KZ Mauthausen

KZ Mauthausen
48.25670277777814.501752777778
KZ Mauthausen (Österreich)
KZ Mauthausen
KZ Mauthausen
Lagereingang (1942/43), Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Heinrich Himmler (mitte rechts) besucht mit Ernst Kaltenbrunner (ganz links), August Eigruber, Georg Bachmayer und Franz Ziereis (ganz rechts) 1941 das KZ Mauthausen, Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Sowjetische Häftlinge vor einer Baracke
Erhängter Häftling
KZ Mauthausen nach der Befreiung am 6. Mai 1945
Verwaltungsgebäude der DEST-Werkgruppenleitung in St. Georgen/Gusen
Steinbruch „Wiener Graben“ (1941/42), Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Neuankunft sowjetischer Kriegsgefangener (Oktober 1941), Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Die Nebenlager in Österreich
Lagerbordell, Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Erschossener Mauthausener Häftling
Gefangene der Außenstelle Ebensee, Aufnahme vom 7. Mai 1945
Konzentrationslager - Frontansicht
Stacheldrahtzaun-Mahnmal
Häftlingsbaracke und Lagerstraße
Umfassungsmauer (Aufnahme 2002)
Häftlinge auf der Todesstiege
Die Todesstiege heute
„Fallschirmspringerwand“
Plan des Lagers Mauthausen (Aufnahme Mai 2010)

Das Konzentrationslager Mauthausen war das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten in den damaligen Donau- und Alpenreichsgauen, dem heutigen Österreich. Es befand sich in Mauthausen, 15 Kilometer östlich von Linz, und existierte vom 8. August 1938 bis zu seiner Befreiung durch US-amerikanische Truppen am 5. Mai 1945. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers befindet sich heute eine Gedenkstätte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Errichtung des Lagers

Am 22. März 1938, zehn Tage nach dem Anschluss Österreichs, kündigte Himmler in Linz an: "Der Führer hat genehmigt und befohlen, daß die Schutzstaffel Österreichs zwei Standarten aufstellen darf, eine Standarte der Verfügungstruppe mit 3 Sturmbannen und eine Standarte der Totenkopfverbände mit ebenfalls drei Sturmbannen, welche letztere nach Oberösterreich kommen werden"[1]

Dies war zwar nur eine indirekte Ankündigung der Errichtung des Konzentrationslagers, weil zu diesem Zeitpunkt die Totenkopfverbände der SS ausschließlich in den Konzentrationslagern eingesetzt waren; aber ebenfalls noch im März 1938 gab Gauleiter August Eigruber bekannt: "Wir Oberösterreicher erhalten aber noch eine andere, besondere Auszeichnung für unsere Leistungen während der Kampfzeit. Nach Oberösterreich kommt das Konzentrationslager für die Volksverräter von ganz Österreich."[2][3]

Gründung der Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH

Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen begann mit der Gründung einer GmbH durch die SS. Ausschlaggebend dafür war die Machterweiterung bzw. die gewollte Selbständigkeit der SS vom Staatsapparat.

Am 29. April 1938, kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich, wurde in Berlin die „Deutsche Erd- und Steinwerke, GmbH“ (DEST) gegründet. Für die DEST war es seit ihrer Gründung von Vorteil, dass die Hauptverwaltung aller Konzentrationslager bis zum 16. März 1942 erst beim SS-FHA („SS-Führungshauptamt“) und ab dem 19. März 1942 beim WVHA („SS-Wirtschafts-und Verwaltungshauptamt“) lag, einem der Hauptämter der SS.

So konnte die DEST von Anfang an auf billige Arbeitskräfte aus den Konzentrationslagern zugreifen. Eine der ersten Handlungen der DEST war unter anderem der Erwerb und die Inbetriebnahme von Steinbrüchen bei Flossenbürg, Gusen und Mauthausen. Dies war auch ausschlaggebend für die Errichtung von Konzentrationslagern nahe diesen Städten. Bei Mauthausen und Gusen lagen bedeutende Granitsteinbrüche. Granit wurde zu dieser Zeit in großen Mengen für die sogenannten „Führerbauten“ benötigt und bei Mauthausen und Gusen kam noch dazu, dass Hitler vor hatte, Linz zu einer „Führer-Stadt“ zu machen, wofür auch Unmengen von Granit gebraucht wurden. Mauthausen und Gusen liegen nur 20 Kilometer östlich von Linz an der Donau.

Einrichtung der Lager

Am 16. Mai 1938 nahm die SS den Steinbruch Mauthausen mit 30 Zivilarbeitern in Betrieb und am 18. August 1938 fand die endgültige Übergabe der Steinbrüche an die DEST statt. Die Steinbruchbetriebe in Gusen wurden parallel dazu ebenfalls bereits am 25. Mai 1938 durch die DEST durch Kauf und später durch Enteignung erworben und bildeten in weiterer Folge das Zentrum der Granitwerke Mauthausen mit Werkgruppenleitung in St. Georgen/Gusen.[4]

Die ersten Häftlinge in Mauthausen waren 300 österreichische und einzelne deutsche Polizei-Sicherungsverwahrungs-Häftlinge und kamen am 8. August 1938 aus dem KZ Dachau im Konzentrationslager an. Mit ihnen kamen auch die ersten Bewacher von SS-Totenkopfverbänden. Kommandant des Lagers war zu Beginn Albert Sauer.

Am 27. November 1938 traf der erste Zug mit Häftlingen am Bahnhof Mauthausen ein.

Stammlager Mauthausen - Lagerstufe III

Häftlingsbrief aus dem Stammlager Mauthausen
Briefmarke der DDR, 1978

Am 9. Februar 1939 wurde Franz Ziereis Lagerkommandant.

Das Konzentrationslager Mauthausen wurde ab März 1939 zu einem selbstständigen Lager erweitert.

Bis 1945 wurden nach Mauthausen und in seine Nebenlager etwa 200.000 Personen deportiert. Unter ihnen befanden sich Menschen mit über 30 verschiedenen Nationalitäten. Etwa 2,5 Prozent der Insassen waren Frauen. Es wurden auch Jugendliche und Kinder inhaftiert und ermordet. Die letzte Häftlingsnummer - 139.317 - wurde am 3. Mai 1945 ausgegeben, wobei die sowjetischen Kriegsgefangenen, die durch die Aktion Kugel ermordet wurden, nicht gezählt wurden.

