Kosovokrieg

Kosovokrieg
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Kosovokrieg
Teil von: Jugoslawienkriege
Karte des Kosovo
Karte des Kosovo
Datum Januar 1998 bis Juni 1999
Ort Bundesrepublik Jugoslawien, Kosovo
Casus Belli Nichtunterzeichnung des Vertrages von Rambouillet durch die BR Jugoslawien
Ausgang Sieg der NATO, UN-Verwaltung und Kontrolle des Kosovos durch die KFOR
Konfliktparteien
Uck logo.png UÇK
NATO NATO
Jugoslawien Bundesrepublik 1992Bundesrepublik Jugoslawien Jugoslawien
Befehlshaber
Agim Çeku
Hashim Thaci
Wesley Clark
Javier Solana
Slobodan Milošević
Dragoljub Ojdanić
Nebojša Pavković
Vladimir Lazarević
Truppenstärke
maximal 25.000 Kämpfer[1] 114.000 Soldaten
20.000 Polizisten
Verluste
unbekannt unbekannt

Der Kosovokrieg (auch Kosovo-Konflikt genannt) war ein bewaffneter Konflikt um die Kontrolle des Kosovo in den Jahren 1998/1999. Das mehrheitlich von ethnisch albanischer Bevölkerung bewohnte Gebiet war zu diesem Zeitpunkt eine Provinz Serbiens innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien.

Der Konflikt bestand aus zwei Phasen. Vom Januar 1998 bis März 1999 handelte es sich zunächst um eine bewaffnete innerstaatliche Auseinandersetzung zwischen der UÇK ("Befreiungsarmee des Kosovo"), einer albanischen Rebellenorganisation, welche für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte, und den Ordnungskräften der Bundesrepublik Jugoslawien. [2]

Die zweite, so genannte zwischenstaatliche Phase des Konflikts begann am 24. März 1999 und endete am 10. Juni 1999. Während dieser Zeit erfolgten Luftangriffe der NATO auf das gesamte Territorium der jugoslawischen Teilrepublik Serbien[3]; fortgesetzt wurden auch die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den jugoslawischen Streitkräften und den Rebellen.

Während des gesamten Konfliktes, vor allem aber 1999, waren Hunderttausende Einwohner des Kosovo auf der Flucht. Es wurden etwa 650 Ortschaften beschädigt oder zerstört, darunter historisch wertvolle Bausubstanz.[4] Im serbischen Kerngebiet wurde durch Luftangriffe der NATO ebenfalls eine Vielzahl von Gebäuden zerstört, darunter historisch wertvolle.[5]

Der Kosovokrieg wird - insbesondere in der westlichen Welt - kontrovers diskutiert. Einerseits wird er als einer der ersten humanitären Kriegseinsätze bezeichnet und als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen der jugoslawischen Sicherheitskräfte dargestellt. Andererseits erfolgte der Angriff der NATO gegen die souveräne Bundesrepublik Jugoslawien ohne UN-Mandat.

Jugoslawien beklagte sezessionistische Tendenzen bei großen Teilen der albanischen Bevölkerung des Kosovo und berief sich auf das Recht, auf seinem Staatsgebiet die seit 1997 mit Guerilla-Methoden operierende UÇK zu bekämpfen.

Inhaltsverzeichnis

Hintergründe

Vorgeschichte

Hauptartikel: Geschichte des Kosovo

Während einer langen Periode osmanischer Herrschaft, existierte Kosovo als politische Verwaltungseinheit nicht, erst im Jahre 1877 wurde das Vilayet Kosovo als Provinz (Verwaltungseinheit) des Osmanischen Reiches gegründet. Es umfasste aber ein größeres Territorium als das heutige Gebiet, unter anderem große Teile des heutigen Mazedoniens. 1878 erhielten Serbien und Montenegro auf dem Berliner Kongress die Unabhängigkeit, Kosovo und Albanien dagegen verblieben im Osmanischen Reich. 1910 brach im Kosovo ein bewaffneter Aufstand von Albanern gegen die osmanische Herrschaft aus, der sich im Laufe der folgenden Jahre in das Gebiet des heutigen Albaniens ausdehnte. Während der beiden Balkankriege (1912/1913) annektierte Serbien den Kosovo, Albanien wurde unabhängig.[6] Nach einer kurzen Unterbrechung unter Hoheit der österreichisch-ungarischen Armee während des Ersten Weltkriegs verblieb das Gebiet unter serbischer Kontrolle, zuerst als Teil des Königreichs Serbien und dann im Königreich Jugoslawien. Der deutsche Überfall auf Jugoslawien im April 1941 führte zum Zusammenbruch des jugoslawischen Staates. Kosovo und Teile Mazedoniens wurden mit dem bereits unter der Herrschaft des faschistischen Italien stehenden Albanien vereinigt.

1945 wurde Kosovo in der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (bzw. ab 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) zur autonomen Provinz innerhalb der Republik Serbien. In den sechziger Jahren galt Adem Demaçi als führende Persönlichkeit der albanischen Widerstandsbewegung. Durch eine schrittweise Dezentralisierung gelang es dem jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito in der Folgezeit, die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Land zu beruhigen. 1974 erhielt das Kosovo (wie auch die Vojvodina) weitreichende Autonomierechte und weitgehende Selbstverwaltung.

1981 forderten Albaner im Kosovo für die Provinz den Status einer Republik innerhalb Jugoslawiens; daraufhin kam es zu schweren Unruhen zwischen Albanern und den jugoslawischen Sicherheitskräften, in deren Folge die jugoslawische Regierung den Ausnahmezustand über den Kosovo verhängte. Angehörige der serbischen Minderheit flüchteten in das serbische Kernland, viele Albaner wurden verhaftet. Die Unruhen wurden niedergeschlagen, der Konflikt schwelte jedoch weiter.[7][8]

Zuspitzung des Konfliktes nach Aufhebung der Autonomie des Kosovo

Aus Unzufriedenheit mit der Situation in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien verfassten serbische Wissenschaftler zwischen 1982 und 1986 das SANU-Memorandum, in welchem sie eine stärkere Berücksichtigung serbischer Interessen forderten. Dabei wurde den Kosovo-Albanern ausdrücklich Schuld an der festgestellten Misere Serbiens zugewiesen, indem ein "Völkermord an den Serben im Kosovo“ beklagt wurde.[9] Der serbisch-jugoslawische Politiker Slobodan Milošević, ab 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BDKJ) in Belgrad und ab 1989 Präsident der Teilrepublik Serbien nutzte die nationalen Vorbehalte zum eigenen Machtausbau und zur systematischen Stärkung der jugoslawischen Teilrepublik Serbien.

In diesem Rahmen wurden 1988 die kosovarischen Politiker Azem Vllasi und Kaqusha Jashari aus ihren Ämtern entfernt, weil sie eine Aufhebung der Autonomie des Kosovo ablehnten und durch loyal geltende Politiker ersetzt. Im Februar 1989 stimmte das serbische Parlament einer Verfassungsänderung zu, welche die Autonomie des Kosovo einschränkte. Dagegen gab es heftige Proteste, unter anderem einen Hungerstreik von Bergarbeitern im Gebiet von Kosovska Mitrovica. Als Folge der Proteste wurde am 27. Februar 1989 der Ausnahmezustand verhängt, in diesem Umfeld stimmte das kosovarische Parlament im März der Auflösung der Autonomie der Provinz zu. Im Juli 1990 ließ Slobodan Milošević Parlament und Regierung des Kosovo im Rahmen der sogenannten antibürokratischen Revolution auflösen.[10]

Während des Zerfalls von Jugoslawien wurde im September 1991 nach einem geheimen Referendum die „Republik Kosova” proklamiert, die nur von Albanien anerkannt wurde. Eine quasistaatliche Schattenstruktur etablierte sich. Seither versuchten Albaner durch passiven Widerstand die Weltöffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen. 1992 wählten die Kosovoalbaner den Schriftsteller Ibrahim Rugova zum Präsidenten der „Republik Kosova”. Auch ein Parlament wurde gewählt, das jedoch nicht zusammentrat. Die von Rugova ernannte Regierung nahm ihre Amtsgeschäfte aus dem Exil wahr.[11] Die meisten Kosovoalbaner boykottierten die Wahlen zum serbischen Parlament im September und Oktober 1997; es kam zu schweren Zusammenstößen mit der serbischen Polizei im Kosovo. Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen der „Republik Kosova” 1998 wurde Rugova als Präsident bestätigt. Der friedliche Widerstand im Kosovo erschien für die betroffenen Kosovaren erfolglos.

In Frühjahr 1996 begann die UÇK zum bewaffneten Kampf überzugehen und führte Operationen im Kosovo gegen staatliche Einrichtungen und die Zivilbevölkerung durch.[12] Am 28. November 1997, dem albanischen Nationalfeiertag, trat die UÇK auf dem Begräbnis eines im Polizeigewahrsam gestorbenen albanischen Lehrers zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf.

Kriegsverlauf

Konfliktverlauf zwischen der UÇK und dem jugoslawischen Staat 1998

Human Rights Watch und die Gesellschaft für bedrohte Völker dokumentieren folgenden Ablauf:

Ab Januar 1998 intensivierten sich die Auseinandersetzungen. Vorausgegangen waren Überfälle der UÇK auf serbische Polizeistationen bzw. Einrichtungen des Staates, bei denen vier serbische Sicherheitskräfte ums Leben kamen.

Am 28. Februar und 1. März 1998 drangen militärisch ausgerüstete serbische Polizeikräfte in die Dörfer Likosane and Cirez im Gebiet um Drenica vor. Drenica galt als Hochburg der UÇK und stand vor dem Einsatz praktisch unter Kontrolle der Rebellen. Sie waren mit Armeehubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen bewaffnet, durch welche die Ortschaften unter Dauerbeschuss genommen wurden, bevor Kräfte im Häuserkampf eingesetzt wurden. Während heftiger Feuergefechte wurden 25 Kosovoalbaner und vier serbische Sicherheitskräfte getötet. Im Polizeigewahrsam starben 14 weitere Menschen aus zwei Familien.[2][13]

Nachdem die UÇK mutmaßlich unter Adem Jashari, einem lokalen Anführer der Rebellen, wiederholt serbische Polizeistellen angriff, gingen vom 5. bis 7. März serbische Polizeikräfte in die Gegenoffensive und griffen ihn und seine Familie auf ihrem Wohnsitz in Donji Prekaz an. Unter Gegenwehr wurden vermutlich 58 Mitglieder der Großfamilie getötet, davon 18 Frauen und 10 Kinder (unter 16 Jahren). Adem Jashari kam dabei ebenfalls ums Leben. Zwei serbische Polizeiangehörige wurden am 5. März getötet. Zeitgleich wurden weitere Dörfer der Region Polac, Ternavc, Morine, Vojnik und Mikushnice mit schweren Waffen, darunter Kanonen und Granatwerfer, beschossen. Mindestens sechs Kosovoalbaner starben unter ungeklärter Ursache im nahegelegenen Dorf Lausa.[2][13]

Unterdessen beschlossen die Vereinten Nationen am 31. März 1998 in der Resolution 1160 des Weltsicherheitsrates ein Embargo gegen Jugoslawien, um die jugoslawische Staatsführung zum Einlenken oder zumindest zu Gesprächen zu zwingen. Darüber hinaus verlangte der Weltsicherheitsrat in genannter Resolution unter anderem von Jugoslawien, dass „die Einheiten der Sonderpolizei abgezogen“ werden müssten und das „Vorgehen gegenüber der Zivilbevölkerung“ einzustellen sei. Die Europäische Union verhängte entsprechend Sanktionen.

