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Andhra Pradesh - ఆంధ్ర ప్రదేశ్
Status: Bundesstaat
Hauptstadt: Hyderabad (3.981.000 Einwohner)
Fläche: 275.045 km²
Einwohner: 82.390.000 (2008)
Bevölkerungsdichte: 300 Einwohner je km²
Sprachen: Telugu (Amtssprache); Urdu (regionale Amtssprache); Lambadi, Tamil, Kannada, Marathi, Gondi, Oriya, Naiki, Konda, Gadaba, Kuwi, Englisch
Religionen: Hinduismus (89,0 %) , Islam (9,2 %), Christentum (1,6 %), andere
Website: www.aponline.gov.in
Karte

Andhra Pradesh (Telugu: ఆంధ్ర ప్రదేశ్ Āndhra Pradēś [ˈɑːndʰrʌ prʌˈdeːɕ]) ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 275.045 km² und 79.733.367 Einwohnern (Berechnung; Stand: 1. Januar 2006). Hauptstadt ist Hyderabad.

Der Name des Bundesstaates bedeutet im Sanskrit „Land der Andhra“, eines schon in vorchristlicher Zeit bekannten Volkes. Die ursprünglich ethnische Bezeichnung übertrug sich noch im Altertum auf Teile des heutiges Staates Andhra Pradesh, der 1956 entlang der Sprachgrenzen des Telugu, der Muttersprache des größten Teils der Bevölkerung, entstand.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Topografische Karte Andhra Pradeshs

Mit einer Fläche von 275.045 km² ist Andhra Pradesh der viertgrößte Bundesstaat Indiens. Er grenzt an die Staaten Tamil Nadu im Süden, Karnataka im Westen, Maharashtra im Nordwesten, Chhattisgarh im Norden und Orissa im Nordosten, sowie im Osten an den Golf von Bengalen. Der zum Unionsterritorium Puducherry gehörende Ort Yanam liegt als Enklave nahe der Küste im Nordosten Andhra Pradeshs.

Landschaftsgliederung

Bewaldete Berglandschaft in den nördlichen Ostghats (Naturschutzgebiet Kambalakonda nahe Visakhapatnam)

Andhra Pradeshs Küste am Golf von Bengalen ist eine Ausgleichsküste mit zahlreichen, zum Teil bereits verlandeten Lagunen. Der südliche Abschnitt bis zur Mündung des Krishna wird der Koromandelküste zugerechnet. Dahinter liegt eine breite Küstenebene, die vom Gebirgszug der Ostghats begrenzt wird, welche im Westen und Nordwesten wiederum zum Hochland von Dekkan abfallen. Die drei größten Ströme Godavari, Krishna und Penneru schneiden sich tief ins Bergland ein und trennen die Ostghats damit in mehrere große Blöcke: die bis zu 1150 Meter hohen Palkonda- und Seshachalam-Berge südlich des Penneru, die knapp über 900 Meter reichenden Nallamalai-Berge zwischen Penneru und Krishna sowie die sich nordöstlich des Godavari fortsetzende, steil zum Meer hin abfallende Hauptkette der Ostghats mit dem 1680 Meter hohen Devodi Munda, der höchsten Erhebung des Bundesstaates. Der Penneru teilt zudem die östlich der Nallamalai-Kette parallel verlaufenden Velikonda-Berge, die im Süden bis an die Grenze Tamil Nadus und im Norden fast bis zum Krishna reichen, in zwei jeweils mehr als 1000 Meter erreichende Höhenzüge. Westlich der Nallamalai-Berge schließt sich das tief gelegene, vom Penneru und einigen Nebenarmen durchflossene Kadapa-Becken an. Krishna und Godavari bilden breite Stromebenen, die weit ins Binnenland hineinreichen, und münden in stark gefächerten Deltas in den Golf von Bengalen. Das nordwestliche Hochland zwischen Krishna und Godavari ist unter dem Namen Telangana, die Südwestregion als Rayalasima bekannt.

Klima

In Andhra Pradesh herrscht tropisches Klima. Allerdings gibt es beträchtliche regionale Unterschiede sowohl bei den Temperaturen als auch bei der Niederschlagsverteilung. Im Wesentlichen lassen sich zwei allgemeine Aussagen treffen. Zum einen ist es im Norden kühler und feuchter als in den südlichen Landesteilen, zum anderen weisen die Küstengebiete höhere Durchschnittstemperaturen und Niederschlagsmengen auf als das Binnenland.

An der Küste fällt das Thermometer selbst im Januar und Februar nur selten unter 18 Grad Celsius. Werte von bis zu 41 Grad werden nur in den heißesten Monaten April und Mai erreicht. Im Jahresmittel liegt die Temperatur um 27 Grad im Norden sowie um 29 Grad im Süden. Niederschläge fallen fast ausschließlich während des Südwestmonsuns von Juni bis September sowie während des Nordostmonsuns von Oktober bis Dezember, wobei die Intensität des ersteren von Norden nach Süden abnimmt und die des letzteren von Norden nach Süden zunimmt. Pro Jahr fallen je nach Ort zwischen 700 und 1500 mm Regen. Am niederschlagsreichsten ist der nördliche Küstenabschnitt mit über 1000 mm. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch.

Im höher gelegenen Binnenland schwanken die Temperaturen spürbar stärker. Die Tiefstwerte im Winter liegen bei 13 Grad im nördlichen Telangana-Hochland bzw. 17 Grad in der Rayalasima-Region im Südwesten. Zumindest in Telangana sind vereinzelt sogar Temperaturen unter 10 Grad möglich. Im April und Mai kann das Thermometer auf 43 Grad steigen, in Extremjahren sind auch schon über 45 Grad gemessen worden. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen sind etwas niedriger als an der Küste. Telangana erhält nur durch den Südwestmonsun von Juni bis September ausreichend Niederschlag, insgesamt je nach Ort 750 bis 1000 mm. In Rayalasima regnet es zwar auch während des Nordostmonsuns von Oktober bis Dezember, dafür fallen die vorangehenden Sommermonsunregen wesentlich schwächer aus, sodass insgesamt nur 550 bis 800 mm erreicht werden. Die Luftfeuchtigkeit im Binnenland liegt bei 20 bis 35 Prozent in der trockensten Zeit des Jahres von Februar bis Mai. In der Regenzeit steigt sie auf 70 bis über 80 Prozent. Das trockene Klima des Binnenlandes begünstigt Dürren.