Das Konzentrationslager Mauthausen war aus nicht bekannten Gründen das einzige Konzentrationslager der Kategorie III auf dem Gebiet des Reiches. Die Kategorie III bedeutete Vernichtung durch Arbeit. Ein Grund dafür kann die isolierte Lage des Lagers an den Steinbrüchen sein. Wörtlich heißt es in dem Erlass von Reinhard Heydrich (Chef der Sicherheitspolizei, des SD und SS-Obergruppenführer), die Lagerstufe III sei „...für schwerbelastete, unverbesserliche und auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, das heißt kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge Mauthausens“.

Insgesamt waren im Konzentrationslager 197.464 Häftlinge inhaftiert, von denen ungefähr 100.000 ermordet wurden bzw. starben.

Etwa 120.000 Häftlinge kamen so durch Zwangsarbeit in den unzähligen Kommandos und Nebenlagern des Lagers um oder wurden ermordet. Mehr als 1/3 davon in den nahegelegenen Konzentrationslagern Gusen.

Nebenlager

Hauptartikel: Liste der Außenlager des KZ Mauthausen

Das Konzentrationslager besaß 52 „Nebenlager“, die größten waren in Gusen und Melk.

Lagerbordell

Auf Befehl von Himmler entstand in Mauthausen im Juni 1942 das erste von zehn Häftlingsbordellen. Hierfür wurden Frauen gezwungen, die zur Häftlingskategorie „asozial“ gehörten. Viele dieser zur Prostitution gezwungenen Frauen kamen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Zogen sich Frauen eine Geschlechtskrankheit zu, wurden sie für medizinische Versuche zur Verfügung gestellt. Schwangere wurden einer Zwangsabtreibung unterzogen.

Bis in die 1990er Jahre galten die Betroffenen nicht als Opfer der Naziherrschaft und erhielten keine Entschädigung.[5][6][7]

Wachmannschaft

Am 23. Mai 1944 wurde SS-Obersturmführer Otto Riemer als Lagerkommandant abgesetzt. SS-Obersturmführer Anton Ganz wurde sein Nachfolger. Er hatte zuvor in Mauthausen, Ternberg und Wiener Neustadt gedient. Unter seinem Kommando standen im Mai 1944 vier SS-Führer, 128 SS-Unterführer und eine 475 Mann starke Wachmannschaft.[8]

Ausbruch und Menschenjagd

Hauptartikel: Mühlviertler Hasenjagd

In der Nacht zum 2. Februar 1945 unternahmen etwa 500 sowjetische Offiziere gemeinsam einen Fluchtversuch aus dem Todesblock 20; fast alle wurden bei der darauf folgenden dreiwöchigen Verfolgungsaktion ermordet (siehe auch die so genannte „Postenpflicht“ der KZ-Wachposten). Einige der elf Überlebenden wurden von der Bevölkerung bis zum Kriegsende versteckt oder versorgt. Große Bekanntheit erlangte dieses Kriegsverbrechen 1994 durch den Film "Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen". Im Mai 2001 wurde in Ried in der Riedmark ein erster Gedenkstein errichtet.

Befreiung

Noch vor Kriegsende sollten zusätzliche Verbrennungsöfen, die vor der Sprengung der Krematorien im KZ Auschwitz-Birkenau demontiert worden waren, aufgestellt werden. Es ist nicht erwiesen, ob dieser Plan durch den der SS angehörigen Bauleiter selbst oder durch Häftlinge bis zum Kriegsende verzögert wurde.

Noch kurz vor der Befreiung wurden im Konzentrationslager Häftlinge ermordet, deren genaue Zahl unbekannt ist.

Im April 1945 hatte die SS damit begonnen, alle Akten zu vernichten, die auf ihre Verbrechen im Lager hinwiesen. Darunter fiel auch das Abmontieren der Gaskammer, die 1941 im Keller des Krankenbaus eingerichtet worden war. Alles, was darauf hinwies, dass es eine Gaskammer war, wurde entfernt. Danach flohen die SS-Männer und die Häftlinge wurden vom Volkssturm und von der Wiener Feuerwehr bewacht.

Am 5. Mai 1945 wurde das Lager durch die vorrückenden Truppen der 11. US-Panzerdivision der 3. US-Armee befreit. Wesentlichen Anteil daran hatte Louis Häfliger, der sich als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zur Begleitung eines Lebensmitteltransports im Lager aufhielt.

Die Konzentrationslager Mauthausen sowie Gusen I, II und III waren damit die letzten, die befreit wurden.

Mauthausen-Schwur

„Der vieljährige Aufenthalt im Lager hat in uns das Verständnis für die Werte einer Verbrüderung der Völker vertieft.
Treu diesen Idealen schwören wir, solidarisch und im gemeinsamen Einverständnis, den weiteren Kampf gegen den Imperialismus und nationale Verhetzung zu führen. So, wie die Welt durch die gemeinsame Anstrengung aller Völker von der Bedrohung durch die hitlerische Übermacht befreit wurde, so müssen wir diese erkämpfte Freiheit als das gemeinsame Gut aller Völker betrachten.
Der Friede und die Freiheit sind die Garantien des Glücks der Völker, und der Aufbau der Welt auf neuen Grundlagen sozialer und nationaler Gerechtigkeit ist der einzige Weg zur friedlichen Zusammenarbeit der Staaten und Völker. Wir wollen nach erlangter Freiheit und nach Erkämpfung der Freiheit unserer Nationen die internationale Solidarität des Lagers in unserem Gedächtnis bewahren und daraus die Lehren ziehen: Wir werden einen gemeinsamen Weg beschreiten, den Weg der unteilbaren Freiheit aller Völker, den Weg der gegenseitigen Achtung, den Weg der Zusammenarbeit am großen Werk des Aufbaus einer neuen, für alle gerechten, freien Welt.
Wir werden immer gedenken, mit welch großen blutigen Opfern aller Nationen diese neue Welt erkämpft wurde.
Im Gedenken an das vergossene Blut aller Völker, im Gedenken an die Millionen, durch den Nazifaschismus ermordeten Brüder geloben wir, daß wir diesen Weg nie verlassen werden. Auf den sicheren Grundlagen internationaler Gemeinschaft wollen wir das schönste Denkmal, das wir den gefallenen Soldaten der Freiheit setzen können, errichten: DIE WELT DES FREIEN MENSCHEN.
Wir wenden uns an die ganze Welt mit dem Ruf: Helft uns bei dieser Arbeit. Es lebe die internationale Solidarität! Es lebe die Freiheit!“[9]

Gedenkstätte

Die österreichische Bundesregierung hat in einem Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers ein Museum errichtet; das übrige Lager und der angrenzende Steinbruch sind heute Mahn- und Gedenkstätte.

