Edersee

Edersee
Edertalsperre
Blick von „Schöner Aussicht“ bei Basdorf auf denEdersee mit Liebesinsel, Bringhausen und Kellerwald
Blick von „Schöner Aussicht“ bei Basdorf auf den
Edersee mit Liebesinsel, Bringhausen und Kellerwald
Lage: Landkreis Waldeck-Frankenberg
Zuflüsse: Eder (für weitere siehe unten)
Abflüsse: Eder
Größere Orte am Ufer: Waldeck
Größere Orte in der Nähe: Vöhl, Edertal
Edertalsperre (Hessen)
Edertalsperre
Koordinaten 51° 11′ 6″ N, 9° 3′ 18″ O51.1859.055Koordinaten: 51° 11′ 6″ N, 9° 3′ 18″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1908–1914
Höhe über Gründungssohle: 48 mdep1
Höhe über Gewässersohle: 45 mdep1
Höhe der Bauwerkskrone: 248,00 m
Bauwerksvolumen: 300.000 m³dep1
Kronenlänge: 400 mdep1
Kronenbreite: 6 mdep1
Basisbreite: 36 mdep1
Krümmungsradius: 305 mdep1
Böschungsneigung luftseitig: ca. 55°
Böschungsneigung wasserseitig: fast 1:0 (senkrecht)
Kraftwerksleistung: 20 MWdep1
Daten zum Stausee
Höhe des Stauziels: 244,97 m ü. NN
Wasseroberfläche bei Vollstau: 11,8 km²dep1
Stauseelänge: 28,5 km
Stauseebreite: 1,2 km
Speicherraum: 199,3 Mio. m³dep1
Gesamtstauraum: 225 Mio. m³dep1
Einzugsgebiet: 1.443 km²
Bemessungshochwasser: 1.744 m³/s
Besonderheiten:

Wassertiefe bei Vollstau: 41,7 m

Blick von Schloss Waldeck auf den Edersee bei Niedrigwasser mit freiliegender Halbinsel an den Hopfenbergen, dahinter Staumauer in Bildmitte

Der Edersee, auch Ederstausee genannt, ist mit 11,8 km² Wasseroberfläche und mit 199,3 Mio. m³ Stauraum der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte (→ Liste) Stausee in Deutschland und liegt am Fulda-Zufluss Eder hinter der 48 m hohen Staumauer der Edertalsperre bei der Kernstadt von Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen).

Die Edertalsperre (EdT) (Staumauer und Stausee)[1] ist Eigentum der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, wobei das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden zuständig ist. Zweck der Talsperre ist in erster Linie die Wasserbereitstellung für die Bundeswasserstraßen Oberweser und Mittellandkanal. Daneben dient sie auch dem Schutz der Unterlieger gegen kleine und mittlere Hochwasserereignisse, der Erzeugung elektrischer Energie und der Erholung.

Umrahmt vom Naturpark Kellerwald-Edersee, gelegen am Nationalpark Kellerwald-Edersee und überragt vom Schloss Waldeck, sind der Edersee und seine Umgebung ein attraktives und weithin bekanntes Freizeitgebiet.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Der Edersee, in dem die Eder durch die bei Hemfurth-Edersee (zu Edertal) stehende Staumauer zu einem Stausee aufgestaut wird, befindet sich rund 35 km Luftlinie südwestlich von Kassel und direkt nördlich des Mittelgebirges Kellerwald innerhalb des Naturparks Kellerwald-Edersee. Er reicht von der Einmündung der Eder vor Herzhausen (zu Vöhl) im Westen bis zur Staumauer bei Hemfurth-Edersee im Osten und stößt im Süden an die Ederhöhen, einer Bergregion im Norden des Kellerwalds, die etwa deckungsgleich mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee ist.

