Unternehmen Nordwind

Unternehmen Nordwind
Unternehmen Nordwind
Teil von: Westfront, Zweiter Weltkrieg
Datum 31. Dezember 194425. Januar 1945
Ort Elsass, Lothringen
Ausgang taktischer Rückzug der Alliierten
Konfliktparteien
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten,

FrankreichFrankreich Frankreich

Befehlshaber
6. US-Heeresgruppe:

Generalleutnant Jacob L. Devers,

7. US-Armee:

Generalleutnant Alexander Patch,

1. Französische Armee:

General Jean de Lattre de Tassigny

Heeresgruppe G:

Generaloberst Johannes Blaskowitz,

1. Armee:

General der Infanterie Hans von Obstfelder,

Heeresgruppe Oberrhein:

Heinrich Himmler,

19. Armee:

General der Infanterie Siegfried Rasp

Truppenstärke
 ?  ?
Verluste
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

3.000 Gefallene, 9.000 Verwundete, 17.000 sonstige Ausfälle[1]

FrankreichFrankreich Frankreich mindestens 1.000 Gefallene, 1.000 sonstige Ausfälle[2]

Flag of the NSDAP (1920–1945).svg
Deutsches Reich

23.000 (Gefallene, Verwundete, sonstige Ausfälle)[1]

Übersichtskarte

Das Unternehmen Nordwind vom 31. Dezember 1944 bis 25. Januar 1945 im Elsass und in Lothringen war die letzte militärische Offensive der Wehrmacht an der Westfront. Obwohl sie zu politischen Spannungen zwischen den USA und Frankreich führte, gehört sie zu den weniger bekannten Großoperationen des Zweiten Weltkrieges, da sie von den Ereignissen in den Ardennen, aber auch von dem Zusammenbruch der deutschen Ostfront überschattet war.

Die zeitweilig zur Unterstützung der Ardennenoffensive geplante Operation[3] wurde begonnen, als die Angriffe weiter nördlich längst zum Stehen gekommen waren. Während deutsche Truppen die Ardennen bereits weitgehend wieder geräumt hatten und die sowjetischen Truppen vor der Einnahme Warschaus und in Ostpreußen kurz vor ihren ersten Erfolgen standen, erreichten die Kämpfe im Elsass mit dem Einsatz weiterer deutscher Divisionen ihren Höhepunkt. Ein wesentlicher Teil der Kampfhandlungen fand vom 8. bis 20. Januar 1945 im Raum zwischen Hagenau und Weißenburg statt, wenngleich schwere Kämpfe am Vogesenkamm und um einen neugebildeten Brückenkopf am Oberrhein die Ereignisse deutlich stärker bestimmten. Die Schlacht endete nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen auf die Moder-Linie nahe Hagenau und ihrem Abwehrerfolg gegen die letzten deutschen Angriffe am 25. Januar.

Im Gegensatz zur vor allem durch Treibstoffmangel behinderten Ardennenoffensive gelten unzureichende Artillerieunterstützung, ungenügende Aufklärung und vor allem Personalmangel sowie hartnäckiger alliierter Widerstand als entscheidende Gründe für das Scheitern von Nordwind. Die in diesem Frontabschnitt eingesetzten, durch die vorangegangenen Rückzugskämpfe geschwächten Verbände wurden nur unzureichend personell aufgefrischt - ein Manko, welches erst verspätet durch den Einsatz von Reserven kompensiert wurde. Die Operationsführung wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass der Operationsraum nicht allein im Bereich der Heeresgruppe G lag, sondern zwischen ihr und der neu gebildeten Heeresgruppe Oberrhein unter dem Kommando des Reichsführers-SS Heinrich Himmler aufgeteilt war.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage

Am 12. November 1944 trat die 6. US-Heeresgruppe, bestehend aus der 7. US-Armee und der 1. Französischen Armee, im Zusammenwirken mit der 3. US-Armee zur Offensive beiderseits der Vogesen an. Die alliierten Armeen durchbrachen die Zaberner Steige und die burgundische Pforte und erreichten den Oberrhein am 19. November bei Mülhausen und am 23. November bei Straßburg.[4] Auf ausdrücklichen Befehl Dwight D. Eisenhowers blieben die alliierten Verbände am linken Rheinufer stehen und drehten nach Norden ein.[5] Anfang bis Mitte Dezember hatten sie die deutsche 1. Armee weitestgehend aus dem Unterelsass nach Norden zurückgedrängt und Teile der 19. Armee im Brückenkopf Elsass umfasst.[6] Letztere wurde am 2. Dezember 1944 aus der Heeresgruppe G herausgenommen und in die neu gebildete Heeresgruppe Oberrhein überführt, deren Oberbefehl Himmler am 10. Dezember erhielt und die direkt dem Führerhauptquartier unterstand.[7] Ende Dezember 1944 kam nach Anfangserfolgen die deutsche Ardennenoffensive zum Stehen. Um Kräfte für einen amerikanischen Gegenangriff in den Ardennen freizumachen, übernahm die 7. US-Armee große Teile des Frontabschnittes der 3. US-Armee im Unterelsass und in Lothringen, der damit zum schwächsten Abschnitt der amerikanischen Front wurde. Andererseits standen dem Oberbefehlshaber West noch zwei Panzerdivisionen, eine Fallschirmjägerdivision und eine Gebirgsjägerdivision als Reserve zur Verfügung.

