Jüterbog

Jüterbog
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Jüterbog
Jüterbog
Deutschlandkarte, Position der Stadt Jüterbog hervorgehoben
51.99333333333313.07277777777871
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Teltow-Fläming
Höhe: 71 m ü. NN
Fläche: 175,68 km²
Einwohner:

12.668 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14913
Vorwahl: 03372
Kfz-Kennzeichen: TF (auslaufend JB)
Gemeindeschlüssel: 12 0 72 169
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 21
14913 Jüterbog
Webpräsenz: www.jueterbog.eu
Bürgermeister: Arne Raue (parteilos)
Lage der Stadt Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming
Am Mellensee Baruth/Mark Blankenfelde-Mahlow Dahme Dahmetal Großbeeren Ihlow (Fläming) Jüterbog Luckenwalde Ludwigsfelde Niederer Fläming Niedergörsdorf Nuthe-Urstromtal Rangsdorf Trebbin Zossen BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Das Rathaus
Dammtor in Jüterbog

Jüterbog ist eine Stadt im Landkreis Teltow-Fläming im Bundesland Brandenburg. Sie war bis 1815 Mittelpunkt des Landes Jüterbog.

Die Stadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Jüterbog liegt an der oberen Nuthe am Übergang zwischen Hohem und Niederem Fläming.

Stadtgliederung

Zur Stadt Jüterbog gehören folgende Ortsteile[2]:

Geschichte

Im Jahr 1007 wurde die dörfliche Siedlung mit Burgwall von dem Chronisten des damaligen Erzbischofes Tagino von Magdeburg, Thietmar von Merseburg erstmals als „Jutriboc“ erwähnt. Der Name könnte sich zum einen auf eine altslawische Kultstätte zu Ehren eines gleichnamigen Morgengottes (nach „jutro“ = „Morgen“ und „bog“ = „Gott“) zurückführen lassen, wie dies das Zedler-Universallexikon von 1732 bis 1754 vermutet. Eine solche Erklärung legte die Schlussfolgerung nahe, an diesem Ort sei eine westslawische Gottheit verehrt worden, bevor diese Stätte von deutscher Seite (vermutlich durch Otto I.) erobert und unter Wahrung des slawischen Namens christianisiert worden war. Jedoch verehrten die Slawen keinen Morgengott. Eine andere Deutung gründet ebenfalls auf einen slawischen Ursprung, wobei nur die Endung „bog“ (in der Rückführung auf das Altsorbische) auf „bok“ = „Seite, Flanke, Abhang“ verkürzt etymologisch anders abgeschlossen wird. Bisher gibt es keine Quellen, die den einen wie den anderen Ansatz auszuschließen vermögen. Dennoch scheint das erstgenannte Erklärungsmodell wahrscheinlicher, weil die westslawischen Kleinvölker auch für andere Städte Namen von Gottheiten gewählt haben. Der im Wappen geführte Bock beruht nur auf Volksetymologie.

Anderthalb Jahrhunderte nach Thietmars Sachsenchronik eroberte der Magdeburger Erzbischof Wichmann den Ort (1157) und wandelte ihn in einen deutschen Burgward um, der Zentrum einer stiftsmagdeburgischen Exklave zwischen der Mark Brandenburg (Askanier) und dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg (Askanier) war. Die Exklave entwickelte sich schnell zu einem besonders geförderten Fernhandelszentrum. So erhielt der Ort 1174 das Stadtrecht, das zweitälteste des heutigen Landes Brandenburg. In dieser Urkunde wird Jüterbog als Mittelpunkt der provincia Iutterbogk (Land Jüterbog) bezeichnet, als ihr Ausgangspunkt und Haupt (exordium et caput). Dieses Land (oder Ländchen) Jüterbog umfasste auch Kloster Zinna, Luckenwalde und Trebbin und erstreckte sich nach Norden hin bis zum Seddin-See vor den Toren Potsdams.

Nach dem Stadtbrand 1478 wurde der Wiederaufbau durch die Magdeburger Erzbischöfe gefördert. Am 21. November 1644, gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs besiegten in der Schlacht bei Jüterbog die Schweden unter Lennart Torstensson die Kaiserlichen unter Matthias Gallas, die den Dänen zu Hilfe kommen wollten. Die kaiserliche Armee löste sich dabei faktisch auf. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 lag Jüterbog wie viele andere Städte darnieder, und nach dem Übergang an Kursachsen büßte es seine alte Bedeutung endgültig ein.

Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) brachte erneut Elend nach Jüterbog. Nach dem Krieg wurde Kloster Zinna als preußische Weberstadt vor den Toren des damals noch sächsischen Jüterbog gegründet. Zeitgleich entwickelte sich Luckenwalde langsam zum Industriestandort. Die auf dem Handwerk beruhende Wirtschaft Jüterbogs brach zusammen und die Stadt verarmte zusehends.

Im Wiener Kongress wurde 1815 die Nordhälfte des Königreichs Sachsen, einschließlich Jüterbog, als Kriegsentschädigung an Preußen abgetreten. Das sächsische Amt Jüterbog (zum Fürstentum Sachsen-Querfurt gehörig) und der preußische Kreis Luckenwalde vereinigten sich zum Landkreis Jüterbog-Luckenwalde, Kreissitz wurde Jüterbog. Als Ausweg aus wirtschaftlicher Not bat die Bürgerschaft seit 1824 um die Stationierung von Soldaten, die die Kommune versorgen könnte. Erst 1832 ist mit der Einquartierung von Teilen preuß. 3. Artillerie-Brigade die Bitte erfüllt worden. 1841 erhielt sie einen Bahnhof an der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn und 1897 eine Pferdebahn. Als diese 1928 durch Omnibusse abgelöst wurde, war sie eine der letzten ihrer Art in Deutschland gewesen.

Ab 1864 konnte die in Jüterbog stationierte Artillerie auf der nördlich gelegenen Birkheide einen eigenen Schießplatz nutzen.

Im Ersten Weltkrieg befanden sich bei Niedergörsdorf zwei Luftschiffhallen. Dort wurde 1933/34 der Flugplatz Altes Lager errichtet.

Von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges blieb die Stadt weitestgehend verschont. Erst am 18. April 1945 erlitt sie einen größeren Bombenangriff, der vor allem die Bahnanlagen zum Ziel hatte und die Innenstadt nicht erreichte. Am 20. April besetzte die Rote Armee Jüterbog nahezu kampflos.

Mit der Kapitulation Deutschlands und der Neuordnung durch die Siegermächte verlor die Stadt vorerst den Kreissitz an Luckenwalde, erhielt ihn aber 1952 zurück. Die territoriale Neugliederung in Bezirke ließ zwei Kreise entstehen, den Kreis Jüterbog und den Kreis Luckenwalde (beide Bezirk Potsdam). Durch die Stationierung von Streitkräften der UdSSR blieb Jüterbog eine Garnisonstadt.

Industrielle Entwicklungen blieben in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und Instandhaltung bzw. Mechanisierung dieses Wirtschaftszweiges stecken. Die Reformen der Gorbatschow-Ära und ein Staatsvertrag zwischen der damaligen DDR und der damaligen UdSSR führten bereits im Mai 1989 zum Abzug der 32. Garde-Panzerdivision "Poltawa". Die politische Wende ab dem November beendete die militärische Tradition. 1994 verließ der letzte Soldat die Region.

Am 1. Juni 1936 wurde das gleich westlich angrenzende Dorf Damm in die Stadt eingemeindet und am 1. Juli 1950 folgte die Eingemeindung des östlich angrenzenden Dorfes Neumarkt. [3] Am 31. Dezember 1997 wurden die bisher selbstständigen Orte Grüna, Kloster Zinna, Markendorf (mit dem am 1. Juli 1950 eingemeindeten Ort Fröhden), Neuheim, Neuhof und Werder in die Stadt Jüterbog eingegliedert.[4]

Wirtschaft

Verkehr

Jüterbog liegt an den Bundesstraßen 101 (BerlinAue), 102 (Brandenburg an der HavelLuckau und 115 (nach Cottbus). Die nächstgelegene Anschlussstelle Ludwigsfelde-Ost zur A 10 befindet sich etwa 45 km nördlich, die Anschlussstelle Niemegk zur A 9 etwa 35 km westlich von Jüterbog.

Der Bahnhof Jüterbog ist Halt für Regionalexpress- bzw. Regionalbahnzüge an den Eisenbahnstrecken Berlin–Lutherstadt Wittenberg (RE 5), Jüterbog−Falkenberg/Elster (RE 5) und Jüterbog–Treuenbrietzen–Beelitz (MR 33).

