Zerbst/Anhalt

Zerbst/Anhalt
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Zerbst/Anhalt
Zerbst/Anhalt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Zerbst/Anhalt hervorgehoben
51.96805555555612.08444444444467
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Anhalt-Bitterfeld
Höhe: 67 m ü. NN
Fläche: 467,65 km²
Einwohner:

23.167 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39261, 39264
Vorwahlen: 03923, 039243, 039244, 039246, 039247, 039248
Kfz-Kennzeichen: ABI
Gemeindeschlüssel: 15 0 82 430
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schloßfreiheit 12
39261 Zerbst/Anhalt
Webpräsenz: www.stadt-zerbst.de
Bürgermeister: Helmut Behrendt (FDP)
Lage der Stadt Zerbst/Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld
Aken Bitterfeld-Wolfen Südliches Anhalt Südliches Anhalt Köthen Muldestausee (Gemeinde) Osternienburger Land Südliches Anhalt Raguhn-Jeßnitz Sandersdorf-Brehna Südliches Anhalt Südliches Anhalt Zerbst/Anhalt Zörbig Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild

Zerbst/Anhalt ist eine Stadt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Land Sachsen-Anhalt. Mit 467,65 km² ist Zerbst die nach Fläche fünftgrößte Kommune in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Zerbst liegt etwa 13 km nördlich der mittleren Elbe, etwa auf halbem Wege zwischen den Städten Magdeburg und Wittenberg. In Zerbst vereinigt sich der südliche Nuthearm mit den von Norden kommenden nördlichen und mittleren Nuthe-Zuflüssen. Das Gelände um Zerbst fällt von Osten nach Westen allmählich in Richtung Elbauen ab.

Stadtgliederung

Am 1. Januar 2010 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe aufgelöst. 21 Gemeinden mit ihren Ortsteilen kamen so zur Einheitsgemeinde Stadt Zerbst/Anhalt.

Zu Zerbst gehören die Ortsteile


Geschichte

Frühzeit

Vorgeschichtliche Funde im Gebiet der heutigen Stadt Zerbst lassen eine Besiedlung (Schnurkeramiker) seit dem Ende der Jungsteinzeit, etwa 3000–2000 v. Chr., nachweisen. In späterer Zeit ist die wechselnde Besiedlung germanischer Stämme (Sueben, Wandalen und Hermunduren) festzustellen. Nach der Wanderungsbewegung der Germanen nach Süd- und Osteuropa im Zuge der Völkerwanderung rückten im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. slawische Stämme nach Westen in das zumeist frei gewordene Siedlungsgebiet vor. Im 8. Jahrhundert hat sich die Elbe als Grenzfluss zwischen den deutschen Stämmen im Westen und den Slawen (im Wesentlichen Sorben) im Osten manifestiert.

Mittelalter

Infolge des permanenten Grenzkonflikts zwischen den benachbarten Völkern begannen die Slawen im 9. und 10. Jahrhundert ihr Siedlungsgebiet politisch und militärisch abzusichern. Im Zuge der deutschen Ostkolonisation gelangt das unmittelbar ostelbische Gebiet zunächst unter deutsche Verwaltung. In diese Zeit fällt die erste urkundliche Erwähnung des Gaues Ciervisti im Jahr 949, der bereits den späteren Stadtnamen Zerbst erkennen lässt. Infolgedessen kann angenommen werden, dass bereits eine namensgebende (befestigte) slawische Siedlung als Gau-Hauptort existierte. Weiterhin zeugt eine Urkunde aus dem Jahr 1003 davon, dass ein Territorium Zerbiste dereinst dem Herrschaftsbereich des Markgrafen Gero des Großen zugeordnet war. Der allgemeine Slawenaufstand revidierte die Machtverhältnisse wieder zugunsten der Slawen und in der Folgezeit bestimmten stetige Grenzkriege das Geschehen in der Region.