Deutsche Planungen

Nachdem die deutsche Offensive in den Ardennen eine Verschiebung größerer Verbände der 3. US-Armee nach Norden notwendig gemacht hatte, fasste man im Stab des Oberbefehlshabers West, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, den Entschluss, die damit entstandene Schwächung des Gegners im Elsass auszunutzen. Durch die Räumung der US-amerikanischen Brückenköpfe an der Saar zuversichtlich gestimmt, befahl Rundstedt dem Oberkommando der Heeresgruppe G am 21. Dezember 1944, örtliche Vorstöße einzuleiten und Vorkehrungen für einen Angriff zur Wiedergewinnung der Zaberner Steige zu treffen.

Für diesen Angriff wurden drei Optionen mit aufgelisteten Vor- und Nachteilen entwickelt:[8]

westlich der Vogesen entlang des Vogesenkammes ostwärtig der Vogesen

+ gut ausgebautes Straßen- und Wegenetz

+ Schutz der rechten Flanke durch die Saar

- hohe Wahrscheinlichkeit alliierter Luftangriffe wegen des offenen Geländes

- erhebliche Umgliederung der Kräfte erforderlich

+ Schutz durch hügeliges und bewaldetes Gelände

+ Befestigungsanlagen der Maginot-Linie noch in deutscher Hand

- schwach ausgebaute Straßen- und Wegenetz

- panzerhemmendes Gelände

+ gut ausgebautes Straßen- und Wegenetz

- Befestigungsanlagen der Maginot-Linie in amerikanischer Hand

- gute Verteidigungsmöglichkeiten im Heiligen Forst

- Minenfelder

Nach Billigung des Vorstoßes entlang des Vogesenkammes durch den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe G Johannes Blaskowitz und durch den Oberbefehlshaber West Gerd von Rundstedt befahl Hitler, den westlichen Vorstoß unterstützend zu dem Hauptstoß, mit mindestens zwei Panzer- und drei Infanteriedivisionen durchzuführen. Er hatte vor dem Hintergrund der Witterungsbedingungen in den Vogesen Zweifel an der Durchhaltefähigkeit der Truppe.[9] Rundstedt änderte seine Befehle in diesem Sinne noch am 22. Dezember ab.[10]

Generaloberst Johannes Blaskowitz, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe G (1944)

Tatsächlich musste nur diese Feinausplanung vorgenommen werden. Denn bereits im Oktober 1944 hatte der Wehrmachtführungsstab Studien für eine Gegenoffensive im Elsass entwickelt. Obwohl am 17. und 25. November als Alternative zur Ardennenoffensive erwogen, war die Option letztlich verworfen worden. Nun aber konnte man auf diese Studien zurückgreifen.[11] In einer Besprechung mit dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe G, Generaloberst Johannes Blaskowitz, wurden am 24. Dezember die Ziele der Operation festgelegt. Es sollte die Zaberner Steige zwischen Pfalzburg und Zabern wieder gewonnen und der Gegner anschließend im nördlichen Elsass aufgerieben werden. Anschließend sollte durch einen Vorstoß nach Süden die Verbindung zur 19. Armee hergestellt werden. Zu diesem Zweck wurden im Bereich der 1. Armee unter General der Infanterie Hans von Obstfelder zwei Stoßgruppierungen gebildet. Die erste bestehend aus dem XIII. SS-Armeekorps (zwei Volksgrenadier- und eine SS-Panzergrenadier-Division) sollte östlich der Blies die alliierten Linien bei Rohrbach durchbrechen und dann gemeinsam mit der zweiten Gruppe in Richtung Pfalzburg antreten. Die zweite Gruppe bestehend aus dem XC. Armeekorps (zwei Volksgrenadier-Divisionen) und LXXXIX. Armeekorps (drei Infanterie- bzw. Volksgrenadier-Divisionen) sollte aus dem Raum östlich von Bitsch in mehreren Stoßkeilen angreifen und danach mit der ersten Gruppe zusammenwirken. Je nach Entwicklung der Lage sollte die Offensive dann entweder östlich oder westlich der Vogesen in Richtung der Linie Pfalzburg–Zabern erfolgen.

Um einen Durchbruch ausnutzen zu können, wurden die 25. Panzergrenadier-Division sowie die 21. Panzer-Division in der Armee-Reserve gehalten. In der offiziellen Sprachregelung vom 25. Dezember 1944 wurde der Operation der Deckname „Unternehmen Nordwind“ zugewiesen.[12]

Skizze des ursprünglichen Operationsentwurfes

In die Planungen war am 23. Dezember 1944 auch die südliche Heeresgruppe Oberrhein einbezogen worden, die unter dem Oberbefehl des Reichsführer-SS Heinrich Himmler stand. Sie wurde gebeten, durch Stoßtruppunternehmen und die Bildung von Brückenköpfen über den Rhein nördlich und südlich von Straßburg die gegnerischen Kräfte dort zu fesseln. Nachdem Hitler am 27. Dezember 1944 den Beginn der Offensive auf den 31. Dezember um 23:00 Uhr festgelegt hatte, erhielt die Heeresgruppe ihre endgültigen Aufträge. Sie sollte erst angreifen, wenn die Verbände der 1. Armee die Ostausgänge der Vogesen zwischen Ingweiler und Zabern in Besitz genommen hätten. Ihre Divisionen hatten die Aufgabe, die gegnerische Front nördlich von Straßburg zu durchbrechen sich im Raum HagenauBrumath mit der 1. Armee zu vereinigen. Die Ausführung dieser zunächst nebensächlichen Operationen oblag der 19. Armee unter General der Infanterie Siegfried Rasp. Diese plante neben kleineren Vorstößen im Bataillonsrahmen aus dem Brückenkopf Elsass vor allem den Angriff der 553. Volksgrenadier-Division bei Gambsheim über den Rhein.[13]