Ortschaften

Der Edersee umfasst ein Gebiet nördlich des Kellerwalds zwischen den folgenden Gemeinden oder Städten (aufgezählt mit Ortsteilen im Uhrzeigersinn beginnend an der Sperrmauer):

Gemeinde Edertal mit Hemfurth-Edersee (östliches See-Ende), Rehbach und Bringhausen, Gemeinde Vöhl mit Asel-Süd, Harbshausen, Kirchlotheim und Herzhausen (westliches See-Ende), Asel und Basdorf (inkl. Trappenhardt) und Stadt Waldeck (inkl. Waldeck-West) mit Nieder-Werbe und der Halbinsel Scheid.

Geschichte

Bauzeit und Baukosten

Anlass für den Bau der Edertalsperre war die Verabschiedung eines Wasserstraßengesetzes in Berlin am 1. April 1905. Es beinhaltete den Neubau von Talsperren im oberen Quellgebiet der Weser und des Mittellandkanals bis Hannover, um damit den Betrieb des neu- oder auszubauenden Lippe-Seitenkanals, des Rhein-Herne- sowie des Dortmund-Ems-Kanals zu sichern. Welche Bedeutung man diesem Bauvorhaben beimaß, zeigte sich am Besuch Kaiser Wilhelms II. im August 1911 und in der ursprünglich für den 25. August 1914 geplanten offiziellen Bestimmungsübergabe der Staumauer durch den Kaiser, die jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht zustande kam. Der Bau der Talsperre, der zwischen 1908 und 1914 nach Plänen von Otto Intze stattfand, kostete rund 25 Mio. Goldmark.

Ortsverlegungen

Etwa 900 Menschen im Bereich des Stausees mussten ihre Heimat aufgeben und sich an anderer Stelle niederlassen. Die Dörfer Asel, Berich und Bringhausen, die im Tal der Eder lagen, wurden – nachdem sie abgerissen oder abgetragen waren – an höher gelegenen Orten oberhalb des neu entstehenden Edersees recht aufwändig und liebevoll neu errichtet. Von den Dörfern Nieder-Werbe und Herzhausen wurden Teile überflutet und die Bewohner jeweils in der Nähe in neue Höfe und Häuser umgesiedelt. Der Überflutung fielen ferner zahlreiche Einzelgehöfte oder Anwesen zum Opfer, wie das aus zwei Gebäuden bestehende Gut Vornhagen, das im Tal unterhalb des Schlosses Waldeck stand, oder die Stollmühle, die sich an der breitesten Stelle des Stausees unweit der jetzigen Staumauer an der Hammerbergspitze befand. An dieser Stelle ist bei Niedrigwasser noch immer die Durchfahrt der Schleppbahn zu sehen, die dem Gütertransport beim Mauerbau diente. Ebenso wurden der Bericher Hammer, die Bericher Hütte, die Bericher Mühle und der Werber Hammer überspült.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Schematische Darstellung des Abwurfs einer Roll- oder Rotationsbombe zur Zerstörung einer Staumauer
Rotationsbombe vor dem „Sperrmauer-Museum“
in Hemfurth-Edersee
Staumauer nach der Zerstörung, 1943
Gedenktafel für die zum Wiederaufbau verpflichteten Zwangsarbeiter

1943 kam es im Kampf gegen die deutsche Rüstungsindustrie zu mehreren Angriffen auf die Möhnetalsperre, die Sorpetalsperre und andere Stauseen im Ruhrgebiet. Der Angriff auf die Edertalsperre in Hessen war Teil und Nebeneffekt dieser Aktionen.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 um kurz vor 2 Uhr wurde die Staumauer durch einen britischen Fliegerangriff der RAF (Operation Chastise), unter Kommando von Oberstleutnant Guy Gibson, mit einer speziellen Bombe zerstört, die von einer Avro Lancaster abgeworfen wurde. Um die Abwehranlagen an der Talsperre zu umgehen, wurden speziell für diesen Zweck konstruierte Roll- oder Rotationsbomben eingesetzt, die durch die ihnen verliehene Eigendrehung auf dem Wasser über die Abwehrnetze in Richtung Staumauer sprangen und im Wasser an der Staumauer herabsanken, um in vordefinierter Tiefe zu detonieren. Durch die Bombendetonation entstand in der Staumauer ein halbkreisartiges Loch von 70 m Breite und 22 m Tiefe. Aus diesem strömten schlagartig und durchschnittlich 8.000 Wasser pro Sekunde aus, insgesamt rund 160 Mio. m³. In der Folge ergoss sich eine zwischen 6 und 8 m hohe Flutwelle durch das untere Edertal nach Fritzlar, Wabern und Felsberg und über das Fuldatal (Kassel) zum Weserstein (Hann. Münden) und schließlich ins Wesertal.