Mittelalterliches Heidetor, Teil der ehemaligen Stadtbefestigung

Der Ort urbs Zirwisti selbst findet seine erste Erwähnung in der Chronik des Thietmar von Merseburg (1018). Er berichtet, dass der polnische Herzog Boleslaw I. während eines Konflikts mit Heinrich II. im Jahre 1007 den Ort einnahm und deren Einwohner teilweise verschleppte. Im frühen 12. Jahrhundert lassen sich erneute deutsche Kolonisationsbestrebungen im Zerbster Gebiet nachweisen, da einige unmittelbar angrenzende Dörfer dem Besitz der Magdeburger Nicolaikirche zugeordnet werden. Der Askanier Albrecht der Bär ließ anstelle der slawischen Wasserburg eine neue Burg erbauen. Östlich davon entstand eine Burgsiedlung mit der 1215 geweihten Bartholomäus-Kirche. Dazu kam eine Marktsiedlung mit der Pfarrkirche St.Nikolai. 1235 wurde das Franziskanerkloster St. Johannes gegründet. Um 1250 erbaute man die erste Stadtmauer. 1307 erwarb Albrecht I. die Stadt Zerbst von den Herren von Barby. Damit begann die askanische Herrschaft.

Zerbst um 1650 (Kupferstich von Matthäus Merian

Neuzeit

Mitte des 14. bis Ende des 15. Jahrhunderts kämpfte Zerbst mit dem Fürstenhaus um städtische Freiheiten. 1506 kam es zu einem schweren Stadtbrand. 1522/26 wurde die lutherische Reformation eingeführt.

Francisceum, ältestes Gymnasium in Sachsen-Anhalt

Von 1582 bis 1798 existierte das Francisceum als Gymnasium illustre, eine bedeutende Hochschule der Zeit, welche im gesamten mitteleuropäischen philippistisch-calvinistischen Bereich eine große Ausstrahlung hatte. Von 1603 bis 1793 war Zerbst Residenz des Fürstentums Anhalt-Zerbst, zu dessen Gebiet unter anderem auch die Herrschaft Jever gehörte. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu einem Niedergang der Stadt. 1681 wurde mit dem Bau des repräsentativen Schlosses anstelle der Wasserburg begonnen.

Von 1722 bis 1758 war in Zerbst der bedeutende Barockkomponist Johann Friedrich Fasch Hofkapellmeister. Ihm zu Ehren finden seit 1983 Fasch-Festtage statt. 1745 heiratete Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst den russischen Thronfolger Peter III.. Als Katharina II. (die Große) bestieg sie selbst 1762 den Zarenthron und regierte bis 1796 Russland. 1797 wurde Zerbst Bestandteil des Fürstentums Anhalt-Dessau. Von 1891 bis 1928 verkehrte mit der Zerbster Straßenbahn eine Pferdebahn in der Stadt, die zu den Pferdebahnen gehörte, die in Deutschland am längsten betrieben wurden.

Ab 1935 wurde im Rahmen der deutschen Wiederaufrüstung in unmittelbarer Nähe der Stadt ein Militärflugplatz der Luftwaffe angelegt. Vom Herbst 1940 bis zum Herbst 1944 war die Jagdfliegerschule 2 dort stationiert und mit der Pilotenschulung beauftragt. Gegen Kriegsende im März/April 1945 waren weiterhin mit Strahljägern des Typs Me 262 ausgerüstete Luftwaffeneinheiten (KG (J) 54, 1. NAGr) auf dem Flugplatz stationiert. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde am Rande des Militärflugplatzes ein Arbeitslager der Organisation Todt für sogenannte „jüdische Mischlinge ersten Grades“ und „jüdisch Versippte“ aus Mischehen errichtet. 700 Männer wurden von dort zur Zwangsarbeit beim Straßenbau, Flughafenbau und Torfstechen eingesetzt.