Am 25. Mai sollen durch serbische Polizeikräfte mindestens neun Albaner in Ljubenic, einem Dorf nahe Peć, hingerichtet worden sein. Am 31. Mai griff eine auf ca. 300 Mann geschätzte Einsatztruppe der Sondereinsatzkräfte der serbischen Polizei das Dorf Novi Poklek in Drenica an. 10 Männer - ethnische Albaner - werden verschleppt. Der Tod eines Mannes wurde bestätigt; die anderen werden bis heute vermisst. Berichten zufolge zündete die Polizei über 20 Häuser an und ließ sie niederbrennen.[2]

Ab Mitte Juni kam der Krieg in den Zentralkosovo. Im Juli 1998 begann die erste Großoffensive der UÇK, ein Angriff auf die Stadt Orahovac. Am 19. Juli wurden mindestens 42 Menschen während der Kämpfe getötet, 40 weitere werden noch vermisst. Aufgetauchte Gerüchte über Exekutionen und Massengräber wurden nicht bestätigt.[2] Die UÇK rief zum allgemeinen Kampf gegen die „serbische Herrschaft“ auf. Mitte Juli verschärften sich die Kämpfe um Mitrovica und Prizren. Am 14. Juli wurde im Süden in der Region Opoje an der Grenze zu Mazedonien serbischer Truppenaufmarsch beobachtet. Ende Juli starteten die serbischen Truppen schließlich eine Großoffensive im Zentralkosovo.[14]

Während dieser Zeit befanden sich innerhalb des Kosovo bereits rund 300.000 Menschen – größtenteils Kosovoalbaner – auf der Flucht. Mindestens 1000 Menschen wurden getötet und ca. 400 Albaner und ca. 130 Serben wurden vermisst. Die angegriffenen Ortschaften wurden zerstört, ein Augenzeuge berichtete: „Man braucht drei Tage, um ein Dorf zu zerstören. Am ersten Tag feuern sie mit Granaten, so dass die Zivilisten fliehen. Am zweiten Tag umzingeln sie das Dorf mit Panzern und plündern die Häuser. Am dritten Tag brennen sie die Häuser nieder.“ [15][14]

Am 24. August 1998 erklärte der Weltsicherheitsrat seine Sorge über die „heftigen Kämpfe im Kosovo, die verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben“, und forderte eine sofortige Waffenruhe. Er gab mit der Besorgnis Ausdruck, dass „sich die Situation im Kosovo in Anbetracht der wachsenden Zahl der Vertriebenen und des herannahenden Winters zu einer noch größeren humanitären Katastrophe entwickeln könnte.“[16]

Berichten zufolge wurden am 27. August von Angehörigen der UÇK 22 Zivilisten im Dorf Klecka hingerichtet. Für den 9. September wurde berichtet, das die Körper von 34 Menschen, sowohl Serben als auch Albaner, in einem See nahe dem Dorf Glodjane gefunden wurden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden sie von UÇK-Kräften getötet.[2]

Unterdessen verurteilte der Weltsicherheitsrat in der Resolution 1199 am 23. September 1998 scharf den „exzessiven Gebrauch von Gewalt“ durch serbisches Militär und Polizeikräfte und bezeichnete ihn als „Bedrohung des Friedens“. Darüber hinaus forderte der UN-Sicherheitsrat „die Führung der Kosovo-Albaner auf, alle terroristischen Handlungen zu verurteilen, und betont, dass alle Teile der kosovo-albanischen Volksgruppe ihre Ziele ausschließlich mit friedlichen Mitteln verfolgen müssen.“ Eine weitere Forderung war „humanitären Organisationen“ sowie „anderen Abgesandten den Zugang zum Kosovo“ zu gestatten. Er verzichtete aber darauf, Gewalt gegen Jugoslawien zur Unterbindung von Menschenrechtsverletzungen anzuordnen.[16]

In Gornje Obrinje töteten am 26. September 1998 serbische Spezialeinheiten 21 Familienmitglieder des Delijaj-Clans, darunter ein 18 Monate altes Kind. Später am gleichen Tag in einem anderen Teil der Stadt wurden drei Dorfbewohner getötet. In Golubovac, einem Dorf unweit Gornje Obrinje, wurden 14 Zivilisten hingerichtet (ein Überlebender).[2] Unter internationaler Vermittlung stimmte im Oktober die serbische Staatsführung einem faktischen Waffenstillstand zu, welcher zur Kosovo Verification Mission führte.[11]

Einrichtung der Kosovo Verification Mission

Hauptartikel: Kosovo Verification Mission

Parallel zum Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen entwickelten sich die diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konfliktes, auch um die Resolutionen des Sicherheitsrates umzusetzen. Die NATO drohte Luftangriffe an und ermächtigte ihren Generalsekretär Javier Solana zu Militäraktionen gegen Jugoslawien (Activation Order am 1. Oktober 1998).[17] Zugleich forderte die Balkan-Kontaktgruppe, bestehend aus USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien, ultimativ direkte Verhandlungen zwischen der serbischen Staatsführung und Vertretern der Kosovoalbaner.

Unter diesem Druck stimmte am 13. Oktober die serbische Staatsführung einem faktischen Waffenstillstand zu und signalisierte der UN-Resolution 1199 Folge zu leisten, welche einen Rückzug der schweren Waffen, sowie eines großen Teils der paramilitärischen Polizeikräfte vorsah. Weiterhin sollten die Flüchtlinge heimkehren können und der Prozess von einer 2000 Mann starken internationalen Beobachterkommission der OSZE überwacht werden.[11] Die Vereinbarung wurde zwischen dem serbischen Präsidenten Slobodan Milošević und dem US-amerikanischen Sondergesandten Richard Holbrooke getroffen (Holbrooke-Milošević-Vereinbarung).[18]

Die Einrichtung und Entsendung der internationalen Beobachterkommission wird als Kosovo Verification Mission (KVM) bezeichnet und wurde am 25. Oktober 1998 vom Ständigen Rat der OSZE beschlossen.[19] Einzelheiten der Mission wurden vorher im Abkommen zwischen OSZE und Jugoslawien vom 16. Oktober 1998 geregelt. Die KVM sollte maximal 2000 unbewaffnete Beobachter umfassen.

Die Ziele waren folgende:[19]

  • Überwachung aller Konfliktparteien im Kosovo zur Einhaltung der UN-Resolution 1199
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen allen Konfliktparteien und humanitären Organisationen
  • Überwachung der Bewegungsfreiheit humanitärer Organisationen
  • Vorbereitung und Überwachung zukünftiger freier Wahlen
  • Erarbeitung von Berichten an den OSZE und den Weltsicherheitsrat, wie in der Resolution 1199 vorgesehen

Der Deutsche Bundestag stimmte am 16. Oktober 1998 in einer Sondersitzung mit großer Mehrheit dem Vorgehen der NATO gegen Jugoslawien und einer Beteiligung der Bundeswehr an möglichen Luftschlägen zu. Von den 584 anwesenden Abgeordneten stimmten 503 für den Kosovo-Einsatz.[20]

Aus den Erfahrungen der Geiselnahme französischer Blauhelmsoldaten durch bosnische Serben im Jahr 1995 lag ein Hauptaugenmerk der Entsendestaaten darauf, die Sicherheit der Beobachter zu gewährleisten. Daher ordnete der NATO-Rat Planungen für eine Eingreiftruppe an, durch welche die KVM-Abgesandten im Notfall schnell aus dem Kosovo evakuiert werden sollten. Am 13. November wurde der Operationsplan beschlossen. Die Durchführung unterlag einer Eingreiftruppe, welche als Extraction Force (EXFOR) bezeichnet wurde. Der Deutsche Bundestag stimmte am 19. November der deutschen Beteiligung an der EXFOR zu. Dafür war eine verstärkte Kompanie der Bundeswehr vorgesehen, welche in Tetovo (Mazedonien) stationiert war. Am 12. Dezember 1998 meldete die gesamte Truppe Einsatzbereitschaft.[21]

Die Holbrooke-Milošević-Vereinbarung enthielt eine weitere Komponente, in der sich Jugoslawien bereit erklärte, unbewaffnete be- oder unbemannte Luftfahrzeuge, in seinem Luftraum zuzulassen. In diesem Rahmen stimmte der Deutsche Bundestag im November 1998 der Entsendung einer Drohnenbatterie mit der Aufklärungsdrohne CL-289 zu (ebenfalls in Tetovo stationiert).[18]

Nach dem Scheitern der Verhandlungen von Rambouillet wurde die Kosovo Verification Mission am 20. März 1999 nach Mazedonien evakuiert. Teile der Mission verblieben in Mazedonien und Albanien und wurden zur Flüchtlingsarbeit und zur Ermittlung von Menschenrechtsverstößen eingesetzt. Mit Beschluss vom 8. Juni 1999 wurde die Mission aufgelöst und durch die "OSZE Task Force" ersetzt.

Konfliktverlauf 1999

Im Januar 1999 flammten die Kämpfe im Kosovo erneut auf. Am 8. Januar verübte die UÇK in Dulje bei Shtime einen Überfall, bei dem drei serbische Polizisten getötet und einer verwundet wurde. Am 10. Januar überfiel die UÇK eine Polizeistreife in Slivovo, wobei ein Polizist getötet wurde. Besondere Beachtung in den Medien fand das sogenannte Massaker von Račak vom 15. Januar 1999. Unter bis heute ungeklärten Umständen wurden in dem Dorf über 40 Albaner getötet.[22]

Flüchtlinge berichteten, dass am 25. März 1999 in Bela Crkva von serbischen Sicherheitskräften mehr als 60 Kosovoalbaner getötet wurden, inklusive 20 Angehörige des Popaj-Clans und 25 Mitglieder des Zhuniqi-Clans. Berichten zufolge sollen einen Tag später 40 Albaner in Velika Krusa getötet worden sein. Zwischen 1. und 4 April hätten Sicherheitskräfte zudem mindestens 47 Menschen während einer gewaltsamen Vertreibungsaktion in Djakovica getötet.[2]

Verhandlungen von Rambouillet

Die seit 6. Februar 1999 in Rambouillet unter NATO-Vermittlung laufenden Friedensgespräche zwischen der jugoslawischen Führung und den Führern der Kosovo-Albaner wurden am 19. März 1999 unterbrochen. Während die Delegation der Kosovo-Albaner das ihr vorgelegte Papier – wonach der Kosovo innerhalb von Serbien eine umfassende Autonomie erhalten, aber unter serbischer Hoheit bleiben sollte, die UÇK entwaffnet und NATO-Truppen im Kosovo stationiert werden sollten – am 18. März 1999 unterzeichnet, wird dies von der jugoslawischen Delegation verweigert, weil sie eine Stationierung ausländischer Truppen sowohl im Kosovo als auch in der gesamten BR Jugoslawien, unter Zuerkennung vollständiger zivilrechtlicher und strafrechtlicher Immunität von NATO und NATO-Personal, sowie kostenlose und uneingeschränkte Nutzung der gesamten jugoslawischen Infrastruktur durch die NATO ablehnt.

„Tendenzen zu ethnischen Säuberungen sind weiterhin nicht zu erkennen.“ stand am 22. März 1999 in der Tagesmeldung des Amtes für Nachrichtenwesen der Bundeswehr.[23] Laut OSZE-Beobachtern gab es im März 1999, vor den NATO-Angriffen, im gesamten Kosovo 39 Todesopfer auf beiden Seiten. Am 22. März 1999 wurden die OSZE-Beobachter wegen erwarteter NATO-Angriffe aus dem Kosovo abgezogen.

Am 23. März wurde von jugoslawischer Seite nach Unterredung mit dem Sondergesandten Richard Holbrooke ein Teil des Rambouillet-Papiers akzeptiert, der Anhang B wurde aber weiterhin abgelehnt. Dieser sah die Stationierung einer NATO-Friedenstruppe im Kosovo vor, ferner die Versorgung dieser Truppe über jugoslawisches Hoheitsgebiet, dies unkontrolliert und ohne Mitwirkungsrecht der jugoslawischen Regierung, inklusive Nachschublieferungen auf jugoslawischem Staatsgebiet, oft als „Manöver“ missverstanden. Der entsprechende Anhang B sprach folgerichtig von „manövrieren“ (to maneuver).[24] Sowohl die NATO als auch die albanische Delegation bestanden auf einer Präsenz von NATO-Truppen im Kosovo, da sie den Zusicherungen der jugoslawischen Regierung nicht trauten.

Mit der Veröffentlichung eines angeblichen Hufeisenplans der Jugoslawischen Armee durch westliche Politiker sollte ein militärstrategischer Plan der jugoslawischen Regierung zur systematischen Vertreibung der Albaner aus dem Kosovo aufgezeigt werden. Er wurde im Frühjahr 1999, unter anderem durch die damaligen Minister Joschka Fischer[25] und Rudolf Scharping, zur Begründung des Kosovokriegs gegen das damalige Rest-Jugoslawien angeführt. Die Existenz eines solchen Planes wird bis heute angezweifelt und konnte auch in Den Haag nicht bewiesen werden.