Angaben über die Anzahl der Menschen, die in dieser Wasser-, Schlamm- und Schuttwelle ihr Leben verloren, sind widersprüchlich. Während manche Quellen von vergleichsweise geringen 47 oder 68[2] Opfern ausgehen, erwähnen andere den Tod von 749 ukrainischen kriegsgefangenen Zwangsarbeitern in einem Arbeitslager direkt unterhalb der Staumauer. Indes gibt es keine zuverlässige Quelle, die besagen würde, dass sich dort zum Zeitpunkt des Bombardements ein entsprechendes Lager befunden habe. Vielmehr wurde nach dem Angriff ein Zwangsarbeiterlager zur Wiederherstellung der Talsperre eingerichtet.

Die Flutwelle, die von den Anwohnern als eine weiß schäumende und laut grollende Gischt beschrieben wurde, führte auch dazu, dass hunderte Häuser sowie Fabriken, Eisenbahnstrecken, Straßen, Brücken und Bäume zerstört oder weggespült wurden. Diese Flut verwandelte nicht nur die teils weit ausgedehnten Täler um die Schwalm-Eder- und Eder-Fulda-Mündung in einen teils mehrere Kilometer breiten „See“, sondern überflutete auch die rund 35 km von der Staumauer entfernte Niederung der Fulda im Kasseler Becken, so dass dort beispielsweise Bettenhausen, die Unterneustadt und die Karlsaue mit der Orangerie vom Wasser heimgesucht wurde.

Die zerstörte Staumauer wurde noch im selben Jahr durch Zwangsarbeiter der Organisation Todt wieder aufgebaut. Hilfskräfte der Hitler-Jugend und des Reichsarbeitsdienstes bauten die zerstörten Häuser und andere wichtige Bauten wieder auf.

Sanierungen

Sanierungen der Mauer fanden 1947 bis 1948, 1961 bis 1962 und 1991 bis 1995 statt. Bei der letzten Sanierung wurden 104 Anker von je 75 m Länge im Untergrund befestigt. Jeder dieser Anker wurde mit einer Vorspannkraft von 4.500 kN angespannt.

Daten von Staumauer und -see

Staumauerblick vom Uhrenkopf
Staumauer mit Schloss Waldeck im Hintergrund
Staumauer von Norden
Staumauer Nordseite ca. 2 m unter Höchstwasserstand

Staumauer: Für den Bau der 1908 bis 1914 direkt nördlich von Hemfurth, einem Ortsteil von Hemfurth-Edersee der heutigen Gemeinde Edertal, errichteten gekrümmten Schwergewichtsmauer, die 400 m Kronen- und 270 m Sohlenlänge sowie 6 m Kronen- und 36 m Sohlenbreite (Basisbreite) aufweist, wurden etwa 300.000 m³ Bruchsteinmauerwerk aus Edersee-Grauwacke verarbeitet.

Stausee: Der Edersee ist der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte Stausee Deutschlands und gehört mit seiner Stauraumgröße zu den 10 deutschen Stauseen mit einem Inhalt von mehr als 25 Mio. m³ Wasser. Bei Vollstau hat der Edersee 11,8 km² Wasseroberfläche und 199,3 Mio. m³ Wasserinhalt (im Jahr 2003 per Laser-Scan-Verfahren ermittelter Wert; ehemaliger Wert: 202,4 Mio. m³). Dann beträgt seine Wassertiefe 41,7 m und bei Hochwasser maximal 43,69 m. Der Stausee ist insgesamt 28,5 km lang. Seine Uferlänge misst 69,4 km.