Bevölkerung

Die indische Volkszählung des Jahres 2001 ergab für Andhra Pradesh eine Einwohnerzahl von 76.210.007[1]. Damit rangiert Andhra Pradesh an fünfter Stelle der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Indiens. Die räumliche Verteilung der Bevölkerung ist jedoch höchst ungleichmäßig. Während die fruchtbaren Deltas des Godavari und Krishna, die Küstenebenen sowie der Großraum Hyderabad eine Dichte von jeweils mehr als 500 Menschen je km² aufweisen, sind die Bergregionen sowie der trockene Südwesten eher dünn besiedelt. Im Durchschnitt lag die Bevölkerungsdichte 2001 bei 275 Einwohnern je km². Mit 1,2 Prozent im Mittel der Jahre 2001 bis 2005 wuchs Andhra Pradeshs Einwohnerzahl langsamer als die Gesamtbevölkerung Indiens mit 1,6 Prozent im gleichen Zeitraum[2]. Nur 27 Prozent der Einwohner leben in Städten.

Die weitaus größte ethnische Gruppe ist das Volk der Andhra. In den Grenzgebieten leben Minderheiten der in den benachbarten Bundesstaaten jeweils vorherrschenden Volksgruppen. Der Anteil der Adivasi, der einheimischen Stammesbevölkerung, liegt mit 6,6 Prozent unter dem gesamtindischen Durchschnitt von 8,2 Prozent. Dennoch sind mehr als 30 verschiedene Adivasi-Stämme in Andhra Pradesh erfasst, darunter die mit den europäischen Roma verwandten halbnomadischen Lambada, Sugali und Banjara sowie die Koya, Yanadi, Yerukula und Gond. Ihre Hauptsiedlungsräume liegen im nördlichen und östlichen Telangana in den Distrikten Khammam (25 Prozent Bevölkerungsanteil), Adilabad (17 Prozent) und Warangal (14 Prozent) sowie in den nördlichen Ostghats an der Grenze zu Orissa, besonders in den Distrikten Visakhapatnam (14 Prozent) und Vizianagaram (9 Prozent).

Sprache

Sprachen in Andhra Pradesh[3]
Sprache Sprachfamilie Anteil
Telugu Dravidisch 83,88 %
Urdu Indoarisch 8,63 %
Hindi (einschl. nah
verwandter Sprachen)
Indoarisch 3,23 %
Tamil Dravidisch 1,01 %
Marathi Indoarisch 0,80 %
Kannada Dravidisch 0,74 %
Gondi (einschl. Koya) Dravidisch 0,69 %
Oriya Indoarisch 0,44 %

Alleinige Amtssprache Andhra Pradeshs ist das von 84 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochene dravidische Telugu. Das indoarische, in persisch-arabischer Schrift geschriebene Urdu wird von 9 Prozent der Einwohner und damit fast allen Muslimen des Staates gesprochen, meist in der regionalen Variante Dakhini. Mehr als ein Drittel der Urdu-Sprecher sind zweisprachig mit Telugu. In Distrikten mit besonders hohem Sprecheranteil genießt Urdu den Status einer zweiten offiziellen Sprache. Es gibt Bestrebungen, Urdu auch zur zweiten Amtssprache auf Bundesstaatenebene zu erheben.

Offiziellen Statistiken zufolge sprechen gut 3 Prozent der Bevölkerung Hindi. Tatsächlich handelt es sich dabei um das Lambadi, die der Rajasthani-Gruppe zuzuordnende indoarische Sprache der überwiegend in Telangana lebenden Lambada, Surgali und Banjara. Auf Grund der engen Verwandtschaft zum Hindi wird das Lambadi häufig als Dialekt des letzteren angesehen. Unter der sonstigen Stammesbevölkerung sind zahlreiche kleinere dravidische Sprachen verbreitet, darunter Gondi im Grenzgebiet zu Chhattisgarh und Maharashtra mit rund 520.000 Sprechern (einschließlich der Koya-Dialekte) sowie Naiki im Distrikt Adilabad und Konda, Gadaba und Kuwi im Nordosten mit mehreren tausend bis wenigen zehntausend Muttersprachlern.

Durch Zuwanderung in städtische Ballungsräume und örtliche Abweichungen der politischen Grenze Andhra Pradeshs von der Sprachgrenze des Telugu zu den großen Sprachen der Nachbarstaaten gibt es Minderheiten von Tamil- (1,0 Prozent), Marathi- (0,8 Prozent), Kannada- (0,7 Prozent) und Oriya-Sprechern (0,4 Prozent). Englisch besitzt zwar so gut wie keine Muttersprachler in Andhra Pradesh, dafür kommt ihm eine Sonderrolle als bedeutende Bildungs-, Wirtschafts- und Verwaltungssprache zu.

Religion

In Andhra Pradesh liegt der Bevölkerungsanteil der Hindus mit 89,0 Prozent[4] deutlich über dem gesamtindischen Durchschnitt von 80,5 Prozent. Muslime stellen mit 9,2 Prozent die größte Minderheit. Trotz des insgesamt geringen Verstädterungsgrades lebt mehr als die Hälfte von ihnen in Städten. Hochburg des Islam in Andhra Pradesh ist die Hauptstadt Hyderabad, wo sich knapp 40 Prozent der Einwohner zum muslimischen Glauben bekennen. Das Christentum, dem insgesamt 1,6 Prozent der Bevölkerung anhängen, hat trotz vereinzelter jesuitischer Missionierungsversuche im 18. Jahrhundert erst im 19. Jahrhundert durch die vorwiegend protestantische, später auch katholische Missionstätigkeit in Andhra Pradesh Fuß fassen können, insbesondere unter den von der hinduistischen Gesellschaft ausgegrenzten Dalit und Adivasi. In einigen Landesteilen haben Berichte über angebliche Zwangsbekehrungen von Dorfbewohnern wiederholt zu gewalttätigen Übergriffen von Hindu-Extremisten auf christliche Missionare, Mönche und Nonnen sowie christliche Einrichtungen geführt. Jeweils mehrere zehntausend Menschen folgen dem Jainismus, Buddhismus und Sikhismus.

Bildung

Andhra Pradeshs Alphabetisierungsrate liegt bei 60,5 Prozent (Männer: 70,3 Prozent, Frauen: 50,4 Prozent) gegenüber 64,8 Prozent im Landesdurchschnitt. Trotz allgemeiner Schulpflicht ab 6 Jahren werden vor allem auf dem Land längst nicht alle Kinder tatsächlich eingeschult. 2005 nahmen in ländlichen Gegenden 7,4 Prozent aller Kinder zwischen 6 und 14 Jahren nicht am Schulunterricht teil[5].

Erste Unterrichtssprache an den rund 60.000 Grund- und 9.000 weiterführenden Schulen[6] ist in der Regel die Amtssprache Telugu. Der Unterricht kann jedoch auch in einer der anderen anerkannten Nationalsprachen Indiens erteilt werden, sofern wenigstens zehn Schüler einer Klasse und mindestens 30 Schüler an der gesamten Schule die entsprechende Sprache zur Muttersprache haben. Englisch wird als Zweit- oder Drittsprache gelehrt. Die Sprachen der Adivasi-Bevölkerung sind dagegen nicht anerkannt, Adivasi-Kinder erhalten ihre Grundausbildung ausschließlich auf Telugu. An höheren Bildungseinrichtungen – in Andhra Pradesh gibt es 20 Universitäten sowie mehrere hundert private Hochschulen – wird ein Großteil der Lehrveranstaltungen auf Englisch abgehalten.