Besonders am 16. April 1945 wurde Zerbst durch alliierte Luftangriffe zu 80 Prozent zerstört. Es brannte vier Tage lang, unterstützt durch anhaltenden amerikanischen Artilleriebeschuss. 574 Menschen fanden den Tod.[2] Die Altstadt wurde in den folgenden Jahrzehnten unter wesentlicher Veränderung des Stadtbildes wieder aufgebaut. Eine Reihe von historischen Bauten sind erhalten geblieben oder wiederhergestellt worden. Von 1991 bis 2008 wurden 15 Millionen Euro in die Sanierung der Altstadt investiert.

Zu einer Namensänderung kam es am 1. Juli 2006, als sich die Stadt von Zerbst in Zerbst/Anhalt umbenannte.[3] Am 1. Juli 2007 wurde die Stadt Zerbst/Anhalt nebst einigen Gemeinden des bisherigen Landkreises Anhalt-Zerbst in den neu gegründeten Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit der Kreisstadt Köthen eingegliedert.

Eingemeindungen

Pulspforde wurde am 1. April 2002 eingemeindet.[4] Bias und Luso folgten am 1. Januar 2005.[5] 21 Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe kamen am 1. Januar 2010 hinzu.[6]

Gedenkstätten

  • Denkmal von Professor Gustav Weidanz aus dem Jahre 1951 auf dem Platz Roter Garten für die Opfer des Faschismus, in der Gruft darunter eingefügt vier Urnen mit der Asche von 74 polnischen Häftlingen des Lagers Straguth
  • Gedenkstätte auf dem Heidetorfriedhof für Opfer des NS-Terrors und für Widerstandskämpfer, darunter die Zerbster Kommunisten Max Sens, Fritz Brandt, Max Kilz und Otto Hörnicke
  • Gedenkstein auf dem Hof der Schule an der Schloßfreiheit, die zu DDR-Zeiten den Namen von Max Sens trug
  • Denkmal von dem Bildhauer Lutz Gaedicke aus dem Jahre 1970 am Francisceum Sek II (zu DDR-Zeiten Albert-Kuntz-Schule), Am Weinberg 1, zur Erinnerung an den kommunistischen Widerstandskämpfer Albert Kuntz, der 1945 im KZ Dora-Mittelbau ermordet wurde
  • Gedenktafel aus dem Jahre 1976 an den Grundmauerresten der Feldscheune von Straguth an die 200 polnischen Gefangenen, die hier elend zugrunde gingen
  • Gedenkstein auf dem „Alten Russenfriedhof“ (im Volksmund auch „Muchelnfriedhof“ genannt) zur Erinnerung an 21 sowjetische Sanitätssoldaten, die gegen Kriegsende Opfer eines Luftangriffs wurden
Trinitatiskirche
Bartholomäuskirche
Schlossruine
Schlossfreiheit, barocke Kavaliershäuser
Nikolaikirche

Religionen

Die Mehrheit der Einwohner ist konfessionslos.

Evangelische Kirche

  • Evangelisches Pfarramt St. Nicolai und St. Trinitatis
  • Kirchengemeinde St. Bartholomäi
  • Kirchengemeinde St. Marien

Katholische Kirche

  • Katholisches Pfarramt Jakobus der Ältere

Freikirchen

Sehenswürdigkeiten

  • Die Roland-Statue am Marktplatz wurde 1445 als Sinnbild der Stadtfreiheit als 9 m hohe Sandsteinfigur von Meister Curd errichtet. Die Figur erhielt später einen Baldachin und einen Eisenzaun mit anhaltischen Bären an den Ecken. 1945 beschädigt, wurde der Roland 1980 restauriert.
  • Die Butterjungfer am Markt ist eine vergoldete Metall-Figur auf einer Säule. Sie ist seit 1403 nachweisbar, die heutige Figur stammt von 1647.
  • Die Zerbster Wasserjette wurde als Brunnenfigur in Erinnerung an Henriette Schulze, ein Zerbster Original, errichtet.
  • Frauentor-Friedhof: er wurde 1595 als Friedhof für die St.Bartholomäus-Gemeinde angelegt und 1816 umgestaltet. Auf den Friedhof führt ein Sandsteinportal. Er weist zahlreiche historische Grabdenkmäler auf, darunter einige aus der Barock-Zeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
  • Das Katharina-Denkmal befindet sich im Zerbster Schlossgarten. Es soll an die russische Zarin Katharina II. erinnern, die als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst von 1742 bis 1744 in Zerbst lebte. Die aus Bronze gegossene, 4,70 m große Statue wurde von dem Moskauer Bildhauer Michail Perejaslawez geschaffen und am 9. Juli 2010 eingeweiht.