Baugrund und Funktion der Talsperre

Wasserregulierung

Die Edertalsperre wurde errichtet, um dem Mittellandkanal genug Wasser zuführen zu können, damit Lastkähne vom Ruhrgebiet nach Berlin fahren können. Bei Minden wurde dazu am Wasserstraßenkreuz ein Pumpwerk eingerichtet, welches das Wasser aus der Weser eine Etage höher in den Kanal befördert. Außerdem wird nicht nur in den Sommermonaten der (Hoch-)Wasserstand der Eder, der Fulda und der Weser geregelt. Dazu ist es notwendig, dass der Stausee zum Ende jedes Jahres nur etwa 150 Mio. m³ Wasserinhalt hat, so dass knapp 50 Mio. m³ Hochwasserstauraum zur Verfügung steht, der sich in normalen Jahren bis zum 1. April wieder auffüllt.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg führt der niedrige Wasserstand zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen (um bis zu 60 Millionen Euro im Jahr) im Tourismus.[3]

Wasserzufluss

Die natürliche Wassermenge, die dem Stausee über die Eder am Messpunkt in Schmittlotheim zugeführt wird, ist sehr unterschiedlich: Bei Trockenheit fließt manchmal nur etwa 1,0 m³ pro Sekunde in den Stausee ein; in regenreichen Zeiten und vor allem während der Schneeschmelze kann sich dies auf bis zu 740 m³/sek. steigern, was pro Jahr im Durchschnitt 650 Mio. m³ (etwa 20 m³/sek.) ergibt.

Stromerzeugung

Am Mauerfuß der Edertalsperre steht das Kraftwerk Hemfurth, das elektrischen Strom mit Hilfe von Wasserkraft erzeugt. Die Turbineneinläufe befinden sich ganz unten am Fuß der Staumauer wasserseitig auf ihrer linken Seite. Durch die Turbinenrohre, die etwa 2,50 m Durchmesser haben, laufen sekündlich bis zu 54 m³ Wasser. Das Kraftwerk verfügt über 2 Maschinensätze mit jeweils 2 Generatoren, die in Abhängigkeit vom Pegelstand zusammen bis zu 20 MW (25 MVA) Leistung zur Verfügung stellen.[4] Betrieben wird die Anlage von der E.ON Wasserkraft GmbH.

Zudem wird am Affolderner See, einem wenige Kilometer flussabwärts des Edersees gelegenen Stausee, mit dem Pumpspeicherkraftwerk Waldeck Strom erzeugt. Zu Zeiten geringem Strombedarfs wird Wasser aus dem Stausee in ein auf dem benachbarten Berg gelegenes Speicherbecken gepumpt, von wo es dann bei hohem Strombedarf wieder durch die gleichen Röhren nach unten fließt und dabei die Wasserturbinen die Stromgeneratoren antreiben.

Hochwasser und Niedrigwasser

Vollstau

Der Wasserstand des Edersee variiert im Jahresverlauf. Vollstau hat der See nach den Niederschlägen des Winters zwischen März und Juli. Die Wassertiefe beträgt dann bis zu 42 m.

Wenn der Wasserstand über die Vollstaumarke (245 m ü. NN) steigt und Hochwasser herrscht, können an der Staumauer pro Sekunde 204 m³ Wasser abgelassen werden. Das erfolgt durch die Turbinenrohre (54 m³) und die sechs Grundablässe (150 m³), die sich am Fuß der Staumauer mit jeweils 1,20 m Durchmesser befinden. Wenn das nicht ausreicht, können über die 39 Überläufe in der Mauerkrone pro Sekunde bis zu 1.100 m³ abgelassen werden. Sollte auch dies nicht ausreichen, stehen in der Mitte der Staumauer zusätzlich acht Notauslässe zur Verfügung, durch die sekundlich insgesamt 440 m³ herausgelassen werden können. Zusammengerechnet ergibt dies mit dem zuvor erwähnten Turbinendurchlass 1.744 Kubikmeter pro Sekunde.

Niedrigwasser

Die Eder bei Niedrigwasser des Stausees nahe Asel

Ab dem Spätsommer und während des Herbsts fallen oftmals große Teile des Edersees trocken, da Wasser abgelassen wird. Auf dem Seeboden entwickelt sich eine grüne Vegetation durch Sumpfgräser.