Größte Städte

Anglisierte oder veraltete Bezeichnungen stehen in Klammern. Die Einwohnerzahlen sind auf dem Stand der Volkszählung 2001.

Stadt Einwohner Stadt Einwohner
1 Hyderabad 3.449.878 11 Karnulu (Kurnool) 267.739
2 Visakhapatnam 969.608 12 Lalbahadurnagar 261.987
3 Vijayawada 825.436 13 Gajuwaka 258.944
4 Warangal 528.570 14 Ramagundam 235.540
5 Gunturu 514.707 15 Tirupati 227.657
6 Nelluru (Nellore) 378.947 16 Quthbullapur 225.816
7 Rajamandri (Rajahmundry) 313.347 17 Anantapur 220.951
8 Kukatpalli 290.591 18 Sikandarabad (Secunderabad) 204.182
9 Kakinada 289.920 19 Karimnagar 203.819
10 Nizamabad 286.956 20 Eluru (Ellore) 189.772
Quelle: www.bevoelkerungsstatistik.de

Geschichte

Frühgeschichte

Die Andhra finden erstmals in der Aitareya-Brahmana als einer der nicht-indoarischen Stämme Süd- und Zentralindiens Erwähnung. Aus der Zeit des Maurya-Reiches, das zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien bestand, stammen weitere Hinweise auf die zwischen den Unterläufen von Godavari und Krishna lebenden Andhra. Eines der Edikte des Ashoka nennt die Andhra als Untergebene des großen Maurya-Herrschers Ashoka. Nach seinem Tod 233 v. Chr. begann der Niedergang der Maurya und damit der Aufstieg der Andhra.

Shatavahana (3. Jahrhundert v. Chr. bis 3. Jahrhundert n. Chr.)

Hauptartikel: Shatavahana

Im 3. Jahrhundert v. Chr. vereinigte Simuka die verschiedenen Andhra-Stämme in einem Reich und begründete die Dynastie der Shatavahana, die zu Beginn des 2. Jahrhunderts zur Großmacht aufstieg. Ihr Reich umfasste den nördlichen Dekkan zwischen Narmada und Godavari, einschließlich Telangana und der Nordküste des heutigen Andhra Pradesh. Hauptstadt war zunächst Dharanikota am Unterlauf des Krishna, später Pratishtana im heutigen Maharashtra. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere beschrieb die „Andarae“ (Andhra bzw. Shatavahana) sogar als stärkste Macht Südindiens mit 30 befestigten Städten, 100.000 Fußsoldaten, 30.000 Reitern und 1000 Kriegselefanten[7]. Kriegerische Verwicklungen mit den Shaka ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. führten zum Verlust der nordwestlichen Reichsteile, in deren Folge der Unterlauf des Godavari zum neuen Machtmittelpunkt wurde. Nach einem kurzen Wiedererstarken im 2. Jahrhundert zerbrach das Shatavahana-Reich im frühen 3. Jahrhundert allmählich in zahlreiche kleinere Feudalstaaten.

Trotz ihres vermutlich dravidischen Ursprunges übernahmen die Shatavahana die Sanskritkultur Nordindiens und führten ein Verwaltungswesen nach dem Vorbild der Maurya ein. Das Herrscherhaus folgte dem Hinduismus, gleichzeitig konnte sich aber auch der Buddhismus im Reich verbreiten und festigen.

Regionalreiche (3. bis 7. Jahrhundert)

Aus dem zerfallenden Shatavahana-Reich ging im 3. Jahrhundert die Vakataka-Dynastie im nördlichen Dekkan als stärkste Nachfolgemacht hervor. Sie kontrollierte unter anderem das Telangana-Hochland. Der Südindien-Feldzug des Gupta-Herrschers Samudragupta (reg. etwa 335 bis 375) brachte die Vakataka in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Norden Indiens, verstärkt durch eine Heiratsverbindung mit den Gupta zur Zeit Chandraguptas II. (reg. 375 bis 413/5). Zwar konnten die Vakataka ihre Selbstständigkeit zurückerlangen, doch im ausgehenden 5. Jahrhundert kam ihre Herrschaft aus ungeklärten Gründen zum Erliegen. Auf sie folgten um die Mitte des 6. Jahrhunderts die Chalukya von Badami.

Im eigentlichen Kernland Andhra Pradeshs, den fruchtbaren Niederungen zwischen Godavari- und Krishnadelta, beerbten die Ikshvaku die Shatavahana. Obwohl sie dem hinduistischen Glauben anhingen, konnte sich der Buddhismus unter ihrem Schutz weiterhin frei entfalten. Das Ishvaku-Reich war kurzlebig und fiel schon um 300 an die Pallava, die sich bereits in der Spätzeit der Shatavahana im Süden Andhra Pradeshs festgesetzt hatten. Auch sie unterlagen Samudragupta und wurden vorübergehend zu dessen Untergebenen.

Das Reich der Pallava grenzte im Norden an Kalinga unter den Ganga, dessen Machtzentrum ab dem 6. Jahrhundert an der Andhra-Küste nördlich des Godavari lag, aber auch große Teile Orissas einschloss. Erst im 11. Jahrhundert verlegten die Ganga ihre Hauptstadt nach Orissa.

Östliche Chalukya (7. bis 11. Jahrhundert)

Hauptartikel: Chalukya

Pulakeshin II. (reg. 609 bis 642), König des seit dem 6. Jahrhundert den nordwestlichen Dekkan beherrschenden Chalukya-Reiches, setzte der Herrschaft der Pallava in Andhra Pradesh – mit Ausnahme des Südens – ein Ende. Zum Vizekönig der eroberten Gebiete ernannte er 624 seinen Bruder Vishnuvardhana. Nach Pulakeshins Tod erlangte das Reich der östlichen Nebenlinie der Chalukya Selbstständigkeit. Hauptstadt wurde Vengi im Krishna-Godavari-Becken. Die westlichen Hochländer Andhra Pradeshs verblieben jedoch bei den Chalukya von Badami, die 757 von den Rashtrakuta besiegt wurden und 973 als Chalukya von Kalyani wieder an die Macht gelangen konnten.

In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts durch innere Streitigkeiten und unfähige Herrscher geschwächt, sahen sich die östlichen Chalukya nach dem Sieg der Rashtrakuta über die Chalukya von Badami ständig deren Angriffen ausgesetzt, denen sie nur mit Mühe standhalten konnten. Erst Vijayaditya III. (reg. 848 bis 892) gelang ein Befreiungsschlag, indem er sich mit den Rashtrakuta verbündete, um nach dem Tod ihres Königs seine volle Unabhängigkeit wiederherzustellen. Vijayadityas Neffe und Nachfolger, Bhima (reg. 892 bis 921), vermochte erstmals einen militärischen Sieg über die Rashtrakuta zu erringen.