Beginn der Operation Allied Force am 24. März 1999

Wesley Clark, Oberbefehlshaber der NATO im Kosovo-Krieg, auf einer Besprechung am 9. Mai 1999 in der Luftwaffenbasis Aviano
Hauptartikel: Operation Allied Force

Die Option, im Kosovo militärisch einzugreifen, verfolgte die NATO seit 1998. Vorbereitend wurden schon im Juni 1998 militärische Luftübungen über Albanien und Mazedonien abgehalten und Einheiten der Marines zu Übungen nach Albanien gebracht.[26] Die Planung für die Luftangriffe waren im September 1998 unter den NATO-Mitgliedern abgeschlossen.[27] Am 13. Oktober 1998 autorisierte der Nordatlantikrat NATO-Generalsekretär Javier Solana, den Aktivierungsbefehl für Luftschläge zu geben. Sie waren für ein Scheitern der Gespräche zwischen Milošević und Holbrooke vorgesehen. Die schon in der Luft auf den Angriffsbefehl wartenden B-52 Bomber der US-Air Force wurden noch am 13. Oktober 1998 in letzter Sekunde zurückbeordert.[28]

Im Verlauf des März 1999 verdichteten sich neuerlich Informationen zu einem bevorstehenden Luftschlag der NATO. Die Luft- und Seestreitkräfte der NATO hatten ihre Positionen eingenommen, der von der USS Theodore Roosevelt angeführte amerikanische Flottenträgerverband wurde aus dem Persischen Golf in die Adria beordert und die Beobachter der OSZE an der KVM-Mission am 20. März aus dem Kosovo abgezogen. Ein Angriff auf die Bundesrepublik Jugoslawien war damit jetzt imminent.[29] Russland, das bis zuletzt an einer friedlichen Beilegung gearbeitet hatte und wichtigster Verbündeter Serbiens war, wurde über die bevorstehenden Luftschläge noch am 24. März informiert. Der amerikanische Präsident Bill Clinton benachrichtigte Boris Jelzin dabei in einem Brief und einem längeren Telefongespräch über den Beginn und die Ziele des Krieges.[30] In einem in der Diplomatie einzigartigen Vorfall ließ der sich am 24. März gerade auf dem Weg nach Washington befindliche Außenminister Russlands, Jewgeni Primakow, nach einer telefonischen Auseinandersetzung mit dem US-amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore, der ihm mitteilte, dass die Luftschläge nicht mehr aufzuhalten seien, sein Flugzeug über dem Atlantik wenden und kehrte nach Moskau zurück.[31]

Am Abend des 24. März 1999 gaben NATO-Generalsekretär Javier Solana und NATO-Oberbefehlshaber US-General Wesley Clark Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien bekannt. Die NATO-Luftstreitkräfte begannen ab ca. 20 Uhr mit Angriffen auf Ziele der serbischen Luftverteidigung in Pančevo, Belgrad, Priština, Novi Sad und Podgorica.[32] Bei diesem Angriff waren von U-Booten in der Adria sowie von B-52-Bombern abgefeuerte Marschflugkörper und von verschiedenen Basen gestartete Kampfflugzeuge beteiligt.[33]

Auch die Bundeswehr beteiligte sich vom ersten Tag an an den Luftschlägen. Für sie stellte der Kosovokrieg den ersten Kampfeinsatz seit der Gründung 1955 dar. Die deutsche Luftwaffe beteiligte sich mit 14 Aufklärungs- und Elektronischen Kampfaufklärungsflugzeugen vom Typ Tornado ECR (10 Stück) und Tornado Recce (4 Stück) des Einsatzgeschwaders 1 von den italienischen Luftwaffenstützpunkten Piacenza und Aviano. Die ECR-Tornados flogen 428 SEAD-Einsätze. Unter anderem wurden über 200 Raketen des Typs AGM-88 HARM gegen feindliche Radarstellungen eingesetzt. Die Luftwaffe hatte dabei keine eigenen Verluste zu verzeichnen. Vermutlich durch Beschuss feindlicher Flak gingen allerdings einige zu Aufklärungszwecken eingesetzte Drohnen des Typs CL 289 verloren. In der Adria wurde die Fregatte „Rheinland-Pfalz (F 209)“ stationiert und später durch den Zerstörer „Lütjens (D 185)“ abgelöst.

Russland kritisierte die NATO-Luftangriffe sofort scharf und drohte bei einer Eskalation des Konfliktes mit militärischen Gegenmaßnahmen. Eine schon laufende militärische Unterstützung Russlands an Serbien durch mehrere Transportflugzeuge mit schwerem Kriegsgerät wurde durch die entzogenen Überflugrechte über Rumänien und Bulgarien sowie einen Eingriff der Behörden in Aserbaidschan vereitelt.[34]

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan erklärte am 24. März, dass der Weltsicherheitsrat „die erste Verantwortung“ für die Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit habe. „Dies ist ausdrücklich anerkannt im Nordatlantischen Vertrag (NATO-Vertrag)“. Ohne die NATO-Luftangriffe auf Ziele im Kosovo und im übrigen Jugoslawien zu kritisieren, äußerte Annan sein „tiefes Bedauern“, dass trotz aller Bemühungen die jugoslawische Regierung auf der Ablehnung einer politischen Lösung bestanden habe. „Es ist in der Tat tragisch, dass die Diplomatie versagt hat. Aber es gibt Zeiten, in denen die Anwendung von Gewalt für die Bemühungen um den Frieden legitim sein könnte.“

Mobilisierung der Jugoslawischen Armee (VJ)

Aufgrund der Angriffe wurde die Jugoslawische Armee (Vojska Jugoslavije) am 24. März teilmobilisiert, der Ausnahmezustand noch am Abend ausgerufen. Insbesondere wurde die Luftverteidigung (RV - Ratno Vazduhoplovstvo und PVO - Protiv Vazdužna Odbrana) auf eine Gegenwehr eingerichtet und die einzige relevante Jagdstaffel, das 127. LAE (Jagdfliegerstaffel) mit seinen 10 modernen Abfangjägern vom Typ MiG-29 „Fulcrum“ der praktisch obsoleten Luftwaffe in Einsatz gerufen und zu je einem Tandem auf die Militärflugplätze in Batajnica (Belgrad), Golubinci, Lađevci (Kraljevo), Niš, Ponikve und die Flugzeugkaverne in Slatina-Priština verteilt. Alle Einheiten der Jugoslawischen Armee und die militärische Ausrüstung wurden in sichere Militärobjekte verlegt oder auf das Territorium des Landes verteilt.[35] Nachdem Tito während des Kalten Krieges überall im ehemaligen Jugoslawien befestigte Militärobjekte errichten ließ, verfügte die Jugoslawische Armee über zahlreiche bombensichere unterirdische Kavernen, Bunker und Depots. Die meisten der militärischen Basen, die im Verlauf der Luftschläge der NATO zerstört wurden, waren demnach schon lange von der VJ evakuiert, was das strategische Potential eines alleinigen Luftkrieges nachhaltig in Zweifel zog. Dennoch blieb dieser im Kosovo-Krieg die dominierende militärische Doktrin des westlichen Militärbündnisses, auch wenn insbesondere Tony Blair Ende April die Option zu einer Bodenoffensive gegen die VJ nicht mehr ausschloss.[36]

Um gegen die NATO und die verbündeten UÇK-Rebellen in dieser Situation eine strategische Verstärkung der Position im Kosovo zu erreichen und einen möglichen Bodenangriff abzuwehren, beschloss der Generalstab und der Kommandant der 3. Armee Nebojša Pavković am späten Abend des 28. März 1999, eine der stärksten Einheiten der 1. Armee, die 252. motorisierte Brigade, unter völliger Geheimhaltung aus Kraljevo in den Kosovo zu verlegen und die dortigen Einheiten des Priština Korpus unter Vladimir Lazarević zu unterstützen. Die Kolonne des Großkonvois von 60 km Länge bestand aus schwerer Artillerie, Panzern und Truppentransportern. Die Brigade konnte von der Luftaufklärung der NATO unbemerkt über die Eisenbahnlinie (die Eisenbahnbrücken wurden erst Anfang April bombardiert) innerhalb von vier Tagen nach Kosovska Mitrovica und Lipljan verlegt werden. Die Tarnung des Konvois, der tagsüber in den zahlreichen Tunneln der Eisenbahnlinie versteckt lag, sowie schlechtes Wetter verhinderten seine Entdeckung. Damit gelang es der VJ, eine für sie strategisch günstige Ausgangslage am Boden einzunehmen und damit die NATO in einen nicht geplanten und unvorhergesehenen längeren Konflikt zu ziehen.[37]

Flüchtlingslager in Albanien im Juni 1999 östlich von Kukës.

Nach dem Beginn des Bombardements wurden mehrere hunderttausend Menschen (460.000 allein nach Albanien)[38], meist Kosovo-Albaner, von jugoslawischen Militär- und Polizeieinheiten aus dem Kosovo vertrieben oder flüchteten vor den Kriegseinwirkungen[39] Sie suchten zumeist in den Nachbarländern Albanien und Mazedonien Zuflucht.[40] Die vom damaligen deutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping vorgebrachte Begründung für die Bombardierung, dass ein serbischer Plan existiere, der darauf abzielte, die Albaner zu vertreiben (sogenannter Hufeisenplan (Potkovica)), ist umstritten und rief anhaltende Kontroversen über Aussagen zum Krieg innerhalb der NATO hervor.[41] Bis heute wird die Vertreibung der Albaner während des Krieges kontrovers diskutiert, doch sind die Auswirkungen der durch die Bombardierung hervorgerufenen Flüchtlingsströme nicht zu leugnen.[42]

Am 31. März gerieten im Grenzgebiet zwischen dem Kosovo und Mazedonien drei US-Soldaten (Cpt. Peter Lamp, Airman Miles, AFC MC Grom) in die Gewalt der jugoslawischen Armee. Sie wurden wenige Tage später wieder freigelassen. Am 7. April schloss Jugoslawien seine Grenzen zu Albanien und Mazedonien und trieb die soeben vertriebenen Kosovaren zurück ins Landesinnere.

Bodengefechte an den Grenzposten Morina und Košare

Ruinen im Tal des Weißen Drin bei Morina, 2001

Die UÇK war durch die VJ aus ihren Stellungen in die Nachbarländer vertrieben worden und plante ab dem 9. April aus Albanien kommend in den Kosovo einzudringen. Kämpfe zwischen der UÇK und der VJ fanden insbesondere an den in unübersichtlichem Bergland gelegenen Grenzposten Morina und Košare im Gebirgsgebiet der Prokletije statt. Die zwischen April und insbesondere im Mai geführten Kämpfe bildeten die schwersten Bodenkämpfe im Kosovo.

Eine zahlenmäßig bedeutende Einheit der Infanterie der UÇK, Schätzungen gehen von ca. 9000 Kämpfern aus, nahmen an den Kämpfen teil, die dadurch ca. maximal 500 Meter in das Territorium des Kosovo eindringen konnten und den Grenzposten Košare (Karaula Košare) (42.323320.2587700) einnahmen. Die NATO unterstützte die UÇK durch Bombardierung der VJ und nahm am 10. und 11. Mai insbesondere Flächenbombardierungen gegen Truppenmassierungen der VJ mit Clusterbomben auf.

Die Planung der UÇK-Košare-Offensive war eng mit NATO-Stäben abgesprochen und hatten sowohl die logistische als auch taktische Unterstützung der in Albanien stationierten amerikanischen Einheiten sowie der Luftwaffe der NATO. Durch die Eröffnung, dass ein versehentlicher NATO-Angriff auf vermeintlich noch von der VJ gehaltene Positionen bei Košare, hohe Verluste der UÇK verursachte,[43] wurde die Koordinierung der Offensive durch die NATO weitläufig bekannt.[44]

Die VJ hatte bei den Gefechten ihre schwersten Verluste des Krieges zu beklagen,[45] erlaubte der UÇK aber durch eine fortlaufende Verstärkung, mehrere Gegenoffensiven und schwerste Abwehrgefechte nicht, tiefer über die Grenzlinie in das Kosovo einzudringen. Da die Bergregion nicht mit schwerem Gerät erreichbar war, wurden die Kämpfe überwiegend von der Infanterie geführt. Ein Versuch der VJ, mit Panzern in den dichten Bergwäldern zu operieren, sollte vor allem demoralisierende Wirkung haben, blieb aber militärisch weitgehend wirkungslos.

Insgesamt wehrte die VJ ein weiteres Vordringen, als über die eigentlichen Grenzposten hinaus, erfolgreich ab und kontrollierte damit bis zum 10. Juni auch das komplette Territorium des Kosovo.

