Historischer Stadtkern

Historischer Stadtkern

Unter einem historischen Stadtkern (auch historischer Ortskern oder allgemeinsprachlich Altstadt) versteht man entweder den siedlungsgeschichtlichen oder denkmalpflegerisch wertvollen Bestand eines Stadtkernes, der weitestgehend seine ursprüngliche Bausubstanz durch die Jahrhunderte hindurch erhalten hat beziehungsweise bewahren konnte. Durch historische Stadtkerne können Stadttypen als solche gekennzeichnet werden.

Hinweisschild auf historischen Stadtkern

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Altstadt von Celle
Altstadt von Dinkelsbühl

Zu einem historischen Stadtkern gehören auch z. B. Vorortkerne aus der Gründerzeit, nicht jedoch nur kleinere Quartiere oder Platz- und Straßenräume. Dabei soll der historische Stadtgrundriss mit seinem charakteristisches Ortsbild (Straßen, Plätze, Parzellen, ablesbare Gebietsumgrenzung) noch erhalten und eine historische Bausubstanz, die teilweise oder ganz unter Denkmalschutz steht, vorhanden sein.

Geprägt wird der historische Stadtkern auch durch seine öffentlichen Bauten (Kirchen, Burg, Schloss, Festung, Rathaus, Speicher etc.), seine Stadtsilhouette, die öffentlichen Räume (Plätze, Straßenräume, Grün- und Wasserflächen) und seine Topografie in einer Kulturlandschaft.

Der historische Stadtkern ist meistens durch verwinkelte Gassen und historische Bauten, z. B. Fachwerkhäuser, gekennzeichnet. Erkennbar ist der historische Stadtkern auf einer Karte oft daran, dass er von Straßen oder Orten umgeben ist, die auf die Existenz einer Stadtmauer oder Befestigungsanlagen hindeuten (Straßen mit Tor, Mauer oder Wall im Namen). Diese Charakteristika entstanden aus den mittelalterlichen Städten, die von Befestigungen wie Wällen und Mauern umgeben waren. Der Rest der Stadt ist dann in der Regel um den eingefriedeten Stadtkern herumgewachsen.

Der historische Stadtkern ist der siedelungsgeschichtlich älteste Teil und zeichnet sich durch sehr dichte Bebauungsstrukturen, verwinkelte Gassen sowie historische Bauten aus. Oft bildet er den von Touristen besuchten und von den Bewohnern mit Stolz gezeigten Bereich der Stadt. Fußgängerzonen, strenge Bauvorschriften und Schutzbestimmungen versuchen diesem Umstand Rechnung zu tragen, was aufgrund der gleichzeitigen Vorstellung, der historische Stadtkern habe die City der Stadt zu verkörpern, unweigerlich zu Zielkonflikten zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und denkmalpflegerischen Schutzbemühungen führt. Der gegenwärtige Trend, Shoppingzentren außerhalb des historischen Ortskernes an verkehrstechnisch günstigeren Standorten (Autobahnanschluss) zu errichten, entlastet den historischen Kern zwar vom Wirtschaftsdruck, entvölkert ihn aber und schwächt seine finanzielle Potenz.

Der Begriff Altstadt dient auch innerhalb historischer Stadtkerne zur Abgrenzung von Stadterweiterungen (die dann oft Neustadt heißen) zu dem zum Zeitpunkt der Erweiterung bereits vorhandenen Stadtgebiet.

Auch als offizieller Name von Verwaltungseinheiten oder Stadtvierteln wird der Begriff verwendet; Beispiele hierfür sind die Altstadt von Königsberg, von Salzburg, Frankfurt-Altstadt oder die Prager Altstadt.

Historische Stadttypen

Zahlreiche Typen von städtebaulicher Entwicklung lassen sich in ihrer Eigenheit benennen und anhand erhaltener Kernsubstanz (Stadtmorphologie) heute noch in ihrer Anlage und/oder Wachstum (Stadtbaugeschichte) erkennen:

Städte mit historischem Stadtkern

Siehe Hauptartikel: Liste der Städte mit historischem Stadtkern

Deutschland

Im Jahr 2007 haben Deutschlands Denkmalpfleger 843 historische Stadtkerne mit besonderer Denkmalbedeutung aufgelistet.

In Deutschland sind sechs historische Stadtkerne als Welterbe von der UNESCO anerkannt, dazu gehören Regensburg, Bamberg, Goslar, Lübeck, Stralsund und Wismar. Darüber hinaus sind in den genannten historischen Stadtkernen einzelne Gebäude oder Quartiere als Welterbe der UNESCO anerkannt: Aachener Dom, Berliner Museumsinsel, Bremer Rathaus und Roland, Eisenacher Wartburg, Hildesheimer Dom, Kölner Dom, Kloster Maulbronn, Potsdamer Schlösser und Parks, Quedlinburger Schloss und die direkt umgebende Altstadt, Dom zu Speyer, Bauhausstätten in Weimar und Dessau, Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben, Römerbauten in Trier, Würzburger Residenz.