Bei extremem Niedrigwasser werden die Überreste der ehemaligen Dörfer, die Bericher Klosterkirche, der Friedhof Bringhausen und die alte, noch gut erhaltene und begehbare Ederbrücke bei Asel und andere Anlagen – wie das Sperrmauermodell (Maßstab 1:40; entsprechend 219,9 m ü. NN Pegelhöhe) beim ehemaligen Berich – wieder sichtbar. 2002 fiel in der Region um den Ederkopf, vor allem aber in Nordhessen, kaum Regen. Das folgende Winterhalbjahr war recht niederschlagsarm und im Jahr 2003 während des „Jahrhundertsommers“ gab es dort wenig Niederschlag, so dass die normalerweise vom Stausee überfluteten Dörfer über Monate trocken lagen.[5] Den tiefsten Wasserstand erreichte der Stausee mit 19,9 Mio. m³ (entsprechend 217,82 m ü. NN Pegelhöhe) im November 2003, ehe er nach einem regenreichen Winter Ende März 2004 wieder komplett aufgefüllt war. Das Rekordniedrigwasser nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mitte Dezember 1959 gemessen: 9,1 Mio. m³ Wasser oder weniger als die Eiserner Bestand genannte Pegelhöhe von 214 m ü. NN.

Tourismus

Blick vom Wildpark Edersee nach Norden zur vom Edersee überfluteten „Dorfstelle Berich“ (mittig) und nach Waldeck-West (rechts)
Schiffsanleger mit Personenkabinenseilbahn an der Westseite der Staumauer

Nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg hat die touristische Bedeutung in der großen Region rund um den Edersee – zu der auch der Nationalpark Kellerwald-Edersee gehört – ständig zugenommen, so dass sich ein recht großes Naherholungsgebiet mit zahlreichen Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten entwickelt hat.

Insbesondere niederländische Ferienreisende kommen gern, möglicherweise auch wegen der historischen Beziehung ihres Königshauses zu Waldeck: Prinzessin Emma von Waldeck-Pyrmont wurde als zweite Gemahlin von König Willem III 1879 die Ahnherrin aller nachfolgenden niederländischen Königinnen.

Aufgrund der bergigen Landschaft und des Naturschutzgebiets, in dem der Edersee und die Waldgebiete liegen, fällt die Infrastruktur bezüglich des Straßenbaus recht spärlich aus, so dass es in Spitzenzeiten zu erheblichen Staus kommen kann. Straßen in Ufernähe führen fast um den gesamten Stausee herum.

Zahlreiche Campingplätze und zwei Jugendherbergen sowie viele Cafés, Gaststätten, Hotels, Pensionen und Restaurants sind an den Ufern zu finden. Im Sommer lädt der Edersee unter anderem an von der DLRG bewachten Badestellen zum Baden ein. Ein Aquapark (Wasserspielplatz mit Miniatur-Edersee im Maßstab 1:200) an der Westseite der Staumauer ermöglicht eine Ergänzung zum Badevergnügen im offenen Stausee. Weitere bevorzugte Sportarten am Edersee sind Tauchen, Segeln, Rudern und Angeln. Westlich unterhalb von Waldeck darf in zwei Zonen getaucht werden; in der „Zone 1“ befinden sich die Reste des Dorfs Berich – die „Dorfstelle Berich“. Für Segler bietet der See ein nicht zu anspruchsloses Revier. Der Motorbootverkehr mit Verbrennungsmotor ist verboten, dagegen ist das Befahren mit Elektro-, Tret- und Ruderbooten erlaubt, für die es Bootsverleiher gibt. Auf Ausflugsschiffen der „Personenschifffahrt Edersee“ kann bei Vollstau der gesamte See zwischen der Staumauer im Osten und dem Ederzufluss im Westen befahren werden. Sie halten an maximal acht Anlegestellen.