Nach Abschluss der Zerschlagung der alliierten Kräfte im Unterelsass war als Folgeoperation das Unternehmen Zahnarzt vorgesehen, ein Vorstoß in die Flanke der 3. US-Armee.[14]

Hitlers Absicht

Hitler verband mit dem „Unternehmen Nordwind“ nicht nur die Aussicht auf einen weiteren Teilerfolg an der Westfront, sondern auch die Vorstellung, auf diese Weise die festgefahrene Ardennenoffensive wieder ins Rollen zu bringen. Diese Ansichten legte er am 28. Dezember 1944 in einer Ansprache vor den beteiligten Befehlshabern und Kommandeuren dar:

„Ich bin mit den Maßnahmen völlig einverstanden, die getroffen worden sind. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, besonders den rechten Flügel [im Raum Bitsch] schnell vorwärtszubringen, um die Eingänge nach Zabern zu öffnen, dann sofort in die Rheinebene hineinzustoßen und die amerikanischen Divisionen zu liquidieren. Die Vernichtung dieser amerikanischen Divisionen muss das Ziel sein. [...] Schon die bloße Vorstellung, dass es überhaupt wieder offensiv vorgeht, hat auf das deutsche Volk eine beglückende Wirkung ausgeübt. Und wenn diese Offensive weitergeführt wird, wenn die ersten wirklich großen Erfolge sich zeigen [...] können sie überzeugt sein, dass das deutsche Volk alle Opfer bringen wird, die überhaupt menschenmöglich sind. [...] Ich möchte daher anschließend an Sie nur den Appell richten, dass Sie mit Ihrem ganzen Feuer, mit Ihrer ganzen Energie und mit Ihrer ganzen Tatkraft hinter diese Operation treten. Das ist mit eine entscheidende Operation. Ihr Gelingen wird absolut automatisch das Gelingen der zweiten [in den Ardennen] mit sich bringen. [...] Wir werden das Schicksal dann doch meistern.“

Adolf Hitler (28. Dezember 1944)[15]

Gliederung der deutschen Kräfte

1. Armee

Einteilung in zwei Sturmgruppen,[16] XIII. SS-Armeekorps als Sturmgruppe 1 für den Angriff westlich der Vogesen, XC Armeekorps und LXXXIX. Armeekorps als Sturmgruppe 2 für den Angriff auf dem Vogesenkamm.

XIII. SS-Armeekorps XC. Armeekorps LXXXIX. Armeekorps weitere Verbände der 1. Armee

19. Armee

LXIV. Armeekorps LXIII. Armeekorps XIV. SS-Armeekorps Armeereserve

Alliierte Pläne

Noch während die 3. US-Armee zur Abwehr der deutschen Ardennenoffensive umgliederte, wurden dem SHAEF (Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Force) die Herausforderungen bewusst, die auf die 6. US-Heeresgruppe mit ihrem nunmehr überdehnten Frontabschnitt zukamen. In einer Folgediskussion am 26. Dezember 1944 teilte der gerade zum General of the Army beförderte Dwight D. Eisenhower dem Befehlshaber der 6. US-Heeresgruppe Jacob L. Devers mit, dass er zwecks Verkürzung der Front der 6. US-Heeresgruppe deren Rücknahme vom Oberrhein an den Vogesenkamm wünsche.[17] Da weder diese Äußerung noch das nachfolgende Drängen des SHAEF einen förmlichen Befehlscharakter hatten, und Devers nach dem Ardennen-Fiasko des alliierten militärischen Nachrichtenwesens Zweifel an der Lagebeurteilung von SHAEF hatte, sah er einen Rückzug nicht als dringlich an. Er ließ ihn nur planen, statt ihn durchzuführen.[18] Nach seiner Einschätzung, die auch von dem Befehlshaber der 7. US-Armee Alexander Patch geteilt wurde, war ein deutscher Angriff an der Saar am wahrscheinlichsten,[19] zumal die mittlerweile in den Ardennen eingesetzte Panzerlehrdivision im Dezember 1944 hier einen Störangriff durchgeführt hatte. Als weitere, wegen des Geländes aber weniger wahrscheinliche Möglichkeit, wurde der Angriff entlang des Vogesenkammes angesehen, während ein deutscher Angriff in der Oberrheinebene wegen der von den Amerikanern hier gehaltenen Abschnitte der Maginotlinie als abwegig angesehen wurde.[18] Aus genannten Gründen plante Patch vier Auffangstellungen aus, auf die nacheinander ausgewichen werden konnte:[20]

  1. Stellungssystem der Maginotlinie
  2. Bitsch-Niederbronn-Moder
  3. Bitsch-Ingweiler-Straßburg
  4. Ostausläufer der Vogesen.

Gliederung der alliierten Kräfte

Die Alliierten verfügten auf dem Papier über weniger Divisionen als die Deutschen, hatten dafür aber eine bessere Personal- und Materiallage. Erfahrungs- und Ausbildungsstand unterschied sich von Division zu Division erheblich; einige Verbände kämpften seit dem Italienfeldzug, während andere gerade neu aufgestellt worden und erst im November 1944 eingeführt waren.[21] Letzteres traf insbesondere auf die französischen Verbände zu, von denen viele sich aus der Résistance rekrutierten.[22]

7. US-Armee

XV. US-Korps VI. US-Korps XXI. US-Korps (SHAEF-Reserve)
  • 103. US-Infanteriedivision
  • 44. US-Infanteriedivision
  • 100. US-Infanteriedivision
  • Kampfgruppe Harris
  • Kampfgruppe Hudelson
  • 45. US-Infanteriedivision
  • Kampfgruppe Herren (70. US-Infanteriedivision)
  • Kampfgruppe Linden (42. US-Infanteriedivision)
  • 79. US-Infanteriedivision