Nachdem der Erzfeind, die Rashtrakuta, im Jahre 973 von den westlichen Chalukya ausgelöscht worden war, schien sich die Lage des östlichen Chalukya-Reiches verbessert zu haben. Doch in den Chola, die schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts die Pallava besiegt hatten, erwuchs ihm ein neuer Gegner. Rajaraja I. (reg. 985 bis 1014) etablierte das Chola-Reich als Großmacht im Gebiet des heutigen Tamil Nadu. Er setzte einen Marionettenherrscher als König des östlichen Chalukya-Reiches ein, das fortan nur noch den Status eines Vasallenstaates innehatte und bald darauf zum Zankapfel zwischen den aufstrebenden Chola und den Chalukya von Kalyani wurde. Letztere unterstützten immer wieder eigene Thronanwärter. 1070 wurde der Streit zu Gunsten der Chola entschieden: Ein Prinz der östlichen Chalukya bestieg als Kulottunga I. den Thron des Chola-Reiches. Als der Chalukya-König Vijayaditya VII. wenige Jahre darauf verstarb, fiel sein Reich an die Chola.

Obwohl die östlichen Chalukya kanaresischer Abstammung waren, förderten sie ab dem 9. Jahrhundert die einheimische Telugu-Sprache. Im 11. Jahrhundert ließ Rajaraja Narendra (reg. 1018 bis 1061) das Mahabharata von seinem Hofdichter ins Telugu übersetzen. Tempelbauten zeugen von der Förderung der hinduistischen Religion, während der Buddhismus unter den Chalukya seine Bedeutung einbüßte.

Mittelalterliche Reiche (11. bis 14. Jahrhundert)

Unter Kulottunga I. (reg. 1070 bis 1120) zeichnete sich bereits der allmähliche Verfall des Chola-Reiches ab. Um 1118 fiel der Großteil Andhra Pradeshs, einschließlich Vengi, in die Hände der Chalukya von Kalyani. Zudem musste er die Machtausdehnung der Hoysala, Vasallen der Chalukya, auf dem südlichen Dekkan hinnehmen. Lediglich der Süden Andhra Pradeshs verblieb bis zum endgültigen Zusammenbruch des Reiches in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bei den Chola.

Die Chalukya überließen die Verwaltung der östlichen Reichsteile lokalen Vasallen, darunter dem Kakatiya-Fürsten Prola II., der seinen ursprünglichen Machtbereich nahe Warangal in Telangana nach Süden ausdehnte und sich nach dem Tode Vikramadityas II. (reg. 1076 bis 1127) für unabhängig erklärte. Rudra (reg. 1158 bis 1195) verlegte die Hauptstadt nach Warangal und erweiterte das Reich bis zum Godavari, seine Nachfolger Mahadeva (reg. 1195 bis 1199) und Ganapati (reg. 1199 bis 1261) bis zur Küste. Unter Ganapati erreichte das Kakatiya-Reich seine größte Ausdehnung und umfasste die nördliche Hälfte Andhra Pradeshs.

1304 fielen erstmals Truppen des Sultans von Delhi von Norden her ein, wurden aber zurückgeschlagen. 1309/10 war die Armee des Sultans unter Führung von Malik Kafur erfolgreich. Der Kakatiya-König Prataparudra (reg. 1295 bis 1323) musste sich beugen, durfte aber gegen Tributzahlung weiter regieren. Nach dem Tod von Sultan Ala ud-Din Khalji (reg. 1296 bis 1316) verweigerte er jedoch den Tribut. 1323 kam das Ende der Kakatiya: Nach einer verlorenen Schlacht ergab sich ihr König dem Sultan und verstarb als Gefangener auf dem Weg nach Delhi. Die Herrschaft der Delhi-Sultane auf dem Dekkan währte indes nicht lange. Vasallen oder Statthalter spalteten sich ab, Hindureiche eroberten auf Kosten Delhis. 1347 sagte sich das Bahmani-Sultanat von der im fernen Norden liegenden Hauptstadt los.

Bahmaniden und Vijayanagar (14. bis 16. Jahrhundert)

Hauptartikel: Bahmani-Sultanat, Vijayanagar

Während sich die Bahmaniden im nordwestlichen Dekkan und westlichen Telangana festsetzten, entstand in Karnataka nach dem Tod des letzten Hoysala-Königs (1346) das Hindu-Reich Vijayanagar, das alsbald auch die kleineren Reiche im Süden Andhra Pradeshs eroberte. Das 14. und 15. Jahrhundert war durch ständige Kriege zwischen den muslimischen Bahmaniden und den hinduistischen Reichen der Region, allen voran dem Erzfeind Vijayanagar, geprägt. 1425 unterwarfen die Bahmaniden Warangal und erweiterten ihr Reich bis zum Golf von Bengalen. Vijayanagar konnte sich zeitweise bis ans Mündungsdelta des Godavari erweitern. Für das Bahmani-Sultanat stellte jedoch nicht nur der südliche Nachbar eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Auch die 1435 begründete Suryavamshi-Dynastie in Orissa machte ihnen zu schaffen. Innere Streitigkeiten im späten 15. Jahrhundert beschleunigten den Verfall des Bahmanidenreiches, das ab 1490 in fünf Einzelreiche zersplitterte.

Sultanat von Golkonda und Herrschaft der Moguln (1512 bis 1724)

Hauptartikel: Mogulreich

Ruinen von Golkonda, Hauptstadt des gleichnamigen Sultanats (1512–1687)

Für die Geschichte Andhra Pradeshs ist das östlichste und neben Bijapur mächtigste der fünf Dekkan-Sultanate, Golkonda, von Bedeutung. 1512 erklärte der Gouverneur dieses östlichen Landesteiles des Bahmanidenreiches, Quli Qutb Shah, seine Provinz für unabhängig und begründete damit die Qutb-Shahi-Dynastie. Wie die anderen Dekkan-Sultanate setzte auch Golkonda für sich allein den Kampf gegen Vijayanagar fort. Erst 1564 einigten sich vier der fünf Sultanate, darunter Golkonda, auf ein Bündnis gegen den gemeinsamen Feind, den sie ein Jahr darauf in der Schlacht von Talikota vernichtend schlugen. In der Folge konnte Golkonda sein Staatsgebiet etwa bis zum Penneru auf fast ganz Andhra Pradesh erweitern. Auch kulturell gelangte das Sultanat im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert zur Blüte. In jener Zeit entstanden bedeutende Beiträge zur Urdu-Dichtung sowie zur muslimischen Baukunst. Viele ausländische, vor allem persische, Künstler und Berater kamen an den Hof der Sultane. Der Islam verbreitete sich in den Städten. Gleichwohl verhielten sich die herrschenden Muslime der überwiegend hinduistischen Bevölkerung gegenüber tolerant. 1590 wurde Hyderabad, später Mittelpunkt eines eigenen Reiches, gegründet.