Viele Nationen und Opfergruppen haben auf dem Gelände für ihre Opfer und für den Befreiungskampf Denkmäler und Gedenktafeln geschaffen. Es findet sich auch ein Denkmal der DDR dort mit den Worten von Bertolt Brecht: „O Deutschland bleiche Mutter / wie haben deine Söhne dich zugerichtet / dass du unter den Völkern sitzest / ein Gespött oder eine Furcht!“

Seit einiger Zeit befindet sich auch außerhalb des Geländes ein neu errichtetes Besucherzentrum.

In dem größten Zeitzeugen-Projekt der Art nach der Shoa-Stiftung von Steven Spielberg befragte das „Mauthausen Survivor Documentation Project“ 859 Überlebende aus 20 Nationen nach demselben Muster, auch über die Zeit danach: „Wie erklären sich die Überlebenden ihr Überleben?“ 2.000 Stunden Interviews liegen auf Film und Minidisc vor. Das Besucherzentrum der Gedenkstätte zeigt 20 edierte Videos. Das unausgewertete Material harrt der Finanzierung und Übersetzung der meist muttersprachlichen Befragungen.

Der 5. Mai, der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Alliierten, wird seit 1998 in Österreich als nationaler Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begangen.

Im Jänner 2007 entstanden durch den Orkan Kyrill schwere Schäden an einigen Gebäuden des ehemaligen Konzentrationslagers, insbesondere an Baracke 1. Es wurden Maßnahmen zur Notsicherung der beschädigten Gebäude getroffen, die Restaurierung dauerte noch bis 2009 an.[10].

Im Rahmen der Neugestaltung der Gedenkstätte wird auch ein archäologisches Projekt durchgeführt.[11]

Am 27. November 2007 wurde am Bahnhof Mauthausen eine Gedenktafel enthüllt. Am 27. November 1938 kam der erste Zug hier an; zehntausende Häftlinge mussten in den folgenden Jahren den mehr als 3 Kilometer langen Weg zum Lager zu Fuß zurücklegen.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Februar 2009, am Vorabend zum Gedenken an den Beginn des österreichischen Bürgerkrieges 1934, wurde die Außenmauer der Gedenkstätte erstmals mit rechtsextremistischen Parolen beschmiert.[12][13]


Das Hauptlager

Die Errichtung des Lagers

Die Aufgabe der ersten Häftlinge war es, die ersten 4 Baracken zu bauen und im Steinbruch zu arbeiten. Einige Monate später hatte das Lager schon 14 Baracken und ein Großteil der Häftlinge wurde im Steinbruch eingesetzt.

Das Lager wurde später in drei Teile geteilt: Lager I, II und III:

Als erstes wurde das Lager I errichtet. Diese ersten 20 Baracken wurden in den Jahren 1938 bis 1940 erbaut. Lager II bestand aus den Baracken 21 bis 24 und wurde im Jahre 1941 gebaut und Lager III bestand nur aus 6 Baracken und wurde im Frühjahr 1944 erbaut.

Außerdem gab es noch das absichtlich irreführend so genannte Krankenlager das sich südlich des Lagers I befand. Dieses Krankenlager wurde zunächst auch „Russenlager“ genannt, da es im Oktober 1941 eigentlich für sowjetische Kriegsgefangene gebaut wurde. Dieser Lagerteil bestand aus 10 Baracken. Am 14. März 1943 wurden 684 Kranke aus dem Sonderrevier in das „Russenlager“ verlegt. Nun diente es als Sterbeasyl, das regelmäßig durch Selektionen oder durch „Aktionen“ zur Aufnahme weiterer ausgemergelter und kranker Gefangener vorbereitet wurde. Im Frühjahr 1944 wurden im Hauptlager 9 000 Häftlinge gezählt, von denen fast die Hälfte im Sanitätslager unversorgt vegetierten. Ende Januar 1945 kamen die meisten aus dem KZ Auschwitz und im Laufe des Februars aus Groß-Rosen und Sachsenhausen "evakuierten" Gefangenen in das Sanitätslager. Die Ankunft der evakuierten Häftlinge aus den Wiener Lagern und der Niederdonau im April verschärften die Situation noch einmal. Im Keller des Reviers wurde ein dritter Verbrennungsofen in Betrieb genommen.[14]

Neben dem Krankenlager gab es auch noch das Zeltlager, das sich nördlich des Lagers I befand. Es bestand aus sechs großen und acht kleinen Militärzelten und wurde im Dezember 1944 bezogen und gehörte bis zum 8. April 1945 zum Hauptlager.

Des Weiteren existierte ein Arrestgebäude, das 1939 bis 1940 erbaut wurde und 33 Zellen von je 5,4 m² beinhaltete. Dann gab es noch das sogenannte Revier, ein Steingebäude im Lager II, das nicht vollendet, jedoch dessen linke Hälfte aber im Jahre 1944 bezogen werden konnte.

Als letztes gab es noch die Wäscherei- und Küchenbaracken, die in den Jahren 1938 bis 1941 erbaut wurden. Eine Normal-Baracke im Lager war 52,61 Meter lang und 8,22 Meter breit. Außerdem war sie in zwei Teile eingeteilt: Stube „A“ links und Stube „B“ rechts. Jede Stube bestand aus zwei Zimmern, den Aufenthaltsräumen und einem Schlafraum. Die meisten Häftlinge durften sich allerdings nur im Schlafraum aufhalten, da der Aufenthaltsraum den Häftlingsfunktionären auch als Schlafraum vorbehalten war.