Strategischer Luftkrieg der NATO

Der Luftkrieg der NATO war ursprünglich nur für wenige Tage vorgesehen, die Ziele für die Angriffe nach einem bestimmten Schema organisiert. Es gab erste, zweite und dritte Kategorien je nach Zieltyp und geplanten Eskalationsverlauf der Luftschläge. Dabei entsprachen die Typen eins und zwei den militärischen Zielen, die dritte Kategorie den Zielen der zivilen Infrastruktur. Anfangs zielten die Luftangriffe der NATO nur auf Ziele der ersten und zweiten Kategorie. Da Milošević aber früh zu verstehen gab, dass er sich der Gewalt der Luftstreitmacht nicht ohne weiteres beugen würde und seine Armee vorzeitig in Deckung beordert wurde, entschied die NATO relativ bald, eine Eskalation herbeizuführen und auch Ziele der zivilen Infrastruktur anzugreifen.

Innerhalb der NATO-Befehlskette gab es von Anfang an große Differenzen, die nicht nur unter den einzelnen NATO-Mitgliedern beträchtlich waren, sondern auch innerhalb der militärischen Strukturen, und auch auf persönlicher Ebene zu schweren Zerwürfnissen führten. So war die Kommunikation zwischen dem Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten William Cohen und dem Oberkommandierenden der Operation Wesley Clark durch ein schlechtes persönliches Verhältnis geprägt und Clark hatte innerhalb seiner eigenen Befehlskette in seinem Luftwaffenchef Michael Short sowie dem britischen Kommandanten Sir Mike Jackson erhebliche Widersacher über Strategie und Taktik, was sogar zu Befehlsverweigerungen führte und in den kritischsten Situationen des Krieges nur durch wiederholte Intervention auf höchster politischer Ebene zu lösen war.[46]

Integrierte Luftverteidigung der VJ

Flugabwehrrakete SA-3 Neva (S-125) der Serbischen Armee

Die integrierte Luftverteidigung (PVO) der Vojska Jugoslavije bestand aus der 250. Raketenbrigade sowie dem Jagdgeschwader der Jugoslawischen Luftwaffe. Der VJ standen nur militärtechnisch veraltete Geräte zur Verfügung, diese aber in großer Anzahl. Darunter 24 SA-2, 16 SA-3 und 60-80 SA-6 Einheiten.[47] Die operativ bedeutendsten Raketendivisionen bestanden aus sechs Mobilen Divisionen mit SA-6 Lafetten sowie den als Ring um Belgrad (Batajnica, Jakovo, Mala Vrbica (Mladenovac), Zuce und Pančevo) angeordneten fünf Divisionen mit S-125 Neva Batterien.

Die Luftverteidigung der VJ operierte nach den Lehren, die man aus den taktischen Fehlern bei der schlagartigen Eliminierung der Luftverteidigung der irakischen Armee im ersten Golfkrieg, die mit ähnlichen Waffensystemen ausgestattet war, zog. Um die Radaranlagen und Raketenbatterien nicht wie bei Desert Storm durch spezielle HARM-Raketen schon nach sechs Tagen zu verlieren, wurden alle Luftverteidigungsbatterien aus den bekannten Garnisonen gebracht und über das Land verteilt.[48] Zudem vermied die VJ, die Radaranlagen länger als nötig einzuschalten und Reaktionszeiten von unter einer Minute reichten aus, um die Boden-Luft-Raketen zu aktivieren, was durch die konzentrierte Kommandostruktur, die über gehärtete unterirdische Objekte vernetzt war und über mehrere verteilte Frühwarnsysteme verfügte, auch funktionierte. Die limitierte Nutzung der Radaranlagen führte dazu, dass zwischen der PVO und den SEAD-Missionen der NATO ein ständiger Wettlauf bei der Aktivierung der eigenen Waffensysteme stattfand, was zu einer sehr hohen Belastung der Besatzungen führte.

Die Aufgabe, die divers verteilten Raketenbatterien und die selektiv agierende Luftverteidigung der VJ auszuschalten, kam, wie Admiral Leighton W. Smith betonte, dem Versuch gleich, Kartoffeln einzeln nacheinander auszugraben,[49] Dass dies nicht gelang, bestätigt auch der Vizeadmiral der 6. Flotte Daniel Murphy: Wir haben nie ihre integrierte Luftverteidigung (IADS) neutralisiert. Wir waren am 78. Tag nicht sicherer als am Ersten.[50] Ein Ergebnis dieser Taktik war aber auch die geringe Zahl abgeschossener Flugzeuge, die NATO verlor nur zwei Flugzeuge.

Am ersten Tag der Luftschläge blieb die Luftverteidigung der VJ praktisch inaktiv, am zweiten Tag wurden nur zehn SA-6-Raketen abgefeuert, doch in späteren Phasen wurden auch dutzende Salven von SA-6 über dem ganzen Territorium abgefeuert, was die NATO-Flugzeuge zu schwierigen Manövern und Vermeidung von Flugrouten, die näher als 5 km von Straßen lagen, zwang. Vorrangig wurden zudem konventionelle Flugabwehrkanonen als Sperrfeuer eingesetzt.

Das integrierte Luftverteidigungssystem der Vojska Jugoslavije (VJ) konnte so die 78 Tage des Luftkrieges trotz der täglichen Angriffe gut überstehen. Von 25 SA-6-Batterien waren bis zum Schluss der Kampfhandlungen nur drei ausgeschaltet worden. Dadurch behinderte die andauernde Gefahr von Boden-Luftraketen der VJ die Operationen der NATO, auch wenn die veralteten Raketen-Systeme aus den 1970er Jahren keine ernsthafte Bedrohung für die modernen Jagdflugzeuge darstellten.[51] Insgesamt wurden bis zum 2. Juni 1999 266 SA-6 sowie 175 SA-3 von der PVO der VJ abgefeuert.[47] Letztlich wurden fast ein Drittel aller Missionen der NATO zur Unterdrückung der Luftverteidigung aufgebracht. Von insgesamt 38.000 Angriffsflügen galten 12.200 der PVO.[47]

Belgrad als Hauptangriffsziel der NATO wurde hauptsächlich auch von mit S-125 Neva-M bestückten Divisionen verteidigt. Dabei konnten die für mittlere Strecken geeigneten Raketen auch noch 15 km entfernte sowie hochfliegende Flugzeuge der NATO bedrohen. Durch eine Modifikation am sowjetischen P-12-Radar wurden auch erstmalig die Flugrouten der Tarnkappenbomber ausgespäht.[52] Aufgrund der während der gesamten Operation intakt gebliebenen Luftverteidigung um Belgrad war die NATO gezwungen die SEAD-Missionen ständig aufrechtzuerhalten und einen Abstand von 15 km zu S-125-Newa-Batterien einzuhalten.

Als am 27. März über dem Dorf Buđanovci 50 km nordwestlich von Belgrad – zum ersten Mal überhaupt – ein Tarnkappenbomber vom Typ F-117 „Nighthawk“ von der dritten Division der 250. Raketenbrigade in Jakovo mit einer sowjetischen Boden-Luft Rakete S-125 Newa abgeschossen wurde, gelang der Luftverteidigung der VJ damit ein weitreichender taktischer Erfolg, der das operative Vorgehen der NATO-Luftwaffe nachhaltig änderte und die Sicherheitsregeln für die Angriffe dauerhaft verschärfte. Tarnkappenbomber konnten von nun an nur noch mit Begleitschutz fliegen, und die SEAD-Operation zum Zerstören gegnerischer Raketen- und Radarstellen machten fortan einen großen Teil der gesamten Luftoperation aus, was die Flugzeuge daran hinderte, ihre eigentlichen Ziele zu bekämpfen. Der Pilot der abgeschossenen F-117 A wurde noch in der Abschussnacht von Spezialeinheiten der US Air Force gerettet. Das Flugzeugwrack steht heute im Flugmuseum der Stadt Belgrad.[53] Die F-117 A wurde nach Analysen der Luftkampagne in Jugoslawien letztlich eingemottet, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass sie keine GPS-gesteuerten Waffensysteme nutzen kann.

Der höchstrangige Offizier der VJ, der im Krieg starb, war Ljubiša Veličković, ehemaliger Kommandant der Luftstreitkräfte der VJ. Er starb bei einem Angriff auf eine Stellung der PVO am 30. Mai 1999.[54] Gerüchte, dies sei im Zusammenhang mit einer Aufstellung der mutmaßlich modernen Batterie der russischen S-300P (SA-10 Grumble) passiert, wurden offiziell nie bestätigt.[55]

Diplomatische Bemühungen

Am 27. März endeten die Vermittlungsbemühungen des ukrainischen Außenministers Borys Tarasjuk und seines Amtskollegen, Verteidigungsminister Olexandr Kusmuk in Belgrad. Am 22. April führte der russische Sondergesandte Wiktor Stepanowitsch Tschernomyrdin ergebnislose Gespräche mit Slobodan Milošević. Am 6. Mai legten die Außenminister der G-8-Staaten einen Friedensplan vor. Am 14. Mai beginnt der finnische Präsident Martti Ahtisaari im Auftrag der Europäischen Union mit Verhandlungen.

Luftschläge auf zivile Infrastruktureinrichtungen

Zerstörter Fernsehturm bei Novi Sad

Während zu Anfang der NATO-Luft-Kampagne die Luftverteidigung sowie die Kommando-, Kontroll- und Kommunikations-Zentren der VJ vorrangig Ziel der Luftschläge waren,[56] änderte die NATO auch durch den politische Druck innerhalb des gespannten Bündnisses, ein schnelles Ende herbei zu führen, die Taktik und griff auch innerhalb der Zentren der Großstädte an, obwohl es den Flugzeugen nicht gelungen war, die serbischen Kommando- und Kontroll-Zentren auszuschalten und die Luftverteidigung bis Ende des Krieges aktiv blieb, was die Bomber der NATO zur kontroversen Situation zwang, nicht unter 5000 Meter zu operieren und damit einen Großteil der Präzision der eingesetzten Waffensysteme einzubüßen.[57] Ein besonderes Problem stellte zudem das notorisch schlechte Wetter im Frühjahr dar, was viele nicht erfolgreiche Missionen nach sich führte.[58]

Die NATO bombardierte in der ersten Kriegsnacht mehrere serbische Chemie- und Petrochemiewerke im Chemie-Großkombinat Pancevo, einem Vorort von Belgrad. Große Mengen an giftigen und krebserregenden Stoffen traten dabei in Wasser und Luft aus. Die Schwaden aus den brennenden Fabriken haben Pancevo in eine Giftwolke gehüllt. Sie bestand aus einer ätzenden und giftigen Mischung von Chlorwasserstoff, Vinylchlorid, Schwefeldioxid und Phosgen, das vor allem bekannt ist für seinen Einsatz als Lungenkampfstoff im Ersten Weltkrieg (siehe auch Grünkreuz). Schwangeren Frauen sollen Ärzte zur Abtreibung geraten haben, und für zwei Jahre zur Vermeidung von Schwangerschaften geraten haben, weil jene missgebildete Kinder befürchteten. Während der Bombennächte waren die Giftkonzentrationen teilweise derart hoch, dass Ursula Stephan (damalige Störfallexpertin der dt. Bundesregierung) von "chemischer Kriegführung mit konventionellen Waffen" sprach.[59][60]

Der erste große Angriff auf ein bedeutendes innerstädtisches Objekt war in der Nacht vom 22. zum 23. April das Gebäude des Serbischen Rundfunks (RTS) in der Aberdareva-Straße in Belgrad. Durch den Angriff wurden 16 Zivilisten getötet und der Sendebetrieb des Fernsehens für wenige Stunden unterbrochen. Der nächste große Angriff in Belgrad erfolgte in der Nacht vom 29. zum 30. April auf die Gebäude des Generalstabs der Streitkräfte Jugoslawiens und das bereits beschädigte Gebäude der Bundespolizei. Bei diesem Angriff wurde auch der Belgrader Fernsehturm zerstört.

Die VJ setzte zur Täuschung der NATO zudem Attrappen von Artilleriegeschützen und Panzern ein und hatte aus Holz „Potemkinsche Brücken“ errichtet, um die echten Übergänge zu verschleiern.