1. Französische Armee

I. Französisches Korps II. Französisches Korps
  • 1. Französische Infanteriedivision
  • 3. Französische Infanteriedivision
  • Brigade indépendante Alsace-Lorraine[23]
  • 1. Französische Panzerdivision
  • 9. Französische Kolonial-Infanteriedivision
  • 2.Französische Infanteriedivision
  • 4. Französische Gebirgsjägerdivision
  • 5. Französische Panzerdivision
  • 10. Französische Infanteriedivision

Verlauf

Angriff auf Zabern, 1. bis 6. Januar

Am 5. Januar 1945 von einem US-Jagdpanzer abgeschossener Jagdtiger der 17.SS-Panzergrenadierdivision bei Rimlingen; der Treffer brachte die Munition des Panzers zur Detonation[24]

Die Offensive, die von den Alliierten wegen schlechten Wetters nur ansatzweise aufgeklärt wurde,[18] begann ohne Artillerievorbereitung in den letzten Abendstunden des 31. Dezembers 1944.

Der Angriff der Sturmgruppe 1 stieß auf die tiefgestaffelte Verteidigung der 44. und der 100. US-Infanteriedivision und blieb mit Ausnahme eines drei Kilometer tiefen Einbruches im Raum Bliesbrücken-Rimlingen liegen. Nachdem deutsche Angriffsspitzen am 3. Januar Großrederchingen genommen hatten und zeitweilig bis zur Ortschaft Achen durchgebrochen waren,[25] kam dieser Angriff am 5. Januar endgültig zum Stehen.[24]

Der Angriff der Sturmgruppe 2 war deutlich erfolgreicher. Der bergige und bewaldete Geländeabschnitt in den Vogesen wurde lediglich von der Task Force Hudelson gehalten, die den angreifenden deutschen Kräften nur wenig entgegenzusetzen hatte. Nachteilig auf deutscher Seite wirkte sich dort aber die unterbliebene Aufklärung aus, wodurch die angreifenden Verbände orientierungslos waren. Die 361. Volksgrenadierdivision, die vor wenigen Wochen dort noch in Rückzugskämpfen verwickelt war, gewann dank ihrer Kenntnisse des Geländes am meisten Raum. Innerhalb der nächsten vier Tage kam die Sturmgruppe 2 immerhin 16 Kilometer voran.[26]

Die Lageentwicklung bewog Blaskowitz und Obstfelder dazu, die Anfangserfolge der Sturmgruppe 2 auszunutzen und die gerade aus Norwegen herangeführte 6. SS-Gebirgsjägerdivision dort einzusetzen. Dieser Verband, der deutlich den höchsten Einsatzwert aller deutschen Divisionen dieses Frontabschnittes besaß, trat über die 257. und 361. Volksgrenadierdivisionen auf Wingen und Wimmenau an. In den Morgenstunden des 4. Januar besetzten zwei Bataillone dieser Division Wingen und überrannten dabei einen amerikanischen Bataillonsgefechtsstand. Da ihnen jedoch die Fernmeldeverbindungen in Gestalt eines Funklastwagens abhanden gekommen waren, konnten sie keine Verstärkungen anfordern. Amerikanische Gegenangriffe scheiterten, denn sie waren zunächst darauf ausgerichtet, lediglich eine Kompanie aus Wingen zu werfen. Da jedoch kein Unterstützungsangriff seitens der 19.Armee/Heeresgruppe Oberrhein erfolgte[1], konnten die Amerikaner Kräfte aus den entsprechenden Frontabschnitten am Oberrhein abziehen und zu weiteren Gegenangriffen auf Wingen ansetzen. Als der amerikanische Druck übermächtig wurde, setzten sich die mittlerweile abgekämpften deutschen Bataillone in der Nacht vom 6. zum 7. Januar aus Wingen ab.[27]

Straßburger Kontroverse

Die unklare Situation hinsichtlich des von Eisenhower angesonnenen Rückzugs hinter die Vogesen begann während des Angriffes auf Zabern politische Kreise zu ziehen. Noch am Nachmittag des 1. Januars rief der Chef des Stabes von SHAEF Devers an und warf der 7. US-Armee Befehlsverweigerung vor, da sie nicht auf die Vogesen ausweiche.[28] Devers gab hieraufhin an, dass die diesbezüglichen Vorbereitungen anliefen, wegen der Verhältnisse vor Ort aber Zeit benötigen würden. Noch am gleichen Tage teilte Devers Patch mit, dass seine Armee bis zum 5. Januar hinter die Vogesen ausweichen und die Oberrheinebene samt Straßburg aufgeben müsse. Patch begann unverzüglich mit der Umsetzung, indem er die im Zuge der Lauter eingesetzten Verbände nach Süden zurück nahm. Zeitgleich mit dem Befehl an Patch gab Devers diese Information über die französischen Verbindungsoffiziere an die französische Regierung weiter. Daraufhin protestierte de Gaulle in einem Brief an Devers. Hintergrund der französischen Haltung war vor allem die jüngere Geschichte des Elsass als Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich. Vor allem Straßburg, wo Claude Joseph Rouget de Lisle 1792 die Marseillaise komponierte, hatte bei den Franzosen einen Stellenwert, der nur von der Hauptstadt Paris übertroffen wurde.[29] Außerdem wurde befürchtet, dass eine erneute deutsche Besetzung Repressalien gegen diejenigen Teile der Bevölkerung nach sich ziehen würde, die nach der Einnahme durch die Alliierten am 23. November 1944 offen ihre Loyalität gegenüber Frankreich gezeigt hatten.[28] Devers, der die Haltung Frankreichs teilte, entsandte daraufhin am 2. Januar seinen Chef des Stabes, Generalmajor Barr nach Paris zu Eisenhower, um klare Anweisungen zu erhalten. De Gaulle nahm daher auch Verbindung mit Roosevelt und Churchill auf und bestellte Eisenhower am 3. Januar zu einem Gespräch nach Paris, wo Churchill als Mediator fungierte.[30] De Gaulle bezeichnete Eisenhowers Entscheidung als nationale Katastrophe, wohingegen Eisenhower an seiner Entscheidung zunächst festhielt und der 1. Französischen Armee die Schuld gab, da sie bei der Zerschlagung des Brückenkopfes Elsass versagt habe.[30] Hieraufhin drohte De Gaulle mit einem Ende der französischen Beteiligung bei SHAEF, während der ebenfalls anwesende General Alphonse Juin Andeutungen machte, Frankreich verwehre den Alliierten die Nutzung seines Eisenbahnnetzes. Eisenhower akzeptierte am Ende unter Churchills Lob die französischen Bedenken. Der ebenfalls anwesende Generalmajor Barr gab die Information unverzüglich an Devers weiter, noch bevor die Entscheidung am 7. Januar in Form eines Communiques schriftlich fixiert wurde.[30] Devers wiederum stoppte unverzüglich die Absetzbewegungen von der Lauter.