Die Eroberung des nördlichen Nachbarsultanats Ahmadnagar durch das nordindische Mogulreich im Jahre 1633 leitete den Niedergang Golkondas ein, das nun erstmals der Bedrohung durch die nach dem Dekkan greifenden Moguln unmittelbar gegenüberstand. 1636 musste der Sultan in einem Vertrag die Herabsetzung zum Vasallen des mächtigen Gegners hinnehmen. 1685 begann Großmogul Aurangzeb (reg. 1658 bis 1707) einen Eroberungszug gegen die beiden letzten noch verbliebenen der ursprünglich fünf Dekkan-Sultanate, Bijapur und Golkonda. Bijapur fiel nach nur zweimonatiger Belagerung. Golkonda vermochte sich zwar länger zu halten, erlag aber 1687 ebenfalls der Armee Aurangzebs. Erstmals stand ganz Andhra Pradesh unter der Herrschaft eines einzigen muslimischen Reiches.

Die Moguln sollte das gleiche Schicksal ereilen wie über drei Jahrhunderte zuvor die Sultane von Delhi. Bald nach dem Tod des Eroberers des Dekkan, Großmogul Aurangzeb, überkamen angesichts schwacher, meist nur kurze Zeit regierender und überdies in ständige Fehden mit ihren Rivalen verwickelter Herrscher Zerfallserscheinungen das Riesenreich. 1724 nutzte der mächtige Feldherr Nizam al-Mulk die Schwäche des Mogulreiches, um sich in Hyderabad niederzulassen und unter dem Namen Asaf Jah I. eine neue Dynastie zu begründen.

Hyderabad und britische Kolonialherrschaft (1724 bis 1948)

Hauptartikel: Hyderabad (Staat)

Asaf Jah I. (reg. 1724 bis 1748), Gründer und erster Nizam des Staates Hyderabad

Das Kernland des Reiches Hyderabad lag in Telangana im Nordosten Andhra Pradeshs. Hauptstadt war jedoch zunächst Aurangabad im heutigen Maharashtra und erst ab 1763 Hyderabad. Nach dem Tod des ersten Nizams (Herrschers) im Jahre 1748 geriet das Reich in die Auseinandersetzungen zwischen den sich im südlichen Indien untereinander und mit indischen Reichen um die Vormacht streitenden Briten und Franzosen, die jeweils einen Anwärter auf den Thron Hyderabads unterstützten. Nachdem beide Kandidaten kurz nacheinander in Kriegen gegen abtrünnige Nawabs (Provinzstatthalter) ums Leben gekommen waren, bestieg 1751 der von den Franzosen unterstützte Salabat Jang den Thron.

Die Wirren des 1756 ausgebrochenen und auch auf indischem Boden ausgefochtenen Siebenjährigen Krieges zwischen Franzosen und Briten nutzten letztere 1762 für einen Staatsstreich in Hyderabad. Im Gegenzug musste der neue Nizam Asaf Jah II. 1766 das gesamte Küstenland vom Krishnadelta bis zum Chilkasee im südlichen Orissa, bekannt als „Nördliche Sarkars“, an die britische Schutzmacht abtreten. Zugleich konnten die Marathen (Einnahme von Gooty 1776) sowie das Königreich Mysore unter den muslimischen Herrschern Hyder Ali (reg. 1761 bis 1782) und Tipu Sultan (reg. 1782 bis 1799) im Südwesten Andhra Pradeshs Gebietsgewinne zu Lasten Hyderabads verzeichnen, unterlagen aber letztendlich den Briten. An der Südküste herrschten die Nawabs von Arcot, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts in immer größere Abhängigkeit von den Briten gerieten und deren Hoheitsgebiet 1801 Teil der Präsidentschaft Madras wurde. Ein Jahr später – im Todesjahr Asaf Jahs II. – beschränkte sich Hyderabad nur noch auf Telangana sowie einige angrenzende Gebiete in den heutigen Staaten Maharashtra und Karnataka. Die gesamte Andhra-Küste und alle Gebiete südlich des Krishna waren fest in Händen der Britischen Ostindien-Kompanie. Zudem war der Nachfolger des verstorbenen Nizams vertraglich an die Briten gebunden und musste die Anwesenheit britischer Truppen auf seinem Territorium dulden. Immerhin blieb Hyderabad als größter Fürstenstaat Indiens unter britischer Oberhoheit bis 1948 bestehen.

Die Gebiete unter unmittelbarer Verwaltung der Britischen Ostindien-Kompanie wurden nach dem vorwiegend auf Nordindien begrenzten Sepoy-Aufstand von 1857/58 auf die britische Krone übertragen. Die indische Unabhängigkeitsbewegung erfasste die britisch verwalteten Gebiet Andhra Pradeshs erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Besonders Mahatma Gandhis Bewegung des zivilen Ungehorsams fand in den 1920er und 1930er Jahren viele Anhänger in Andhra Pradesh.

Entwicklungen seit der indischen Unabhängigkeit 1947

Eingliederung Hyderabads

Die Entlassung Britisch-Indiens in die Unabhängigkeit am 15. August 1947 verlief in Andhra Pradesh nicht ohne Zwischenfälle. Die Herrscher der unter britischer Oberhoheit stehenden Fürstenstaaten sollten sich entweder für den Beitritt zu Indien oder zu Pakistan entscheiden. Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit wurde der Beitritt zu Pakistan nahegelegt, außerdem sollten geographische Gesichtspunkte in Betracht gezogen werden. Für Hyderabad, dessen Bevölkerung zum weitaus überwiegenden Teil dem Hinduismus anhing und das zudem vollständig von indischem Territorium umschlossen war, schien ein Beitritt als Gliedstaat zur Indischen Union folgerichtig. Dem muslimischen Herrscher schwebte jedoch angesichts der Größe seines Landes ein unabhängiger Staat vor. Es kam zu Demonstrationen und Aufständen der hinduistischen Bevölkerung. Nachdem die indische Regierung unter Jawaharlal Nehru vergeblich mit dem Nizam über einen Beitritt verhandelte hatte, besetzten zwischen dem 13. und 17. September 1948 indische Streitkräfte Hyderabad und bereiteten damit den Hoffnungen des Nizams ein Ende. Fortan bildete Hyderabad in den Grenzen des alten Fürstenstaates einen indischen Gliedstaat. Der Osten und Süden des heutigen Andhra Pradesh gehörte zum Staat Madras.