Bauwerke

  • Das ab 1681 errichtete Residenzschloss der Fürsten von Anhalt-Zerbst war eine große dreigeschossige, dreiflügelige Anlage mit Mittelrisaliten. Es wurde nach Plänen von Cornelis Ryckwaert erbaut und nach dessen Tod von G. Simonetti fortgeführt. Der Westflügel entstand 1705 bis 1711 und enthielt die Schlosskapelle mit Gruft der Zerbster Askanier. Das Corps de logis war dominant durch seinen Turm von Johann Christoph Schütze. Der Ostflügel wurde 1744 bis 1747 nach Entwürfen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausgeführt, wie auch die Dekoration des Audienz-Saals. Das Schloss enthielt bedeutende Zeugnisse der friderizianischen Rokoko-Raumkunst von Johann Michael Hoppenhaupt. Es beherbergte zuletzt das Anhaltische Staatsarchiv, das Zerbster Stadtarchiv und das Anhaltische Landesmuseum. Das Schloss wurde am 16. April 1945 durch einen Luftangriff zerstört und nach 1945 bis auf den Ostflügel abgetragen. Dieser ist als Ruine erhalten. Um den fortschreitenden Verfall der Bausubstanz zu stoppen, wurden auf Initiative eines Fördervereins im Jahre 2005 Sicherungsarbeiten mit dem Ziel eines späteren Wiederaufbaus eingeleitet.
  • Im Schlossgarten befindet sich die ehemalige Fürstliche Reitbahn, heute restauriert als Stadthalle genutzt
  • Die Schlossfreiheit, 1710 bis 1713 von Johann Tobias Schuchardt mit zwei barocken Kavaliershäusern erbaut, war zunächst Wohngebäude höchster Hofbeamter und später zu Verwaltungszwecken genutzt. Sie brannte am 19. April 1945 nach einem Luftangriff aus und wurde 1958 bis 1960, äußerlich in alter Form, wieder aufgebaut.
  • Die ehemalige Schlosswache befindet sich auf der rechten Seite der Schlossfreiheit.
  • Die Trinitatiskirche wurde 1683 bis 1696 nach Plänen des Baumeisters Cornelis Ryckwaert für die Lutheraner als kreuzförmiger Zentralbau im Barockstil errichtet. Bei einem Luftangriff am 14. April 1945 wurde sie schwer beschädigt, am 16.April brannte sie samt wertvoller Innenausstattung aus. 1951 bis 1967 erfolgte der Wiederaufbau unter Verzicht auf die Emporen.
  • Die Nikolaikirche war eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche, die ab 1430 als Stadtkirche erbaut wurde. Sie hatte eine reichhaltige Innenausstattung. Am 16. April 1945 brannte die Kirche bei einem Luftangriff bis auf die Umfassungsmauern aus und ist seither eine Ruine. Der Mittelturm wurde gesprengt, sodass nur noch der Nord- und der Südturm zu sehen sind. Seit 1991 finden Sicherungsarbeiten statt, an welchen unter anderem die Deutschen Stiftung Denkmalschutz beteiligt ist. Im Nordturm wurde eine Glockenstube eingerichtet. Dort wurde am 1. September 2007 die erste sanierte Glocke wieder eingebaut. Es folgten bis 2008 zwei weitere sanierte und eine neue Glocke, die durch einen Sponsor finanziert in Lauchhammer hergestellt wurde. Eine fünfte, ebenfalls historische Glocke steht zum Einbau bereit. Es ist geplant, sie im Südturm einzubauen. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1378, die beiden anderen bereits installierten historischen Glocken aus den Jahren 1447 und 1660.[7]