Im Mai und Juni eskalierten die Angriffe der NATO, die durch die bessere Witterungsbedingungen begünstigt wurden.[61] Die NATO zielte mittlerweile auch vorrangig auf die Stromversorgung in Serbien. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai setzten US-Kampfflugzeuge auch erstmals lasergelenkte Graphitbomben vom Typ BLU-144/B gegen die Kondensatoren der Umspannwerke in Serbien ein, die im Hochspannungsnetz einen Kurzschluss hervorrufen. Weitere Einsätze erfolgten gegen die Wärmekraftwerke Nikola Tesla in Obrenovac sowie in Kostolac. Der Angriff in Kostolac verursachte den Zusammenbruch des elektroenergetischen Systems Serbiens. Ohne Strom blieben sowohl Belgrad, die ganze Vojvodina, alle Städte der Morava-Region, Niš, Kragujevac, Smederevo, Valjevo und andere Städte sowie Teile der Republika Srpska, die aus den genannten Wärmekraftwerken Strom bekommt. Wegen Havarien hatten viele Städte auch kein Wasser.

Beschädigtes Verteidigungsministerium in Belgrad

In der Nacht vom 7. zum 8. Mai erfolgte ein heftiger Angriff auf Belgrad. Die Gebäude des Generalstabs der Streitkräfte Jugoslawiens und das Bundesinnenministerium wurden erneut bombardiert und vier GPS-gesteuerten Bomben eines B2-Bombers auf die Botschaft Chinas in Neu-Belgrad abgeworfen. Dabei wurden vier Botschaftsangehörige getötet und vier schwer verletzt, was zu einer schweren Krise im Verhältnis der USA und China führte. Das Hotel „Jugoslavija“ wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, ein Gast kam ums Leben. Beim abermaligen Angriff mit Graphitbomben auf das Wärmekraftwerk in Obrenovac und mehrere Umschaltstationen wurde das Stromversorgungsystem beschädigt und die ganze Stadt blieb ohne Strom.

Arrow-Offensive der UÇK

Zudem änderte die NATO ihre Waffentaktik beim eigentlichen Ziel, dem Kampf gegen die VJ im Kosovo, da schon Anfang März die Anzahl der Cruise Missiles am unteren Limit angekommen und daher die F-117 A vermehrt Einsätze übernehmen mussten.[62] Als absehbar wurde, dass die Vorräte an Präzisions-Waffen und Cruise Missiles Ende Mai zu Ende gingen,[63] nahmen die schweren Einheiten der NATO im Laufe des Mai und Juni auch konventionelle Flächenbombardierungen mit strategischen B-52 Bombern im Kosovo auf, die durch die Öffentlichkeitsarbeit des NATO-Sprechers Jamie Shea über angebliche erhebliche Verluste der Jugoslawischen Armee, während des konzentrierten Angriffes einer B-52-Staffel auf Positionen der serbischen Sicherheitskräfte am Berg Paštrik bei Prizren, erstmals der Presse präsentiert wurden.[64]

Die schweren Bombardements am Paštrik resultierten, als die NATO die Arrow-Offensive der UCK vor dem Scheitern bewahren wollte. Die UCK versuchte am 26. Mai den Durchbruch über die Grenze Albaniens nach Prizren. Schwere Artilleriegefechte, die über die Grenze von Albanien und Kosovo geführt wurden, begleiteten die Gefechte.[65] Die UCK-Offensive stand am 2. Juni vor dem Scheitern und man wandte sich direkt an die NATO mit der Bitte um Luftunterstützung.[66]

Die anfänglich mitgeteilten hohen Opferzahlen vom 7. Juni 1999 bei den Bombardierung von B-52- und B-1-Bombern der VJ konnten nach dem Krieg nicht mehr bestätigt werden,[67] Nachkriegsanalysen fanden auch keine der auf zwischen 400 - 800 geschätzten Toten der VJ.[68] Das Missverhältnis zwischen der Propaganda und den Nachkriegsanalysen wurde dabei mehrfach bestätigt, die Flächenbombardierung blieb vom militärischen Aspekt ohne Wirkung, hatte aber diplomatischen Nutzen.[69]

Die notwendig gewordenen Anhäufungen der VJ an den Grenzübergängen nach Albanien bei den Gefechten gegen die UCK machten es der NATO leichter, die Truppen der Serben zu treffen. Gefechtsanalysen ergaben, dass so 60 Prozent der serbischen Verluste im Kosovo die letzten zwei Wochen betrafen.

Bis Ende Mai 1999 waren über 750.000 Kosovaren auf der Flucht, davon 570.000 innerhalb der Provinz. Systematisch nutzte die VJ die Vertreibung dazu, die Nachbarländer Mazedonien und Albanien zu destabilisieren. Bis Ende Mai waren über 230.000 Menschen nach Mazedonien geflohen und das ethnische Gefüge des Landes geriet in Gefahr. Zahlreiche Hilfsflüge nach Tirana und Skopje und die Errichtung von Flüchtlingslagern verhinderten eine Störung des Gleichgewichts.

Planungen einer Nato-Bodenoffensive

In Albanien stationierte US-amerikanische Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 Apache und Transporthubschrauber vom Typ UH-60 Black Hawk im April 1999.

Die zunehmende Kritik an der Ineffektivität, die serbischen Truppen durch beschränkte Luftschläge aus dem Kosovo zu drängen, ließen Ende Mai Überlegungen einer Bodenoffensive erneut auftauchen. Am 28. Mai flog Tony Blair zu Beratungen nach Washington um darüber mit Bill Clinton zu diskutieren. Größtes Hindernis für eine Bodenoffensive war aber, dass es Monate gebraucht hätte, um eine zahlenmäßig überlegene Armee aufzustellen.[70] Nach dem Krieg wurde bekannt, dass der britische Premierminister Anfang Juni mit dem US-amerikanischen Präsidenten überein gekommen war, eine zum Sieg über die VJ tatsächlich notwendige Bodenoffensive am 10. Juni 1999 auszurufen, die frühestens im September 1999 hätte begonnen werden können.[71]

Ende der Kampfhandlungen und Rückzug der VJ aus dem Kosovo

Am 3. Juni billigte das serbische Parlament den von den G-8-Staaten am 6. Mai vorgelegten Friedensplan und auch Präsident Milošević stimmte diesem zu. Die nachfolgenden Verhandlungen über die militärische Umsetzung gestalteten sich durch neue Forderungen der serbischen Seite zunächst schwierig.

Am 9. Juni einigten sich die NATO und Jugoslawien bei Militärverhandlungen in Kumanovo auf einen Abzug der serbischen Truppen aus dem Kosovo und die Stationierung einer NATO-geführten Friedenstruppe (KFOR) unter UN-Mandat.[72] Die NATO beendete daraufhin das Bombardement. Ein großer Teil der serbischen Bevölkerung verließ das Kosovo aus Angst vor Racheakten von albanischer Seite.

Am 10. Juni billigte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in der UN-Resolution 1244 sowohl den Friedensplan als auch das militärische Abkommen.

Am 12. Juni rückte die KFOR im Rahmen der Operation Joint Guardian in das Kosovo ein. Dabei stießen sie am Flughafen Priština auf knapp 200 russische Fallschirmjäger, die ihn in einer handstreichartigen Aktion von Bosnien aus in den frühen Morgenstunden eingenommen hatten und durch sechs in einer Geheimoperation aufgestellten Iljuschin Il-76-Transportflugzeuge mit 2000 regulären Fallschirmjägern Verstärkung erwarteten, die jedoch durch die Blockade der Überflugrechte über Ungarn am 11. Juni aufgehalten wurde.[73] Auf die Nachricht, dass die Russen vor den NATO-Truppen eintreffen würden, reagierte der Oberbefehlshaber der NATO Wesley Clark ungewöhnlich scharf und befahl dem britischen Truppenkommandanten Mike Jackson, diese um jeden erdenklichen Preis, auch mit militärischen Mitteln, zu stoppen. Jackson verweigerte den Befehl mit den Worten Ich werde wegen Ihnen nicht den Dritten Weltkrieg auslösen mehrmals.[74] Erst eine Demarche der obersten Befehlshaber in Washington stoppte Clark, der nach dem Krieg wegen seiner Eigenwilligkeit und seiner auch auf privaten Motiven basierenden Entscheidung zum Krieg in Bosnien und Kosovo im Pentagon schnell in Ungnade fiel und trotz seines militärischen Erfolges als NATO-Oberkommandierender Südost zwei Jahre früher als geplant von seinem Posten abberufen wurde. Die NATO-Truppen interpretierten die russische Einheit als Vorhut größerer Kontingente, was zu Spannungen zwischen beiden Parteien führte, da die NATO-Verbände den Flughafen Slatina bei Pristina hermetisch abriegelten und zu verstehen gaben, dass die russischen Truppen völlig isoliert sind. In Verhandlungen billigte die NATO Russland die Teilnahme an der KFOR in vier von fünf Sektoren schließlich zu, verweigerte ihnen jedoch einen eigenen Sektor.[75]

Unverzüglich zogen die NATO-Truppen nach. Als erste Einheit des Gepanzerten Einsatzverbandes der Bundeswehr unter Führung von Brigadegeneral Fritz von Korff und der von ihr geführten Multinationalen Brigade Süd (MNB-S) rückte am 12. Juni eine verstärkte Panzerkompanie im Gefolge britischer Truppen von Mazedonien in den Kosovo ein.

Am 21. Juni erklärte NATO-Generalsekretär Javier Solana die NATO-Luftangriffe für beendet und am 24. Juni beschloss das serbische Parlament die Aufhebung des Kriegszustandes.

Spionagevorfall in der NATO

Am 13. Dezember 2001 befand ein Militärgericht in Paris den französischen Commandant Pierre-Henri Bunel des Verrats für schuldig, und verurteilte ihn zu einer von fünf auf zwei Jahre verkürzten Haftstrafe. Bunel war der Weitergabe streng geheimer Zielkoordinaten und operativer Daten der NATO an den serbischen Agenten und Obersten Jovan Milanovic[76] in Brüssel im Jahre 1998 angeklagt. Als Motiv für die Tat, derer er geständig war, gab er an, Serbien von der Authentizität der Drohungen der NATO überzeugen und damit eine humanitäre Katastrophe im Land abwenden zu wollen.[77][78] Der Guardian sah Bunels Antrieb in seiner schleppend verlaufenden Militärkarriere.[76] Der BBC zufolge beschuldigten andere NATO-Mitglieder Frankreich aufgrund seiner historisch bedingten Sympathien für Serbien, die im französischen Offizierskorps besonders stark anzutreffen gewesen seien, die Luftangriffe zu erschweren.[79][80]

Das tatsächlich von Bunel verursachte Risiko für Soldaten des Nordatlantikbündnisses stellte sich als gering heraus, da die von ihm herausgegebenen Informationen vorläufiger Natur waren.[81] Demgegenüber bezichtigte der Independent Bunel des „Antiamerikanismus[82] anstelle bestimmter Sympathien.

Folgen des Krieges

Serbien und Kosovo

Am 17. Februar 2008 erklärte das Parlament des Kosovo die Unabhängigkeit der Republik Kosovo. 75 der 192 UN-Mitgliedstaaten erkennen den Kosovo bisher als unabhängigen Staat an, darunter die Mehrzahl der EU-Staaten und die USA. Nicht anerkannt wird die Loslösung von Serbien, Russland und der Mehrzahl der südamerikanischen und asiatischen Länder.

Fünf hohe serbische Beamte wurden im Februar 2009 vor dem internationalen Tribunal in Den Haag wegen ihrer Beteiligung an Kriegsverbrechen gegen die albanische Zivilbevölkerung zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.[83]

NATO Einsatz: Krise, Folgen und Bewertung

Die Intervention der NATO erfolgte ohne UN-Mandat, als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen der jugoslawischen Sicherheitskräfte gegen die Zivilbevölkerung in der mehrheitlich von Albanern besiedelten serbischen Provinz Kosovo. Jugoslawien beklagte anderseits sezessionistische Tendenzen bei großen Teilen der albanischen Bevölkerung des Kosovo, und berief sich auf das Recht, die seit 1997 mit Guerilla-Methoden operierende UÇK zu bekämpfen.

An dem von NATO-Luftstreitkräften ohne Einsatz von Bodentruppen geführten Luftkrieg (Operation Allied Force) waren anfänglich 430 Flugzeuge beteiligt. Durch den unvorhergesehen langen Kriegsverlauf mussten aber bis Kriegsende insgesamt 1200 Kampfflugzeuge von 14 NATO-Mitgliedstaaten mobilisiert werden.

