
  • Stadtverwaltung Glashütte [Hrsg.] (2006): Glashütte – Sachsen – 1506 bis 2006 – 500 Jahre Stadtgeschichte (ISBN 3-937951-31-8)
  • Stadtsiedlungen im östlichen Erzgebirge. In: Östliches Erzgebirge. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1966 (Werte der deutschen Heimat. Band 10). S. 244–257.
  • Richard Steche: Glashütte. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 34.

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
  2. Greifenbach im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Kleinhain im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Zschörnichen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008
  8. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Weblinks

 Commons: Glashütte (Sachsen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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