In Deutschland werden Gemeinden mit einem historischen Stadtkern durch das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz im Rahmen der Städtebauförderung unterstützt. In Brandenburg gibt es die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“.

Am 9. Juni 2010 teilte Bundesminister Peter Ramsauer den Mitgliedern des „Bundestagsausschusses für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung“ mit, daß die Bundesmittel für die Städtebauförderung in den Folgehaushalten des Bundes um 50 % gekürzt werden sollen – der Städtebauliche Denkmalschutz wäre davon im Umfang von 50 Millionen Euro pro Jahr betroffen. Da diese Mittel üblicherweise von Ländern, Kommunen und anderen fördernden Institutionen projektergänzend auf die doppelte bis dreifache Summe ergänzt werden, die dann ebenfalls wegfielen, warnte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, in einer Presseerklärung vor einem Kahlschlag. „Die von Bundesminister Ramsauer angekündigte Halbierung der Programmmittel in der Städtebauförderung ist ein Fehler“, so Kiesow. Die Kürzung „gefährdet den Erhalt unseres kulturellen Erbes“.[1][2]

Weiterführende Artikel zu einzelnen Städten oder Stadtteilen:

Ehemalige deutsche Gebiete

Auch viele Städte in den Ostgebieten des Deutschen Reiches wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierungen und/oder infolge von Belagerungen zerstört (Königsberg, Danzig, Breslau). Einige Stadtkerne blieben erhalten. Zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde z.B. 1997 die mittelalterliche Altstadt von Thorn (Toruń in Polen). Außerhalb des Deutschen Reiches, aber in damals deutschsprachigen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches entstanden Städte wie Krumau (Český Krumlov, Tschechien) oder Straßburg (Frankreich).

Weiterführende Artikel zu einzelnen Städten oder Stadtteilen:

Österreich

Salzburger Altstadt

Besonders erwähnenswert sind die Städte, deren Stadtkerne zum UNESCO-Welterbe zählen: Graz (Residenzstadtkern), Salzburg (Residenzstadtkern) und Wien (Innenstadt und Ringstraße).

Kleinere Städte mit historischen Stadtkernen haben sich zu den „Kleinen historischen Stätten” zusammengeschlossen. Derzeit gehören dieser Vereinigung die folgenden Städte an:

Baden, Bad Ischl, Bad Radkersburg, Enns, Feldkirch, Freistadt, Gmünd in Kärnten, Hall in Tirol, Imst, Judenburg, Kufstein, Lienz, Mödling, Radstadt, Rust, Schärding, Spittal, Steyr, Weiz, Wels, Zell am See

Weiterführende Artikel zu einzelnen Städten oder Stadtteilen:

Schweiz

Bern und die Aare

Besonders erwähnenswert sind die Städte, deren Stadtkerne zum UNESCO-Welterbe zählen wie Bern und Bellinzona.

Des Weiteren sind zu erwähnen die Schweizer Städte mit einem hervorragend erhaltenen historischen Stadtkern wie:

Biel/Bienne, Bulle, Solothurn, Freiburg, Greyerz, Romont, Murten, Chur, Genf, Luzern, Neuenburg, Schaffhausen, Stein am Rhein, Lausanne, Morges, Nyon, Saint-Prex, Vevey, Brig-Glis, Leuk, Sion, Visp, Bremgarten, Zofingen, Baden, Brugg, Aarau, Laufenburg, Basel, Zürich und Liestal.

Weiterführende Artikel zu einzelnen Städten oder Stadtteilen:

Andere

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Siehe auch

Literatur

  • Karl Kühn: Die schöne Altstadt. Ihr Schutz, ihr Umbau, ihre Verkehrsverbesserung. Eine Untersuchg zur praktischen Auswertung der Erkenntnis vom Wesen der alten Stadt. Ernst & Sohn, Berlin 1932 (Digitalisat).
  • Uwe Kieling, Gerd Priese (Hrsg.): Historische Stadtkerne. Städte unter Denkmalschutz. 1. Auflage. VEB Tourist Verlag, Berlin und Leipzig 1989, ISBN 3-350-00288-9.
  • Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland: Bestandserhebung der historischen Stadtkerne von 2006.
  • Arbeitsgemeinschaft historischer Fachwerkstädte e.V.: www.fachwerk-arge.de
  • Kunth: Das Erbe der Welt. Kunth-Verlag, München, 2003/4, ISBN 3-933405-96-3.

Einzelnachweise

  1. Presseerklärung des Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, zu geplanten Förderkürzungen im Städtebaulichen Denkmalschutz
  2. Interview des DeutschlandRadio mit Prof. Kiesow zu den geplanten Kürzungen mp3-Stream

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