  • St.-Bartholomäi-Kirche: Der Vorgängerbau, eine romanische Feldsteinbasilika, wurde um 1215 geweiht. Der Umbau zur dreischiffigen Hallenkirche erfolgte im 15. Jahrhundert, unter Nutzung des Feldsteinmaterials der ursprünglichen Kirche. Weitere Um- und Anbauten in den folgenden Jahrhunderten. 1700 Anfügung der Fürstengruft in der Hof- und Stiftskirche. Der freistehende Glockenturm aus Feldsteinen erhielt diese Funktion im 15. Jahrhundert, vorher war der Dicke Turm wohl der Bergfried des Burgbezirks. Im 16. Jahrhundert bekam er einen Renaissance-Aufbau. Kirche und Turm brannten durch Artilleriebeschuss am 18. April 1945 mitsamt der sehr wertvollen Innenausstattung aus.[8] Chor und Querschiff wurden wiederaufgebaut, das Langhaus ist gesicherte Ruine. Der Turm erhielt ein einfaches Zeltdach.
  • Die Marienkirche im Ankuhn war die Pfarrkirche des Ankuhn. Ursprünglich als Feldsteinkirche erbaut, erfuhr sie spätere Umbauten und Erweiterungen. Bei dem Luftangriff am 16. April 1945 wurde sie bis auf die Umfassungsmauern zerstört und damit zur Ruine. Nur der Chor erhielt ein Notdach. Er wurde 1991 durch eine Glas-Stahl-Wand vom Kirchenschiff getrennt und danach wieder zu Gottesdiensten genutzt. Neben der Kirche steht ein hölzerner Turm mit einer kleinen Glocke aus der Klosterzeit um 1250.
  • Das Francisceum Zerbst war ein 1235 gegründetes Franziskaner-Kloster. Es ist mit Kreuzgängen und Gewölben sehr gut erhalten und wird als Gymnasium und Museum der Stadt Zerbst, auch mit historischer Bibliothek, genutzt.
  • Im ehemaligen Augustiner-Kloster predigte Martin Luther. Die Reste der Gebäude sind im heutigen Alten- und Pflegeheim enthalten.
  • Kleiner und Großer Klosterhof: Reste eines früheren Zisterzienserinnen-Klosters
  • Fachwerkhäuser auf der Breite
  • Das Portal des Hauses Mühlenbrücke 60 stammt von 1667 und zeigt prächtige Schnitzereien.
  • Die Stadtbefestigung mit 4,2 km langer Stadtmauer, Toren und Türmen -hauptsächlich von 1430 bis 1434- ist größtenteils erhalten oder nach den Zerstörungen im April 1945 wiederhergestellt worden. Der hölzerne Teil der Wehrgänge brannte ab, eine kurze Strecke wurde wiederaufgebaut. Die Fachwerk-Laternen mit welschen Hauben des Frauentors und Breite-Straßen-Tors wurden vernichtet und durch einfache Dächer ersetzt. Das Heide-Tor ist das besterhaltene Stadttor.
  • Postgebäude von 1897 im Stil des Historismus
  • Landratsamt um 1900 im Jugendstil erbaut