Gleichzeitig kam es in der Region Telangana ab 1946 zu einem von der Communist Party of India (CPI) geführten Bauernaufstand, in dessen Folge die Aufständischen zeitweilig weite Teile Telanganas kontrollierten und dort eine radikale Umverteilung des Bodens durchführten. Nach der Eingliederung Hyderabads in die Indische Union wurde der Aufstand von der Indischen Armee niedergeschlagen, die letzten Aufständischen kapitulierten 1951.

Herausbildung Andhra Pradeshs und weitere politische Entwicklung

Unmittelbar nach der Unabhängigkeit Indiens wurden im ganzen Land Forderungen nach einer Auflösung der sich an den Grenzen der alten Fürstentümer und britisch-indischen Provinzen orientierenden Staatsgebilde und deren Neuordnung nach sprachlichen Gesichtspunkten laut. Die telugusprachige Bevölkerung Hyderabads und Madras forderte einen eigenen Bundesstaat namens Andhra. Dieser sollte auch die Stadt Madras (heute Chennai) einschließen, die damals ein buntes Völkergemisch aus Andhras und Tamilen aufwies. Am 1. Oktober 1953 entstand aus den elf überwiegend telugusprachigen Distrikten von Madras der neue Staat Andhra als erster der sprachenbasierten Staaten Indiens – allerdings ohne die Stadt Madras, die beim gleichnamigen Staat (heute Tamil Nadu) verblieb. Hauptstadt wurde Karnulu (Kurnool).

In den telugusprachigen Teilen Hyderabads regte sich der Wunsch nach Zugehörigkeit zu Andhra. Dem kam die indische Regierung nach: Am 1. November 1956 wurde Andhra mit neun Distrikten Hyderabads, die eine Telugu-Mehrheit aufwiesen, zu Andhra Pradesh mit der Hauptstadt Hyderabad vereinigt. Erster Chefminister wurde Neelam Sanjiva Reddy vom Indischen Nationalkongress, welcher bis 1983 ununterbrochen die Regierung des Staates stellte.

Ende der 1960er Jahre kam es in der Region um Srikakulam zu einem mehrere Jahre anhaltenden, von maoistischen Naxaliten inspirierten Bauernaufstand.

Ende der 1960er Jahre entstand in der Nordwestregion Telangana eine den Andhra-Einigungsbestrebungen des vorangegangen Jahrzehnts gegenläufige regionale Bewegung, die angesichts der für sozialen Sprengstoff sorgenden Zuwanderung vieler Menschen aus den Küstendistrikten nach Hyderabad und andere Städte der Region einen eigenen Bundesstaat Telangana einforderte. Zwischen 1969 und 1971 prägte die Telangana-Bewegung die Politik Andhra Pradeshs, bis der damalige Chefminister Kasu Brahmananda Reddy zugunsten des aus Telangana stammenden P. V. Narasimha Rao zurücktrat. Als Gegenreaktion kam es 1972 zu Demonstrationen der Bewegung „Jai Andhra“ (hindi „Sieg Andhra“, in Anspielung auf den landesweit üblichen Ausruf „Jai Hind“). Sie richtete sich gegen die Benachteiligung von Bewohnern der Küstenregion bei der Vergabe von Beamtenstellen auf der Grundlage einer damals noch immer gültigen Regelung des Nizams von Hyderabad. Die Unruhen legten sich erst im Dezember 1973 nach der Ernennung eines neuen Chefministers, Jalagam Vengala Rao.

Häufige Regierungswechsel begünstigten in den 1980er Jahren den Aufstieg der Regionalpartei Telugu Desam Party, 1982 von dem beliebten früheren Filmschauspieler N. T. Rama Rao gegründet. Ihr gelang 1983 erstmals die Ablösung der Kongresspartei an der Regierungsspitze. Seitdem bestimmt sie, häufig im Wechsel mit dem Kongress, die politischen Geschicke Andhra Pradeshs. Nara Chandrababu Naidu regierte als Chefminister von 1994 bis 2004, länger als jeder seiner Amtsvorgänger. 2004 wurde er von der Kongresspartei unter dem amtierenden Chefminister Y. S. Rajasekhara Reddy abgelöst.

Naxalitische Rebellenbewegungen

Hauptartikel: Naxaliten

Seit 1980 kämpfen erneut maoistische Rebellen, in Indien als Naxaliten bekannt, in den Gebieten der wirtschaftlich und sozial vernachlässigten Stämme im Nordwesten Andhra Pradeshs für die Errichtung eines kommunistischen Gemeinwesens. Ihre militärischen Aktionen richten sich vor allem gegen Sicherheitsorgane und politische Repräsentanten des Staates. In Zusammenstößen zwischen Naxaliten und der Polizei sind seitdem Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Menschenrechtsverstöße haben auf beiden Seiten ein Besorgnis erregend hohes Maß angenommen. In den Jahren 1999 bis 2001 kam es zu den bislang heftigsten Auseinandersetzungen. Obwohl die Kampfhandlungen seitdem nachgelassen und mehrere Verhandlungsrunden über einen Waffenstillstand stattgefunden haben, kontrollieren naxalitische Gruppierungen noch immer ländliche Gegenden im Nordwesten des Staates.

Politik

Politisches System

Formales Oberhaupt des Bundesstaates ist der vom indischen Präsidenten ernannte Gouverneur (Governor). Die tatsächliche Regierungsgewalt liegt jedoch beim Chefminister (Chief Minister), der vom Parlament für eine Amtszeit gewählt wird. Er bestimmt die Zusammensetzung seines Kabinetts, das formal vom Gouverneur eingeführt wird. Das Parlament umfasst seit 2007 ein Unterhaus (Legislative Assembly) und ein Oberhaus (Legislative Council); von 1985 bis 2007 bestand es aus nur einer Kammer. Die 295 Abgeordneten des Unterhauses werden vom Volk direkt gewählt. Einige Sitze sind für Angehörige benachteiligter Kasten (Scheduled Castes) sowie der Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes) reserviert. Ein weiterer Sitz ist einem Mitglied der englischsprachigen Gemeinschaft vorbehalten. Das Oberhaus hat 90 Mitglieder, von denen 31 von den Abgeordneten des Unterhauses, 31 von den Verwaltungsbehörden der Distrikte und 16 von Vertretern des Bildungswesens gewählt werden. Die restlichen 12 Abgeordneten werden vom Gouverneur ernannt.[8]

Höchster Gerichtshof Andhra Pradeshs ist der Andhra Pradesh High Court in Hyderabad mit 39 Richtern. Den Vorsitz führt der Chief Justice.