Kämpfe in der Oberrheinebene

Lageentwicklung bei der 19. Armee: die durchgezogene rote Linie stellt den Frontverlauf am 31. Dezember 1944 dar, die gestrichelte denjenigen am 12. Januar 1945

Nach der Räumung Wingens gab das OKW den Angriff im Zuge der Vogesen, beziehungsweise westlich davon auf und verlagerte den Schwerpunkt. Die ursprüngliche Absicht der Heeresgruppe G, den Angriff nunmehr mit gepanzerten Kräften am Ostrand der Vogesen über das Zwischenziel Rothbach westlich Hagenau zu führen, wurde wegen der nachstehend beschriebenen Lageentwicklung im Frontabschnitt der 19. Armee aufgegeben, und zwar zugunsten eines Angriffes unmittelbar in der Oberrheinebene ostwärts von Hagenau.[31]

Neuer Brückenkopf bei Gambsheim, 5. bis 10. Januar

Noch während des Angriffs der Sturmgruppe 2 auf Wingen gelang der der 19. Armee unterstellten 553. Volksgrenadierdivision, die von allen beteiligten deutschen Divisionen den niedrigsten Einsatzwert hatte,[32] in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar die Bildung eines Brückenkopfes am Zusammenfluss von Zorn und Moder bei Gambsheim. Da die US-amerikanischen Verbände – hier Task Force Linden – die Verteidigung dieses Frontabschnittes nur durch Spähtrupps sicherstellen konnten, und die Bevölkerung in dieser Region deutschfreundlich war,[33] konnten die Soldaten der 553. Volksgrenadierdivision ungehindert in ihren Sturmbooten über den Rhein setzen und den Brückenkopf nach seiner Sicherung auf Herlisheim und Offendorf ausweiten und sich im Südwesten bis an den Ortsrand von Kilstedt vorschieben. Die Versorgung des Brückenkopfes wurde nachts durch Fährbetrieb sichergestellt, da eine Brücke der Wirkung der alliierten Luftwaffe ausgesetzt gewesen wäre.[31] Die Bedrohung aus diesem Brückenkopf wurde von den Alliierten als so gering eingeschätzt, dass sie die nächsten drei Tage keinen Versuch zur Abriegelung unternahmen,[31] wenngleich Patch dem Kommandeur des VI. US-Korps bereits am 6. Januar den Befehl zur Zerschlagung des Brückenkopfes gegeben hatte.[34] Erst am 8. Januar setzte er Teile der 12. US-Panzerdivision auf den Brückenkopf an, und zwar Combat Command B (ein Manöverelement in Brigadestärke) gegen vermeintlich nur 500-800 unorganisierte deutsche Infanteristen des Brückenkopfes. Tatsächlich befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits 3330 deutsche Soldaten, verstärkt durch Panzerabwehrkanonen, in gut ausgebauten Stellungen. Demgegenüber verringerte die schwache Infanteriekomponente der 12. US-Panzerdivision den Einsatzwert dieses Verbandes. Combat Command B trat am 8. Januar auf Herlisheim an. Zwar gelang es, mit Infanterie in Herlisheim einzudringen, doch da die amerikanischen Panzer von den deutschen Panzerabwehrkanonen in Schach gehalten werden konnten und zudem die Funkverbindung zu den Infanteristen abriss, räumten letztere in den Morgenstunden des 10. Januar Herlisheim.[35]

Unternehmen Sonnenwende, 8. bis 12. Januar

Die eigentliche Unterstützung der 19. Armee, Deckname Unternehmen Sonnenwende, bestand in einem Angriff ab 8. Januar 1945 durch die zwischen Rhein und Ill eingesetzte 198. Infanteriedivision und die Panzerbrigade 106 aus dem Brückenkopf Elsass auf Straßburg. Der betreffende Frontabschnitt war gerade zuvor von den Amerikanern an die 1. Französische Infanteriedivision übergeben worden. Den beiden deutschen Verbänden gelang es, sämtliche südöstlich der Ill eingesetzten französischen Kräfte zu werfen, und somit das Dreieck zwischen Ill und Rhein wieder unter Kontrolle zu bringen.[35] Hierbei wurden drei französische Kampfgruppen in Bataillonsstärke abgeschnitten und bis zum 13. Januar vernichtet.[36] Gleichwohl gelang es den französischen Kräften, an der Ill im Zuge der Ortschaften Benfeld, Erstein und Kraft den deutschen Angriff am 12. Januar aufzufangen und zum Stehen zu bringen. Das eigentliche Ziel, die Einnahme Straßburgs, wurde nicht erreicht.[35]