Das Hauptlager wurde durch eine 2,5 Meter hohe Umfassungsmauer mit einer Länge von 1.668 Metern gesichert. Gekrönt wurde die Mauer durch einen elektrisch geladenen Zaun mit 380 Volt. Die Ausnahme war der nördliche Teil von Lager I, wo an der Rückfront der Baracken 5, 10 und 15 nur elektrischer Zaun war. Das Krankenlager hatte zur Sicherung einen doppelten Stacheldrahtzaun, der mit Starkstrom geladen war. Die Gesamtfläche der Lager I, II und III betrug, mit dem Appellplatz zusammen, etwa 25.000 m², das Krankenlager hatte ungefähr eine Größe von 15.000 m² und das Zeltlager von 16.000 m².

Grausamkeiten der SS

Der Alltag im Lager war so ausgelegt, dass er den Häftling „zerstörte“, ihm seine Würde raubte und ihn so stark quälte wie möglich. Die Häftlinge mussten sich jedem Befehl unterordnen und die SS-Männer hatten eine unerschöpfliche Phantasie, was das „Zerstören“ und Demütigen der Häftlinge anging. Die Häftlinge mussten z. B. stundenlang strammstehen oder in der Nacht 10 bis 20 Mal aus den Fenstern springen und sich im Dreck wälzen und danach ihre Kleider waschen.

Während der Mauthausener Typhus-Epidemien 1940-1941 wurden jeden Abend schikanöse Lauskontrollen durchgeführt. Oft wurde ein Häftling einfach erschlagen oder ertränkt, wenn er Läuse hatte. Kaum drastischer konnte die Aufschrift der in den Mauthausener Baracken angeschlagenen Plakate (auf gelbem Grund eine große schwarze Laus) praktiziert werden: Eine Laus dein Tod.

Die Todesstiege

Zu den besonders schweren Grausamkeiten gehörte die so genannte Todesstiege, eine Steintreppe, die den Steinbruch „Wiener Graben“ mit dem eigentlichen Konzentrationslager Mauthausen verband. Die Beteiligten des Steinträgerkommandos schleppten mehrmals täglich Granitblöcke über die insgesamt 186 Stufen der Treppe 31 Meter nach oben. Die „Todesstiege“ war der Ort zahlreicher Unfälle und Morde an Häftlingen, verübt durch Kapos und die SS-Wachmannschaft.

Inschrift am Fuß der Todesstiege: Ihre heute gleichmäßigen und normal hohen Stufen waren zur Zeit des Konzentrationslagers willkürlich aneinandergereihte, ungleich große Felsbrocken der verschiedensten Formen. Die oft einen halben Meter hohen Felsbrocken erforderten beim Steigen größte Kraftanstrengung. Die SS vergnügte sich unter anderem damit, die letzten Reihen einer abwärts gehenden Kolonne durch Fußtritte und Kolbenhiebe zum Ausgleiten zu bringen so dass sie im Sturze, ihre Vordermänner mitreißend, in einem wüsten Haufen die Stufen hinunterkollerten. Am Ende eines Arbeitstages, wenn der Aufmarsch ins Lager mit einem Stein auf der Schulter begann, trieben die den Abschluss bildenden SS Leute Nachzügler mit Schlägen und Tritten an. Wer nicht mitkonnte, endete auf dieser Todesstiege.'

Die Fallschirmspringerwand

Der Weg vom Kopf der Todesstiege hinauf ins Lager führt teilweise knapp am Abbruchhang des Steinbruchs vorbei. Eine 50 Meter hohe, fast senkrechte Felswand wurde von der SS dazu missbraucht, Häftlinge hinabzustoßen, wo ihre Körper entweder durch den Aufprall auf dem Stein zerschmettert wurden oder sie im Regenwasserteich ertranken.

Inschrift am Fuß der Fallschirmspringerwand: „Diese steile Wand im Steinbruch wurden viele hunderte Häftlinge hinuntergeworfen. Sie zerschellten am Fuße der Wand oder ertranken in den tiefen Wassertümpeln. Oft stürzten sich auch Häftlinge, die die Qualen nicht mehr aushalten konnten diese Wand hinunter. Die SS nannte diese Todgeweihten mit grausigem Scherz ‚Fallschirmspringer‘. Die erste Gruppe holländischer Juden, die im Sommer 1942 nach Mauthausen kam, wurde von der SS diese Wand hinuntergeschleudert.“

Simon Wiesenthal berichtet: „Juden in Mauthausen wurden selten erschossen. Für sie war der ‚Wiener Graben‘ bestimmt. An einem einzigen Tag, am 31. März 1943, wurden vor den Augen Heinrich Himmlers 1.000 holländische Juden aus einer Höhe von über 50 Metern hinuntergeworfen. Die SS nannte sie ‚Fallschirmspringer‘. Das braune Volk amüsierte sich!“[15]

Lagerstrafen

Der Tagesablauf des Lagers war anders als der Tagesablauf anderer Konzentrationslager, was vor allem daran lag, dass der SS-Gruppenführer Theodor Eicke seine ganz besonderen Methoden hatte, ein Lager zu führen - vor allem was seinen Strafkatalog betraf. Diese Strafen begleiteten den gesamten Tagesablauf. Eicke hatte vorher „Erfahrung“ im KZ Dachau gesammelt. So übernahm er auch die im KZ Dachau erlassenen Strafverordnungen.

Die offiziellen Strafmaßnahmen im Konzentrationslager Mauthausen waren Ordnungsstrafen (Essensentzug, Strafarbeit), Arreststrafen, Dunkelarrest und Körperstrafe. Zu den Ordnungsstrafen gehörten im allgemeinen Strafarbeit unter Aufsicht eines SS- Unterführers, ein „Briefschreibverbot“ bzw. ein Verbot, Briefe zu empfangen, Essensentzug bei voller Beschäftigung und schlimmstenfalls die Einweisung in die Strafkompanie des Konzentrationslagers (bis zum Herbst 1943 und für nahezu alle Ausländer), was einem Todesurteil gleich kam. Die Strafkompanie hatte die härteste Arbeit zu leisten, so z. B. das Hochtragen der schweren Granitblöcke über die sogenannte „Todesstiege“ aus dem Steinbruch herauf. (Die Treppe, die vom Steinbruch aus hoch zum Lager führte, wobei der Zustand nicht dem einer Treppe entsprach, da sie sehr steil war und die Stufenabstände sehr groß bzw. sehr klein waren. Heute sind die 186 Stufen der Treppe leichter zu begehen, da die Treppe renoviert wurde.) Die Arreststrafen waren meist mit Stockschlägen verbunden und der verschärfte Arrest wurde in der Dunkelkammer vollzogen, ohne die Möglichkeit zum Hinlegen bzw. Sitzen. Zur körperlichen Züchtigung gehörte vor allem das Schlagen mit einem Ochsenziemer. Die Anzahl der Schläge lag zwischen 5 und 75. Waren es mehr als 25 Schläge, musste der Häftling, egal welcher Nationalität, laut auf Deutsch mitzählen und verzählte er sich, oder machte er einen Fehler, wurde von vorne angefangen. Laut Vorschriften sollte die Strafhandlung nur im Beisein eines SS-Arztes stattfinden, was aber nie der Fall war.