Eine über die operationelle Strategie und humanitäre Gründe ausgebrochene politische Krise innerhalb der NATO, die in die Lager der Parteigänger einer militärischen Eskalation in der Gruppierung um die USA und Großbritannien sowie der gegen die Ausweitung des Krieges bemühten Länder um Deutschland, Frankreich, Italien und Griechenland zerfiel, verschärfte mit der fortwährenden internen strategischen Auseinandersetzung innerhalb der amerikanischen Militärführungsebene die Brüchigkeit des NATO-Konsenses während der Operation.[84]

Der Streit der Militärführungsebene über die strategische Linie zwischen Wesley Clark, SACEUR der NATO-Streitkräfte in Europa, der den vornehmlichen Einsatz und Eskalation der Kriegsführung gegen die VJ im Kosovo befürwortete, und Michael C. Short, Luftwaffenchef der NATO (Joint Air Force Component Commander) und damit Planer der Luftangriffe, der für eine Ausweitung oberhalb des 44. Breitengrades auf die zivile Infrastruktur Serbiens optierte,[85][86], beschädigte die Führungsposition Clarks nachhaltig. Der Widerstand der operativen militärischen Leitung gegen politische Vorgaben zur Kriegsführung trug zu einer Neubewertung militärischer Operationen der US-Armee innerhalb von Koalitionsbündnissen bei, die wesentliche Teile wie die strategische B2-Bomberflotte außerhalb des NATO-Kontrollgremiums operieren ließ.[87]

Die während der Feier anlässlich des 50-jährigen Bestehens der NATO am 23. und 24. April in Washington D.C. ausgerufene Devise We will prevail (Wir werden die Oberhand behalten), die für einen Sieg der NATO letztlich alle militärischen Optionen offen hielt, stellte einen Strategiewechsel dar.[88] Nachdem Shorts Konzept unter dem Generalstabschef der US-Armee angenommen wurde, nahm die NATO ab Ende April 1999 überwiegend die ökonomische und infrastrukturelle Basis der Bundesrepublik Jugoslawien ins Visier.[89][90] Wichtigste Konsequenz war die nachhaltige Zerstörung der Infrastruktur Serbiens, die auch die Anzahl ziviler Opfer über die unter den Sicherheitskräften steigen ließ.[91] Dagegen führte die weitgehende Ineffektivität bei der Bekämpfung der Bodentruppen der VJ zu vernachlässigbaren Verlusten von 9 von 1025 Panzern sowie 36 von 1246 Artilleriewaffen[92]

Im Ergebnis des Krieges wurde, basierend auf der Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates, eine UN-Verwaltung in der Provinz eingerichtet, gleichzeitig aber auch die Zugehörigkeit des Gebietes zur Bundesrepublik Jugoslawien bestätigt.[93]

NATO

Erst nach Ende des Konfliktes erhellte sich das Bild über die Opferzahlen bei den Angriffen auf die serbischen Truppen und die VJ. Diese hatten wesentlich geringere Verluste erlitten, als es die täglichen NATO-Briefings nahe legten, was ernste Vorwürfe an den NATO-Oberbefehlshaber für Europa brachte und die Fähigkeit der NATO, in der Kampagne militärische Ziele auszuschalten, in Zweifel zog.[94] Die jugoslawische 3. Armee unter Führung von Nebojša Pavković blieb trotz der erheblichen Luftüberlegenheit der NATO intakt und war zu keinem Zeitpunkt ernsthaft bedroht.[95]

Gründliche militärische Analysen nach Ende der Kampfhandlungen in den Zielgebieten der Luftschläge und die Zählungen des zerstörten militärischen Gerätes der VJ erhärteten die Kritik an der US Air Force und General Wesley Clark, der militärische Erfolgsmeldungen und die Zahl zerstörter serbischer Panzer schön geredet hatte, während die Einheiten der serbischen Armee das Kosovo praktisch unbeschadet verlassen konnten.[96] Die Luft-Kampagne des Kosovo-Krieges wurde insbesondere auf den täglichen NATO-Briefings als erfolgreichste Militäraktion der Geschichte gepriesen, in der die NATO nicht einen Toten zu beklagen hatte. Dennoch wurde im Nachhinein fraglich, ob dies nicht nur prinzipielles Militär-Marketing war, da auch die offiziellen Analysen der Royal Air Force ein vernichtendes Bild der Erfolge des Luftkrieges zeichneten.[97] Insbesondere wurde dabei auch die bekannte geringe Präzision beim Einsatz von Cluster-Munition kritisiert und die starken Kollateralschäden bei den Bombenabwürfen beklagt.

Zum weiteren Imageschaden der NATO trug zudem auch der Angriff auf den Personenzug bei Grdelica bei, der durch die Zielkamera erfasst wurde. Ein bei einer Pressekonferenz dreimal schneller als normal abgespieltes Band des Zielvideos ließ Zweifel an der Unabsichtlichkeit des Angriffs eines F-15-E-Piloten aufkommen.[98]

Auf einer Pressekonferenz am 14. September 1999 zog Wesley Clark eine erste Bilanz des Luftkriegs und gab bekannt, dass die NATO im Kosovo in 78 Tagen 112 Panzer, 179 gepanzerte Fahrzeuge, 376 sonstige Militärfahrzeuge und 435 Artilleriegeschütze der VJ zerstörten.

Während des Krieges wurden von der NATO mindestens 35.000 Geschosse (etwa zehn Tonnen) mit abgereichertem Uran verschossen. Auch Cluster- und Splitterbomben wurden eingesetzt. Im Kosovo blieben zahlreiche Landminen sowie nicht explodierte Munition von Clusterbomben der NATO zurück.[99] Der Europarat hat die Bombardierung wegen der ökologischen Konsequenzen als Verletzung der Genfer Konvention gerügt.[100]

Verluste

Grabstein für vier junge Kosovo-Albaner

Sowohl zu den Opfern auf albanischer als auch auf serbischer Seite gibt es bis heute nur unterschiedliche und widersprüchliche Angaben. In einem Bericht für das UN-Kriegsverbrechertribunal von 2002 wurde die Zahl der albanischen Kriegsopfer auf über 10.000 geschätzt.[101] Bis Ende 2001 wurden im Kosovo 4.211 Leichen exhumiert.[101] Im gleichen Jahr schätzte die serbische Regierung die Zahl der serbischen und anderen nicht-albanischen Opfer auf 2.000 bis 3.000.[102]

Die VJ hatte im Konflikt 514 Tote, bei NATO-Luftangriffen starben 164, in Gefechten mit der UCK 291 und durch Unglücksfälle ohne Kampfeinwirkung 59 Soldaten. Dazu kommen noch Opfer unter den Einheiten des MUP (Polizei) sowie Freischärler und zivile Opfer. Die NATO hatte nach offiziellen Darstellungen keine Opfer. Informationen legen aber nahe, dass bei verdeckten Operationen durch Delta Forces und weiteren Spezialeinheiten, die während des Krieges im Kosovo operierten (so die britische SAS)[103], und insbesondere bei den schweren und mehrere Wochen dauernden Gefechten am Grenzposten Košare, auch Soldaten aus Spezialeinheiten des westlichen Bündnisses umgekommen sind.[104]

Die NATO-Bombenangriffe töteten auch viele Zivilisten, unter anderem durch versehentliche Bombardements von Flüchtlingstrecks. Die Bombardierung mehrerer Chemieanlagen führt zu einer teilweise starken Schädigung der Umwelt. Große Mengen von giftigen Chemikalien verschmutzen Flüsse und das Erdreich. Durch einen Irrläufer wurde ein Wohnviertel auf dem Hoheitsgebiet Bulgariens durch die Bundeswehr bombardiert.[105] Bei einem weiteren Vorfall am 29. April 1999 um 21:45 wurde ein zweistöckiges Wohnhaus im Sofioter Viertel Gorna Banja von einer Rakete der NATO zerstört, allerdings ohne Todesopfer. Die Regierung versuchte unmittelbar nach dem Geschehnis die Rakete auf ein angebliches serbisches Flugzeug zurückzuführen. In einem darauffolgenden Interview erklärte der Vorsitzende der Eurolinken Alexandar Tomow, die NATO verwende Bulgarien als einen Mülleimer.[106]

Nach einem Bericht des IKRK waren Ende 2000 2900 Personen als vermisst gemeldet, davon 2400 Kosovo-Albaner, 400 Serben, 100 anderer Nationalität.[107]

Carla Del Ponte, ehemalige Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag, warf im April 2008 der UÇK vor, während des Kriegs serbische Zivilisten und Gefangene getötet zu haben, um deren Organe zu verkaufen.[108] Da aber nur schwache Indizien vorlagen, fanden keine weiteren Ermittlungen in diese Richtung statt. Neue Nahrung erhielten diese Gerüchte jedoch im Dezember 2010 durch einen Bericht des Schweizer Europaratsabgeordneten Dick Marty, in dem der kosovarischen Befreiungsarmee UÇK Verwicklungen in illegale Organhandelsgeschäfte vorgeworfen werden. In einem Krankenhaus seien Gefangenen Organe entnommen und anschließend auf dem internationalen Schwarzmarkt an ausländische Kliniken verkauft worden.[109][110] Der Bericht stützt sich auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse und wurde vom kosovarischen Kabinett zurückgewiesen.[111] Bislang wurde weder im Kosovo noch von Seiten internationaler Jurisdiktion ein Ermittlungs- oder Gerichtsverfahren angestrengt.

Schäden und Kollateralschäden der Bombardierung in Jugoslawien

Straßenszene in Belgrad 1999

Durch die Bombardierung der offenen Städte von Belgrad, Niš und Novi Sad [5] wurden von NATO-Bombern und Marschflugkörpern insgesamt neben 54 Objekten der Verkehrsinfrastruktur, 148 Gebäude, 300 Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungseinrichtungen sowie 176 Kulturdenkmäler, darunter 23 mittelalterliche Klöster beschädigt.

Zu den größten kulturellen Verlusten zählt die Vernichtung eines Teils des Depots der weltweit einzigartigen und zu den fünf größten Filmarchiven zählenden Sammlung der Jugoslawischen Kinemathek (Jugoslovenska kinoteka) im Belgrader Vorort Bubanj potok, wobei 80.000 Bänder verloren gingen.[112]

Zu den beschädigten, kunsthistorisch bedeutenden architektonischen Denkmälern gehören repräsentative Gebäude im Stadtzentrum von Belgrad, wie das Gebäude der Regierung Serbiens (Architekt Nikola Krasnov, 1936) und die denkmalgeschützten Gebäude des neuen und alten Generalstabs in der Nemanjina Ulica, für die nach wie vor keine städtebauliche Lösung gefunden wurde.[113] Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Kloster von Rakovica, das auf dem Hügel des speziellen Militärobjektes 909 Straževica bei Kneževac gelegen ist,[114] wurde während des Krieges 36-mal von NATO-Flugzeugen, die hier bis 3000 kg schwere bunkerbrechende Bomben einsetzten, stark beschädigt.[115]

Auch die für die moderne Architektur Serbiens herausragenden Gebäude wie das erste Hochhaus in Novi Beograd, das ehemalige Gebäude des Zentralkomitees, der Palata Usče (Mihailo Janković, 1959) und das erste Luxus-Hotel der Hauptstadt, Jugoslavija, waren Ziele der Bombardierung und wurden beschädigt.[116]

Sowohl ein Teil des Museumskomplexes 25. Mai in Belgrad, das aus dem Mausoleum und den Residenzen Titos auf dem Dedinje besteht, als auch die historisch äußerst bedeutende Villa in der Užička 15 (Alexander Acović, 1933), in der der ehemalige Präsident Jugoslawiens, wie auch der Wehrmachtskommandierende für Südosteuropa Alexander Löhr im Zweiten Weltkrieg und später auch Slobodan Milošević wohnten, wurden am 23. April 1999 mit mehreren Projektilen ausgebombt.[117]

Auch die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft ist zu den Kollateralschäden der Bombardierung Jugoslawiens zu rechnen.

Als Erinnerung an die Bombennächte entstanden in vielen Gemeinden in Serbien Erinnerungsstätten für die zivilen wie militärischen Opfer.[118]

Rechtliche Beurteilung des Krieges

Abgeschossene MiG-29 der JNA.