Zerstörte und nicht wiedererrichtete Bauten

Zerbst im Juni 1907 (Festumzug)

Bis zur Zerstörung am 16. April 1945 bot die Zerbster Altstadt ein geschlossenes historisches Stadtbild mit Gebäuden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, insbesondere viele Fachwerk- und Renaissancebauten. Vollkommen zerstört und danach abgetragen wurden unter anderem:

  • Das Rathaus: war als Backsteinbau im 15. Jahrhundert errichtet, später erweitert und mehrfach renoviert worden. Es hatte ein schönes Renaissance-Portal. Das Rathaus beherrschte zusammen mit der dahinter liegenden Nicolaikirche im Norden den Marktplatz, das Zentrum der Bürgerstadt. Am 16. April 1945 brannte es aus, die Ruine wurde abgetragen.
  • Das Neue Haus (Markt 11, Ecke Brüderstraße): 1534–1545 als Kaufhaus, Schöffengericht und Ratskeller gebaut, 1839 zur Bürgerschenke umgestaltet. Hauptportal in Renaissance-Form, andere Portale im gotischen Stil errichtet. Das Obergeschoss wurde bei einem Luftangriff am 14. April 1945 zerstört, das übrige Gebäude brannte an den beiden Folgetagen durch Artillerie-Beschuss aus. Die Ruine wurde 1967 abgetragen, das Hauptportal geborgen.
  • Die meisten Bürgerhäuser auf der Ost- und Westseite des Marktes, am Hohen Holzmarkt und Fischmarkt
  • Der größte Teil der Fachwerkhäuser in der Altstadt, darunter die Hofapotheke mit Portal von 1676, die Ratsapotheke von 1610 und die „Schleibank“. Bei den vernichteten Bürgerhäusern handelte es sich zum Teil um bemerkenswerte barocke Giebelhäuser und klassizistische Bauten.
  • Der Hauptflügel mit Turm und der Westflügel des Schlosses
  • Die Kämmerei südwestlich des Schlosses: erbaut um 1700
  • Der Marstall westlich des Schlosses mit Pferdestall und Kutschenremisen
  • Die Orangerie nördlich des Schlosses: erbaut vor 1714, umgebaut 1740 durch Johann Christoph Schütze. Die Ruine diente noch als Freilichtbühne.
  • Die Blumenmühle (Ein Schwesternbau der Blumenmühle mit gleichem Grundriss und Aussehen ist die Hintermühle in Bad Belzig. Ein Verwandter des Belziger Müllermeister Jaegers gefiel die Hintermühle so sehr, dass er sie in Zerbst nachbauen ließ und Blumenmühle nannte.)

Politik

Stadtrat

Seit der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:[9]

CDU FDP SPD Wählergruppen Die Linke Bündnis 90/Die Grünen Gesamt
7 5 5 5 4 2 28

Wappen

Das Wappen wurde am 9. Februar 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 10/1995 registriert.

Blasonierung: „In Silber eine gezinnte rote Stadtmauer mit offenem blaubedachtem Tor und aufgezogenem Fallgatter, hinter der Stadtmauer fünf ungleich große gezinnte rote Türme mit blauen Spitzdächern, darauf goldene Knäufe und Kreuze, die Stadtmauer ist belegt mit zwei Schilden: der vordere Schild ist gespalten, vorn in Silber am Spalt ein roter Adler, hinten neunmal von Schwarz und Gold geteilt, belegt mit einer grünen Raute; der hintere Schild zeigt in Silber eine schräg aufsteigende, gezinnte rote Mauer, auf deren Zinnen ein schwarzer Bär mit goldener Krone und Halsband aufsteigt.“

Die Stadtfarben zeigen Rot – Silber (Weiß).

Flagge

Die Flagge wurde am 24. Juli 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.

Die Flagge ist Rot – Weiß gestreift und mit dem Wappen der Stadt belegt.

Städtepartnerschaften

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftsstruktur

  • Diverse mittelständische Unternehmen in den Bereichen Handwerk und Dienstleistungsgewerbe
  • Standort für Unternehmen im Metallbau, Werkzeugmaschinenbau, Spezialglasverarbeitung, Fleisch- und Wurstwarenherstellung, Feinkostherstellung, Krankenhauswäscherei, Kühl- und Lagerwirtschaft

Verkehrsanbindung

Ansässige Unternehmen

  • Allfein Feinkost GmbH & Co.: Hauptsitz in Lohne, Tochterfirma der Wiesenhof Geflügel-Kontor GmbH, Hersteller von Geflügel-Feinkostprodukten für Discountmärkte (das Werk Zerbst ist eines der zwei Werke des Unternehmens.)
  • KmB: Automobilzulieferer, Hersteller von Komponenten für den Maschinenbau und die Fahrzeugindustrie
  • Werkzeugmaschinenfabrik Zerbst: Tochtergesellschaft der EMAG Gruppe, Herstellung von Dreh- und Schleifmaschinen. In den Hallen der WEMA ist auch noch die Schwesterfirma Schwäbische Werkzeugmaschinenfabrik(SW) untergebracht, diese baut Bearbeitungszenten für leichte und schwere Zerspanung.
  • Anhalter Fleischwaren GmbH Zerbster Original, Standort der Böklunder Plumrose GmbH & Co.KG mit etwa 300 Beschäftigten

Zerbster Institutionen

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Laut städtischer Satzung erlischt eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tod ihres Trägers.