Kämpfe um Hatten-Rittershofen, 8. bis 20. Januar

Panther der 25. Panzergrenadierdivision beim Durchqueren einer Panzersperre des Westwalls bei Weißenburg, 6. Januar 1945

Die in der nordöstlichen Ecke des Elsass eingesetzten US-amerikanischen Streitkräfte hatten in Umsetzung des Rückzugsbefehls von Eisenhower bereits in den ersten Januartagen den Raum an der Lauter geräumt und somit Reipertsweiler und Weißenburg aufgegeben. Nach der Intervention de Gaulles bezogen sie an der Maginot-Linie die erste der geplanten Auffangstellungen. Auf Drängen Himmlers bestand die Absicht des OKW nunmehr darin, über Hatten auf Hagenau vorzustoßen und sich im Raum Bischweiler mit den aus dem Brückenkopf Gambsheim entgegenstoßenden Kräften zu treffen und so das VI. US-Korps im Raum Sufflenheim einzuschließen und zu vernichten.[37]

Die zur Kampfgruppe Feuchtinger verschmolzene 21. Panzerdivision und 25. Panzergrenadierdivision traten am 6. Januar aus dem Bienwald aus, rollten Teile der Maginotlinie auf und stießen am 8. Januar auf Hatten vor.[38] In der Folge wechselten Teile dieses Ortes und des benachbarten Rittershofen in erbitterten Kämpfen immer wieder den Besitzer, wobei weder Amerikaner noch Deutsche die Oberhand gewinnen konnten, obwohl Letztere vom 11. bis zum 15. Januar Verstärkung durch die 7. Fallschirmjägerdivsion erhielten.[39] Aber nicht nur die kriegführenden Parteien, sondern auch die Zivilbevölkerung hatte hohe Verluste zu beklagen, da sie von den Amerikanern nicht evakuiert wurde. Zeitgleiche Versuche, den ursprünglichen Angriff der Sturmgruppe 2 auf Zabern wieder vorzutragen, scheiterten ebenfalls,[40] wenngleich der 6. SS-Gebirgsjägerdivision am 16. Januar die Einschließung[41] und Zerschlagung einer amerikanischen Kampfgruppe gelang.[42]

Patt bei Herlisheim, 16. bis 21. Januar

Teile der 12. US-Panzerdivision auf dem Marsch von Bischweiler nach Drusenheim, Januar 1945

Da am 10. Januar der Versuch von Combat Command B, den Brückenkopf von Gambsheim einzudrücken, gescheitert war, setzte der Kommandeur des VI. US-Korps am 13. Januar die gesamte 12. US-Division dort ein, die am 16. Januar erneut antrat, Combat Command B erneut auf Herlisheim und Combat Command A auf Offendorf und den nahe gelegenen Steinwald.[43] Auch diesmal gelang es dem Combat Command B, in Herlisheim einzudringen, doch die Geländegewinne gingen durch einen deutschen Gegenangriff wieder verloren. Von den Amerikanern unbemerkt, setzte die 10. SS-Panzerdivision in der Nacht vom 15. zum 16. Januar mit Fähren über den Oberrhein über und bezog in dem Brückenkopf einen Verfügungsraum.[44] Der Divisionsgefechtsstand wurde nach Offendorf verlegt und begann mit der Planung eines Ausbruches aus dem Brückenkopf für den 17. Januar. Dieser Angriff lief planmäßig vor dem Morgengrauen an und mündete in einem unentschiedenen Begegnungsgefecht mit dem ebenfalls (erneut) angreifenden Combat Command A.[43] Es zeigte sich, dass in dem von Ortschaften, der Zorn sowie von Bahndämmen und Entwässerungsgräben durchzogenen Gelände der Einsatzwert von Panzern gering war und sie leicht eine Beute von Panzerabwehrkanonen und Panzerfäusten wurden.[45] Auch ein Versuch von Combat Command B, Herlisheim nördlich zu umgehen, schlug fehl. Am 18. Januar gelang es der zur 10. SS-Panzerdivision gehörenden 3. SS-Panzerabteilung 10, ein in Herlisheim eingedrungenes US-Panzerbataillon zu zerschlagen, hierbei 10 Sherman-Panzer zu erbeuten und ein ebenfalls dort eingesetztes US-Infanteriebataillon aufzureiben.[46] Am 19. Januar gelang bei Drusenheim die Zerschlagung eines weiteren, der 79. US-Infanteriedivision angehörenden Bataillons.[47] Andererseits wies die 3. Französische Infanteriedivision vom 17. bis zum 21. Januar Angriffe der 10. SS-Panzerdivision auf Kilstedt blutig ab.[48]

US-Rückzug hinter die Moder, 20. und 21. Januar

Durch den Rückzug hinter die Moder bezog das VI.US-Korps eine klassische Sehnenstellung, von der es die letzten deutschen Angriffe leicht abwehren konnte

