- Linke Rheinstrecke
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Die Linke Rheinstrecke ist eine Eisenbahnhauptstrecke, die am Mittelrhein entlang von Köln über Bonn, Koblenz und Bingen nach Mainz verläuft.
Bis zum Bau der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main war sie eine der wichtigsten Strecken im Schienenpersonenfernverkehr Westdeutschlands. Aufgrund ihres Verlaufs durch das obere Mittelrheintal (Welterbe Kulturlandschaft) gilt sie bis heute als eine der romantischsten Eisenbahnstrecken in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
Betrieb
Die linke Rheinstrecke ist auf ihrer gesamten Länge von 185 km zweigleisig ausgebaut und seit 1959 mit Oberleitung versehen. Sie trägt zwischen Köln und Bingen die VzG-Streckennummer 2630 und zwischen Bingen und Mainz die 3510. Zwischen Köln und Koblenz lautet die Kursbuchnummer 470, zwischen Koblenz und Mainz 471.
Die Strecke wurde – soweit das die Topografie zuließ, also vornehmlich in den Abschnitten Köln – Koblenz und Bingen – Mainz – für bis zu 160 km/h ausgelegt. In dem topografisch schwierigen Abschnitt zwischen Koblenz und Bingen, wo sich die Strecke eng an den mäandernden Verlauf des Rheins anschmiegt (UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal), war dies jedoch nicht möglich. Bei weiter steigendem Verkehr entwickelte sich die Strecke immer mehr zum Nadelöhr. Da ein weiterer Ausbau sehr teuer geworden wäre, fiel die Entscheidung zugunsten einer Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Hinzu traten Bergrutsche. Nach Eröffnung der Neubaustrecke Köln–Rhein/Main wurde die Linke Rheinstrecke im Herbst 2003 aufwändig saniert.
Aufgrund der hohen Streckenbelastung blieb die Strecke überwiegend von Rückbauten verschont, sie bietet daher zahlreiche Ausweich- und Überholmöglichkeiten. In einzelnen Bahnhöfen wurden Ausweichgleise zurückgebaut– z. B. beide Ausweichgleise in Oberwinter, in Brühl nach dem Zugunglück von Brühl 2000 das Ausweichgleis in Richtung Köln –, ebenso das Überholgleis in Budenheim und das rheinseitige Überholgleis in Uhlerborn.
Die Nahverkehrslinien auf der Strecke werden von der DB Regio und der trans regio betrieben. Die DB setzt Doppelstock-Wendezüge und Gliedertriebzüge der Baureihe 425 ein, die trans regio fährt Züge vom Typ Siemens Desiro ML (Baureihe 460).
Geschichte
Bau der Strecke
Die heute linke Rheinstrecke genannte Eisenbahnstrecke wurde nach und nach von insgesamt drei verschiedenen Eisenbahngesellschaften gebaut. Der erste Abschnitt der Strecke zwischen Bonn und Köln wurde am 15. Februar 1844 von der Bonn-Cölner Eisenbahn-Gesellschaft (BCE) eröffnet. In Köln endete die Strecke ursprünglich am damaligen Bahnhof Köln St. Pantaleon südlich der Innenstadt. Am 21. Januar 1856 wurde die Strecke dann Richtung Süden bis zum Bahnhof Rolandseck verlängert.
Zum 1. Januar 1857 wurden die BCE und ihre Stammstrecke durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) übernommen. Diese führte im Jahr 1858 die Strecke über Remagen und Andernach nach Koblenz weiter und endete am Rheinischen Bahnhof südlich der Mosel, die über die neu erbaute Moseleisenbahnbrücke überquert wurde.
Am 15. Dezember 1859 verlängerte die RhE die Strecke einerseits rückwärtig zum Kölner Centralbahnhof, weshalb der heute an dieser Stelle gelegene Hauptbahnhof bis heute eine Kilometrierung im negativen Bereich trägt, andererseits wurde der landschaftlich besonders reizvolle Streckenabschnitt durch das enge Mittelrheintal bis zum Grenzbahnhof Bingerbrück (heute Bingen (Rhein) Hbf) an der damaligen preußisch/hessischen Grenze fertiggestellt. Hier schloss sie an die seit dem 17. Oktober 1859 im Güterverkehr befahrene Strecke der Hessischen Ludwigsbahn nach Mainz an sowie an die Rhein-Nahe-Bahn nach Saarbrücken und die dortigen Kohlengruben.