Aufgrund einer Weisung von Heinrich Himmler vom 2. Dezember 1942 sollten „Prügelstrafe nur noch als letztes Mittel angewandt werden“. Dadurch musste man eine Prügelstrafe immer bei der Inspektion der Konzentrationslager anmelden, was dem Lagerführer oft viel zu kompliziert war. Von diesem Datum an wurde die Prügelstrafe im Lager nur noch sehr selten angewandt. Als weitere Disziplinarbehandlung gab es das sogenannte Tor- oder Strafstehen. Die betroffenen Häftlinge mussten dafür stundenlang, Tage und Nächte in der Nähe des Lagertores stehen, während sie von vorbeigehenden SS-Männern „zum Spaß“ geschlagen oder getreten wurden. Eine der schlimmsten Misshandlungen bzw. Strafen war das „Pfahlhängen“, das oft in Mauthausen verübt wurde. Dem Häftling, der damit bestraft wurde, „wurden die Hände mit einem etwa fingerdicken Strick auf dem Rücken zusammengebunden. An diesem Strick wurde das Opfer dann am Querbalken einer Baracke in etwa 2 Meter Höhe aufgehängt, so dass der Körper frei in der Luft schwebte. Das ganze Körpergewicht lastete auf den nach rückwärts gebogenen Gelenken.“ Diese Tortur führte zu großen Dehnungsschmerzen der Muskulatur, zu Bewusstseinstrübung und nach 30 Minuten zur Bewusstlosigkeit.

Unzureichende Verpflegung

Die Ernährung eines Häftlings im Lager war, wie in allen Konzentrationslagern, mehr als unzureichend. Das verabreichte Essen, das die Häftlinge täglich erhielten, hatte etwa 6'070 kJ. Bei der langen und sehr schweren Arbeit, die die Häftlinge zu verrichten hatten, wären mindestens 19'000 kJ notwendig gewesen. Aufgrund der mangelnden Ernährung und der schweren Arbeit betrug die durchschnittliche Lebensdauer eines Häftlings bis Herbst 1939 etwa 15 Monate, dann bis Spätsommer 1943 ungefähr 6 Monate und später von Ende 1943 bis Anfang 1945 etwa 9 Monate und dann bis zur Befreiung am 5. Mai 1945 nur noch 6 Monate.

Arbeitseinsatz

Der Arbeitseinsatz betrug immer 11 Stunden. Ausgenommen davon waren die Steinmetzlehrlinge mit einem Arbeitseinsatz von 9 Stunden. Geweckt wurden die Häftlinge um 4:45 Uhr im Sommer und im Winter um 5:15 Uhr. Jeden Morgen spielte sich dann die gleiche Prozedur ab: Die Häftlinge mussten sofort aufstehen und ihre Betten perfekt machen, dann schnell anziehen und für die Toiletten und das Bad anstehen (8 Toiletten und 5 Minuten Zeit für 250 bis 600 Häftlinge), danach schnell den Spind ordnen und danach wieder anstehen - dieses Mal für das Essen. Danach erfolgte vor den Baracken die Formierung des Zuges für den Zählappell. Dieser war immer gleich: In Zwanzigerreihen barackenweise rechts und links geordnet warteten die Häftlinge auf dem Appellplatz auf das Erscheinen der SS-Leute. Nach einem Rapport und einem „Mützen ab, Mützen auf“ war der Appell beendet und vom Lagerältesten kam der Ruf: „Arbeitskommando formieren“. Nach kurzer Zeit konnten dann die Kolonnen zu ihren jeweiligen Arbeitsstätten marschieren. Bis Frühjahr 1944 erfolgten täglich drei Zählappelle, jeweils am Morgen, am Nachmittag und ein letztes Mal am Abend. Danach gab es dann nur noch zwei, morgens und abends. Die Häftlinge, die in den Werkstätten und innerhalb des Hauptlagers ihren Arbeitseinsatz verrichteten, mussten auch weiterhin mittags zum Appell antreten, außer dem Bedienungspersonal, das in den SS-Unterkünften und Revieren arbeitete. Abends, nach der Rückkehr der Häftlinge von der Arbeit, und je nach Jahreszeit, ab 18:00 Uhr oder ab 19:00 Uhr, fand dann der Abendappell statt. Dieser Appell wurde immer exakt ausgeführt, da die dafür benötigte Zeit von der Freizeit der Häftlinge abgezogen wurde. Wenn es gut ging, dauerte der Appell nur 30 Minuten, manchmal aber auch 1 bis zwei Stunden und in Sonderfällen, wie z. B. einer Hinrichtung oder Flucht, bis zu 3 Stunden. Nach dem Appell wurde das Essen ausgeteilt. Theoretisch hatten die Häftlinge dann bis 20:45 Uhr frei, dazu kam es allerdings fast nie, denn man musste lange für die Toiletten- und Waschräume anstehen. Um 20:45 mussten dann alle Häftlinge in ihren jeweiligen Baracken sein und ab 21:00 Uhr war Bettruhe. Allerdings wurden abends sehr oft Laus-, Kleider- oder Spindkontrollen angeordnet, um die Häftlinge zu schikanieren und ihre Nachtruhe zu kürzen. So konnten die Häftlinge oft nur 6 Stunden schlafen.

„Freizeit“

Am Sonntagnachmittag hatten die Häftlinge frei. Sie nutzten ihre Freizeit dazu, die Häftlingskleidung zu richten, Flickarbeiten vorzunehmen, Socken zu stopfen (wenn sie welche hatten, die Mehrzahl der Häftlinge besaß nur Fußlappen), die Haare zu schneiden und sich zu rasieren. Selten gab es sonntags auch Auftritte der Häftlingskapelle oder Box- bzw. Fußballturniere. Allerdings hatten nur wenige Häftlinge die Kraft, daran teilzunehmen. Ab 1943 gab es in Mauthausen dann auch Fußballmannschaften der einzelnen Volksgruppen.