Blick von der Staumauer über den vereisten Edersee mit Waldeck-West im Hintergrund

Im Winter lockt der zugefrorene Edersee unter dem Stichwort „Singender See“ Besucher an: Durch die starken Diskrepanzen zwischen Nachtfrösten und Tagestemperaturen im positiven Bereich bei Sonneneinstrahlung sowie bedingt durch schwankende Wasserstände reiben sich die Eisschollen aneinander, was ein röhrend-hallendes, weithin hörbares Geräusch verursacht.

Das Terrassenhotel mit Gaststätte am Ostufer der Staumauer war schon eine touristische Einrichtung der Weimarer Republik (Bauzeit 1931/32). Nach seiner Zerstörung durch den britischen Fliegerbombenangriff im Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau in den 1950er Jahren.

Seit 2005 existiert der Urwaldsteig Edersee („UE“), der als Wanderweg auf etwa 68 km Länge rund um den Edersee führt, wobei er durch die Trockeneichenwälder am nördlichen Ufer und durch den südlich des Stausees gelegenen Nationalpark Kellerwald-Edersee verläuft. 2006 wurde der Ederseeradweg („ER11“) auf vielerorts asphaltierter und weitgehend autofreier Strecke eingeweiht, der – je nach Routenwahl – als maximal auch etwa 68 km langer Radweg rund um den Edersee führt. Beide Wege verlaufen über die Staumauer und sind mancherorts nicht direkt entlang der Uferlinie (69,4 km lang) des Stausees angelegt, sondern sie führen abkürzend über nahe Anhöhen. Möglich ist es per zuvor genannten Ausflugsschiffen, der „Fähre Asel“ oder der „Fähre Rehbach“ abzukürzen. Anschluss an diese Wege haben unter anderem die teils kreuzenden Fuß- und Radwanderwege Ederauenradweg und der besonderes durch den Kellerwald führende Kellerwaldsteig (ca. 156 km lang).

Fauna

Neben den üblicherweise in der Gegend vorkommenden Wildtieren wurde im Nationalpark Kellerwald-Edersee eine Wildkatze nachgewiesen.[6] Bemerkenswert ist außerdem eine der größten Waschbärenpopulation in Mitteleuropa.

Fische

Aufgrund der hohen Staumauer der Edertalsperre ist die Fischwanderung zum und aus dem Edersee (zum Beispiel für Lachse) flussabwärts nicht möglich. Jedoch hat sich innerhalb des Stausees eine recht vielfältige Fischwelt aus Raub- und Weißfischen entwickelt. Nicht selten kommt es vor, dass wuchtige Hechte gesehen und auch gefangen werden.

Zuflüsse und Abfluss

Abfluss der Eder südöstlich der Staumauer

Zu den Fließgewässern des Edersees − seine Zuflüsse und sein Abfluss − gehören mit Länge in Kilometer (km) und Mündungsgebiet (alphabetisch sortiert):

Zuflüsse:

  • Aselbach (6,55 km); mündet von Norden bei der „Dorfstelle Asel“ bei Vöhl-Asel in einen Stausee-Nordarm
  • Banfebach („Banferbach“; 7,2 km); mündet von Süden südöstlich von Asel-Süd beim „Fischhaus Banfe“ in einen Stausee-Südarm
  • Bärenbach (4,1 km); mündet von Süden südlich von Asel-Süd in eine kleine Bucht des Stausees
  • Bärentalsbach (1,95 km); mündet westlich der nahe Waldeck-West gelegenen „Dorfstelle Berich“ von Norden in einen Stausee-Nordarm
  • Eder (176,1 km); mündet als Hauptzufluss von Süden bei Vöhl-Herzhausen in das Westende des Stausees; ist einziger Abfluss (Osten)
  • Hundsbach (2,1 km); mündet von Süden südwestlich von Asel-Süd beim „DRK-Zentrum Albert Schweitzer“ in den Stausee
  • Itter (11,6 km); mündet von Norden bei Vöhl-Herzhausen in das Westende des Stausees
  • Mellbach (2,1 km); mündet von Süden östlich von Edertal-Bringhausen in den Stausee
  • Mombeck (2,55 km); mündet von Westen bei Herzhausen in das westliche Ende des Stausees
  • Rehbach (0,9 km); mündet von Osten bei Edertal-Rehbach in einen Stausee-Südarm
  • Reiherbach (8,4 km), mündet von Nordosten bei Nieder-Werbe (zu Waldeck) in einem Stausee-Nordarm in ein Stausee-Vorbecken
  • Werbe (13,25 km); mündet von Norden in ein auch bei Nieder-Werbe gelegenes, benachbartes Stausee-Vorbecken