  • 1893: Heinrich Christoph Stier, Gymnasialdirektor
  • 1897: Heinrich Sitzenstock, Buchdrucker und Buchhändler
  • 1898: Friedrich von Kracht, Generalmajor
  • 1907: Carl Friedrich Sandkuhl, Geheimer Kommerzienrat
  • 1925: Hermann Wäschke, Historiker, Archivrat in Zerbst, Autor und Mundartdichter
  • 1992: Erich Hänze, Kreisdenkmalpfleger

„Der Verlust des Ehrenbürgerrechts für Kriegsverbrecher wurde generell gemäß Artikel VIII, Ziffer II, Buchstabe i der Direktive 38 des Alliierten Kontrollrats in Deutschland vom 12. Oktober 1946 festgelegt. Damit ist die Ehrenbürgerschaft entzogen.“

Dies gilt für:

Töchter und Söhne der Stadt

Rolandstatue (Mitte links) und Butterjungfer-Denkmal (Mitte rechts) am Markt

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Literatur

  • H. Becker: „Geschichte der Stadt Zerbst“. Zerbst 1907
  • W. van Kempen: „Zerbst in Anhalt“. Deutscher Kunstführer 49, Augsburg 1929
  • „Zerbst, ein Führer und Heimatbuch“. Hrsg. Verkehrsverein der Stadt Zerbst. Zerbst 1936
  • K. Hoyer: „Malerische Kleinstadt. Die alte Stadt Zerbst, das mitteldeutsche Rothenburg“. In: Der Goldene Reiter 3, 1940, Heft 11, S. 299-302
  • Franz Münnich: „Die Baudenkmäler der Stadt Zerbst“. In: Zerbster Heimatkalender 1950, S. 55-60
  • „Zerbst im April 1945, eine Chronik nach Berichten von Augenzeugen“. Beiträge zur Zerbster Geschichte 2, Zerbst 1955
  • Michael Malliaris, Archäologische Entdeckungen in Zerbst, Kleine Hefte zur Archäologie in Sachsen-Anhalt, Heft 4, Halle (Saale) 2005
  • Joachim Castan: Hochschulwesen und reformierte Konfessionalisierung. Das Gymnasium Illustre des Fürstentums Anhalt in Zerbst, 1582–1652.- Halle: Mitteldeutscher Verlag 1999 (= Studien zur Landesgeschichte, 2). [Darin Geschichte zur Reformation und Konfessionalisierung der Stadt Zerbst im 16. und 17. Jahrhundert]
  • Reinhold Specht: „Geschichte der Stadt Zerbst“ in 2 Bänden. Stadt Zerbst 1998, ISBN 3-910192-66-1
  • Toni Haderer: „Der Militärflugplatz Zerbst“. Sonderausgabe Zerbster Heimatkalender, Extrapost – Verlag für Heimatliteratur Zerbst, Zerbst 2002, ISBN 3-9807104-5-9

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen; Stand: 31. Dez. 2010 (PDF; 231 KB) (Hilfe dazu)
  2. Renate Kroll: Zerbst. In Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 1, S. 275
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  7. Mitteldeutsche Zeitung – Köthener Zeitung, „Regionales – Ruine mit Glocken“, 10. März 2008, S. 12
  8. Renate Kroll: Zerbst in Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 1, S. 275-276
  9. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt 2009, Stand 8. Juni 2009

Weblinks

 Commons: Zerbst/Anhalt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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