Giftgas im Konzentrationslager Mauthausen

Tötungen von Häftlingen mittels giftiger Gase wurden zwischen 1941 und 1944 in Hartheim vorgenommen, zwischen 1941 und 1942 mit einem Gaswagen zwischen Mauthausen und Gusen und von 1942 bis 1945 in einer Gaskammer auf dem Gelände selbst.

Tarnbezeichnungen

Die im Konzentrationslager Mauthausen eingerichteten Hinrichtungsstätten (Galgen, Erschießungsstätten, Gaskammer), Krematorien und Bordelle wurden als Sonderbauten bezeichnet. Im offiziellen Sprachgebrauch wurde die Gaskammer als "Desinfektions-Anstalt" getarnt, Transporte in die Vergasungsanstalt Hartheim wurden durch die Bezeichnung "Sanatorium Dachau", "Heil- und Pflegeanstalt Ybbs an der Donau", "Erholungsheim", "Erholungslager" und "Sanatorium Bad Ischl" verschleiert.[16]

Gaskammer

Die Gaskammer wurde, in unmittelbarer Nähe des Krematoriums, im Herbst 1941 im Keller des Rohbaues des Krankenreviers errichtet. In einem kleinen Nebenraum befand sich die Einrichtung, mit der das Gas Zyklon B in die Kammer geleitet wurde. Die Vergasungen leitete hauptsächlich der Kommandoführer des Krematoriums SS-Hauptscharführer Martin Roth, aber auch andere SS- Führer wie der Standortarzt Dr. Eduard Krebsbach leiteten solche Mordaktionen und bedienten das Gaseinfüllungsgerät. In der Gaskammer wurden jeweils 30 bis 80 Personen ermordet. Über die Fertigstellung und den Beginn der Vergasungen herrscht in der Forschung keine Einigkeit, jedoch wurde von keinem SS-Führer in den Prozessen nach dem Krieg die Existenz einer Gaskammer geleugnet. Der Lagerkommandant Franz Ziereis gab bei einer Befragung am 24. Mai 1945 zur Gaskammer an:

„Im Lager Mauthausen wurde auf Anordnung des SS-Standortarztes Dr. Krebsbach eine Vergasungsanstalt gebaut, die als Baderaum getarnt war. In diesem getarnten Raum wurden Häftlinge mit Zyklon B vergast ...“[16]

Als Termine der Fertigstellung und Inbetriebnahme werden entweder der März oder der Mai 1942 genannt. Genaue Opferzahlen konnten nicht festgestellt werden, doch kann auf Grundlage der vorhandenen Unterlagen und der Zeugenaussagen von 4000 bis 5000 Opfern ausgegangen werden. Noch im April 1945 wurden 1200 bis 1400 Menschen in der Mauthausener Gaskammer ermordet. Die letzte Vergasung in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager fand am 28. April 1945 in der Mauthausner Gaskammer statt.[16]

Der Vergasungswagen

In Mauthausen gab es einen Vergasungswagen, der 1941 von der Lagerschlosserei hergestellt wurde. Eingesetzt war er laut Zeugenaussagen von Herbst 1941 bis Sommer oder Herbst 1942. Der Wagen fuhr die etwa fünf Kilometer lange Strecke zum Nebenlager Gusen, während dieser Fahrt wurden arbeitsunfähige oder kranke und körperschwache Häftlinge ermordet. Nach Zeugenaussagen gab es bis zu 40 Fahrten, was zu einer Opferzahl von mindestens 900 Häftlingen führt.[16]

Die Gaskammer in Schloss Hartheim

Hauptartikel: NS-Tötungsanstalt Hartheim

Nach Ende der Aktion T4 im August 1941 wurden die bestehenden Anlagen in Schloss Hartheim und das dazugehörige Personal nahtlos genutzt um für die im April 1941 angelaufene Aktion 14f13 als arbeitsunfähig eingestufte Häftlinge zu ermorden und einzuäschern. Bis zum letzten Häftlingstransport am 11. Dezember 1944 wurden schätzungsweise 12.000 Häftlinge aus Mauthausen, Gusen und anderen Konzentrationslagern dort umgebracht.

Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen

Siehe: Liste der Außenlager des KZ Mauthausen

Gusen I, II und III

Der Aufbau des Nebenlagers Gusen I begann 1939, damals noch unter dem Namen KL Mauthausen/Unterkunft Gusen. Gusen lag 4,5 Kilometer westlich von Mauthausen. Aufgebaut wurde das Lager am Anfang von zwei Arbeitskommandos, bestehend aus 400 österreichischen und deutschen Häftlingen, die jeden Morgen vom Konzentrationslager Mauthausen nach Gusen marschieren mussten. Der Aufbau dieses Gusener Teiles des KZ-Doppellagersystems Mauthausen/Gusen wurde erforderlich, da die von KZ-Häftlingen in Gusen geleisteten Tagwerke bereits 1939 die von Häftlingen im DEST-Betrieb Wienergraben geleisteten Tagwerke deutlich überstiegen. Im März 1940 waren die ersten Baracken fertig und wurden auch gleich von den Mitgliedern der beiden Arbeitskommandos belegt. Doch bereits am 24. Mai des gleichen Jahres wurden 200 Häftlinge als „Kranke“ ins Konzentrationslagers Mauthausen rückverlegt. Und so wurden am nächsten Tag die übrig gebliebenen Häftlinge als die ersten Gusener Häftlinge registriert. Allerdings trafen am gleichen Tage noch 1082 Polen aus dem KZ Dachau ein. In Gusen wurde den Häftlingen mitgeteilt, dass sie nun „zu brauchbaren Menschen des Dritten Reiches umgeschult werden“. In den darauffolgenden Monaten kamen weiter 4.000 polnische Intellektuelle nach Gusen zur „Umschulung“.