Abfluss:

  • Eder (176,1 km), einziger Abfluss, an der Staumauer am Ostende des Stausees; ist ein Zufluss der Fulda

Ausflugsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten

Zu den Ausflugsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten am und im Edersee und in ihn umgebender Region gehören (alphabetisch sortiert):

am Edersee

Sehenswürdigkeiten am, nahe dem beziehungsweise rund um den Edersee:

im Edersee

Sehenswürdigkeiten im Edersee oder nahe der Eder (zu sehen bei jedem Wasserstand):

Sehenswürdigkeiten im Edersee beziehungsweise an/nahe der Eder (zu sehen bei Niedrigwasser):

  • „Alt-Asel“ mit nahem Denkmal „Dorfstelle Asel“, bei Asel
  • „Aseler Brücke“ (verbindet Asel mit Asel-Süd; gut erhalten), bei Asel
  • „Alt-Bringhausen“ mit „Friedhof Bringhausen“ und nahem Denkmal „Dorfstelle Bringhausen“, bei Bringhausen
  • „Alt-Berich“ mit „Friedhof Berich“ und nahem Denkmal „Dorfstelle Berich“, westlich von Waldeck-West
  • „Bericher Brücke“, bei „Alt-Berich“, westlich von Waldeck-West
  • „Bericher Hütte“, nördlich von Waldeck-Scheid, westlich von „Alt-Berich
  • „Brücke Bringhausen“ (verband Bringhausen mit Waldeck-Scheid; Pfeiler und Widerlager sind erhalten), bei Bringhausen
  • „Durchbruchstelle der Schleppbahn“, der für den Staumauerbau benutzten Gütereisenbahnstrecke künstlich angelegte Felsdurchbruch zwischen der Hammerbergspitze (beim Wildpark Edersee) und den normalerweise überfluteten Hopfenbergen (bei einstiger Stollmühle)
  • „Gut Vornhagen“ (einst aus zwei Gebäuden bestehend), unterhalb vom Schloss Waldeck
  • „Sperrmauermodell“ des Absperrbauwerks Edertalsperre (Maßstab 1:40), das zum Testen der Wasserablässe gebaut wurde; nördlich von Waldeck-Scheid, westlich der Bericher Hütte
  • „Stollmühle“, unweit der Staumauer, nahe dem Wildpark Edersee an der Hammerbergspitze
  • „Werbebrücke“ (verbindet die Halbinsel Scheid mit der Bericher Hütte), nördlich von Waldeck-Scheid, südlich der Bericher Hütte

in der Region

Sehenswürdigkeiten in der den Edersee umgebenden Region:

  • Bad Arolsen – nördlich des Edersees; mit schönem Residenzschloss
  • Bad Wildungen – südöstlich des Edersees; Kurstadt
  • Diemelsee – nordwestlich des Edersees; Stausee
  • Frankenberg – südwestlich des Edersees; mit Altstadt und dem bekannten Fachwerkrathaus
  • Fritzlar – östlich des Edersees; Dom- und Fachwerkstadt mit größtenteils erhaltener Stadtmauer
  • Korbach – nord-nordwestlich des Edersees; Hansestadt mit viel Fachwerk und gut erhaltenen Stadtmauerteilen
  • Twistesee – nördlich des Edersees; Stausee
Lichtkunstwerk unterhalb der Staumauer (2007)

Ehemalige Kunstwerke am Edersee

Vom 7. Juli bis 15. September 2002 war die Edertalsperre luftseitig mit von der Mauerkrone bis zum Mauerfuß abgespannten, magentafarbigen, grüngepunkteten und zugleich transparenten Tüchern auf insgesamt 15.000 m² Fläche verhüllt − ein Werk des Künstlers Gerhard Hesse aus Edertal-Wellen. Abends bis Mitternacht wurde die Luftseite der Mauer angestrahlt, so dass alles kräftig leuchtete.