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl vom 28. September 2008 führte bei einer Wahlbeteiligung von 48,5 % zu folgendem Ergebnis:[5]

Partei / Liste CDU SPD Linke FDP* Grüne DVU BV*
Stimmenanteil 14,5 % 25,1 % 27,5 % 14,7 % 1,1 % 2,5 % 14,7 %
Sitze 3 6 6 3 1 3

* FDP und BV (Bauernverband) bilden eine Fraktion

Bürgermeister

2011 wurde der parteilose Arne Raue in einer Stichwahl mit 54 % zum Bürgermeister gewählt.

Städtepartnerschaften

Jüterbog unterhält Städtepartnerschaften mit Waldbröl in Nordrhein-Westfalen und Aßlar in Hessen.

Wappen

Das Wappen wurde am 10. März 1998 genehmigt.

Blasonierung: „In von Silber und Rot geteiltem Schild ein springender schwarzer Bock mit goldenen Hörnern und Klauen.“[6]

Flagge

Die Flagge ist weiß-rot gestreift mit dem mittig aufgelegten Wappen der Stadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Franziskaner-Mönchenkirche
Gutshaus Kaltenhausen in Kloster Zinna

In der Liste der Baudenkmale in Jüterbog stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Baudenkmale.

Bauwerke

Sport

Im Juni 2001 wurde die Fläming-Skate-Strecke über 175 km durch den Landkreis eröffnet und ist heute Ziel zahlreicher Wochenendtouristen, die die mindestens zwei Meter breite asphaltierte Strecke nutzen, um intensiv zu Inlineskaten. 2005 fanden in Jüterbog die Europameisterschaften im Speedskating statt. Nun befindet sich hier auch eine Skate Arena die direkt an der Skaterbahn liegt.

Zudem befindet sich an der Straße nach Neuheim eine Motocross-Strecke.

Seit 1992 ist Jüterbog Landesstützpunkt für Leichtathletik. Die Wettkampfstätte „Sportplatz Am Rohrteich“ befindet sich im Stadtteil Damm an der Dennewitzer Straße. 2007 und 2008 wurden hier die Weltmeisterschaften im Ultra-Stein-Stoßen durchgeführt.

Geschichtsdenkmale

Die Gedenktafel am Rathaus
  • Denkmal von 1957 in der Schillerstraße für die Widerstandskämpfer der Stadt Jüterbog gegen den Faschismus
  • Gedenktafel am Rathaus am Markt für vier namentlich genannte Widerstandskämpfer
  • Zwei Gedenksteine von 1975/76 für 14 polnische Zwangsarbeiter auf dem Südfriedhof am Waldauer Weg

Jüterbog in Literatur und Kunst

  • Sagen und Märchen: Der Schmied von Jüterbog
  • Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas
  • A. E. Brachvogel: Der deutsche Michael
  • Walter Petri und G. Ruth Mossner: Die Güterlok aus Jüterbog
  • Loni Heuser: Mein Herz flammt wie ein Blütenstock für Jüterbog (Text: Helmuth Krüger)

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Hans Peter Hallwachs

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Literatur

  • Johann Carl Brandt: ' Geschichte der Kreisstadt Jüterbogk und ihrer Umgebung von den ältesten bis auf die neuesten Zeiten nach zuverlässigen Nachrichten entworfen und herausgegeben.' Torgau 1826.
  • Carl Christian Heffter: Urkundliche Chronik der alten Kreisstadt Jüterbock u. ihrer Umgebungen, A. M. Colditz, Jüterbog 1851 (GoogleBooks)
  • A. Hamann: 'Jüterbog. Ein Führer durch die Stadt Jüterbog und ihre nächste Umgebung.' Berlin 1903.
  • Erich Sturtevant: 'Chronik der Stadt Jüterbog.' Kommissionsverlag Otto Mewes, Jüterbog (1935).
  • Henrik Schulze: 'Jüterbog. Eine Chronik in Bildern.' Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1991.

Weblinks

 Commons: Jüterbog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerung im Land Brandenburg am 31. Dezember 2010 nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden (PDF; 31,71 KB), Stand 31. Dezember 2010. (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Jüterbog vom 30. September 2009 PDF
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  5. Statistik Berlin-Brandenburg
  6. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

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