Das Konzentrationslager Gusen I bestand aus 34 Baracken, davon 24 Häftlingsbaracken, zwei Werkstatt- und Magazinbaracken sowie sechs Krankenbaracken, denen im Winter 1943/44 noch vier weitere folgten. Außerdem gab es noch zwei Steingebäude. Im Winter 1940/41 wurde dann in Gusen I auch ein ortsfestes Krematorium gebaut, in dem ab dem 29. Januar 1941 Häftlingsleichen verbrannt wurden. Die Häftlinge des KL Gusen I mussten unter anderem in den Gusener Steinbrüchen, im Stollenbau und in der Waffenindustrie arbeiten, wo sie beispielsweise Teile für Karabiner, Maschinenpistolen oder Daimler-Benz Flugzeugmotoren für den DEST-Kooperationspartner Steyr-Daimler-Puch AG herstellten. Der Tarnname für diese Fertigung lautete z.B. „Georgenmühle“.

Am 9. März 1944 wurde das Lager Gusen II eröffnet. Es war für bis zu 16.000 Häftlinge gebaut worden, welche im Stollenausbau für das streng geheime Luftwaffen-Projekt „B8 Bergkristall“ zur Fließbandfertigung von Messerschmitt Me 262 Düsenjägern arbeiten mussten. Weitere Tarnnamen für die streng geheime Fertigung in Gusen II waren auch „Esche II“ oder „Linz 2“.[17]

Ungefähr zehn Monate später, im Dezember 1944, wurde Gusen III für weitere 262 Häftlinge eröffnet. Die Häftlinge von Gusen III mussten beim Bau der Großbäckerei Lungitz und in einem Ersatzteillager für die Fertigungsbetriebe der Messerschmitt GmbH in St. Georgen und Gusen arbeiten.

Da die Maxime der Konzentrationslager Gusen I, II und III „Vernichtung durch Arbeit“ lautete, wurden dort rasch alle Häftlinge, die krank oder schwach waren, ermordet beziehungsweise zu Tode gebracht. In den Konzentrationslagern Gusen waren insgesamt 67.677 Häftlinge inhaftiert, von denen 31.535 offiziell getötet wurden. Rechnet man zu dieser Zahl z.B. noch die unzähligen Häftlinge dazu, die in Gusen nicht einmal registriert wurden, in NS-Tötungsanstalt Hartheim ermordet wurden, zum Sterben in das „Sanitätslager Mauthausen“ überstellt wurden oder nach der Befreiung starben, sind den Konzentrationslagern von Gusen 44.602 Opfer [18] zuzurechnen. Die Lager Gusen wurden am 5. Mai 1945 von der US-Armee befreit.

Ein Teil der Steinbruchbetriebe wurde bis in die 1950-er Jahre durch das sowjetstaatliche Unternehmen Granitwerke Gusen weitergeführt. 1965 das Memorial Gusen eingeweiht und 2004 um das Besucherzentrum Gusen ergänzt. Seit 2007 führt auch der Audioweg Gusen durch die Areale der ehemaligen Konzentrationslager Gusen I und Gusen II.

Melk

Das Außenlager Melk in der Birago-Kaserne wurde am 21. April 1944 für 500 Häftlinge eröffnet und bestand genau ein Jahr lang. Es war in den Gebäuden der Pionierkaserne oberhalb des Ortes untergebracht und verfügte über ein eigenes Krematorium. Wie die Häftlinge im Nebenlager Ebensee mussten auch die Häftlinge in Melk, zu denen viele Kinder und Jugendliche gehörten, Stollen in den Berg treiben. Das Nebenlager Melk lief unter dem Tarnnamen „Quarz“, da die Stollen im Großteil durch Quarzgestein getrieben wurden. Die Häftlinge mussten in drei Schichten ohne Sicherheitsvorkehrungen und bei ungenügender Sicherung der Stollen arbeiten. Es kam daher auch oft zu Todesfällen und regelmäßig mussten Transporte aus Mauthausen „Häftlingsnachschub“ bringen. Im Winter 1944/45 wurden dann sechs Stollen fertig gestellt, alle für die Steyr Daimler Puch AG, die dort Kugellager produzieren ließ.

Während des gesamten Bestehens des KZ kamen 5.000 Häftlinge ums Leben. Viele von ihnen wurden, wie in anderen Lagern, entweder mit Herzinjektionen getötet, „auf der Flucht erschossen“ oder in Schloss Hartheim vergast. Wie in den anderen Lagern, wurden viele von ihnen auch von ihren Bewachern ermordet. Mitte April 1945 wurde das Lager geräumt, da die alliierten Truppen immer näher kamen. Die Kinder und Jugendlichen kamen nach Mauthausen, die Erwachsenen nach Ebensee.

Linz

Auch in Linz war ein Außenlager bei den damaligen Hermann-Göring-Werken. Hier mussten Zwangsarbeiter aus ganz Europa im Stahlwerk unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Da das Stahlwerk ab 1944 ein vorrangiges Ziel der alliierten Luftangriffe darstellte, kamen auch im Zuge dieser Angriffe viele Häftlinge ums Leben.

Guntramsdorf / Wiener Neudorf

Das KZ-Nebenlager wurde am 2. August 1943 unter dem Namen „KL Wiener Neudorf“ gegründet. Es lag großteils auf dem heutigen Gemeindegebiet von Guntramsdorf. Das gesamte Lager bestand aus etwa 80 Holzbaracken (inkl. Fremd- bzw. Zwangsarbeiterlager), davon 34 Gebäude im eigentlichen KZ-Gelände, das von einem elektrisch geladenen Zaun umgeben war.

Mit zusätzlichen Arbeitskräften sollte der Aufbau und die Produktion der Flugmotorenwerke beschleunigt werden. Aus dem KZ Mauthausen wurden daher vor allem Häftlinge, die über Erfahrung in der Metallverarbeitung und mit Bauarbeiten besaßen, angefordert.

Bis zu 3.170 KZ-Häftlinge (Höchststand Sept. 1944) wurden zwischen 1943 und 1945 in den Flugmotorenwerken, den Firmen Steyr-Daimler-Puch AG, Rella & Co., Hofman und Maculan, Himmelstoß und Sittner, Ing. Czernilowski und Saurerwerke Zehethofer sowie in kleineren Betrieben und der Landwirtschaft in den Gemeinden Guntramsdorf, Wiener Neudorf, Laxenburg, Achau und Wien als Zwangsarbeiter eingesetzt.