Politische Parteien

Demonstration der der CPI(M) nahestehenden Andhra Pradesh Federation of Trade Unions in Hyderabad

Bis in die frühen 1980er Jahre wurde die Politik Andhra Pradeshs ausschließlich vom Indischen Nationalkongress (INC) bestimmt. Angesichts häufiger Umbildungen der Kongress-Regierungen und schwerer Bestechungs- und Veruntreuungsvorwürfe gegen die Partei gründete der frühere Filmschauspieler N. T. Rama Rao 1982 die Telugu Desam Party (TDP; „Partei für das Land der Telugu“) als politische Alternative zur Kongresspartei auf Bundesstaatenebene. Die TDP versteht sich als Interessenvertretung der gesamten telugusprachigen Bevölkerung Andhra Pradeshs. Ein Jahr später konnte sie die Wahlen für sich entscheiden. Seitdem hat sich ein Zweiparteiensystem herausgebildet. INC und TDP wechseln einander häufig an der Regierung ab. Koalitionsregierungen beziehen eine oder mehrere der kleineren Parteien des Bundesstaats mit ein. Die wichtigsten kleineren Parteien sind die einen eigenständigen Bundesstaat Telangana anstrebende Telangana Rashtra Samithi (TRS), die beiden kommunistischen Parteien Communist Party of India (Marxist) (CPI(M)) und Communist Party of India (CPI) sowie der in den muslimischen Vierteln Hyderabads stark vertretene All India Majlis-e-Ittehadul Muslimeen (AIMIM, „Allindischer Rat der vereinigten Muslime“). Die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP, „Indische Volkspartei“) ist in Andhra Pradesh dagegen praktisch bedeutungslos. Die verschiedenen maoistisch orientierten Abspaltungen der CPI (Naxaliten) sind nicht zugelassen, einzelne Mitglieder sind jedoch mitunter als Unabhängige in der Legislative Assembly oder auf kommunaler Ebene vertreten.

Der amtierende Chief Minister ist seit 14. Mai 2004 Y. S. Rajasekhara Reddy.

siehe auch: Liste der Chief Minister von Andhra Pradesh

Politische Gliederung

Andhra Pradesh ist in 23 Distrikte unterteilt.

Distrikte Andhra Pradeshs
Distrikt Hauptstadt Fläche
1 Adilabad Adilabad 16.105 km²
2 Anantapur Anantapur 19.130 km²
3 Chitturu Chitturu (Chittoor) 15.152 km²
4 East Godavari Kakinada 10.807 km²
5 Gunturu Gunturu 11.391 km²
6 Hyderabad Hyderabad 217 km²
7 Kadapa Kadapa (Cuddapah) 15.359 km²
8 Karimnagar Karimnagar 11.823 km²
9 Khammam Khammam 16.029 km²
10 Krishna Machilipatnam 8.727 km²
11 Karnulu Karnulu (Kurnool) 17.658 km²
12 Mahabubnagar Mahabubnagar 18.432 km²
13 Medak Sangareddi 9.699 km²
14 Nalgonda Nalgonda 14.240 km²
15 Nelluru Nelluru (Nellore) 13.076 km²
16 Nizamabad Nizamabad 7.956 km²
17 Prakasam Ongole 17.626 km²
18 Rangareddi Hyderabad 7.493 km²
19 Srikakulam Srikakulam 5.837 km²
20 Visakhapatnam Visakhapatnam 11.161 km²
21 Vizianagaram Vizianagaram 6.539 km²
22 Warangal Warangal 12.846 km²
23 West Godavari Eluru (Ellore) 7.742 km²
Andhra Pradesh Hyderabad 275.045 km²
Quelle: Government of Andhra Pradesh, Census 2001 [2]

Wirtschaft

Andhra Pradesh ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2.259 Milliarden Rupien (2005/06)[9] nach Maharashtra und fast gleichauf mit Uttar Pradesh und Westbengalen die viertgrößte Volkswirtschaft der 28 Bundesstaaten Indiens. Dies ist auf seine hohe Bevölkerungszahl zurückzuführen, denn in der tatsächlichen Entwicklung liegt der Staat lediglich im Mittelfeld. Noch immer ist Andhra Pradesh in hohem Maße von der Landwirtschaft abhängig, deren gesamtwirtschaftlicher Anteil jedoch stetig abnimmt. Wichtigster Wachstumsmotor ist der Dienstleistungsbereich in den großen Ballungsräumen. Die Hauptstadt Hyderabad gilt als Hochtechnologiestandort.

Landwirtschaft

Noch immer ist die wenig einträgliche Landwirtschaft, die 29 Prozent (2005/06)[9] des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, die Haupteinkommensquelle von 62 Prozent der Bevölkerung. Fast die Hälfte der Fläche Andhra Pradeshs wird landwirtschaftlich genutzt. Der Anbau von Reis, der mit Abstand wichtigsten Ackerpflanze, überwiegt in den fruchtbaren Tälern von Godavari und Krishna sowie in der gesamten Küstenregion alle anderen Anbauprodukte bei Weitem, ist jedoch mit Ausnahme des trockenen Südwestens auch im restlichen Andhra Pradesh verbreitet. Unter den Hirsesorten dominiert auf dem Dekkan Sorghum (Jowar), während die niederschlagsreichen Berge des Nordostens eines der Hauptanbaugebiete der Fingerhirse (Ragi) in Indien darstellen. Weitere wichtige Nahrungsmittelpflanzen sind Hülsenfrüchte, Mais sowie Ölsaaten wie Erdnüsse im Binnenland und Kokosnüsse an der Küste. Unter den kommerziellen Anbauprodukten sind Baumwolle (in der Ebene zwischen Krishna und Penneru), Zuckerrohr und Tabak (jeweils im küstennahen Tiefland) von Bedeutung. Andhra Pradesh ist neben Gujarat der größte Tabakproduzent Indiens.

Da nur rund 40 Prozent der Nutzfläche unter Bewässerung steht, hängt die landwirtschaftliche Produktion in hohem Maße von den Witterungsbedingungen in der Monsunregenzeit ab. Andhra Pradesh ist daher anfällig für Dürren – betroffen sind besonders die Rayalasima-Region im Südwesten und das südliche Telangana. In guten Erntejahren erzeugt der Staat große Überschüsse an Reis.

Andhra Pradesh hat als einer der ersten Bundesstaaten Indiens seine Landwirtschaft liberalisiert. Als wichtigste Maßnahmen wurden Subventionen und günstige staatliche Darlehen abgeschafft oder gekürzt, viele staatliche Hilfsorganisationen (beispielsweise zur Verteilung von Saatgut an arme Kleinbauern) privatisiert oder aufgelöst sowie Binnen- und Außenhandelsbeschränkungen für Agrarerzeugnisse aufgehoben. Ziel ist es, die landwirtschaftliche Produktion auf den Weltmarkt auszurichten. Dies erfordert hohe Investitionen in Hochertragssaatgut, Agrochemikalien und Landmaschinen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Kleinbauern, welche die überwältigende Mehrheit der Landwirte stellen, sind dazu ohne staatliche Hilfen nicht imstande und geraten dementsprechend verstärkt in die Abhängigkeit privater Kreditgeber. Jährlich sehen Hunderte kleiner Landwirte den Selbstmord als einzigen Ausweg aus der Schuldenfalle.