In Bonn Hauptbahnhof bestand von 1870 bis 1914 die Möglichkeit, mit dem Trajekt Bonn–Oberkassel auf die anfangs in Oberkassel endende Rechte Rheinstrecke zu wechseln. In Koblenz wurde die Anbindung an die rechte Rheinstrecke 1864 über die – später für den Eisenbahnbetrieb stillgelegte – Pfaffendorfer Brücke ermöglicht, später durch die heute noch in Betrieb befindlichen Horchheimer und Urmitzer Eisenbahnbrücken.
Weiter bestand von 1861 bis 1900 zwischen Bingen und Rüdesheim am Rhein auf der rechten Rheinseite ein Trajekt zur Nassauischen Rheinbahn, später als Personenfähre weiter betrieben. Diese Verbindung wurde für die Bahn ab 1915 durch die Hindenburgbrücke ersetzt, die über die Linke Rheinstrecke den Anschluss zwischen Rechter Rheinstrecke und Nahetalbahn sicherstellte.
Weltkriege
Während des Ersten Weltkriegs wurde an einer weiteren strategischen Rheinquerung gebaut, der Ludendorff-Brücke zwischen Erpel und Remagen. Sie diente dazu, die Rechte Rheinstrecke mit der Linken Rheinstrecke und der strategisch wichtigen Ahrtalbahn zu verbinden. Später als Brücke von Remagen bekannt geworden, wurde sie allerdings erst 1919 fertiggestellt.
Beide Brücken wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.
21. Jahrhundert
Nach Erdrutschen im Februar und März 2002 war bis 19. Juli 2002 zwischen Boppard und Oberwesel auf einem 17 km langen Abschnitt nur eingleisig befahrbar. Die notwendigen Sanierungsarbeiten kosteten fast neun Millionen Euro.[2] Im Januar 2003 begann eine auf 80 Millionen Euro geschätzte Generalsanierung des Oberbaus im Abschnitt zwischen Köln und Mainz. Durch den Verkehrsrückgang infolge der Inbetriebnahme der Neubaustrecke konnte auf Umleitungen trotz eingleisiger Betriebsführung weitgehend verzichtet werden.[3] Insgesamt wurden mehr als 100 km Gleis neu verlegt und 165.000 Schwellen ausgetauscht. Die Generalsanierung war bereits in den Vorjahren notwendig geworden, war aber aufgrund fehlender Kapazitäten vor Inbetriebnahme der Neubaustrecke nicht möglich.[4]
Am 23. Juni 2011 brannte das Stellwerk in Sankt Goar aus, wodurch in den Bahnhöfen Sankt Goar und Werlau keine Weichen mehr gestellt werden können und die Signaltechnik ausgefallen ist. Um trotz fehlendem Stellwerk den Bahnverkehr betreiben zu können, wurden die Weichen mit Handverschlüssen gesichert. Um diese Sicherungsarbeiten durchzuführen, musste die Strecke für fast zwei Tage gesperrt werden. Der Fernverkehr wurde über die rechte Rheinstrecke umgeleitet.[5] Da allerdings die Signale auf dem Streckenabschnitt nicht funktionieren, hat sich der Mindestabstand zwischen den Zügen erhöht. Zurzeit (September 2011) arbeitet die Deutsche Bahn noch an einer Lösung, um die zwei Bahnhöfe wieder zu aktivieren und die Leistungsfähigkeit der Strecke wieder zu verbessern.