Nach den Regelungen der Charta der Vereinten Nationen ist ausschließlich der Sicherheitsrat befugt, militärische Zwangsmaßnahmen gegen einen Staat zu verhängen. Allerdings lag für den NATO-Einsatz kein Beschluss der Vereinten Nationen vor, da Russland einer militärischen Intervention nicht zustimmte. Viele Völkerrechtler sind der Ansicht, dass die NATO dem in Artikel 2 Abs. 4 der UN-Charta formulierten Gewaltverbot zuwidergehandelt habe und der Angriffskrieg gegen Jugoslawien völkerrechtswidrig erfolgt sei.[119]

Dem gegenüber sehen Befürworter der Luftoperationen der NATO den Tatbestand der Vorbereitung eines Angriffskrieges nicht erfüllt und gehen ferner davon aus, dass auch der 2+4-Vertrag nicht verletzt wurde, u. a. auch deswegen, weil bereits vor Beginn der Angriffe von einem „friedlichen Zusammenleben der Völker“ im Kosovo nicht die Rede habe sein können. Die NATO-Aktion sei sowohl völkerrechtlich als auch verfassungsrechtlich zulässig gewesen. Das ergebe sich aus einem notstandsähnlichen Recht auf humanitäre Intervention, das es gestatte, zur Abwendung einer humanitären Katastrophe nach Ausschöpfung aller anderen Mittel militärische Gewalt anzuwenden. Dieses Nothilferecht steht damit im direkten Gegensatz zur Ausschließlichkeit der Entscheidungen des Sicherheitsrats über Krieg und Frieden - seine Herleitung ist ungeklärt und äußerst umstritten, wobei allerdings teilweise auf Ableitungen aus dem humanitären Kriegsvölkerrecht der Genfer Konventionen und der allgemein gesteigerten Bedeutung der Menschenrechte im Völkergewohnheitsrecht seit 1945 verwiesen wurde. Der militärische Einsatz der NATO habe zur Schaffung des Friedens und zur Abwendung einer humanitären Katastrophe stattgefunden und sei notwendig und gerechtfertigt gewesen, weil der Weltsicherheitsrat, – obwohl er am 23. September 1998 in der Resolution 1199 das serbische Vorgehen als „exzessiven Einsatz von Gewalt“ und ausdrücklich auch als „Bedrohung des Friedens“ verurteilt hatte – nicht wirksam handeln konnte oder wollte. Dagegen sind viele Völkerrechtler bis heute der Meinung, dass der unscharfe Begriff einer „humanitären Katastrophe“ das Gewaltverbot der UN-Charta nicht außer Kraft setzen konnte (Hilpold S. 448-454, Simma S. 5).

Nachdem alle politischen Bemühungen für eine Friedensregelung zwischen den Konfliktparteien erfolglos geblieben waren, beruhte die faktische Entscheidung zum Krieg auf dem Beschluss des NATO-Rats vom 8. Oktober 1998 über begrenzte und in Phasen durchzuführende Luftoperationen zur Abwendung einer humanitären Katastrophe im Kosovo.

Laut der parlamentarischen Versammlung der NATO – ein von der Allianz unabhängiges Gremium, das als Bindeglied zwischen dem Bündnis und den nationalen Parlamenten fungiert – habe die UÇK mit Provokationen auf eine Eskalation der Lage im Kosovo hingearbeitet und einen akuten Handlungsbedarf der NATO inszeniert.

Am 29. April 1999 reichte Jugoslawien beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag Klage gegen zehn NATO-Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, die Niederlande, Portugal, Spanien und die USA) ein. Nicht beklagt wurden Dänemark, Griechenland, Island, Luxemburg, Norwegen, Polen, Tschechien, Türkei und Ungarn. Die Anklagepunkte der zehn Einzelverfahren beziehen sich in erster Linie auf Verstöße gegen völkerrechtliche Grundsätze wie das Gewaltverbot, Völkermord, das Interventionsverbot sowie die Missachtung des Souveränitätsprinzips. Da Jugoslawien während des Krieges kein Mitglied der UN war, wurde das Verfahren jedoch ohne Entscheidung in der Sache wegen Nichtzuständigkeit des Gerichtes wieder eingestellt.

Deutschland

Der deutsche Bundestag stimmte der Beteiligung von Streitkräften der Bundeswehr am 16. Oktober 1998 zu. Der damals amtierende Justizminister als das fachlich zuständige Kabinettsmitglied, Prof. Dr. Schmidt-Jortzig, beteiligte sich nicht an der Abstimmung. Er hatte seinen Protest gegen die seiner Auffassung nach völkerrechtswidrige Kabinettsvorlage zu den Kabinettsakten gegeben.

Aus heutiger deutscher verfassungs- und völkerrechtlicher Sicht wird die Beteiligung der Bundeswehr an den Luftschlägen überwiegend kritisch gesehen.[120]

Die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland wurde u.a. als Verstoß gegen den 2+4-Vertrag gesehen. Der Vertragstext lautet:

Nach der Verfassung des vereinten Deutschlands sind Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, verfassungswidrig und strafbar. Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik erklären, dass das vereinte Deutschland keine seiner Waffen jemals einsetzen wird, es sei denn in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und der Charta der Vereinten Nationen.

Trotz zahlreicher beim Generalbundesanwalt eingereichter Strafanzeigen wegen Verstoß gegen den § 80 StGB (Vorbereitung eines Angriffskrieges) wurden keine Ermittlungen aufgenommen. Laut Generalbundesanwalt sei von den Anzeigenden übersehen worden, dass § 80 StGB sich von Art. 26 des Grundgesetzes herleitet, der ausdrücklich nur „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören“ unter Strafe zu stellen anordne. Angesichts der bereits vorhandenen Störung des friedlichen Zusammenlebens im Kosovo und des friedenserzwingenden Motivs für ihr Handeln im Selbstverständnis der Bundesregierung fehle eine Absicht im Sinne des Art. 26 I GG und § 80 StGB laufe ins Leere.

Rezeption

Deutschland

Zu Beginn der Bombardierung Serbiens am 24. März 1999 war die Opposition gegen den Krieg und gegen die Beteiligung der Bundeswehr marginal.[121] Der Fernsehansprache Bundeskanzler Gerhard Schröders kommt an dieser Stelle eine Schlüsselrolle zu, weil er erreichen konnte, das deutsche Volk auf den Einsatz der Bundeswehr einzustimmen und pazifistisch motivierte Proteste in größerem Umfang danach ausblieben.[122] Medienberichte und Aussagen von Politikern wie dem Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten Joschka Fischer und Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, die die Handlungsweise der serbischen Truppen im Rahmen des so genannten Hufeisenplans als Teil eines Völkermordes bezeichneten, waren vor allem im öffentlichen Bewusstsein präsent. So hatte Bundesaußenminister Joschka Fischer insbesondere an seine Partei Die Grünen appelliert: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“[123]

Gleichwohl gab es deutliche Proteste gegen die „Instrumentalisierung deutscher Geschichte“ für einen Krieg unter deutscher Beteiligung. Es wurde an den letzten Krieg Deutschlands und die alte, aus dem Ersten Weltkrieg stammende Parole „Serbien muss sterbien“ erinnert und gefordert, dass vor diesem Hintergrund die Bundesrepublik sich aus dem kriegerischen Konflikt herauszuhalten habe. Der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein warf bereits am 3. Mai den USA vor, sie hätten in Rambouillet militärische Bedingungen gestellt, die „kein Serbe mit Schulbildung“ hätte unterschreiben können.[124]

Zu den prominenten deutschen Politikern, die gegen die Bombardierung Serbiens opponierten, zählten der damalige SPD-Politiker Oskar Lafontaine, der PDS-Vorsitzende Gregor Gysi, die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sowie der ehemalige OSZE-Vizepräsident und Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer (CDU), der von einem „ordinären Angriffskrieg“ sprach und der damaligen Bundesregierung, insbesondere Außenminister Joschka Fischer und Verteidigungsminister Rudolf Scharping, „Manipulationen“ vorwarf. Auch Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt gehörte zu den Kriegsgegnern. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler zog 2004 Parallelen zum Irak-Krieg: „Sowohl die Intervention der USA im Irak als auch die Bombardierung Jugoslawiens und seiner Hauptstadt Belgrad durch die NATO geschah ohne Mandat der Vereinten Nationen. Dies ist von der deutschen Völkerrechtslehre zutreffend und mit Nachdruck als völkerrechtswidrig bewertet worden“. Gregor Gysi reiste auf dem Höhepunkt des Konfliktes zu Gesprächen mit Milosević nach Serbien. Wenig später bat er Milosević erneut, nach persönlichen Gesprächen mit Flüchtlingen, die Zustimmung zu einer UN-Friedenstruppe zu erteilen und kritisierte gegenüber Milosević – ohne von seiner Kritik am NATO-Einsatz abzurücken – , dass dieser Menschenrechtsverletzungen durch die serbische Armee untertreibe.[125]

Der Philosoph Jürgen Habermas führte in Verteidigung des Vorgehens der NATO aus, dass eingriffslegitimierende Mängel im Völkerrecht nicht zur Tatenlosigkeit gegenüber Völkermorden führen dürften: „Aus dem Dilemma, so handeln zu müssen, als gäbe es schon den voll institutionalisierten weltbürgerlichen Zustand, den zu befördern die Absicht ist, folgt jedoch nicht etwa die Maxime, die Opfer ihren Schergen zu überlassen. Die terroristische Zweckentfremdung staatlicher Gewalt verwandelt den klassischen Bürgerkrieg in ein Massenverbrechen. Wenn es gar nicht anders geht, müssen demokratische Nachbarn zur völkerrechtlich legitimierten Nothilfe eilen dürfen.[126]

In den Medien wurde der Kosovokrieg auch nach Ende der Kampfhandlungen heftig diskutiert. In Deutschland spielte dabei die am 8. Februar 2001 gezeigte WDR-Dokumentation Es begann mit einer Lüge eine prominente Rolle, deren Inhalt darauf abzielte, nachzuweisen, die Begründung, mit den NATO-Luftschlägen „eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern“ zu wollen (Gerhard Schröder, 24. März 1999), habe auf Lügen beruht.[127] Dieser Bericht wurde wiederum von der FAZ[128] und dem Magazin Der Spiegel[129] massiv wegen selektiver Wiedergabe von Zeugenaussagen und „unsauberer“ Recherchemethoden kritisiert. Dieser Kritik schlossen sich Rupert Neudeck und Norbert Blüm an, die beide den WDR-Film durch eigene Recherche überprüften.[130][131] Der WDR blieb bei seiner Darstellung.

Der Kosovokrieg wurde erneut im Frühjahr 2010 in der Debatte um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr in die Diskussion eingebracht, da dieser die aktive militärische Präsenz deutscher Soldaten bei NATO-Einsätzen einleitete. Dass im Kosovokrieg Propaganda Mittel der Politik wurde, kritisierte Barbara Supp im Spiegel am Beispiel des Fischer'schen Auschwitz-Vergleichs: „Und dann sprach Joschka Fischer von einem neuen Auschwitz, das der Serbe Milošević plane und das nur durch Krieg zu verhindern sei. Auschwitz - das äußerste Mittel. Der Kosovo-Krieg, obwohl das Völkerrecht dagegen sprach, sei also gerecht und ohne Alternative. Er hieß „humanitäre Intervention“. Wer dagegen war würde Alliierter der serbischen Mörder sein.[132]

USA

Der Kosovokrieg war in den USA überwiegend unpopulär. Bill Clinton beschwichtigte in seiner Ansprache die amerikanische Bevölkerung mit den Worten: „Habe nicht vor, unsere Truppen im Kosovo einen Krieg führen zu lassen.“[133] Es gab erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Dringlichkeit der Militäroperation: Die politischen Falken um Außenministerin Madeleine Albright und ihren Militärberater Wesley Clark waren für schnelles militärisches Eingreifen, während der Generalstab im Pentagon unter Henry H. Shelton und Sicherheitsberater Sandy Berger zur Vorsicht mahnten. Noch am 23. März beruhigte Albright die Amerikaner über die mögliche Dauer der Kampfhandlungen: „Ich sehe dies nicht als lang andauernde Operation. Ich denke, das ist etwas ... das innerhalb einer kurzen Zeit erreichbar ist. Aber ... ich bin nicht gewillt mich festlegen zu lassen.“[133]