Trotz der Abwehrerfolge der Franzosen bei Kilstedt bestand die Gefahr, dass die 10. SS-Panzerdivision weiter nördlich aus dem Brückenkopf ausbrechen würde, wo sie gerade drei amerikanische Bataillone zerschlagen beziehungsweise aufgerieben hatte. Mit einem Vorstoß aus dem Raum Drusenheim nach Westen im Zuge des nördlichen Moderufers hätte sie die amerikanische Front bei Hatten und Rittershofen aus den Angeln heben können. Die Gefahr eines erneuten Angriffs der Sturmgruppe 2 sowie der kräftezehrende Kampf um Hatten und Rittershofen vervollständigte ein Lagebild, wonach der Frontbogen des VI. US-Korps langsam unhaltbar wurde.[49] Zwar wurden durch die Beseitigung des deutschen Frontvorsprunges in den Ardennen die 101. US-Fallschirmjägerdivision und die 28.US-Infanteriedivision frei und in den Elsass verlegt,[50] doch verzögerten schlechte Witterungsbedingungen das Eintreffen dieser Verstärkungen. Es gelang Patch, Devers Einverständnis für einen Rückzug zu erwirken, mit dem das Korps am Südufer von Rotbach, Moder und Zorn im Zuge einer deutlich verkürzten Frontlinie die zweite Auffangstellung beziehen konnte.[51] Die Absetzbewegung begann in der Nacht vom 20. auf den 21. Januar und wurde durch schlechtes Wetter begünstigt, so dass deutsche Truppen den Rückzug erst bemerkten, als er bereits erfolgt war.[52] Sie drängten am 22. Januar nach und erweiterten die Landverbindung zum Brückenkopf Gambsheim.[53]

Nachdrängen deutscher Kräfte bis zum 25. Januar

Minderjährige deutsche Soldaten werden bei Schillersdorf im Elsass gefangengenommen.

Durch die Geländegewinne ermutigt, unternahmen deutsche Kräfte unmittelbar danach den vergeblichen Versuch, Hagenau und Bischweiler zu nehmen.[54] In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar traten Teile von drei deutschen Divisionen im Raum zwischen Neuburg und Schweighausen an, wurden jedoch nach Anfangserfolgen zurückgeschlagen.[55] Ebenfalls am 25. Januar wurden Angriffe der 6. SS-Gebirgsjägerdivision auf Bischoltz und Schillersdorf abgewiesen.[56] Mittlerweile wirkte sich auch der Zusammenbruch der deutschen Front im Osten auf die Operationsführung aus. Hitler befahl daher, die Offensive einzustellen.[57] In der Folge wurden am 27. Januar die 21. Panzerdivision und die 25. Panzergrenadierdivision herausgezogen und an die Ostfront verlegt,[54] die 10. SS-Panzerdivision folgte im Februar.[48]

Folgen

Nach Abschluss der Offensive hielten deutsche Kräfte wieder rund 40 Prozent des Elsass besetzt. Als taktische Erfolge konnten sie eine Verkürzung der Front und im Vergleich zu den Alliierten geringere Verluste verbuchen. Operative Erfolge blieben ihnen jedoch versagt; eine Zerschlagung nennenswerter alliierter Kräfte gelang ihnen ebenso wenig wie die Einnahme Straßburgs.

Durch das Ausweichen hinter die Moder verschafften sich die alliierten Kräfte sogar die Handlungsfreiheit[58] für einen Angriff auf den Brückenkopf Elsass, der zur Zerschlagung mehrerer deutscher Divisionen in den Vogesen und zur Beseitigung eben dieses Brückenkopfes am 9. Februar 1945 führte. In diesem Zeitraum wurden auch Teile des ehemaligen Gambsheimer Brückenkopfes zurückerobert,[59] während das Gebiet zwischen Moder und den deutschen Ausgangsstellungen erst während Operation Undertone im März 1945 von deutschen Truppen geräumt wurde.

Strategisch gesehen band das Unternehmen Nordwind – ähnlich wie der Verbleib deutscher Verbände in den Ardennen – Kräfte, die angesichts des Zusammenbruches der Ostfront dort sehr viel dringender benötigt wurden;[60] Nordwind wurde erst zu einem Zeitpunkt abgebrochen, als die Rote Armee bereits die Hälfte von Ostpreußen überrannt[61] und Posen eingeschlossen hatte.

Sämtliche taktischen Erfolge hätten daher durch Räumung des Brückenkopfes Elsass zu einem deutlich geringeren Preis erkauft werden können.

Die erbitterten Kämpfe, insbesondere die taktischen deutschen Erfolge, vermochten zwar am Ausgang des Krieges nichts zu ändern. Sie erhielten jedoch auch nach dem Scheitern der Ardennenoffensive bei den Westalliierten den Eindruck aufrecht, dass das Dritte Reich noch nicht am Ende seiner Kräfte war. Außerdem waren sie mit Sicherheit mitursächlich für die Vorverlegung des ursprünglich für den 20. Januar geplanten Angriffsbeginns der sowjetischen Weichsel-Oder-Operation.