Vom 4. August bis 19. September 2007 war am Fuß der Staumauer auf dem Gelände von E.ON ein Kunstwerk mit dem Namen „Elektrisierte Wäschespinnen auf Ton“ von den Künstlern Gerhard Hesse aus Edertal-Wellen und Kanae Kato aus dem japanischen Osaka installiert. Dabei ging es um den Gegensatz von Natur und Technik. Von Dämmerungsbeginn bis Mitternacht leuchteten die Wäschespinnen rot.

Verkehrsanbindung

Zu erreichen ist der Edersee auf mehreren Landes- oder Kreisstraßen, die von der westlich in Nord-Süd-Richtung bei Herzhausen den Stausee tangierenden B 252, von der etwas nördlich verlaufenden B 251 und von der etwas nordöstlich am Stausee vorbei führenden B 485 abzweigen:

Beide Bundesstraßen verbindet zwischen Herzhausen im Westen − vorbei an der Staumauer und entlang des Affolderner Sees − sowie Affoldern und Mehlen im Osten eine durchgängige Straße (L 3084 − L 3086), die teilweise entlang dem Nordufer des Stausees führt und sich abschnittsweise die Strecke mit der Ferienstraße Deutschen Fachwerkstraße teilt. Entlang seinem Südufer führt von Westen von Herzhausen über Harbshausen nach Asel-Süd und von Osten von Hemfurth-Edersee über Rehbach nach Bringhausen jeweils eine Sackgasse.

Zudem gibt es in der Ederseeregion − wie im obigen Absatz Tourismus anreißend beschrieben − zahlreiche Rad- und Wanderwege.

Früher verlief mehrere Kilometer entfernt vom Edersee die von Bad Wildungen durch das unterhalb der Staumauer gelegene Edertal und dann weiter nach Korbach führende Ederseebahn östlich und nördlich am Stausee vorbei; derzeit wird sie zum abschnittsweise bereits eröffneten Ederseebahn-Radweg umgebaut.

Film und Spiel

Der im Zweiten Weltkrieg durchgeführte Angriff auf die Edertalsperre (siehe oben) wurde 1954 für den britischen Spielfilm „Mai 1943 – Die Zerstörung der Talsperren“ („The Dam Busters“) von Michael Anderson nachgestellt.

Zudem ist der Angriff auf die Talsperre Bestandteil des Computerspiels „Call of Duty 1“. Die dortige Mission ist allerdings rein fiktional und hat nichts mit dem wahren Angriff gemein.

Siehe auch

Literatur

  • Als die Sperrmauer brach - Ein Bericht über die Zerstörung der Edertalsperre am 17. Mai 1943 und den Wiederaufbau im Edertal, Roland Gööck, Wilhelm Bing Verlag, Korbach, 1953
  • Talsperren in der Bundesrepublik Deutschland, Peter Franke, Wolfgang Frey, DNK - DVWK 1987, ISBN 3-926520-00-0
  • Radwanderkarte - Leporello Eder-Radweg, Edersee-Rundweg, Maßstab 1:50.000, ISBN 978-3-89920-509-1

Einzelnachweise

  1. DIN 4048-1 Wasserbau, Begriffe, Stauanlagen, Jan. 1987
  2. Mike Burkhardt (Hrsg.): Ferne Zeiten, nahe Ziele. Geschichte in und um Kassel erleben. Kassel University Press, Kassel 2010, ISBN 978-3-89958-952-8, S. 87.
  3. http://www.faz.net/artikel/C30840/abgelassenes-wasser-die-welle-aus-dem-edersee-schwappt-in-die-politik-30486332.html
  4. http://www.michael-kranz.de/eon.html Die Kraftwerke von E.ON am Edersee
  5. Bilder vom Niedrigwasserstand am 23. August 2003
  6. http://www.kellerwald-urlaub.de/FAZ_Wildkatze.pdf

Weblinks

 Commons: Edersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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