Bekannte Häftlinge des KZ Mauthausen und seiner Nebenlager

Literatur

  • Hans Maršálek: Mauthausen mahnt! Kampf hinter Stacheldraht. Tatsachen, Dokumente und Berichte über das größte Hitler'sche Vernichtungslager in Österreich. Hrsg. vom Mauthausen-Komitee des Bundesverbandes der österreichischen KZler und politisch Verfolgten. Wien 1950
  • Hans Maršálek: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. 4. Auflage 2006, ISBN 3-7035-1235-0
  • Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen, Hans Maršálek, Kurt Hacker (Hrsg.): Kurzgeschichte des Konzentrationslager Mauthausen und seiner drei größten Nebenlager Gusen, Ebensee, Melk. Wien 1995
  • Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen (Hrsg.): Mauthausen. Wien 1996
  • Bertrand Perz: Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen 1945 bis zur Gegenwart. StudienVerlag, Innsbruck 2006, ISBN 3-7065-4025-8
  • Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 9 Bände (bis 2008 erschienen: 8 Bände). C. H. Beck, München 2005– . ISBN 978-3-406-52960-3 (i. Dr.; Inhaltsregister)
  • Siegfried Haider, Gerhard Marckhgott: Oberösterreichische Gedenkstätten für KZ-Opfer. OÖ Landesarchiv, Linz 2001, ISBN 3-900313-69-5
  • Wilhelm Raimund Beyer (Hrsg.): Rückkehr unerwünscht. Joseph Drexels „Reise nach Mauthausen“ und der Widerstandskreis Ernst Niekisch. DVA, Stuttgart 1978, ISBN 3-421-01846-4
  • Forschungsprojekt Mauthausenkomitee: Nebenlager des KZ-Mauthausen in der Wahrnehmung der Lokalbevölkerung (pdf-Datei), Zeitzeugenberichte. Projekt-Studie. 2002.
  • Florian Schwanninger: "Wenn du nicht arbeiten kannst, schicken wir dich zum Vergasen." Die "Sonderbehandlung 14f13" im Schloss Hartheim 1941-1944. In: Brigitte Kepplinger/Gerhart Marckhgott/Hartmut Reese (Hrsg.): Tötungsanstalt Hartheim. Linz 2008
  • Peter Gstettner: „Verkehrte Welt. Kärnten – Erinnerungsarbeit im Land der „NS-Wohltäter“.“ In: Dachauer Hefte Nr. 17: Öffentlichkeit und KZ. Was wusste die Bevölkerung?, 2001.
  • Florian Freund: „Der Mauthausen-Prozeß. Zum Militärgerichtsverfahren in Dachau im Frühjahr 1946“. In: Dachauer Hefte Nr. 13: Gericht und Gerechtigkeit, 1997.
  • Stefan Klemp: KZ-Arzt Aribert Heim. Die Geschichte einer Fahndung, Prospero Verlag, Münster / Berlin 2010, ISBN 978-3-941688-09-4.

Film

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Konzentrationslager Mauthausen-Gusen – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans Maršálek: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. 4. Auflage 2006, ISBN 3-7035-1235-0
  2. Roman Sandgruber: Die NS-Konzentrationslager. Mauthausen und seine Nebenlager. In: Oberösterreichische Nachrichten, 10. Mai 2008, Seite 6
  3. Context XXI: Die Entwicklung Oberösterreichs im Nationalsozialismus - einige Eckdaten
  4. Rudolf A. Haunschmied, Jan-Ruth Mills, Siegi Witzany-Durda: St. Georgen-Gusen-Mauthausen - Concentration Camp Mauthausen Reconsidered. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-7440-8. S. 80ff
  5. Helga Amesberger, Katrin Auer, Brigitte Halbmayr: Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. Wien 2004
  6. Die Aussteller - Verein zur Förderung von historischen und kunsthistorischen Ausstellungen: Rundgang durch die Ausstellung Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern
  7. Baris Alakus, Katharina Kniefacz, Robert Vorberg: „Sex-Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern“. Wien 2006, ISBN 3-85476-205-4
  8. Nach: Szabolcz Szita
  9. KZ-Verband/VdA OÖ: Mauthausen-Schwur
  10. Artikel des Bundesdenkmalamts (BDA) zu den Schäden durch Orkan „Kyrill“ (Februar 2007)
  11. Archäologische Spuren im ehemaligen KZ Mauthausen Online-Zeitung der Universität Wien, 21. April 2010; Konzentrationslager Mauthausen: Archäologie und Zeitgeschichte univie.ac.at (abgerufen am 11. Dezember 2010)
  12. Naziparolen an der Mauer um die KZ Gedenkstätte Mauthausen, Pressemitteilung des Mauthausen Komitee Deutschland, 19. Februar 2009
  13. Stellungnahme des öst. Bundespräsidenten Heinz Fischer
  14. Archiv Museum Mauthausen. M5/13)
  15. Simon Wiesenthal: Denn sie wußten, was sie tun. Deuticke 1995, ISBN 3-216-30114-1.
  16. a b c d Hans Maršálek:Die Vergasungsaktionen im Konzentrationslager Mauthausen-Gaskammer, Gaswagen, Vergasungsanstalt Hartheim, Tarnnamen Dokumentation, Wien 1988
  17. Rudolf A. Haunschmied, Jan-Ruth Mills, Siegi Witzany-Durda: St. Georgen-Gusen-Mauthausen - Concentration Camp Mauthausen Reconsidered. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-7440-8. S. 127ff
  18. Stanislaw Dobosiewicz: Mauthausen/Gusen - Oboz Zaglady. Wydawnictwo Ministerstwa Obrony Narodoewj. Warszawa, 1977. S. 422-423
  19. Mitteilung OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus, 9. August 2007
  20. Die Ermordung der "Welser Gruppe"
  21. dort über das Theaterstück Armand Gattis: Die zweite Existenz des Lagers Tatenberg, das Mitte der 50er Jahre in Mauthausen unter Überlebenden spielt. Auch 10 Jahren nach der Befreiung irren dort noch versprengte Ex-Häftlinge in surrealen Bezügen umher. Gatti spielt möglicherweise mit der Namensähnlichkeit des kleinen Ortes Tatenberg bei Hamburg und dem Totenberg (für Mauthausen). Gatti war 1943 kurz in Hamburg als Zwangsarbeiter eingesperrt, konnte dann aber fliehen.



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