Nach einem Erdrutsch bei heftigen Regenfällen entgleiste am 11. September 2011 ein InterCity auf der Fahrt von Hamburg nach Stuttgart kurz vor Sankt Goar. Dabei wurden der Lokführer schwer und 14 weitere Menschen leicht verletzt. Um den InterCity zu bergen und die Gleise zu reparieren, musste die Bahnstrecke zwischen Boppard und Oberwesel für eine Woche gesperrt werden. Der Fernverkehr wurde wieder über die rechte Rheinstrecke umgeleitet, der Nahverkehr pendelte auf den noch befahrbaren Streckenabschnitten.[6][7]
Bedeutung
Verkehrliche Bedeutung
Die Strecke zählt zu den meistbefahrenen Eisenbahnstrecken Deutschlands. Sie ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung in Westdeutschland. Bis zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main war sie für das Rheinland und weite Teile des Ruhrgebiets die schnellste Verbindung nach Süddeutschland.
Heute verkehren auf der Linken Rheinstrecke stündlich zwei Fernzugpaare in jede Richtung, bis zu drei Nahverkehrszugpaare der DB Regio und ein Zugpaar der trans regio, dazu diverse Güterzüge. Der Güterverkehr im Rheintal wurde traditionell weitgehend auf der Rechten Rheinstrecke abgewickelt.
Mit der Vollinbetriebname der Neubaustrecke Köln–Rhein/Main zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 wurde das Fernverkehrsangebot auf einen stündlichen Intercity-Takt (Linien 30 und 31) zurückgefahren.[8] Seither hat der Güterverkehr auf der Strecke erheblich zugenommen.
Touristische und kulturelle Bedeutung
Die Strecke im Oberen Mittelrheintal gilt als eine der landschaftlich schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands. Das Tal zwischen Bingen und Koblenz zählt seit dem Jahr 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Den Reisenden zeigen sich zahlreiche Burgen, darunter die Rheinpfalz bei Kaub, und die Loreley auf der gegenüberliegenden Talseite ist gut zu sehen. Daneben sind enge Täler zwischen hoch aufragenden Felswänden, viel Wald und viele Weinberge zu betrachten.
Planungen
Projekt: Leiser Rhein
Da das Rheintal im europäischen Schienenverkehr eine zentrale Nord-Süd-Verbindung ist, werden hier die Anwohner infolge des wachsenden Güterverkehrs an der linken und rechten Rheinstrecke immer weiter durch den steigenden Bahnlärm gestört. Zurzeit fahren auf beiden Rheinstrecken zusammen zirka 480 Züge pro Tag.[9] Auf Drängen des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz aus Rheinland-Pfalz wurde das Pilotprojekt Leiser Rhein gestartet.[10] Für dieses Projekt stellte die EU-Kommission im Dezember 2009 Geld zur Verfügung um 5000 Güterwagen, die vornehmlich entlang des Rheins fahren, mit leiseren Komposit-Bremsklötzen auszustatten.[11]
Um den Bahnlärm noch effektiver zu reduzieren, ist in der Politik eine Bahn-Entlastungsstrecke im Gespräch. Diese soll den stark wachsenden Güterverkehr aufnehmen und gleichzeitig die linke Rheinstrecke entlasten. Dabei sind folgende Strecken in der Diskussion: Eine Strecke entlang der A 3, eine weitere an der A 61 und die vorhandene Eifelstrecke [12].
Barrierefreiheit
In Rheinland-Pfalz sollen mittelfristig alle Bahnsteige einer Strecke auf die gleiche Niveauhöhe umgebaut werden und stufenlos erreichbar sein. So sollen die Bahnsteige der Linken Rheinseite eine Höhe von 76 cm erhalten.[13] Zurzeit sind an der linken Rheinstrecke im Bereich zwischen Rolandseck und Oberwesel die Bahnsteige der Stationen Remagen, Namedy, Andernach, Koblenz Stadtmitte, Koblenz Hbf und Spay barrierefrei zu erreichen. Jedoch sind auch bei diesen Bahnstationen noch nicht alle Bahnsteige auf die entsprechende Höhe angehoben.[14]
Personenverkehrstarife
Der Schienenpersonennahverkehr auf der linken Rheinstrecke wird im Auftrag von vier Verkehrsverbünden gefahren, deren Tarife in allen Zügen des Nahverkehrs gelten:
- Der Abschnitt von Köln bis Bonn-Mehlem liegt im Bereich des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS).