Bergbau und Bodenschätze

Andhra Pradesh gehört zu den rohstoffreichsten Bundesstaaten Indiens. Am unteren und mittleren Lauf des Godavari (Distrikte Khammam, Warangal, Karimnagar und Adilabad) wird Steinkohle gefördert. Im Distrikt Kadapa gibt es große Vorkommen an Asbest und Baryt. In den Deltas von Krishna und Godavari sowie den angrenzenden Küstengewässern lagern größere Mengen an Erdgas, in geringerem Umfang auch Erdöl. Die bisher unbedeutende Erdgasgewinnung soll weiter ausgebaut werden. Weiterhin werden Eisenerz, Mangan, Kalkstein, Granit und Glimmer, in geringem Umfang auch Quarz, Kupfer, Blei und Zink gefördert. Obwohl Andhra Pradesh über die zweitgrößten Bauxitvorkommen Indiens verfügt, sind die Lagerstätten dieses wichtigen Aluminiumerzes bisher kaum erschlossen. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Andhra Pradesh auch einer der wichtigsten Fundorte für Diamanten in Indien. Mittlerweile sind die Vorkommen jedoch weitestgehend erschöpft.

Industrie

Mit einem Anteil von 22 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (2005/06; einschließlich Bergbau)[9] ist die Industrie Andhra Pradeshs etwas schwächer entwickelt als im gesamtindischen Durchschnitt. Die wichtigsten Industriezweige sind traditionell die Nahrungsmittel-, Getränke-, metallverarbeitende, Textil-, Zement-, Leder- und Maschinenindustrie. Wachstumsbereiche sind die pharmazeutische, chemische und Softwareindustrie. Letztere hat sich besonders in der Hauptstadt Hyderabad, dem wichtigsten Industriestandort Andhra Pradeshs, angesiedelt, wie auch die als Zukunftsbranche geltende Biotechnologie. Weitere wichtige Industriezentren sind Visakhapatnam (Ölraffinerie, Stahl, Metallverarbeitung, chemische Industrie, Schiffbau) an der Nordküste und die großen Städte in den Deltas von Krishna und Godavari, insbesondere Vijayawada. Dagegen sind die gesamte südliche Hälfte des Staates sowie das Telangana-Hochland mit Ausnahme des Großraums Hyderabad nur gering industrialisiert.

Infrastruktur

Die Straße ist der mit Abstand wichtigste Verkehrsweg in Andhra Pradesh. Im Jahr 2000 wurden 82 Prozent der Personen- sowie 73 Prozent der Güterbeförderung über die Straße abgewickelt. Das Straßennetz ist mit einer Gesamtlänge von etwa 195.000 Kilometern (Stand: 2001) selbst im Vergleich zu anderen indischen Bundesstaaten grobmaschig. Rund 4.100 Kilometer entfallen auf die zwölf meist zweispurigen National Highways. Lediglich der über 1.000 Kilometer lange Anteil Andhra Pradeshs am National Highway 5 zwischen Kolkata und Chennai wurde im Rahmen des großangelegten nationalen Infrastrukturprogramms „Golden Quatrilateral“ („Goldenes Viereck“) zu einer vierspurigen Autobahn ausgebaut. Insgesamt kann der Straßenneu- und -ausbau jedoch trotz stetig steigender öffentlicher Investitionen in diesem Bereich nicht mit dem schnellen Wachstum des Verkehrsaufkommens Schritt halten. 2001 waren in Andhra Pradesh knapp 3,6 Millionen Kraftfahrzeuge registriert.[10]

Das über 5.000 Kilometer lange Eisenbahnnetz verbindet alle wichtigen Städte miteinander. Es untersteht größtenteils der Regionalgesellschaft South Central Railway der indischen Staatsbahn. Die Strecken nördlich von Visakhapatnam werden von der East Coast Railway bedient, die Linien Gudur–Chennai, Renigunta–Chennai sowie deren Nebenlinien von der Southern Railway. Elektrifiziert sind nur die Hauptstrecken. Einige Nebenstrecken verfügen noch über Meterspurweite, der weitaus größere Teil des Schienennetzes ist jedoch in Breitspur ausgelegt.

Hyderabad verfügt als einzige Stadt Andhra Pradeshs über einen internationalen Flughafen (Begumpet Airport). Ein neuer Großflughafen (Rajiv Gandhi International Airport) befindet sich im Bau. Er soll 2008 den Flugbetrieb aufnehmen und nach vollständiger Fertigstellung bis zu 50 Millionen Fluggäste im Jahr abfertigen[11]. Regionalflugplätze bestehen außerdem in Donakonda (70 Kilometer nordwestlich von Ongole), Kadapa, Kakinada, Nadirgul (bei Hyderabad), Puttaparthi (60 Kilometer südlich von Anantapur), Rajamandri, Sikandarabad, Tirupati, Vijayawada, Visakhapatnam und Warangal.

Andhra Pradeshs zweitgrößte Stadt Visakhapatnam verfügt über den bedeutendsten Überseehafen Indiens. Im Geschäftsjahr 2004/05 wurden hier über 50 Millionen Tonnen umgeschlagen, vor allem Massengüter wie Eisenerz, Mineralöle, Kohle und Düngemittel. In Kakinada und Machilipatnam befinden sich mittlere Häfen, die für den Außenhandel jedoch von untergeordneter Bedeutung sind.

Andhra Pradesh ist der drittgrößte Stromerzeuger Indiens. Mehr als die Hälfte des Energiebedarfs wird durch fossile Brennstoffe gedeckt, etwa 40 Prozent durch Wasserkraft.

Quellen

  1. Census of India 2001: Population by sex and sex ratio (India, states and union territories)
  2. Census of India 2001: Population projection for India and States 2001–2026; Angaben zu Andhra Pradesh Seite 232 ff. (pdf-Dokument)
  3. Prozentuale Anteile nach der indischen Volkszählung von 2001
  4. Census of India: Population by religious communities
  5. Annual Status of Education Report 2005: [1]
  6. Government of India, Department of Education: Andhra Pradesh: Education profile
  7. Kulke / Rothermund, 1998, S. 129
  8. Government of Andhra Pradesh: Elections to Legislative Council
  9. a b c Government of Andhra Pradesh, Directorate of Economics and Statistics: Gross domestic state product Andhra Pradesh at current prices
  10. Government of Andhra Pradesh: Strategy Paper on Infrastructure
  11. GMR Hyderabad International Airport Limited

Literatur

  • Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. Verlag C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-43338-3 (besonders die Kapitel Der Aufstieg Südindiens, Entstehung und Konflikte der Regionalreiche und Die Staaten Süd- und Zentralindiens im Zeitalter des Delhi-Sultanats)
  • P. Raghunadha Rao: Ancient and Medieval History of Andhra Pradesh. Sterling Publishers Private Ltd., Neu-Delhi 1994, ISBN 8-120-71709-0

Weblinks


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