Wegen der maßgeblichen Rolle der Außenministerin galt der Kosovokrieg vielen in den USA als „Madeleines Krieg“.[134][135] Das Time Magazine schrieb zu dieser Sichtweise: „Mehr als jeder andere verkörpert sie die außenpolitische Vision, die die Männer in den Krieg geführt hat. Und sie ist die am meisten Verantwortliche, um die Alliierten und die Administration geschlossen zum Sieg zusammenzuhalten.“[135] Der Titel des Time Magazines vom 10. Mai 1999 zeigte die Außenministerin mit der Schlagzeile „Albright at war“.[136] Albright äußerte sich zu diesem Vorwurf später: „Madeleines Krieg war damals, denke ich, abschätzig gemeint. Und ich bin froh, dass wir beharrlich geblieben sind.“[137] Als Betreiberin des unpopulären Krieges verlor sie in der Clinton-Administration nach Beendigung der Kampfhandlungen, trotz des Sieges gegen Milošević, rapide an politischem Einfluss. Kritiker, darunter ihr ehemaliger Mentor Peter F. Krogh, bezweifelten ihre Fähigkeiten in außenpolitischen Angelegenheiten.[133][138]

In der kritischen Nachbearbeitung der Balkanpolitik der Bush- und der Clinton-Administration nimmt der Kosovokrieg neben dem Bosnienkrieg eine wesentliche Rolle ein. Die Auseinandersetzung ist dabei nach wie vor nicht beendet. Kritiker verweisen auf den dramatischen ökonomischen und gesellschaftlichen Verfall des Westbalkans in der Interventionsperiode[139] oder werfen den Politikern und Medienvertretern vor, vor allem kurzsichtige, egoistische Interessen verfolgt zu haben. Timothy Garton Ash sprach von einer „Man-muss-was-unternehmen-Brigade“ („something-must-be-done brigade“), die die Unruhen auf dem Balkan so lange für ihre Zwecke missbraucht hätte, bis ein neuer regionaler Unruheherd in den Fokus rückte.[140]

Literatur

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  • Daalder, Ivo H. / Michael E. O’Hanlon, Winning Ugly: NATO’s War to Save Kosovo, Washington, DC: Brookings Institute, 2000.
  • Edelbauer, Gisela: Rechtsgrundlagen der humanitären Intervention unter besonderer Berücksichtigung des Kosovo-Konflikts, Diss. an der Universität der Bundeswehr, Neubiberg 2005.
  • Forschungsgesellschaft Flucht und Migration, Dietrich, Glöde (Hrsg.): FFM-Heft 7: Kosovo. Der Krieg gegen die Flüchtlinge, ISBN 3-922611-79-6
  • König, Jan C. L.: "Wir sind im Krieg: Rhetorische Diskursanalyse der Fernsehansprache Gerhard Schröders vom 24. März 1999". In: Jan C. L. König: Über die Wirkungsmacht der Rede. Strategien politischer Eloquenz in Literatur und Alltag. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht unipress 2011, S. 298-321, ISBN 3-8997-1862-3
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  • Erich Rathfelder: Kosovo. Geschichte eines Konflikts, Suhrkamp Verlag, Berlin 2011 ISBN 978-3-518-12574-8
  • Reuter, Jens / Clewing, Konrad, Der Kosovo-Konflikt. Klagenfurt 2000 ISBN 3-85129-329-0
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Weblinks

 Commons: Kosovokrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  5. a b Helmut Schmidt: Was uns wirklich angeht – und was nicht. Afghanistan, Balkan, Afrika: Die militärischen Interventionen des Westens sind fragwürdig. In: Die Zeit. 4. November 2008, abgerufen am 30. März 2011.
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  12. Die UÇK wurde im deutschen Verfassungsschutzbericht 1998 als in „ihrer Heimat terroristisch operierend“ eingestuft; Verfassungsschutzbericht 1998 des Bundesamtes für Verfassungsschutz, S. 141.
  13. a b Kosovo - Eskalation der Gewalt. Gesellschaft für bedrohte Völker, März 1998, abgerufen am 1. März 2011.
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  21. Roland Friedrich: Die deutsche Außenpolitik im Kosovo-Konflikt. VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden, 2005, ISBN 3-531-14317-4, S. 63ff (Online in der Google Buchsuche).
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  28. BBC, 13. Oktober 1998 Countdown begins to Kosovo strikes
  29. BBC, 24. März 1999 B-52 bombers head off
  30. Vreme, Sondernummer 1. 27. März 1999 Agresija i odbrana
  31. Los Angeles Times, 24. März 1999 Primakov Does U-Turn Over Atlantic, Heads Home
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  35. Nebojša Pavković in der BBC Panorama Sendung, 3. Dezember 2000 MORAL COMBAT : NATO AT WAR
  36. BBC News, 21. April 1999 Ground troops an option - Blair
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  39. amnesty international, Kosovo-Aktion, Hintergrundinformationen, Mai 1999
  40. Conflict in the Balkans...IKRK-Bericht, März 2000
  41. BBC, 10. April 1999 Did Nato miscalculate
  42. Noam Chomsky im New Statesman, 14. Juni 1999 Is this really a grand Nato victory?
  43. CNN, 22. Mai 1999 NATO confirms that KLA outpost hit
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  51. Aerospace power journal, Summer 2002 Kosovo and the continuing SEAD challenge
  52. Air Serbia Online Magazine Serbia promotes reorganized air defence system
  53. Stars and Stripes, 3. Juni 2001 For sale: Revered piece of Yugoslav past; downed U.S. jets are source of pride
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  56. NATO HQ Brüssel, Presse Konferenz, 1. Juni 1999 Press Conference by Mr Jamie Shea, NATO Spokesman and Major General Walter Jertz, SHAPE
  57. Jane's Defance News, 7. Juli 1999 Kosovo: War of extremes
  58. New York Times, 31. März 1999 Bad Weather Hampers Bombers' Effectiveness, U.S. Says
  59. Chirugische Schläge mit giftigen Folgen Greenpeace Magazin 6.99
  60. Die Zeit Online:Verseuchte Gebiete: Warum die Krebsgefahr in Serbien wirklich steigt
  61. Jane's Defence News, 2. Juni 1999 Kosovo: Embassy bombing report to revel targeting flaws -'Serbs running out of SAMs', says USA
  62. Softwar News, 28. März 1999 Was F-117 A pushed into Serb mission by low missile stocks
  63. The Guardian, 7. Mai 1999 US running out of smart bombs
  64. Washington Post, 12. Juni 1999 Yugoslav Troops Devastated by Attack
  65. Guardian, 7. Juni 1999 Defiant Serbs rain shells on border villages Last battles: Refugees' terror as Yugoslav forces bombard advancing KLA
  66. Vladimir Lazarević, Kommandant des Pristinakorpuses zur Zeit des Kosovo Krieges, Interview mit der Zeitung Reporter, 5. März 2000 VRATICEMO SE DA ZASTITITMO SRBE
  67. Washington Post, 26. Juni 1999 Biggest Airstrike Ended a Battle, Perhaps a War
  68. New York Times, RUBBLE; Even in Towns NATO Hit, Albanians Fault Serbs
  69. Newsweek, 26. Juli 1999 Nato's Game Of Chicken Victory Over Milosevic--Never Really In Doubt--Was Actually A Pretty Close Call
  70. The Independent, 28. Mai 1999 Ever so carefully, Mr Blair clears the way for a ground invasion
  71. New York Times, 7. November 1999 NATO Was Closer to Ground War in Kosovo Than Is Widely Realized
  72. Military Technical Agreement, 9. Juni 1999 Military Technical Agreement between the International Security Force ("KFOR") and the Governments of the Federal Republic of Yugoslavia and the Republic of Serbia
  73. Washington Post, 25. Juni 1999 Secret Russian Troop Deployment Thwarted
  74. The Guardian, 7. August 1999 "I'm not going to start Third World War for you," Jackson told Clark - Behind the scenes battle over Pristina airport between British and US genereals comes to light
  75. Bidder, Benjamin: „Showdown in Pristina - Russischer Einmarsch 1999“. „SPIEGEL Online“ vom 17. Februar 2008. Zugriff am 17. Februar 2008.
  76. a b vgl. Henley, Jon: Former major denies treason, in: The Guardian, 12. Dezember 2001. Zugriff: 22. Mai 2009.
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  78. vgl. o. V.: French major jailed as Serb spy', in: BBC News Online, 12. Dezember 2001. Zugriff: 22. Mai 2009.
  79. vgl. o. V.: French army spy trial begins, in: BBC Online, 11. Dezember 2001. Zugriff: 22. Mai 2009.
  80. vgl. Jessel, Stephen: French officer 'spied for Serbs' , in: BBC Online, 2. November 1998. Zugriff: 22. Mai 2009.
  81. vgl. Dickey, Christopher; Nordland, Rod: A Spy In The Ranks, in: Newsweek, 18. November 1998. Zugriff am 22. Mai 2009.
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  108. http://www.guardian.co.uk/world/2008/apr/12/warcrimes.kosovo
  109. Kosovo-Premier Thaçi soll an Organmafia beteiligt sein in: Spiegel Online vom 15. Dezember 2010
  110. Inhuman treatment of people and illicit trafficking in organs in Kosovo (provisional version) in: Europarat, Entschließungsentwurf und erläuterndes Memorandum von Dick Marty, (englisch, PDF) vom 12. Dezember 2010, abgerufen am 19. Dezember 2010
  111. EU fordert Beweise für Organhandelsvorwürfe, Der Standard, abgerufen am 15. Dezember 2010
  112. NIN, 27. November 2008 Ozbiljan brend u svetu Filma, NIN 3022, 70-72.
  113. NATO-Aggression 1999, Seite auf der Homepage der Stadt Belgrad
  114. Mirolav Lazanski, Politika KO TO BUŠI VOJSKU
  115. Glas Javnosti, 28. März 1999 Popucali zidovi i prozori
  116. Overavanje CK, Vreme, 29. November 2001
  117. Glas Javnosti, 23. April 1999 NATO Blows Up Yugoslav Presidential Residence in Dedinje
  118. Vreme 623, 12. Dezember 2002 Spomenici NATO intervencije: Skrušeno dostojanstvo
  119. Simma S. 22, Cassese S. 23-24, Hilpold S. 437-442, Joyner S. 597
  120. Bernhard Chiari/Magnus Pahl: Auslandseinsätze der Bundeswehr. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Paderborn, Ferdinand Schöningh 2010, ISBN 978-3-506-76914-5
  121. Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung, 19. März 2009 Als die Menschenrechte schießen lernten
  122. Jan C. L. König: "Über die Wirkungsmacht der Rede. Strategien politischer Eloquenz in Literatur und Alltag." Göttingen 2011, S. 298-321
  123. Rede Fischers am 7. April 1999, zitiert nach SZ vom 25. Januar 2005
  124. Rudolf Augstein: Arroganz der Macht. In: Der Spiegel. Nr. 18, 1999 (online).
  125. Brief Gysis an Milosević, 14. April 1999
  126. Jürgen Habermas: Bestialität und Humanität, in DIE ZEIT 1999
  127. Es begann mit einer Lüge, Manuskript des Films von Jo Angerer und Mathias Werth (PDF)
  128. Matthias Rüb: Ein Fall von Bulldozer-Journalismus. Was der WDR-Film "Es begann mit einer Lüge" über das Kosovo verschweigt, in: FAZ vom 1. März 2001, S.51
  129. Schöngeredete Apartheid Der Spiegel, 11/2001, S.157-159
  130. Michael Hanfeld: Miloševićs Helfershelfer. Neudeck und Blüm rügen den WDR, in :FAZ vom 20. Februar 2002, S. 55
  131. Norbert Blüm: Versöhnung braucht Wahrheit, in: FAZ vom 13. März 2001, S. 16
  132. Barbara Supp: Die Schmutzige Wahrheit. Der Spiegel 17/2010, S. 25
  133. a b c David T. Buckwalter: Madeleine's war - Operation allied force
  134. Stanley Meisler, 11. April 1999 Madeleine's war
  135. a b Time Magazine, 17. Mai 1999 Madeleine's war
  136. CNN, 10. Mai 1999 Madeleine's war
  137. Online News hour, 28. Juni 2001 Trying Milosevic
  138. Spiegel online, 26. Juli 1999 Ohne uns läuft nichts
  139. Gordon N. Bardos, Columbia University, Serbian Studies: Journal of the North American Society for Serbian Studies 15(1): 77–102, 2001 Balkan History, Madeleine’s War, and NATO’s Kosovo
  140. Timothy Garton Ash, New York Review of Books, Vol, 47, Nr. 14, 21. September 2000 Kosovo: Was It Worth It?

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