- Bis Brohl gilt ein Übergangstarif VRS/Ahr.
- Von Rolandseck bis Oberwesel gelten Fahrscheine des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel (VRM).
- Von Bacharach bis Mainz gelten Fahrscheine des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbunds (RNN).
- Zwischen Bingen und Mainz gilt auch ein Übergangstarif zum Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), das Stadtgebiet von Mainz selbst gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund.
Siehe auch
- Rechte Rheinstrecke
- Liste der SPNV-Linien in Nordrhein-Westfalen
- Liste der SPNV-Linien in Rheinland-Pfalz
Literatur
- Horst Semmler: 150 Jahre Eisenbahn Bonn-Köln. Verlag Kenning, Nordhorn 1994, ISBN 3-927587-23-0.
- Joachim Seyferth: Die Linke Rheinstrecke. Eigenverlag, Wiesbaden 1993, ISBN 3-926669-03-9 (SCHIENE-Photo 3).
- Udo Kandler: Die linke Rheinstrecke. Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1993 (Eisenbahn-Journal. Sonderausgabe 3, 93, ISSN 0720-051X).
- Udo Kandler: Eisenbahn wie auf einer Ansichtskarte. Die Linke Rheinstrecke. In: LOK MAGAZIN. Nr. 305, Jg. 46, 2007, ISSN 0458-1822, S. 36–55.
Weblinks
Commons: Linke Rheinstrecke – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien- Offizielle Homepage der Mittelrheinbahn
- Beschreibung der Strecke 2630 (NRW-Teil) im NRWbahnarchiv von André Joost
- Bilder der Tunnelportale auf www.eisenbahn-tunnelportale.de von Lothar Brill
- Franz Roderbourg: Situations Plan der Cöln-Coblenz-Bingener Eisenbahn mit ihrer Verlängerung bis Mainz (Karte, etwa 1:200000)
- Fotos von der linken Rheinstrecke
Einzelnachweise
- ↑ Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. 6 Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2007, ISBN 978-3-89494-136-9.
- ↑ Meldung Rheinstrecke: Chaos zu Ende. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2002, ISSN 1421-2811, S. 466.
- ↑ Meldung Linke Rheinstrecke wird saniert. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2003, ISSN 1421-2811, S. 148.
- ↑ Aufwendige Sanierung der linken Rheinstrecke. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2004, ISSN 1421-2811, S. 47.
- ↑ www.rhein-zeitung.de: Stellwerk zerstört: Linksrheinischer Bahnverkehr am Mittelrhein ruhte Abgerufen am 16. September 2011
- ↑ www.rhein-zeitung.de: Zug entgleist bei St. Goar nach Hangrutsch: Elf Verletzte Abgerufen am 16. September 2011
- ↑ www.rhein-zeitung.de: Nach IC-Entgleisung: Linksrheinisch rollt's ab Samstag wieder Abgerufen am 16. September 2011
- ↑ Fahrplanwechsel. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2002, ISSN 1421-2811, S. 498 f.
- ↑ Pro Rheintal: Bahnlärm am Mittelrhein Abgerufen am 24. März 2010 (DOC, deutsch, 88kb)
- ↑ Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung: Hessen und Rheinland-Pfalz: 10-Punkte-Programm Leises Rheintal für besseren Lärmschutz Abgerufen am 24. März 2010 (HTML, deutsch)
- ↑ Allgemeine Zeitung: Förderanträge zu Leiser Rhein stellen Abgerufen am 24. März 2010. (HTML, deutsch)
- ↑ Rolf Kleinfeld: Scharmützel um Bahn-Entlastungsstrecke. General-Anzeiger Bonn vom 28. Dezember 2007.
- ↑ Barrierefrei.rlp.de: Barrierefreies Rheinland-Pfalz Aktivitäten der Deutschen Bahn. Abgerufen am 7. April 2010 (PDF, deutsch, 884kb)
- ↑ www.spnv-nord.de: Infrastruktur Abgerufen am 5. Oktober 2011
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