Die Straßburger Kontroverse hingegen war mitursächlich für den von de Gaulle 1966 vollzogenen teilweisen Bruch mit der NATO und nährte selbst in der Bundesrepublik Deutschland Zweifel am amerikanischen Beistand im Falle eines sowjetischen Angriffes.[62]

Literatur

  • Richard Engler: The Final Crisis: Combat in Northern Alsace, January 1945, Aberjona Press, 1999, ISBN 978-0-96663-891-2.
  • Robert Ross Smith und Jeffrey J. Clarke: Riviera To The Rhine. The official US Army History of the Seventh US Army. Diane Pub Co. 1993, ISBN 978-0-75676-486-9.
  • Keith Bonn: When the Odds Were Even: The Vosges Mountains Campaign, October 1944-January 1945. Presidio Press, 2006, ISBN 978-0-34547-611-1.
  • Steven Zaloga: Operation Nordwind 1945 – Hitler’s last offensive in the West. Osprey Publishing, 2010, ISBN 978-1-84603-683-5.
  • Charles Whiting: The Other Battle of the Bulge: Operation Northwind. History Press Spellmount, 2001, ISBN 978-1-86227-399-3.
  • John Keegan: Der Zweite Weltkrieg. Rowohlt BERLIN. 2004,ISBN 978-3-87134-511-1
  • David Colley: Decision at Strasbourg: Ike's Strategic Mistake to Halt the Sixth Army Group at the Rhine in 1944. U S Naval Inst Pr, 2008, ISBN 978-1-59114-133-4
  • Percy M. Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd.4, Bonn 2002, ISBN 3-88199-073-9
  • Mercadet Léon: La Brigade Alsace-Lorraine, Paris, Grasset, 1984, ISBN 978-2246308119

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Smith and Clark, Riviera To The Rhine, S. 527.
  2. vgl. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd.8, S.1014
  3. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 25
  4. Bonn: When the odds were even S. 103 ff.
  5. David Colley: Decision at Strasbourg, S.134 ff.
  6. Bonn: When the odds were even S. 147 ff.
  7. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 19
  8. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 26
  9. Bonn: When the odds were even S. 199
  10. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, S.1347
  11. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, S.443; Walter Warlimont: Im Hauptquartier der deutschen Wehracht 1939 bis 1945, Augsburg 1990, S.522
  12. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, S.1347
  13. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, S.1347–1349
  14. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 27
  15. Zit. nach: Walter Warlimont: Im Hauptquartier der deutschen Wehracht 1939 bis 1945, Augsburg 1990, S.522–524
  16. So jedenfalls die ausdrücklich deutsche Bezeichnung bei Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 26; vgl. aber auch Bonn: When the odds were even S. 199, 200, der von Main Attack und Supporting Attack spricht
  17. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 28
  18. a b c Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 29
  19. Smith and Clark, Riviera To The Rhine, S. 495, 496
  20. Smith and Clark, Riviera To The Rhine, S. 496
  21. Ausführlich Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 37 ff.
  22. Ausführlich Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 40 ff.
  23. Bei Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 40 ff. nicht erwähnt, vgl. aber Mercadet Léon, La Brigade Alsace-Lorraine, S.285
  24. a b Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 44
  25. vgl. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd.8, S.989
  26. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 46
  27. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 47 f.
  28. a b Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 52
  29. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 46, der fälschlicherweise Alphonse Daudet als Komponisten angibt.
  30. a b c Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 53
  31. a b c Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 59, 69
  32. deutliche Worte bei Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 57
  33. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 81
  34. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 65
  35. a b c Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 69
  36. vgl. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd.8, S.1006-1014
  37. ohne explizite Benennung der Ortschaften Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 59, 69
  38. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 59
  39. ausführlich Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 59–65
  40. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 128 f.
  41. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd.8, S.1019
  42. The Ardennes-Alsace campaign US Army brochure, S. 49
  43. a b Zaloga, Operation Nordwind 1945, S. 72
  44. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 72, Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 133, vgl. aber Smith and Clark, Riviera To The Rhine, S. 523, wonach lediglich Teile der 10. SS-Panzerdivision mit Fähren transportiert wurden, und sich die Masse dieser Division im Zusammenwirken mit zwei Sturmgeschützbrigaden, der 7. Fallschirmjägerdivision und einem weiteren Bataillon aus dem Raum Lauterburg entlang des Rheins den Weg zum Brückenkopf freikämpfte. Diese Darstellung ist insofern zweifelhaft, weil die Division hierdurch auseinandergerissen und damit nicht führbar wäre. Außerdem hätte die Division so eine offene rechte Flanke gehabt, in die die US-Amerikaner hätten hineinstoßen können. Hinzu kommt, dass die angreifende Division mit der Sauer und der Moder gleich zwei Gewässer zu überqueren gehabt hätte.
  45. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 72 f.
  46. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 73
  47. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 138
  48. a b Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 74
  49. Vgl. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 138; vgl. aber auch die etwas unbefriedigende Erklärung bei Zaloga, S. 74, wonach der Rückzug trotz Zufuhr von in den Ardennen nicht mehr benötigten Kräften nur deshalb durchgeführt wurde, weil der kräftezehrende Kampf um die beiden Ortschaften nicht weiter fortgesetzt werden sollte.
  50. Vgl. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 74
  51. Vgl. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 139
  52. Vgl. Whiting, The Other Battle of the Bulge, S. 144–148,
  53. Vgl. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 78 f., der hier schreibt, die Landverbindung sei hergestellt worden. Dies widerspricht jedoch seinem Kartenmaterial, ausweislich dessen eine schmale Landverbindung bereits am 6. Januar bestand, bzw. zwischen diesem Datum und dem US-Rückzug hergestellt wurde.
  54. a b Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 76
  55. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 152, 153
  56. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 153 f.
  57. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 155
  58. Vgl. Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 85
  59. Zaloga: Operation Nordwind 1945. der dies an mehreren Stellen nur andeutet.
  60. Vgl. Keegan: Der Zweite Weltkrieg, S. 653
  61. zur Lageentwicklung in Ostpreußen am 25. Januar vgl. statt vieler nur Dieckert & General der Infanterie a.D. Horst Großmann: Der Kampf um Ostpreußen, Motorbuch, 10. Auflage 1994, ISBN 3-87943-436-0 (s. dort beigefügte Karte)
  62. Whiting: The Other Battle of the Bulge. S. 48
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